Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 41 (9.10.1903)
- Article
- Der erste jüdische Kongress in Palästina
- Date
- 1903-10-09
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 #lbiS & W^lt" Nr. 41 und ökonomischen Lebens, die dem Aktionskomitee zur Ausführung überlassen wurden. Sehr lang und leidenschaftlich wurde über die Frage der Erziehung debattiert, ohne dass man sich auf ein einheitliches Programm einigen konnte, da oie verschiedenen Richtungen sehr weit auseinandergingen. Man ist nur über den einen allgemeinen Punkt einig geworden, dass in allen Schulen Palästinas die Erziehung im jüdischen Geiste sein und das Hebräische als lebendige Sprache gelehrt und behandelt werden soll. Gewählt wurden; Pines, Ziterinski, Michlin (Jerusalem), Stamper, Rokach, Papirmeister (Jaffa), Dr. Weitz, Aronsohn, Neumann (Gaifa), Direktor Arnias, Kalwarijski, Ghankin (Tiberias), Schoub, Lewin, Abo (Safed). Die 5 Mitglieder des Zentralkomitees sind: Di\ Joffe, Präs., J. J e 1 i n, Sekretär., Suchowolski, Kassier, Eisenberg und Leibowitz als Vizepräsidenten. Herr Ussis chkin schloss die Versammlung mit ungefähr folgenden Worten: Liebe Brüder! Wir scheiden nun von einander, gewiss nicht ohne schmerzliche Gefühle. Mich aber schmerzt es tiefer. Ihr bleibt ja hier in unserem heiligen Lande, während ich von Euch, meinen Brüdern, uuei von unserem heiligen Lande Abschied nehmen muss. Aber dieser Kongress und mein Aufenthalt unter Euch wird mir unvergesslich bleiben. Und ich schwöre Euch in meinem und im Namen meiner Freunde: „Wenn wir dein vergessen, Jerusalem, verdorre unsere Rechte!" Die Versammlang schloss unter unbeschreiblicher Begeisterung und Absingung von |T1^ ^y. Eine nach Hunderten zählende Menge begleitete U s s i s c hkin unter Absingung nationaler hebräischer Lieder und unter stürmischen Hochrufen bis an sein Haus. Z i o n i. Zion und Ostafrika. Die Bemühungen der ostafrikanischen Behörden zur Kolonisiorung Ostafrikas. Den amtlichen Mitteilungen über das ostafrikanische Schutzgebiet liegt folgende Kundmachung bei: Das offizielle Organ des Schutzgebietes gibt hiemit kund, dass bis auf weiteres freie Landstücke vergeben werden. Diese Landstücke sind ausserhalb der Eisenbahnzone (d. h, je eine Meile zu beiden Seiten der Eisenbahnlinie), und zwar in denjenigen Teilen der Provinzen Seyidie, Ukamba, Neivasha und Kisumu, die zwischen der 19. und 274. Meile (Mazeras und Machakos Road) und der 473. und 534. Meile (Elburgon und Fort Ternan) gelegen sind. Die Eisenbahnlinie zieht sich von Mombasa längs des Indischen Ozeans bis zum Viktoriasee, einer der Quellen des Nils, und die Meilen Ziffern bedeuten die Entfernung von der Küste. Die Landstücke, die für Ackerbau und sonstige Bearbeitung vergeben werden, übersteigen nicht 640 Acres, aber Sr. Majestät Commissioner (Regierungskommis^är) ist bereit, noch grössere Landflächen innerhalb der obenerwähnten Grenzen für Weideexperimente um eine nominelle Rente für die ersten zehn Jahre zu überlassen. Wenn es dem Inhaber des freigewährten Landes nach drei Jahren nicht gelingt, zur vollen Zufriedenheit des Landesbeamten das Land zu bebauen oder sot st nutzbar zu machen, so fällt es an die Regierung zurück. Die Bewerber haben Aufsichtstaxen zu entrichten. Wenn auch die Regierung keine Verantwortung übernehmen will, wenn sie einige Teile des Lances besonders empfiehlt, so möchte sie doch die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die Naehbargt biete der Distrikte lenken, wo Land frei vergeben wird : die Teitahügel, Ndi, Mtito Andei, Makindu, Simba, Sultan Hamud und das Mau Escarpment. Die Distrikte, in denen die Ländereien angeboten werden, sind längs der Ugandabahn, eine Meile und etwas mehr von der Bahnlinie entfernt, gelegen. Die Höhe schwankt zwischen 550 und 9000 Fuss mit den entsprechenden Temperaturänderungen. In den niediigeren Höhen ist das Klima tropisch, aber nicht allzu heiss; in der Höhe von 5000 Fuss können Weisse ebenso gut wie in Europa leben. Europäische Pflanzen vorzüglicher Qualität wachsen in Fülle und es gibt Strecken, die für Vieh — namentlich. für Schafzucht — ausserordentlich geeignet sind. In den Gegenden des Schutzgebietes, die in der Kundmachung nicht verzeichnet sind, wird kein Land vergeben, aber man kann ausserhalb der Eisenbahnzone Boden kaufen, und zwar zu zwei (2) Rupien (2 Sh. 8 d. 3 K 20 h) ein Acre und es werden Massregeln getroffen, um Leuten mit mässigen Geldmitteln den Erwerb von Ackerboden bis zum Ausmasse von 640 Acres mit einer Zahlungsfrist von 16 (sechzehn) Jahren zu ermöglichen. Der Bodenpreis beträgt für 100 (hundert) Acres gewöhnlich 15 (fünfzehn) Rupien (1 Pfund St.); der Boden, der nur für Weide oder für Zebra und Strauss tauglich ist, kommt viel billiger zu stehen. Die Haupfcprodukte des Ostafnka-Schutzgebietes sind: Federharz (Gummi elasticum), Copra, Pflanzenfaser, RiziLUsöl, Sim-Sim, Kopalharz, Bauholz, Mais, Die Kultivieiung von Kaffee, Baumwolle, Tabak und europäischen Pflanzen wurde mit Erfolg begonnen, auch besteht bereits eine wachsende Ausfuhr von Kartoffeln nach Durban. Die wichtigsten Dampferlinien nach Ostafrika sind : die British-Indialinie (Messrs. Gray, Dawes and Co. 23 Great Winchester Street, London E. C.) mit zweimonatlichem Dienst, und zwar geht ein Schiff direkt, das andere nach Aden, wo umgestiegen werden muss, die Messageries Francaises mit monatlichem Veikehr von Marseille aus, die Deutsch-Ostafrikalinie mit zweimonatlichem Verkehr von Neapel oder Marseille aus, der Oesterr. Lloyd gelegentlich von Triest aus. Die British-Indialinie und die deutschen Linien haben einen monatlichen Verkehr zwischen Mombasa und Bombay, Zwischen Mombasa und den südafrikanischen Häfen hat die British-Indialinie einen monatlichen und die Deutsch-Ostafrikalinien einen zweimonatlichen Verkehr. Messrs. Gray, Dawes sind bereit, wirklichen Ansiedlern Erleichterungen anzubieten, um Lebensmittel zu exportieren. Weitere Informationen sind in den „Allgemeinen Informationen des Ostafrika-Schutzgebietes" nachzusehen, die von dem „Emigrants Info*rnations Office" 3L Broadway, Westminster, SW., um den Preis von 6 d, erhältlich sind. Gezeichnet: C. Eliot, Sr. Majestät Commissioner. Der „Jewish Chronicle" lässt sich in seiner Nummer 40 von einem Korrespondenten folgendes über das Ost-Afrikaprojekt berichten : ,Kaum gab es je ein solch merkwürdiges Angebot wie das der englischen Regierung an die Zionisten. Es bedeutet eine Wendung in der zionistischen Bewegung, aber es heisst noch viel mehr als dies. Juden wurden auch früher eingeladen, sich in diesem oder jenem Lande anzusiedeln, aber noch niemals wurde ihnen eine autonome Kolonie angeboten. Dazu kommt, dass die Offerte von der humansten und freiheitlichsten Regierung der Neuzeit ausgeht, und dass das i » Frage kommende Land zu den schönsten Teilen der Erde gehört. Ostafrika ist nicht Zion, aber die Offerte räumt soviel von dem ein, was der Zionismus anstrebt, dass eine Ablehnung derselben beweisen würde, dass die Zionisten nur eine Sekte von Schwärmern und Träumern sind. Es ist an sich keine Lösung der Judenfrage, aber es würde neben anderen Kolonisations- und Emanzipationsplänen viel dazu beitragen. |Die dageglen^'ei^dljiaiaii"' Einwände sind kaum stichhältig und können vollständig widerlegt werden.