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Die Welt · 1903-09-18 · 38 (18.9.1903) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
38 (18.9.1903)
Article
Die Rede eines Offiziers [Kommentar]
Date
1903-09-18
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seite 10 „bi* & W^lt Nr, 38 Die Rede eines Offiziers. Die Wiener „Arbeiter-Zeitung" berichtet in ihrer Nummer vom 16. d. M. folgendes, wofür wir die Verantwortung der Redaktion dieser Zeitung überlassen müssen. Jedenfalls ist eine rasche amtliche Aufklärung dieser geradezu ungeheuerlichen Geschichte dringendst geboten. „Aus Przemysl wird uns geschrieben: Durch einen Befehl des X. Korpskommandos wurde sämtlichen kommandierenden Offizieren aller Waffengattungen zur Pflicht gemacht, die Soldaten darüber zu belehren, warum sie trotz der beendeten dreijährigen Dienstpflicht noch weiter in den Kasernen bleiben müssen. Ob bei dieser Gelegenheit den Offizieren auch die entsprechenden Weisungen gegeben wurden, wie und mit welchen Argumenten sie die Propaganda hei den Soldaten zu machen haben, wissen wir nicht;, wir kennen jedoch den genauen Wortlaut einer solchen Rede, einer wahren Brandrede, cfie der Oberleutnant Formanek von der 10. Kompagnie des 10. Infanterieregiments vom Stapel Hess. Der Herr Oberleutnant führte seine Soldaten während der Uebung in ein abseits liegendes Wäldchen und dort hielt er folgende Ansprache: „Soldaten des dritten Jahrganges, ihr sollt jetzt nach Hause gehen, und wenn ihr n i c h t gehen werdet, die Schuld daran tragen die Juden. Die österreichischen und insbesondere die galizischen Juden wandern nach Ungarn aus, dort magyarisieren sie sich und agitieren gegen Oesterreich. Die Juden, die in Oesterreich Hausierer und Händler sind, bekommen in Ungarn hohe öffentliche Würden, und deshalb bekämpfen sie Oesterreich. Das, was die Ungarn verlangen, wird ihnen niemals bewilligt. Weil man jedoch mit den Ungarn im Guten nichts ausrichten kann, werden wir bald scharf gegen sie vorgehen müssen. Wir werden nach Ungarn einmarschieren und die Leute dort gut durchprügeln, dann werden die erst Ruhe geben! Deshalb seid jeden Augenblick darauf vorbereitet, dass wir nach Ungarn gehen und uns dort schlagen werden. Und sollte es zur Schlacht kommen, dann sollt ihr es euch merken, dass d i e Juden es verschuldet haben! Diese Ansprache blieb nicht ohne Wirkung. Auf dem Heimwege von den Uebtmgen bedrohten die Soldaten die Juden, die sie unterwegs trafen, wie auch ihre eigenen jüdischen Kameraden. Ein blutjunger Kadett bei der nämlichen Kompagnie, namens P i s c h e k, beschimpfte dabei die jüdischen Reservisten aufs gröblichste." Der Israelitische Landeslehrerverein von Böhmen für den Zionismus. Ein Ereignis, das uns mit grösster Freude erfüllt, hat sich vollzogen. Es war stets unser energisches Streben, auf die Erziehung unserer Jugend Einfluss zu erhalten, um schon in das junge Herz die Keime zum stolzen, starken Juden zu versenken. Es nahm uns stets wunder, dass unsere Lehrer, die in ihrem Werdegang die Herrlichkeit des begrabenen Juda vor Augen bekamen, nicht spontan zu uns kamen, um der alten Grösse Leben wiederzugeben. Nie verliess uns die Hoffnung, dass dieses Ereignis stattfinden werde. Wohl entsprang manch einer aus diesen Kreisen der Kutte des geduckten Juden und warf sich in die offenen Arme der Kämpferschar für jüdische Freiheit, Ehre und Heimat; wohl sind es nicht wenige hochwillkommene Jugendbildner, auf deren Kameradschaft wir pochen; aber eine ganze grosse festgefügte Organisation — wie den Israelitischen Landes-Lehrerverein von Böhmen — gewonnen zu haben, erfüllt uns mit besonderem Stolz und Freude und wir begrüssen ihn auf das herzlichste. Unsere Erwartung ist es, dass die Herren Schule machen werden. Wir bekommen aus diesem schönen Berufe nie genug. Gesinnungsgenosse Herr Kultusvorsteher Julius Bondy- Horowitz erhielt eine Einladung in den schmeichelhaftesten Ausdrücken zur Generalversammlung des erwähnten Verbandes, befand sich aber zur Zeit schon in Basel. Am 3. September nun erhielt unser geschätzter Gesinnungsgenosse folgende erfreuliche Zuschrift: „Der Israelitische Landes-Lehrerverein in Böhmen hat bei der am 23. d. M. stattgefundenen Generalversammlung den Beschluss gefasst, für die zionistische Idee überall, insbesondere beim Unterrichte einzustehen und dem Prager Volksverein als Mitglied beizutreten, wovon ich mir erlaube, Euer Wohlgeboren in Kenntnis zu setzen. Siegmund Springer, Obmann/* Mitglieder des Verbandes sind die meisten Rabbiner Böhmens. Es wäre schade gewesen, wenn diese im Judentum altberühmten Kreise sich des rechten Weges nicht bewusst geworden* wären. —y. ^Mbüi)e. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Herr Dr. Rö nai Janos schickt uns folgende Erklärung, die er an die „Ungarische Wochenschrift* eingesendet hat. Protest. Mit kränkender Ueberraschung las ich in Nr. 36 der „Ungar. Wochenschrift* einen ganz grundlosen Angriff gegen unseren providentiellen Führer Dr. Theodor Herzl. Ohne die Freiheit und Unabhängigkeit des genannten Blattes antasten zu wollen, fühle ich mich gedrängt; gegen Inhalt, Ton und Tendenz dieses Angriffes Verwahrung einzulegen, umsomehr, als ich in dem sonderbaren Artikel namentlich apostrophiert worden bin. Es wird in demselben behauptet: »Die Liebe zu Zion, die innige Begeisterung für den geheiligten Boden Israels soll aus dem Herzen des jüdischen Volkes gerissen und als Aequivalent ihm ein anderes Ideal gegeben werden." Es hiesse ein Glas Wasser ins Meer giessen, wollte ich alle schwerwiegenden Argumente und Enunziationen andeuten oder excerpieren, die im Laufe der Ostafrika- Debatte von den berufensten Männern vorgebracht wurden, um die aufrichtig Beängstigten aufzuklären und zu beruhigen. Aus diesen und besonders aus den von Herrn Dr. Herzl knapp vor Schliessung des Kongresses gegebenen Versicherungen ist das Gegenteil der Zumutungen wahr, die der gehässige Angriff dem Führer entgegen schleudert. Der Angreifer will die offenkundige Tatsache nicht wahrnehmen, dass es bis zur ErreichuMg des Zionsideala dringend notwendig ist, die dem Unter gange nahe gedrängten Massen unseres Volkes asu retten und in der Vorschule des konzentrierten Asyls zu organisieren, damit wir nicht zum Schlüsse ein Zion ohne Juden bekommen. Es tut mir, auch im Interesse des genannten Blattes, von Herzen leid, zu konstatieren, dass jeder unbefangene Leser den Eindruck empfangen wird, dass die Tendenz des eine offene Tür einrennenden Artikels keine andere sei, als: sich — an Dr. Herzl das Mütchen zu kühlen. Dies wird nebst vielen, von dem „bodenlosen Ehrgeiz Einzelner* (!) geschwellten souveränen Sentenzen, durch folgende Stelle demonstriert: „England war immer weise berechnend in seiner grossherzigen Politik und Dr. Herzl, der grosse Politiker, sieht es nicht oder will es nioht' sehen, da er jedenfalls dabei gut auskommen wird." Solche Angriffe werden Herrn Dr. Herzl gewiss nicht schaden. Doch fürchte ich, das dieselben bei den vom Angreifer aufgerufenen ungarischen Zionisten Kommentare heraufbeschwören werden, deren Spitze sich empfindlich gegen den Aufrufer richten wird. Ich mochte es daher aufrichtig wünschen, dass der geehrte Redakteur der , Ungarischen Wochenschrift* mit dem racheschnaubenden Artikel nicht solidarisch sei. Ich wage es umso ungescheuter, als er mir sicherlich nicht zumuten dürfte, dass ich von dem , Vizekönig des pstafrikanischen Staates' etwa ein Amt oder sonst irgend welchen Vorteil erwarte oder je erhalten habe. Wäre die hasserfüllte Tendenz des besagten Artikels nicht gar so handgreiflich, könnte man wähnen, derselbe hätte seine Missdeutung aus dem schlauen Artikel eines Budapester a n t i zionistischen Wochenblattes geschöpft, das mit dem ergötzlichen Einfall debütierte, die Triumphe des Zionismus als Rechtfertigung (!) des bankerotten Almosensystems der Assimilanten darzustellen. Nur hat eich der erwähnte Antizionist, nach jahrelangen Beschimpfungen und Verdächtigungen, zur Einsicht bekehrt, die Uneigennützigkeit unseres Führers rühmend anzuerkennen. Was den im besagten Artikel der „Ungar. Wochenschrift0 genannten.grossen Professor anbelangt, war es nie meine Art, mich an hervorragende Männer heranzudrängen

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