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Die Welt · 1903-10-09 · 41 (9.10.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
41 (9.10.1903)
Article
Hazefirah [Kommentar]
Date
1903-10-09
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 41 Jfbie # w^it11 Seite 9 mittein zu greifen, radikale Hilfe zu schaffen. Unsere Forderung würde gelautet haben : „Gebt uns einen Ort wo wir daheim wären, Herren und keine Sklaven!" Diese Lehre, fast wörtlich, gaben wir Zionisten unserem Volke auf dem ersten Baseler Kongress. Wir haben es dem Volk oft genug eingeschärft : Entweder ein judisches Heim oder nichts; entweder Freiheit oder Exil. Halbe Massregeln und endlose Umwege führen uns nicht zum Ziel. Nun stiess aber diese Forderung mit einem historischen Postulat und der Sehnsucht unseres Volkes nach seinem alten Heimatlande zusammen. Wir wollten auf einmal alle Wrunden des jüdischen Herzens heilen: Das Volk in seinem Bestände gefestigt und zugleich unser Land aufgerichtet sehen. So entstand das Bestreben : E i n j ü d isches Heim in Zion zu schaffen. Wir wollten. Aber die Wirklichkeit stellt auch ihre Forderungen auf. Nicht wir jagen willkürlich der endgiltigen .Erlösung nach, sondern uns drängt die Not. Die fürchterlichen Lebensbedingungen einerseits und die Unmöglichkeit, das Volk in diesem Zustande verharren zu lassen und es auf historischen Beruf zu verweisen — drängten uns dazu, einen Ausweg zu suchen. Dieser Ausweg ist gefunden, musste gefunden werden. Wir müssen für unser Volk ein jüdisches Milieu schaffen, wo immer wir nur können. Das heisst: Wir dürfen unsere historischen Anforderungen nicht mit denen der Gegenwart vermengen. Unsere historischen Forderungen werden dadurch nicht verjährt; wir erreichen sie, wenn die Zdt dazu kommt. Würden wir heute in unserem Lande ohne Rechte wohnen, so würden wir sicherlich keinen Augenblick darauf verzichten, an unserer Befreiung zu arbeiten, und kosteten die Vorbereitungen selbst hunderte Jahre; niemals könnte es uns einfallen, unser Heim zu verlassen und ein anderes politisches Heim zu gründen. Nun sind wir aber im Golus. Wir haben weder unser Land noch die Freiheit. Deshalb müssen wir wenigstens einem nationalen Mangel abhelfender uns so empfindlich trifft, und den das Leben so dringend fordert. Sind wir einmal in einem Zentrum gesammelt, so werden wir desto eifriger dem ersehnten Ziele der historischen Heimat zustreben können. Oder glaubt man etwa, mit blossen Gefühlen von Begeisterung und Sentimentalität, die uns rieten, die glücklich dargebotene Gelegenheit nicht auszunützen, unserem Volke und unserem Lande Nutzen zu bringen? Im Wendepunkt des Jahres 5663 gelangen wir zu dem bedeutsamsten Ereignisse unserer Geschichte: Die englische Regierung eibot sich den Juden einen ihrer Landstriche unter Zusicherung autonomer Verwaltung zu überlassen, und der Kongress setzte eine Kommission behufs Prüfung dieses Anerbietens ein. Wir hätten uns an unserem Volke versündigt, wenn wir, als Zionisten, die auf das Wohl des Volkes bedacht sind und für dasselbe arbeiten, dieses Anerbiete 1 abgelehnt hätten. Kurzsichtig sind diejenigen, die das Golus von Autonomie nicht unterscheiden. Autonomie ist Freiheit. Und wer weiss es noch ebenso wie wir, die der Freiheit entbehren, wie not sie uns tut? Unser Ideal ist dadurch nicht geringer worden. Es gibt kein grösseres und höheres Ideal, als das Streben eines Volkes nach gesicherter Heimstätte und nach der Möglichkeit, frei zu leben. Wessen Herz noch für sein Volk schlägt und wessen Seele an den nationalen Hoffnungen teilnimmt, der muss sagen; Heil dem Ausgang des Jahres 5663, das uns unserem Ziele nähergebracht, unserem Bestreben einen weiteren Ausblick verschaffe hat, das uns nicht mehr auf (Jen engeji Kreis beschränkt, in welcjhem jede Tätigkeit un- Wgl^% j£k WnWtfi^k&gJ**1 ^?^zen/^Lw^^n ***** von ,de,npu. n,eueji,.und den ihm folgenden JanVeh grosse'^ fruchtbare Arbeit. Wenn nicht Uganda, so sei es ein anderer Ort' Nur, dass wir aus dem gefährlichen Milieu befreit wei den, nur, dass ein sicheres jüdisches Heim geschaffen werde!* * italienische Zeitungen. Mit einer ausgesprochenen Sympathie und einer den Italienern eigenen poetischen Nacht-mpfindung berichten die meisten italienischen Blätter über den Kongress, Den ersten Platz nimmt der Mailänder Corriere della Sera ein* In einer Reihe von prachtvollen Artikeln schildert der Korrespondent seine Eindrücke vom Kongresse und bringt auch zwei Interviews mit Dr. Herzl und Max Nordau. In einem dieser Artikel, in der die ostafrikanische Frage besprochen wird, finden sich folgende Worte: „Jedenfalls ist es eine eigentümliche Erscheinung. Bei der Abstimmung haben die meisten westlichen Juden, d. b. diejenigen, die ohne weiteres unter den gegebenen politischen und ökonomischen Bedingungen auf das künftige Zion warten könnten, für den Vorschlag Ostafrika gestimmt, während die meisten östlichen Juden, d. h. diejenigen, welche den heissesten Wunsch hegen müssen, aus ihrer furchtbaren Lebenslage irgendwohin hinauszukommen, gegen das Projekt gestimmt haben und am Prinzip» festhalten, dass die einzige Lösung rur die Rückkehl in das Land der Väter sei . . . Sogar der Repräsentant der Juden Kischinews hat gegen den englischen Antrag gestimmt. Zweifellos sind diese Juden die weniger verständigen aber auch die rührendsten. Sie wollen nicht Sicherheit, Ruhe, politische Autonomie, Wohlhabenheit; sie wollen das Vaterland. Was kann man gegen diese prächtige Hartnäckigkeit sagen? Während ich den feierlichen Zug der Basler Bürger sah, die stolz in ihrem Bewußtsein, die für das Vaterland Gefallenen zu ehren, vorbeidffilierten, dachte ich an den edlen Wahn der armen Juden von Russland, Rumänien, Galizien, die weder Brot noch Schutz wollen, sondern ein Vaterland, „ein göttlich schöner und nutzloser Traum"! In einem andern Artikel benützt der Korrespondent eine Unterredung mit Nordau. der die zionistische Bewegung mit dem italienischen Risorgimento verglich und mit poetischem Schwung die Worte sagte: „Wir waren ein grosses Volk, wir werden es noch sein . . . Rom hat uns zermalmt, wir haben Rom überlebt . . .tf Der sozialistische „Tempo* von Mailand und nach ihm das offiziöse Blatt „Capitan Fracassa" (Rom) bringt einen ausführlichen und sehr sympathisch gehaltenen Bericht üb?r den Kongress. Er sagt unter anderem folgendes: Herzl hatte den Mut, dem Kongresse die Schwierigkeiten einer Massenimraigration der Juden nachPalästina klarzumachen und die Notwendigkeit der Annahme des englischen Anerbietens zu erklären. Wie wir sehen, sind wir von der phantastischen Region eines neuen Reiches Israels zu etwas weniger Grandiosem, aber mehr Praktischem gelangt: Zu einer einfachen jüdischen Kolonie mit Selbstverwaltung unter britischem Protektorat. „In de ira" . . . Zwar hat der Kongress diese seine Lossagung vom ursprünglichen Ziele, von dem die zionistische Bewegung Leben und Namen erhalten, hat mit der Erklärung, dsss das Endziel doch Palästina bleiben wird, mildern wollen. Aber das Vorausgehende wirft schon einen Schatten des Zweifels auf das Ideal. Die sympathischesten sind die Russen, die der verkörperte Glaube sind. In ihren (der Russen) Augen las ich die unsägliche Trauer und Entmutigung wegen des Sturzes des stolzen Baues, den ihr metaphysischer Optimismus errichtet hat, und der bei der ersten Berührung mit der rauhen Wirklichkeit zusammengestürzt ist." Der sozialistische „Avanti" (Rom) sucht eine Synthese zwischen dem Zionismus und dem Sozialismus und wendet die Aufmerksamkeit am meisten auf diese Seite der Bewegung; betont zugleich, dass die sozialistischen Elemente im Zionismus nicht gedeihen können. Nur die ministerielle „Tribuna" (Rom), die grösstenteils von Juden redigiert wird, bleibt dem Zionismus feindlich. Ihr Artikel über den Kongress ist „Israel, Israel4* betitelt. Der Verfasser, der allem Anscheine nach ein Jude ist. trotzdem er es leugnet, wiederholt das alte Lied vom Juden, der aufgehen, sich assimilieren will: „Der Zionismus schadet dem Patriotismus", gipfelt seine ganze Weisheit, und um es zu beweisen, zitiert der Arme sogar eine Stelle aus der Hagada, die selbstverständlich das Gegenteil beweist. Wie wenig hat er von den grossen ^VäiMern M az zini iöfcd? <5r ar iTb al'di gelernt4riEihe ge- 4 bührende Abfertigung erhielt der unter dem.Pseudonym

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