Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 39 (25.9.1903)
- Article
- Ein Interview mit Sir H. H. Johnston über Ostafrika
- Date
- 1903-09-25
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 „bie & w^it Nr. 39 Recht auf Ostafrika besitzen, welches seit jeher ein Absatzplatz ihrer Energie und Kolonisation war. Vor allem muss die Kolonie den britischen Untertanen gehören und wenn diese von ihr Besitz ergreifen, dann bleibt nichts für ausländische Juden." „Wie gross ist das für europäische Kolonisation geeignete Land?" „Höchstens 23*000 [JMl Sie zerfallen in drei Teile. Ungefähr 6000 □ ML liegen in der Nähe der Ugandabahn, in Kikuyu und in den Rift-Valley. Andere 12.000 sind im Nandi-Plateau, und dann liegen noch 5000 hauptsächlich in Ankole und anderen Gebieten gegen Westen des Sees Viktoria Nyanza, welche aber zu entfernt sind, um in Betracht gezogen zu werden. Was die gegenwärtige Kolonisation anbelangt, so sind nur ungefähr 18.000 nMl. für europäische Kolonisation geeignet. Für Kolonisten höherer Gattung ist, wenigstens bis das Land erschlossen wird (wo eine neue Schwierigkeit durch die Abholzung der Wälder entstehen wird) für je 4 Mann eine Quadratmeile nötig. Aber bereits jetzt ist ein grosser Zuüuss jüdischer Einwanderer in das Land." „In der Tatu, rief Sir Harry Johnston aus, „ich kann kaum etwas Unpraktischeres denken, als diesen Ostafrikaplan." „Sie meinen nicht, dass das Land sich für jüdische Kolonisten eignet." „Es ist nicht weniger tauglich für Juden als für Engländer. Die Schönheit, Gesundheit und Fruchtbarkeit des Landes ist ungemein gross. Aber gerade deshalb. Warum sollen wir es russischen und rumänischen Juden weggeben? Warum sollen wir die Schuld von Russland und Rumänien büssen? Es wäre ungerecht, nach den zahlreichen Opfern an Blut und Geld die wir gebracht haben." „Wie gross muss das zur Kolonisation nötige Kapital sein?" „Eine enorme Summe/ „Sir Charles Eliot, der High-Kommissioner, warnt die Immigranten bei dem gegenwärtigen Stande des Arbeitsniarktes mit einer geringeren Summe als 300 Pfund Sterling zu kommen. Ist das übertrieben?" „Nein. Die Ansiedelung eines Kolonisten mit irgendwelcher Aussicht auf Erfolg muss 300 Pfund Sterling kosten." „Wie steht es mit den Stämmen der Eingebornen?u „Sie würden eine sehr ernste Gefahr bilden. Die ersten Kolonisten würden zerstreut leben und deshalb den Eingebornen nicht schwer fallen. Es könnte aber eine Gefahr erwachsen, wenn eine jüdische Kolonie en bloc gegründet wäre; überhaupt würden Schwarze, Gelbe und Weisse der Gründung einer halbunabhängigen Gemeinschaft Feindseligkeit entgegenbringen; dies wäre aber nicht der Fall, wenn Juden in geringer Anzahl kämen und unter den gewöhnlichen Bedingungen leben würden,* Es muss bemerkt werden, dass Sir Johnston damals noch nichts von dem Telegramm des Lord D el a m e r e an die „Times" gewusst hatte. Zum Schluss urteilte er über den Plan noch einmal mit dem Worte: „Wahnwitz". „Ein hoher Beamter des Foreign Office meinte, die Zionisten könnten Uganda zu ihrem Ziele benützen, wenn sie dieses Gebiet Britisch Ostafrika vorziehen sollten," Dieser Meinung widersetzte sich Sir Johnston aufs heftigste. „Ganz unmöglich", rief er aus. „Das Land ist grösstenteils denEingebornen verschrieben; das ganzeGebiet ist wegen des Fiebers für Europäer unbewohnbar/ Sir Johns ton nimmt jedoch nicht die Non p o s s u mus-stellung in der Judenfrage ein. Er hob zu wiederholten Malen hervor, dass er innigstes Interesse dafür habe. „Aber nicht Ostafrika sei das Heil, sondern Zion." „Ich sehne mich, die Juden in ihrem eigenen Lande zu sehen" — rief er enthusiastisch aus -— „sie in einem natürlichen Brennpunkt zu sehen, von welchem aus sie Strahlen aussenden könnten. Es war einer meiner Pläne, einen Staat in Palästina zu sehen, wo die Juden zu Ehren kommen würden. Der ostafrikanische Plan ist nicht die Lösung der Judenfrage. Aber der Zionismus ist der praktischeste unter allen Plänen. Palästina wird der Apfel des Streites werden, wenn die Türkei zusammenbrechen wird. Gebt es den Juden, und das dornenvolle Problem ist beseitigt. Er schilderte dann die politische Bedeutung, die die Juden in Palästina erlangen könnten. „Die Juden sind notwendig in Syrien und Palästina, sie werden sozusagen, die Wächter der Wächter sein (im Falle der Teilung der Türkei). „Zwischen der südlichen Grenze Aegyptens, dem River Leontes im Norden und dem Dschebel Huran im Westen", sagt er ferner, „ist für 10 Millionen Juden Raum vorhanden." „Das einzige, was von allen Standpunkten zu erstreben ist, kann nur sein, Palästina zu einem jüdischen Staate zu machen." „Es ist, wie ich schon sagte, der praktischeste unter allen Plänen und würde einen überwältigenden Gefühlsausbruch hervorrufen. Wir sollten unser Aeusserstes tun, den Juden dazu zu verhelfen.11 .* Sir Johnstons Brief an die „Times". 1. September. Mein Herr! Erst diesen Morgen erfuhr ich vom zionistischen Plane der jüdischen Besiedelung Ostafrikas und las den Artikel von Mr. Lucien Wolf und Ihren Leitartikel. Erlauben Sie mir, als einem, der um das Wohl von Britisch-Ostafrika und Uganda besorgt ist, einige Bemerkungen darüber zumachen. Beide Protektorate, von Ostafrikaund Ugandazusammengenommen, können nach meiner Schätzung höchstens 23.000 Quadratmeilen für Kolonisten europäischer Herkunft enthalten,dasheisstsolche Kolonisten, die für die Erhaltung ihrer Gesundheit ein gesundes und kühles Klima benötigen. Ein solches Gebiet muss, wenn es sich um Kolonisten handelt, zum Unterschied von zerstreuten Pflanzern, Händlern und Industriellen, frei sein von Eingeborenen, die ein Vorrecht darauf hätten. Von den 23.000 Quadratmeilen sind ungefähr 5000 zu weit gelegen, nämlich in den entfernten westlichen Teilen des Ugandaprotektorates, und können für die zionistischen Zwecke nicht in Betracht kommen. Somit bleibt ein Gebiet von 18.000 Quadratmeilen, das im Ostafrikaprotektorat gelegen ist. Dieses Gebiet ist unsere einzige Entschädigung für das Geld und die zahlreichen Menschenleben, die das Vereinigte Königreich für die Erschliessung und Beschützung Ostafrikas und die Erbauung der Ugandabahn bezahlt hat. (Ich rede nicht von den Landstrichen, die von den Kegern unbewohnt und für die Europäer gesundheitsschädlich sind, sondern von den Gebieten, die sich für die Eingeborenen des tropischen Britisch-Indiens eignen.) Es scheint deshalb schon ungerecht, einen beträchtlichen Teil dieses kleinen, aber schätzbaren Gebietes den russischen und rumänischen Juden zu schenken und alle übrigen britischen Untertanen aller Konfessionen von der Bebauung des Landes auszuschliessen. In der Tat steht nach dem gegenwärtigen Gesetze einem befähigten deutschen, französischen, rumänischen oder russischen Untertan, ob Jude oder Christ, wenn er Geld hat, nichts im Wege, sich in Britisch-Ostafrika Boden zu erwerben, und anständige Juden von allen Ländern Europas könnten