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Die Welt · 1903-09-18 · 38 (18.9.1903) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
38 (18.9.1903)
Article
Aus den Blättern [Kommentar]
Date
1903-09-18
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 38 „bis & weit" Seite 5 Gewaltige Strecken sind mit Gummibäumen bestanden, die in unseren Tagen grösseren Geldwert haben als je zuvor. Von grossem wirtschaftlichen Wert sind die vielerorts wildwachsenden Kaffestauden, Gummiakazien, Schellak und Bauholz, besonders Ebeiholz. Bei Mau erstrecken sich die Waldungen bis nahe an die Bahnlinie. Baumwolle und Indigo wachsen wild und halbwild auf bedeutenden Strecken. Sir H. H. John stöhn schreibt ferner: „Ueberraschun^en werden uns bevorstehen, welche die der Gold-und Diamantenfunde in Südafrika erreichen, ja übertreffen dürften. Kenner des Landes erwarten zuversichtlich, dass das Schutzgebiet Uganda binnen kurzem ohne Zuschüsse auskommen, ja imstande sein wird, die früher für die Kolonie aufgewendeten Gelder und die Eisenbahnbaukosten wieder zu erstatten." Bekanntlich ist jetzt Sir H. H. Johns tön dem Plane, den Juden einen Teil Englisch-Ostafrikas zu geben nicht sehr günstig gesinnt. Ueber seine Meinung und die Ansichten der englischen Blätter werden wir nächstens referieren. Lord Hindlip über die zionistische Kolonie in Afrika. Im vergangenen Dezember verliess Lord Hindlip London, um eine Tour durch Britisch-Ostafrika zu machen. Der Lord fuhr zunächst nach Mombassa, benutzte von dort die Uganda- Eisenbahn bis Löndiani. Von dem letztgenannten Orte marschierte er nach dem See Baringo und kehrte von dort schliesslich westlich nach Eldoma Ravine zurück. Eine weitere Ausdehnung seiner Reise war nicht möglich, da der Lord nach London zurückberufen wurde. Der Eindruck, den der Reisende von dem durchquerten Lande gewonnen hat, ist besonders deshalb interessant, weil es sich um das Land handelt, welches den Zionisten zur Kolonisation angeboten wurde. Lord Hindlip beklagte sich zunächst darüber, dass in Englisch- Ostafrika im Innern nur indische Händler und deutsche Schiffer zu finden seien. Diese Indier und die Deutschen hätten tatsächlich den ganzen Handel in der Hand, trotzdem von Seiten des englischen Regierungsvertreters alles geschehe, um englische Ansiedler in das fruchtbare Land zu ziehen. Seiner Ansicht nach vereiteln die englischen Unterbeamten durch ihre Qleichgiltigkeit den weissen Ansiedlern gegenüber und durch kleinliche und unnötige Verordnungen die guten Absichten des Regierungsvertreters. — Auf die Frage, was er von der Idee einer jüdischen Kolonie halte, antwortete Lord Hindlip dem Vertreter des „Bureau Reuter": „Das Land scheint nicht einmal als Kolonie für unsere eigene Rasse angesehen zu werden. Ich sehe nicht den geringsten Grund dafür ein, weshalb man eine Schar unerwünschter Fremdlinge in ein Land wie Britisch- Ostafrika loslassen soll. Die Leute werden von allen Nationen und' wahrscheinlich alle hilflos sein . . . Leute, die in einem neuen Lande sich durch Ackerbau einen neuen Lebensunterhalt verschaffen wollen, müssen einige Kenntnis von dem Lande und den Lebensbedingungen haben, und sie müssen auch in gewissem Masse imstande sein, für sich selbst zu sorgen. Was würden wohl Australien, Kanada, Neuseeland oder Südafrika sagen, wenn man den Vorschlag machte, ein oder zwei Schiffsladungen Zionisten dort auf das beste Stück Land zu setzen? Wie viele von diesen Leuten kommen denn aus Ackerbaudistrikten? Wahrscheinlich noch nicht 5 Prozent. Nach den Millionen, die auf das Land verwendet worden sind, scheint es nicht mehr als recht und billig zu sein, dass der Eigentümer, nämlich der englische Steuerzahler, erwarten kann, dass seine eigene Nation das Land bevölkert und aus ihm Nutzen zieht. Wenn Leute, wie Sir H. H. Johnston und Lord Delamere, beides Männer von Welterfahrung, sich so energisch gegen diese Kolonisation aussprechen, dann wird man wohl zugeben müssen, dass ernste Bedenken gegen den gemachten Vorschlag vorliegen. Es ist eine typische Antwort auf Sir Charles Elliots Gesuch um geeignete Ansiedler, dass man vorschlägt, ihm einen Haufen Leute zu schicken,'deren Anwesenheit im Lande zur Aufstellung eines besonderen C+okriO rtTtTinn-ö« «ti!*/1a *1*+A Aln i~ \rft+rmiß 7 rill Aa.v Fncco rlßO Protektorats zur Last fallen würden, da dieses sie in die Heimat zurückzutransportieren hätte. * Ueber Ostafrika*\ In Ostafrika stand die britische Verwaltu >g während der ersten Jahre den Aufständen der Masruihäuptlinge gegenüber, die jeder Einmischung der Weissen widerstrebten. Auch die in der Landschaft am JubafiLuss wohnenden Somali hatten mehr als einmal Anlass zu Ruhestörungen gegeben. Die letzte militärische Unternehmung gegen sie fand 1901 statt und hatte einen guten Erfolg. Die Somali haben die schwere Strafe, die ihnen auferlegt worden war, die Zahlung von 5000 Rindern, abgebüsst und sollen sich nach einem friedlichen Verhältnis sehnen. Sie sind indes nicht zuverlässig, und ihre Provinz bleibt vorläufig unter rein militärischer Herrschaft mit Ausnahme einer Anzahl von Posten an der Küste. In den übrigen Bezirken des Schutzgebietes ist der Friede nicht gefährdet worden. Die einst so gefürchteten Massai halten sich friedlich und ruhig. Die Lumbwa, die 1901 noch Besorgnisse verursachten, vertragen sich mit den Garnisonen. Noch kürzlich war allerdings ein kleiner Zug gegen ihre Nachbarn, die Nandi, notwendig geworden, allein es war eher eine Polizei-, als eine militärische Massregel. Das eigentliche Grat des Schutzgebietes ist die Eisenbahn, ohne die an einen Fortschritt nicht zu denken gewesen wäre. Die Reichsregierung hat entschieden, dass die Tätigkeit der Kommission, die sie 1895 für die Aufsicht und Leitung der Bahnaibeiten eingesetzt hatte, nicht mehr nötig ist. Vom 1. Oktober d. J. ab wird daher das Eisenbahnwesen einer besonderen Abteilung bei der Regierung der Kolonie, unter einem erfahrenen Eisenbahnfachmann als Direktor und der Oberleitung des Reichskommissärs anvertraut werden, während, die Entscheidungen in letzter Instanz dem Minister des Auswärtigen verbleiben werden. Das Schutzgebiet brachte seine Einfuhr von 176,933 Pfd. St. im Jahre 1895/96 auf 447.032 Pfd. St. im Jahre 1902/3, und die Ausfuhr gleichzeitig von 73.746 auf 165.060 Pfd. St. Es wird nicht angegeben, wie viel bei diesen Zahlen auf den Durchgangsverkehr na<-h Uganda kommt. Die Einnahmen waren 1902/3 auf 92.184 Pfi. St. angeschlagen, für das laufende Jahr soller» sie 99.461 Pfd. St. betragen, während die Ausgaben mit 337.459, beziehungsweise 355.598 Pfd. St. eingestellt sind, natürlich ohne den Eisenbahn-Etat, da die Bahn auf Reichskosten gebaut worden ist. Französische Zeitungen. II. Einen komischen Eindruck machen die Urteile des französischen Antisemitenführers a. D. D r u m o n t, der in seiner „L i b r e Parole" über den Kongress schrieb. Mit einer wichtigtuenden Miene erzählt er seinen Lesern, dass man auf dem Kongresse auch an ihn nicht vergessen hat (!) und dass ihm eine Ansichtskarte aus Basel zugekommen ist, Und nun kommentiert er auf seine Art das symbolische Bild der Kongresskarte. Die Juden, sagt er, wollen den chiliastischen Traum verwirklichen und wenn ihnen dies gelingen wird, so wird die Welt darauf gespannt sein, zu sehen, wessen die Juden fähig seien . . . Etwas ernster fasst die Frage die nationalistische „P a t r i e" auf. Von allgemeinen antisemitischen Grundsätzen ausgehend, spricht sie über die Erfolge des VI. Kongresses und sagt: „Der Zionismus hat das Zeitliche gesegnet und Zion wird auf ewig die Hauptstadt des Reiches der Utopie bleiben . . . Alles, was die Zionisten und ihr Kongress erzielt haben, beschränkt sich auf einen Vorschlag, der von England genehmigt worden ist: eine gewisse Zahl jüdischer Emigranten in Britisch-Ostafrika anzusiedeln. England wird sich dieser Einwanderer bedienen, um seine Einöden zu kolonisieren. Das ist eine recht eigentümliche Kolonisation . . . Ich glaube nicht, dass dieser Plan ein ernster und glänzender sei. Man wird ein neues Icarien versuchen. Der Zionismus ist gestorben noch ehe er gelebt hat .... " Einen sehr interessanten und mit voller Sachkenntnis ausgerüsteten Artikel bringt das „Journal d ' A l s a c e" in *) Aus dem vom Britischen auswärtigen Anre he> onao-oorahönan SsMimm Pil hfil'i fihte.

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