Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 41 (9.10.1903)
- Article
- Tarnow [Nachricht] / Bienenstock
- Date
- 1903-10-09
- Page
- 14 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 „bie & weit1» Nr. 41 Tarnow. Im Verlage des Vereins „Bar-Kochba" in Tarnow erscheint in den nächsten Tagen das Lied „Auf mein Volk" von H. Loewe im Original und in polnischer Uebersetzung mit einer Notenbeilage. Ein Exemplar kostet (5 Heller. Bei Abnahme von wenigstens 100 Stück erteilen wir 30% Rabatt. Bestellungen nimmt schon jeizt iur. Salomon Goldberg, Tarn ow (Galizien), Breitestiegengasse 7 entgegen. Ein Teil des Reinertrags wird für den Nationalfonds bestimmt. Für den Ausschuss: Goldberg, Sekretär. Bienenstock, Obmann. * Der erste zionistische Frauenverein „Wien" hält Samstag, den 10. Oktober, um 7 Uhr abends im Kongressbureau IX., Türkenstrasse 9 eine öffentliche Vereinsversammlung ab. Tagesordnung: Referat der Präsidentin, Frau Dr. Sidonie K a h n : Der VI. Zionistenkongress. Frau Rosa Feigenbaum: Der Nationalfonds. Jüdische Frauen und Mädchen sind hiemit zum Besuch der Versammlung herzlich eingeladen. Personalnachrichten. Gg. Landes- und Gerichtsadvokat Dr. Mayer Ebner hat seine Advokaturskanzlei in Czernowitz, Russischegasse 18, eröffnet. Todesfälle. In O d e s s a ist der hebräische Schriftsteller J. Z. Warschawski im 80. Lebensjahre gestorben. — In Kiew ist der hebräische Zensor A. J. Zeitlin, ein gelehrter und angesehener Mann, gestorben, der im vorigen Jahre auf Veranlassung des Ministers des Innern für diesen ein Memorandum über den politischen Zionismus ausgearbeitet hat. Bücherwelt. Pädagogische Briefe von Professor Dr. M.Lazarus. Mit einem Vorwort herausgegeben von Dr. Alfred Leicht. 166 Seiten 8°. (Bresslau, Schlesische Verlags - Anstalt von S. Schottlaender.) Preis geheftet 1,50 Mk.; gebunden 2,50. Schon beim ersten Erscheinen des „Leben der Seele" hob die Kritik die in diese klassische Psychologie für Gebildete eingestreuten pädagogischen Bemerkungen hervor. Lazarus reiche Lehrtätigkeit sowohl wie sein schriftstellerisches Wirken ist von Anbeginn der Erziehung gewidmet, die er immer aus dem Gesichtspunkte der VoJkserziehung betrachtet. Der Erziehung des heranwachsenden Geschlechts gilt sein Sorgen ebenso wie der Belehrung und Aufklärung der Erwachsenen. So ist er, den Fortlage schon vor nahezu 50 Jahren wegen seiner lichtvollen Monographien, deren erste Bildung und Wissenschaft behandelt, mit Sokrates verglich und dessen „erzieherisches Gemüt" der Herbartianer Griepenkerl, sein Lehrer in Braunschweig, schon in dem jungen Gymnasiasten erkannte, ein Lehrer des Volkes geworden. Pädagogik las er an der Universität mit Vorliebe, ihrem Gebiete entnahm er gern die Themen zu seinen öffentlichen Vorträgen. Um so mehr muss es als eine Lücke in Lazarus1 Schriften betrachtet werden, dass von einem Vortrag in „Nord uud Süd" abgesehen, keine päpagogische Arbeit von ihm erschienen ist. In dieser Erkenntnis wählte Dr. Leicht, den die Vorarbeiten zu einer Lazarus-Biographie nach Meran führten, aus den dortigen litterarischen Schätzen die pädagogischen Briefe aus, um sie als Geburtstagsgabe zum 15. September zu bieten. Die Briefe sind für jeden Gebildeten geschrieben, nicht nur für den eigentlichen Lehrstand; denn Erziehungsfragen beschäftigen jedermann. Sie zeigen die Verbindung von edler Popularität und eindringender Tiefe des Denkens, die alle Schriften Lazarus' auszeichnet. Ueber die Aufgabe der Briefe, idealistische Stimmung zu wecken, spricht er sich im ersten derselben aus, der an den Herausgeber der „Wiener Allgemeinen Zeitung" gerichtet ist, in welcher sie zum grössten Teile früher erschienen sind. Fünf Briefe behandeln im wesentlichen die Staatserziehung und Schulverwaltuug. Sie sind an den verstorbenen Gesandten Freih. von Spitzemberg, nächst Sfceinthal dem besten Freund von Lazarus und an zwei Schulleiter gerichtet. Schon im „Leben der Seele" hat Lazarus nachdrücklich auf die Bildung des öffentlichen Geistes als eine Pflicht der Staatserziehung hingewiesen. Was der berühmte Völkerpsychologe über dieses Kapitel in seinen Briefen sagt, stellt sich dem Besten zur Seite, was er hinterlassen hat. Die folgenden drei Briefe über die Dauer der Schulzeit, das 8. Schuljahr und die obligatorische Fortbildungsschule wenden sich an ein Mitglied des Abgeordnetenhauses und enthalten für die Volksschule neue, fruchtbare Gedanken. Der letzte Brief an eine Dame behandelt das Wesen der Erziehung, insbesondere im Anschluss an die grundlegenden Leistungen Lessüigs. Gute Dienste wird das Register leisten, welches einen Ueber blick über den reichen Inhalt der Broschüre, über die Mannigfaltigkeit der darin erörterten und berührten pädagogischen Fragen gibt. Soeben erschien der neue Jahrgang 5664 (1903/4) des von der „Oesterreichisch - Israelitischen Union" herausgegebenen „Kalenders für Israeliten". Auch dieser Jahrgang weist wesentliche Verbesserungen und Ergänzungen auf. Dem kalendarischen Teile wurde die grösste Sorgfalt gewidmet. Der schematische Teil erweist sich durch die Vollständigkeit und Aktualität der Daten betreffend die österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden, ihre Vorstehungen, Funktionäre und rituellen Institutionen als ein unentbehrliches Hilfts- und Nachschlagebuch, dessen gründliche Bearbeitung die vollste Anerkennung verdient. Auch dem jüdischen Vereinswesen wurde die grösste Sorgfalt gewidmet. Neu erscheinen die politischen Israeliten-Gemeinden Mährens mit ihren Funktionären und alle zionistischen Vereinigungen Oesterreichs. Der literarische Teil bringt höchst interessante Reiseerinnerungen des jüngst nach Wien berufenen Rabbiners Herrn Dr. D. Feuchtwang unter dem Titel „Holländisches Judentum" und eine spannende Erzählung „Josua Dorn", aus der alten Ghettozeit vom Direktor des Wiener Blindeninstituts Herrn S.Heller. Die handliche Form und die elegante Ausstattung des Kalenders werden auch diesmal gewiss vollen Anwert finden. Der billige Preis (K 1.60) ermöglicht auch dem Minderbemittelten die Anschaffung. Der Kalender ist durch das Bureau der „Oesterreichisch - Israelitischen Union", Wien, L, Dorotheergasse 12, sowie durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Frankfurter Israelitischer Volks^alender, für das Jahr 5664: TD'nrv Verlag von J. Kaufmann, Frankfurt a. M. Der Wert dieses Kalenders liegt hauptsächlich in seinem jüdischen Hotel- und Restaurations-Adressbuch. Fast alle Städte Deutschlands mit ihren jüdischen Hotels und jüdischrituellen Restaurationen sind hier angegeben. Dem jüdischen Reisenden und Geschäftsmann dürfte der Kalender daher Dienste erweisen. Gt. Feuilletonisraei. Einst trug mein Traum mich fort in Weltenfernen, Und tausend ungekannte Sonnen sah ich glüh'n, Und tausend Menschenerden zwischen Sternen- Milliarden ihre steten Bahnen zieh'n. Es rollten, von geheimer Kraft gezogen, Gliihhelle Flammenkugeln zu den weiten Höh'n, Hinab im Drang des Urgetriebes flogen Die Steine, um im Weltgrab zu vergeh'n. Doch mitten in dem Reich des Sturmesbrausens Schwamm, wie ein Vogel in dem Lüftenmeer, Vom Allgewirre unberührt des Sausens, Seltsam geformt jetzt eine Blume her. Geschützt von unsichtbaren Schicksalshänden, Wie eine Paradiesesfrucht vom Lebensbaum, ' So kam sie von den ewig-letzten Enden Und zog mit grossem Rauschen durch den Raum . . . ■H- Und tausend Völker kommen und erstehen Und sinken krachend in das Nichts hinab, Und auf den Sonnenflug zu fernen Höhen Folgt stets der Sturz ins grosse Weltengrab. Doch, ob der Menschheit Jammer oder Lust erdröhnet, Mein Volk zieht seines Weges nimmer bang, Ein Daseinswunder.----- Und kein Getös' der Welten übertönet Von seinem Lebens-Psalm den Sphärenklang. Alexander Mercy.