Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 38 (18.9.1903)
- Article
- Die Stimmen von draussen
- Date
- 1903-09-18
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 „We & weit" Nr. 38 tauchen. Unserem Vertrauen genügt es, dass unsere gerechten Forderungen in den Gedankenkreis der Menschheit gebracht werden. Ob die Blätter dafür oder dagegen sind — der Zionismus steht derzeit in der Brandung der öffentlichen Meinung, und das vermehrt unsere Hoffnung auf ein Glück im Winkel J. U p f i m n y. Aus den Blättern. Unter dem Titel „Ein jüdisches Neuland" schreibt die Wiener „Zeit", die über den VI. Kongress in ausführlicher und objektiver Weise berichtete, folgendes über das den Zionisten angebotene Land: Den Bemühungen des unermüdlichen Vorkämpfers des Zionismus, Dr. Herz], ist es nach langwierigen Verhandlungen gelungen, von der englischen Regierung ein Zugeständnis erster Ordnung zu erlangen. England ist bereit, in seiner Kolonie Ostafrika zum Zwecke jüdischer Ansiedlungen einen grossen Landesteil herzugeben. Dieses Land soll unter jüdischen Oberbeamten ein autonomer Staat sein unter Oberhoheit der englischen Regierung. Wo liegt dieses Neuland der Juden? Es liegt inmitten der britischen Kolonie Ostafrika, die sich vom Indischen Ozean bis an das Riesenbinnenmeer Mittelafrikas, den Viktoria-Niansa, erstreckt, zur südlichen Grenze die Kolonie Deutsch-Ostafrika, zur nördlichen den Sudan hat. Vom Hafen Momb assa, der bereits unter englischer Verwaltung einer der besten der Ostküste geworden ist, geht eine Eisenbahn, die Uganda bahn, bis an den Niansasee. Sie führt mitten durch das jüdische Zukunftsland, das Raum bietet für Millionen, die dort ein Heim suchen wollen, für andere Millionen freier Bürger, die dort ihre Heimat haben werden: Das Land ist 300 englische Meilen lang und hateineOberüäche etwa von 90.000 englischen Quadratmeilen, das heisst, es ist ungefähr so gross als vergleichsweise Oesterreich ohne Tirol und Ungarn ohne Siebenbürgen. Die Bahn führt den Reisenden in drdssig Stunden von der Küste bis in das neue Land, eine Hochfläche mit ausgezeichnetem, dem Weissen in jeder Hinsicht zuträglichem Klima, in einer Höhe von mehr als 2000 Meter, mit Bergrücken, die 3000, 4000 Meter hoch ansteigen uild die alle vom gewaltigen Schneegipfel des Kenia überragt werden. Wie jener einst durch vulkanische Kräfte gehoben wurde, verrät das übrige Land in den rundgewölbten Gipfeln noch seinen Ursprung, und eben darum ist es ungemein fruchtbar. Durch die Täler strömen,. von den hochragenden Gipfeln kommend, wasserreiche Bäche und Flüsse. Sie werden den Ansiedlern die Wasserkraft für vielerlei Zwecke, vor allem für elektrische Turbinenanlagen, liefern. Die Täler umschliesst ein an Baumarten reicher Galerienwald, in dessen Schatten Moose und Farne wuchern, die Vanille ihre Ranken um die Aeste schlingt, bunte Orchideen auf niedergesunkenen Baumriesen ihre seltsamen Blüten entfalten. ^Durchbricht er den tiefer gelegenen Urwald, so tritt der Wanderer hinaus auf weite Wiesenflächen, die einen gewaltigen Park darstellen, in dem knorrige, niedrige Mimosen und Mangobäume das Gebüsch bilden, das der gewaltige Wollbaum überragt, dessen Ausdehnung nur noch von dem geradezu riesenhaften Affenbrotbaum übertroffen wird, den man, seiner klotzigen Ungestalt wegen, am besten Mammuthbaum nennen sollte. Die Abhänge der Berge bedeckt dichter, immergrüner Busch, in dem der Kaffeestrauch wild wächst, wie denn überhaupt Innerafrika die Heimat des Kaffees ist, nicht das Land Jemen, das Mokkaland, wohin er einstmals von Phünikern gebracht und angepflanzt sein mag, ebenso wie eine sehr schmackhafte, kleinkörnige Bohnenart, die dort jetzt vorkommt, in Ostafrika zu Hause ist. Steigt der Reisende an den Berghängen höher empor, so findet er dort eine PfLanzendecke, die der unserer Wiesen und .Almen in etwas gleicht, bis dann die Höhenlage dem Wuchs ein Ziel setzt. In den Ebenen, wo zum Teil der Negerstamm Massai seine Viehherden treibt, finden sich mehrere Seen und viele Weiher vor, die von einer überaus üppigen Pflanzenwelt umgeben sind. Der Papyrus der Alten bildet breite Dickichte am schilfigen Ufer, rosafarbene Winden schlingen sich um die tiefgrünen übermannshohen Stengel, die vom krausen Busch gekrönt sind. Auf der Flut schwimmen Seerosen mit, lichtblauen Blüten, die weisse Calla zeitigt jahraus, jahrein ihre prachtvollen Blumen. Am Ufer stehen in Mengen üehtrotgefiederte, schmalhalsige Flamingos, Silber- und Purpurreiher, Blaukraniche in ernster Beschaulichkeit. Schmucke Sporngänse tummeln sich auf der Flut, zwischen dem Schilf lauert der grosse, schönfarbige Eisvogel (Ceryle maxima) auf Fische. Aber auf dem Stumpfe eines Affenbrotbaumes hocken pärchenweise in Mengen die Schreiadler (Haliaetos vocifer) minutenlang ihren hellen Schrei ausstossend, und lungern ebenfalls nach Beute. Unter den breitästigen Sykomoren haben grüne Tauben und buntscheckige Spechte ihre Nester, und aus dem Fächerpalmengebüsch vernimmt man den Ruf des Honigkukuks (Cuculus indicator). Nächtlicherweile aber machen die Grossen der Tierwelt sich auf, der Elefant, der noch nicht ganz ausgerottet ist und künftig nicht wegen des Elfenbeins gejagt, sondern als Zugtier benützt werden wird, und die grossen Katzen: Der Löwe, der Serval, der Leopard, die aber vor Dornhecken, Stachelzäunen und vor nächtlichem Feuer heillose Angst haben; die Hyänen, die nach gefallenem Vieh suchen. Was Ackerbau angeht, so gedeihen in jenen Gebieten ebenso unsere Körnerfrüchte als die meisten Gemüse. Der Biertrinker wird freilich auf seinen Rettich verzichten müssen, denn diese Rübe wird holzig. Auch mancherlei anderes Kraut will nicht recht gedeihen —- wohl, weil man die rechte Art noch nicht fand — , doch wachsen schon jetzt in den Negeransiedlungen zwei gute Bohnenarten, eine Anzahl von Kürbissen "und Melonen, Mais, Kefirkorn, Carotten, Erbsen, Krautarten, Erdnuss. Kartoffeln muss man erst auf geeignete Sorten erproben, es dürfte unseres Erachtens aber genügen, grossknollige Arten in höherer Lage und auf armem Boden anzubauen, um tüchtige Früchte zu erlangen. In den Niederungen gedeihen Banane und Ananas, der Melonenbaum (Corica Papaya) und wohl an fünfzig verschiedene wilde Fruchtarten, worunter zum Beispiel die Passionsblume (Passiflora edulis) melonengrosse süsse Früchte liefert. Wir können hier nicht darauf eingehen, welche Pflanzengattungen am nutzbringendsten angebaut werden könnten, es gibt deren in Menge. Das Absatzgebiet für eine arbeitsame weisse Bevölkerung eines zur Ansiedlung durchwegs geeigneten Gebietes ist gegeben — es ist das eigene Land Ostafrika zunächst, dann die benachbarten anderen Kolonien und schliesslich der Weltmarkt. Zu diesem aber führt heute schon die 1000 Kilometer lange Ugandabahn, und sie wird in absehbarer Zeit Anschluss erhalten an die Kap-Kairobahn und jenseits des Niansasees an die grosse Kongobahn, die den Atlantischen Ozean mit dem Gebiete der grossen Seen verbinden wird, und von der 500 Kilometer bereits fertig sind. Nach allem sind, sowohl was allgemeines Klima, Höhenlage, Tier- und Pflanzenwelt angeht und was die Absatzwege und Zusatzwege betrifft, die Bedingungen für die Gründung eines jüdischen Neulandes in Mittelafrika sehr günstige. Auch in anderen Blättern finden sich ähnliche Berichte. Es wird der „V. Z.tt aus London geschrieben : „Der Landstrich im britischen Schutzgebiet Uganda, den Lord Lansdowne den Zionisten zur Errichtung einer jüdischen Ansiedlung überlassen will, liegt auf einer Hochebene zwischen den Haltestellen Nairobi und Mau an der Ugandabahn, die vom Mombassa an der Küste nach dem Viktoria Nyanza führt. Nairobi liegt ungefähr 6000 Fuss über dem Meer, 330 englische Meilen von Mombasa; Mau, das 1000 Meter höher ist, liegt 150 englische Meilen yon Nairobi entfernt. Sir H. H. J o h n s t o n, der frühere Verwalter von Uganda, schildert dieses Gebiet in seinem im Jahre 1901 erschienenen Berichte folgendermassen: „Im östlichen Teil des Schutzgebietes von Uganda befindet sich ein Landstrich, der im tropischen Afrika seinesgleichen nicht hat: ein Gebiet von einer Ausdehnung von ungefähr 12.000 englischen Geviertmeilen, ausnehmend gut bewässert, mit fruchtbarem Erdreich, einem gemässigten und vollständig gesunden Klima, mit prächtigen Waldungen bedeckt und grossenteils nicht bewohnt von eingebörnen Rassen. Dieses Gebiet liegt zwischen 6000 und 10.000 Fuss über dem Meere. Es ist genau so geeignet für europäische Ansiedler wie das Vereinigte Königreich Britisch-Kolumbia oder die gemässigten Teile Südafrikas. Ich sage mit voller Ueberlegung, dass wir hier nach der Anlage der Ugandabahn ein für weisse Ansiedler trefflich geeignetes Gebiet besitzen werden. Augenscheinlieh werden dessen Ansiedler in diesem Gebiet ein ausgezeichnetes Feld zur Betätigung ihrer Arbeitskraft antreffen.