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Die Welt · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Article
Eine Erwiderung
Date
1903-09-11
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „bi* & W^lt11 Nr. 37 segensreich wirken können; und ebenso klar ist es, dass eine tüchtige, intelligente Hausfrau ein viel gesünderes Hauswesen führen und eine viel bessere Erziehung ihren Kindern geben wird als eine ungeschickte und unordentliche Frau, und dass deshalb Haushaltungsschulen, die zum Zwecke haben, den jüdischen Mädchen eine derartige häusliche Ausbildung zuzuführen, nur zu begiüssen sind. Es ist Sache des Volkes, die ihm zugeführten allgemeinen Kulturgüter auf seine individuelle Weise in der Geschichte zu verarbeiten; ich wage es nicht, die Zukunft des jüdichen Volkes zu raten, doch glaube ich, dass ein gebildetes, gesundes und kultiviertes Volk nicht nur ein solides Fundament für einen selbständigen Staat bilden kann, sondern im Stande sein wird, sich auch überall unter andern Völkern zu behaupten und jedenfalls viel kühner Exzessen ä la Kischenew widerstehen wird, als ein Volk, dem noch im zartesten Kindesalter die „Lockschen' des „Melamed" alle Freiheit herauszupeitschen drohen. Die Volkstümlichkeit einer Institution hängt absolut nicht von den politischen Ansichten ihrer Gründer ab, sondern davon, ob diese Institution für das allgemeine Gedeihen des Volkes förderlich ist, d. h. ob sie das Volk besser, stärker und widerstandsfähiger macht. Es ist z. B. für den Erfolg der Baron Hirsch'schen Stiftung in Galizien ganz gieichgiltig, wie sich Baron Hirsch zur jüdischen Frage stellte; diese Stiftung ist volkstümlich, weil in ihren Volksschulen bei 10.000 jüdische Kinder den Schuluntericht geniessen, weil in ihren Abendschulen 1600 Analphabeten in den Schulgegenständen unterrichtet werden, weil sie die Zöglinge ihrer Schulen dem Schmutze und der Roheit des Cheders entreisst, weil diese Zöglinge für ihr weiteres Leben mit Intelligenz und freien Lebensansichten ausgerüstet werden, weil das steigende Bedürfnis nach Bildung im jüdischen Volke nach neuen und immer neuen Volksschulen verlangt, weil sich schliesslich aus der Baron Hirsch'schen Stiftung eine Organisation von jüdischen Lehrern entwickelt hat, die sich ehrlich bemüht, die schwierigsten Aufgaben der fortgeschrittenen Volkspädagogik und Didaktik auf die individuellen Bedürfnisse des jüdischen Volkes anzupassen. Und trotzdem das Volk die Baron Hirsch'schen Schulen in der ersten Zeit ihres Bestehens mit aller Wucht des Fanatismus verfolgt hat, ist die Baron Hirsch'sche Stiftung volkstümlich, weil sie eben „historische Bedeutung^ hat, und nicht der Massenfanatismus. Ebenso hoffe ich, dass wenn es uns, Fräulein Pappenheim und mir, gelingen wird, finanziell massgebende Kreise für die Errichtung irgend einer jüdischen volkspädagogischen Institution in Galizien zu gewinnen, das Volk seinen Bedürfnissen eher folgen wird, als seinen Führern, und sich viel weniger um unsere politischen Ansichten, als um den Wert der von uns plaidierten Institutionen kümmern wird. Anderseits bin ich der festen Ueberzeugung, dass die bestgemeinte demagogische Beredsamkeit ausserordentlich unvolkstümlich wirkt, sobald sie den Zweck verfolgt, dem Volke eine übertrieben hohe Meinung über sich selbst zuzuführen und es von den Aufgaben der Gegenwart abzulenken. Da ich jedoch absolut keinen Zusammenhang zwischen Zionismus und Volksaufwiegelung sehe, kann ich mir die Hoffnung nicht versagen, dass auch die galizischen Zionisten schon ganz abgesehen von ihren zionistischen Parteibestrebungen, wenn auch nur als vorurteilslose und kultivierte Menschen an der Hebung des Kulturniveaus des jüdischen Volkes in Galizien mitarbeiten werden. Mohileff a. Dnjeper 1. September 1903. Dr. Sara Rabin owitsch. Mitteilungen des österreichischen Landeskomitees. Die österreichische Landesorganisation umfasste zur Zeit des dritten österreichischen Parteitages zu Wien (29. Juni 1903) 133 Verbandsvereine, zur Zeit des Kongresses, also nach kaum zwei Monaten, schon ihrer 160. Hit von entfallen auf den Distrikt Innerösterreich 28, Böhmen 15, Mähren—Schlesien 21, Bukowina 21 und die drei Distrikte Galiziens 75. Von den zugewachsenen 27 Vereinen entfallen nicht weniger als 24 auf den Osten, Galizien und Bukowina. Die österreichische Landesorganisation hat im Schekeljahre 1902/3 durch ungefähr 6000 Schekelzahler an 7000 Schekel aufgebracht. Zum Kongress wurde in 62 Wahlkreisen gewählt. Die Österreichische Landsmannschaft auf dem Kongresse bildeten 47 Personen. Von den monatlichen Mitteilungen „Z'on" des österreichischen Lar deskomitees ist bereits die dritte Nummer erschienen und in Wien. II/3, Miesbachgasse erhältlich. ^tfbäi)«. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) L ö b Ii c h e R e d a k t i o n! Anbei übermitteln wir Ihnen den Brief, den das innerösterreichische D.-K. an den Wiener Kultusvorstand gerichtet hat und ersuchen Sie höfiL um Veröffentlichung desselben an einem entsprechenden Orte. Hochachtungsvoll, mit Zionsgruss f. d. InnerösterreichischeDistrikts-Komitee des Verbandes „Zion" jur. David Fuhrmann, Dr. Max Bernhardt, Sekretär. Obmann. Hochlöblicher Kultusvorstand! Bei zahlreichen Funktionären der Wiener Gotteshäuser ist die irrige Ansicht verbreitet, dass Spenden für die so hochwichtige und gemeinnützige Institution des jüdischen Nationalfonds — hx-iWb nö'p pp ~~ den re^" giöien Gesetzen widersprächen und daher unzulässig seien. Da dieser Irrtum bei den herannahenden hohen Festtagen nur zu überflüssigen, die Würde des Gottesdienstes beeinträchtigenden Kontroversen führen müsste, gestatten wir uns, im Vertrauen auf Ihre Loyalität, das Ersuchen an Sie zu richten: fiin hochlöblicher Kultus vorstand geruhe die verantwortlichen Leiter der an den hohen Feiertagen in Wien abzuhaltenden gottesdienstlichen Veranstaltungen — in Wahrung der einem hochlöblichen Kultus vorstand zustehendem Aufsichtsrechte — dahin zu belehren, dass Spenden für den jüdischen Nationalfonds den religiösen und staatlichen Vorschriften nicht widersprechen und daher zulässig sind. Mit Zionsgruss und vorzüglicher Hochachtung f. d. Innerösterreichische Distrikts-Komitee des Verbandes „Zion". jur. David Fuhrmann, Dr. Max Be rnhar dt, Sekretär. Obmann. W i e n, 3. September 1993. Aus Mitteilungen des „Hilfsvereins für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien* und seines Sekretärs, Herrn Dr. Alois P o 11 a k, nehmen wir gerne zur Kenntnis, dass es*) nur auf einem Missverständniese beruhen könne, wenn unsere Vertrauensmänner angenommen haben, dass Herr Dr. Po Hak eine agitatorische Tätigkeit gegen den Zionismus entfaltet habe. Wir freuen uns dessen — ohne unsere Vertrauensmänner verletzen zu wollen — umsomehr, als wir die statutenmässige Tätigkeit des Hilfsvereines auch unsererseits gerne anerkennen. Innerö sterreichisches Distrikts-Komitee. *) Nach Ansicht des Präsidiums des galizischen Hilfsvereines.

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