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Die Welt · 1903-09-18 · 38 (18.9.1903) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
38 (18.9.1903)
Article
Zionist, Prag
Date
1903-09-18
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 38 „bis # W^lt Seite 15 keine Zeit oder Lust hat, noch sonstige Informationen über das Judentum einzuholen. Hie und da im Verlaufe von fünf Jahren schaut er einmal ein bisschen in einen die neujüdischen Strömungen behandelnden Artikel hinein, der ihm zufällig in die Hände geraten ist, oder er wird in einer Versammlung Zeuge eines geräuschvollen Zusammenstosses zwischen „Genossen" und anderen, die er für Repräsentanten des Neujudentums hält, und auf Grund dieses Quellenstudiums bildet sich in seinem Kopf eine Sachkenntnis, die an Verschwommenheit nichts zu wünschen übrig lässt. Da bringt eines Tages der Briefträger in die Redaktion eine Manuskriptsendung, die den Poststempel „Lemberg" trägt. Es entwickelt sich nun im ßureauzimmer folgender Dialog: — „Du, der Genosse Max Zetter bäum schickt uns aus Lemberg einen Artikel über'n Zionistenkongress!u „Is er lang V — ,.No, so zwei Spalten." — „Hast du's durchgelesen?" — „Nein! Ich wer' mir dann den Bürstenabzug anschau'n. Der Genosse Zetter bäum ist ja verlässlich/' „Versteht er was von dem Gegenstand?" — „No, wenn er aus Lemberg ist, wird er doch informiert sein!u „Gib nur Acht, dass keine direkten Ehrenbeleidigungen drinn' sind, damit wir nicht vielleicht einen Schwurgerichtsprozess bekommen! — Ueberhaupt hab' ich's nicht gern, wenn solche jidische Sachen im Blatt sind! Unsere Leser ..." — „Bah! Die seh'n dann höchstens, dass wir gegen Juden, gegen irgend welche Juden Stellung nehmen. Bissel Antijüdisches kann uns nicht schaden!" — (Das Briefkuvert musternd.) „Strafporto! Natürlich hat der Genosse Zetterbaum den Brief nicht genügend frankiert!* „Na ja! Er nimmt seine Artikel immer zu leicht!" Zeitungsleser, Schottenring: Der niederösterreiehische Landtag ist jetzt wieder losgekettet und in der Eröffungssitzung wurde bereits an den Statthalter die geharnischte Anfrage gerichtet, „ob die in der Bevölkerung verbreitete Ansicht, dass die Juden in der Statthalterei besondere Vorzüge geniessen, tatsächlich wahr seiu. Und Sie sind jetzt in grosser Sorge, ob es dem Statthalter gelingen wird, diese wuchtige Anklage zu entkräften. Lassen sie sich keine grauen Haare wachsen, der Statthalter wird hoffentlich die gebührende Antwort finden! Er wird einfach auf seinen jüngsten Erlass an die Leitungen der Wiener k. k. öffentlichen Krankenanstalten hinweisen, der die Spitals lirektionen beauftragt, bei der Aufnahme ausländischer, insbesondere russischer, rumänischer und türkischer Juden mit der grossten Vorsicht vorzugehen. Das wird vielleicht einigermassen genügen, um den Statthalter von dem Verdachte des geheimen Philosemitismus zu reinigen. Zweifler, Wien, Es befremdet Sie sehr, dass die antisemitische Fresse den Plan einer Judenauswanderung nach Britisch-Ostafrika durchaus nicht mit Freuden begrüsst. Und Sie gewinnen sogar den Eindruck, dass den Leuten, die bisher unsere dicksten Feinde waren, ein Auszug der Kinder Israels aus dem Abendlande keineswegs erwünscht sei. Dieses bemerkenswerte Phänomen erweckt in Ihnen Zweifel, ob denn unser alter Leitsatz, „Die Völker wollen die Juden los werden!", tatsächlich auf ganz soliden Füssen stehe. Zu Ihrer Beruhigung darf man Ihnen wohl mitteilen, dass die Judenfeinde ihren Hass bisher sicherlich nicht bloss simuliert haben. Wenn sie jetzt betrübt sind, so gilt dies nicht einer Judenauswanderung an sich, sondern einer Auswanderung in ein schönes Land. Ja, wenn der Plan bestünde, die Juden in irgend eine schauerliche Wüstenei zu deportieren! Da würde wohl die Anhänglichkeit an die Juden, die Sie jetzt zu bemerken glauben, einen tüchtigen Stoss erleiden: der Herr Kohn und der Herr Schneider sind Nachbarleute und der Herr Schneider, der den Herrn Kohn nicht ausstehen kann, erklärt täglich: „Wenn nur dieser Herr Kohn in eine andere Gasse ziehen wollte!" Da macht auf einmal der Herr Kohn einen HappttrefTer und will sich in einer schönen, gartenumrahmten Villa häuslich einrichten. Glauben Sie, dass dies dem Herrn Schneider angenehm ist? Er sähe es lieber, wenn der Herr Kohn im alten Stübchen bliebe. Misshandeller Jude, Zabloiow. Sie scheinen sehr anspruchsvoll zu sein! Der Statthalter Graf P o t o c k i hat doch nach den Exzessen einer Deputation erklärt, „er werde an Ort und Stelle erscheinen, sowie nur seine amtlichen Obliegenheiten ihm das Verlassen der Landeshauptstadt ermöglichen werden". Sie schreiben uns, dass dieser in Aussicht gestellte Besuch des Statthalters Ihnen nur teilweise Balsam in die Verletzungen, die Ihnen der Pöbel zugefügt hat, träufeln wird. Auch haben Sie nicht die Garantie, ob nach den nächsten Exzessen, deren Schauplatz möglicherweise Zablotow sein wird, der Herr Statthalter ebenfalls bereit sein werde, Ihnen die Tröstungen eines allfälligen Besuches zu gewähren. — Wir können Ihnen nur raten, Ihre hochfliegenden Anforderungen ein wenig herabzustimmen. Sie sind ein schlichter galizischer Jude und dürfen nicht verlangen, dass ein Statthalter etliche Male im Jahre, nach jedem Judenexzess, Ihnen verspricht, dass er gelegentlich einmal Ihnen eine Visite abstatten wird. Student, Berggasse. Es besteht, wie Sie uns mitteilen, die erfreuliche Hoffnung, dass die ostdeutschen Deutschnationalen über kurz oder lang in israelitischer Haartracht und in sonstigem orientalischen Nationalkostiim als jüdisches Regiment dahin marschieren. Voran eine Musikkapelle, die hebräische Melodien in die Luft schmettert. Denn soeben ist die Entdeckung gemacht worden, dass Preussen, unter dessen Regime sich ja die Deutschnationalen begeben wollen, ein Makkabäer-Reich ist. Die „Ostdeutsche Rundschau" berichtet nämlich: „Einstellung jüdischer Rekruten. Da das jüdische Versöhnungsfest auf den 1. Oktober fällt, hat das makkabäische — pardon, königlichpreussische Generalkommando bestimmt, dass die Einstellung der jüdischen Einjährig-Freiwilligen erst am 2. Oktober zu erfolgen hat." R. Briefkasten. Ja- und Neinsager aus Riga in Rom: Herzl. Gruss. H. Lübecker Zionisten. Herzlichsten Dank und Gruss. B. M. Eidelsohn in W. Diese Fragen alle werden von der Kommission erledigt werden und wir können unmöglich deren Urteil vorgreifen. B. Streif er, Stryj. Recht nett aber noch nicht druckreif. S. Berkower, Tlumacz. Schon erledigt wie sie sehen. J. Beer. Chodorow. Dass jeder Zionist seine Neujahrs- Gratulation sschreiben mit einer N.-F.-Marke versieht, ist nach unserer Meinung selbstverständlich. Phil. J. Stein. Wollen Sie mich nach Ihrer Ankunft in unserer Sprechstunde gef. aufsuchen. Befreiung können sie vorderhand nicht haben. .. . y J. Schechter, Torskin. Ist meist geschehen. Gruss. A. Altmamn. Ihre liebe Zuschrift ist uns leider erst zugekommen, als die Redaktion schon in Basel war und wurde daher zu spät gelesen. Wir gratulieren Ihnen bestens. Die Nummern bekommen Sie. H. Gr. J. Bernstein, Bukarest. Wird bereits vom Direktorium der Bank erwogen. S* Grinker, Kapstadt. Wir bestätigen den Empfang ihres Berichtes, Sie werden einsehen, dass wir ihn bei unserer jetzigen politischen Lage nicht bringen können. Wir bitten Sie aber um fortgesetzte Nachrichten. Herzlichen Zionsgruss.

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