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Die Welt · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Article
Die Haltung der Wiener Presse [Kommentar]
Date
1903-09-04
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 36 Jfbie # W^li Seite 13 ja wenn nicht zufällig jener fatale Schweigsamkeitsgrundsatz bestände, so wären diese aufsehenerregenden Nachrichten ohneweiters ein vorzüglicher Stoff für Leitartikel, die begreiflicherweise die weitesten Kreise interessieren müssten — aber leider Gottes... Im kleinen Wiener Jantsch-Theater wird jetzt eine Nestroy-Posse aufgeführt, in der ein guter Mann sich zu unverbrüchlicher Schweigsamkeit verurteilt, indem er sich als Affe verkleidet; und durch den Mangel der sprachlichen Ausdrucksmittel kommt er im Verlaufe des Stückes in recht tragikomische Situationen. An diesen braven Mann erinnern wir uns, wenn wir den Seelenzwiespalt sehen, in den die Zeitungen durch ihr Trappistengelübde geraten sind, Uebrigens Hesse sichs heute noch verschmerzen, dass das Blatt ohne einen sensationellen Ministerbrief erscheinen musste, wenn auch die Pille noch dadurch verbittert wird, dass man den vollständigen authentischen Wortlaut des Briefes hätte bringen können; was für gigantische Anstrengungen macht eine Zeitung manchmal, wenn es gilt, den wörtlichen Text eines Handschreibens zu erobern! Heute kann man sich noch damit trösten, dass der Rummel der Zeitereignisse— Riesenbrände, Dynamit - Attentate, Königsbesuche — sich über einen Zionist$n-Kongress hinwälzt und dass mit dem Schwinden der „Aktualität" auch eine fatale Nachrichtenlücke ein bischen in Vergessenheit gerät, aber wie soll man sich in Zukunft aus dieser Zwickmühle hinauswinden? Denn dieser heillose Zionismus ist imstande, in kommenden Tagen Sensation auf Sensation zu türmen, man darf ihm zutrauen, dass er einen ständigen Platz in den internationalen Leitartikeln und auf den parlamentarischen Tribünen und in den Beratungszimmern der Staatsmänner erhalten wird, er wird unter gespannter Aufmerksamkeit der ganzen Kulturmenschheit neue Staatengebilde schaffen, in die vielleicht — horribile dictu — die anderen Blätter ihre Spezialberichterstatter Lmd Korrespondenten schicken werden, und »wir", nämlich die Silentiumblätter, werden ganz verdonnert dastehen und in einem fort nur fragen: „Warum ham wir das nicht?" Betrübsame Perspektive! Dazu kommt noch der stille Selbstvorwurf: „Wir haben diese Bewegung und ihre Leiter unterschätzt!" Es ist unangenehm, wenn man sich sagen muss: „Ich sah ein Häkchen, das sich beizeiten krümmte und erkannte in meiner Kurzsichtigkeit nicht den werdenden Haken, der heute eine über alle Länder sich dehnende Bewegung trägt. Ich, der ich mir einbilde, ein Menschenkenner zu sein." Wir können dieses Dilemma, dessen „Hörner" einerseits der im Jahre 1897 aufgestellte Verschweigungsgrundsatz und andererseits die publizistische Notwendigkeit der Veröffentlichung sehr bemerkenswerten Zeitereignisse sind, lächelnd betrachten und können abwarten, ob das eine oder das andere Horn dieses Syllogismus cornutus sich an der Wand stumpf stossen wird, E. R. | Bernard Lazare. | Der jüdische Journalismus hat einen, schweren Verlust erlitten. Einer der mutigsten und begabtesten jüdischen Schriftsteller, die ihre Feder ihrem Volke gewidmet haben, Bernard Lazare, ist am 2. September 1. J. nach langem und qualvollem Leiden gestorben. Geboren im Jahre 1865 in Nimes, widmete er sich anfangs den Geschichtswissenschaften und der Poesie, aber dann vertauschte er die Arbeit des Gelehrten mit der des Journalisten und wurde bald einer der hervorragendsten Journalisten Frankreichs. Im Jahre 1896 veröffentlichte er die sensationelle, folgenreiche Broschüre: „La verite sur l'affaire Dreyfus". Er hatte den Mut, den Schleier zu lüften und war der erste, der die Wahrheit sagte. Die Geschichte wird ihm dieses Verdienst nicht vergessen. Er wurde dann durch das Wachsen des Antisemitismus in Europa und durch das jüdische Elend in Rumänien und Russland auf die jüdische Frage aufmerksam und widmete ihr seitdem alle seine Kräfte. Mit Wort und Tat kämpfte er für die Emanzipation der Juden im Osten Europas. In diese Zeit fallen seine bekannten Werke; „L'antisemitisme" etc., „La question des juifs en. Roumaine" u. a. Er unternahm eine Reise nach Rumänien, die grosses Aufsehen erregte. Er stand lange Zeit als Vorkämpfer in unserer Organisation, schlug aber dann eine eigene Richtung ein. Inmitten seiner rastlosen Tätigkeit ereilte ihn der Tod. Friede seiner Asche. Jüdischer Nationalfonds. Das Goldene Buch. Zur Eintragung: Schewa Magasanik aus Berditschew als Andenken an ihre sei. Schwester Leah Rekeach, Tochter von Izchok Kobelianski aus Berditschew, geboren 13. Adar 5606, gestorben 15. Ab 5659 . . .......Kr. 252.— Von dem Demonstrations-Koraitee in aid of the Jewish National Fund, London „zur Eintragung in das Goldene Buch", die erste Zionistische Demonstration in London am 16. Ab 5663 .................Kr. 480.- Vom Vereine „Agudas Hazionirn", Beresino . . Kr. 240.— # Richtigstellung: In der in Nr. 20 ausgewiesenen Goldenenbuch- Spende des Vereines „Agudas Zion" soll es heissen: „Agudas Zion", Lipno. SPENDEN. Für den jüdischen Nationalfonds: K Rabbiner Camille Bloch, Sulz............ 3.74 Sammlung Mag. d. Pharmacie B, Tunes bei Konstituierung des Vereines „Zion", Kopyczynce.......... 4.20 L. Gross, Zugmantel ................ 1.— Sammlung Stein und Epstein bei Hochzeit Funk, Tlumacz, zur Eintragung Rabbiner Schreier: Braut K 0*20, Bräutigam 0.36, Frl. Wiesel, Tabak, Wohl, Wieder, Adler, Ritzner, Hüber, E. Spiegel h 0.20, Allerhand, Hübner, Leopold, Ritzer, Baron, Guttenberg, Rose'nzweig, Dunkel, Ritzer, Ritzer, Habermann, Zin, Streit, Frühling, Fr. Spiegel, Tietin arm, Frl. Buchner, Hornreich, Zwiker ä 0.10, Seifer 0.08, Fr. Hoffmann 0.04, Weidler, Fr. Berkowicz, Ritzer, Fiokelstein ä 0.10; zusammen .................... 4.58 Zur Eintragung des Vereines „Zioir*, Stryj : M. Axelrad K 0.17, M. Buchsbaum 0.20, Dr. H. Byk 0.50, L. E iner 0.20, H. Feller 0.18, Dr. S. Goldberg 0 50, E. Gräber 0.36, L. Grob 0.10, L. Glattstein 0.60, B. Hirsch 0.40, M. Hochberger 0.16, F. Hubel 0.10, S. Körner 0.36, Gh. Landau 0.10, I. Patrach 0 18, I. Rosenstrauss 0.45, L. Schwammer 0.30, L. Sehwarzberg 0.20, L Steiner 0.30. A. Stern jun. 0.20, A. Stern sen. 0.30, N. Teitelbaurn 0.30, L. Weiss 0.40, M. Widrich 0.10, M. Wieselthier 0.10, M. Wohlmuth 0.20. A. Zeiler 0.10, L. Zeisler 0.20, I. Weingarten 0.20, A. Marbach 0.10, M. Rosenstrauss 0.20, J. Malter 0.20, U Sobel 0.80. N. Schönfeld 0.20, J. Hochmann 0.20. S. Marbach 0.18, M. Weiss 0.20, S. Hammermann Ö.20, J. Weinbach 0.^0, ß. Oberländer 0.20, A. Katz 0 20, E. Katz 0.15, M. Bloch 0.30,, J. Herzig 0.30, M. Körner 0.36, H. Kaufmann 0.20, Lilian 0.30, L. Luft 0.20, P. Adlersberg 0.90, Gh. Meiseis 0.40, Rappaport 0.20, B. Streifer 0.40, Waloski 0.20, M. Schmorak 0.20, S. Schmorak 0.40, L. Schmorak 0.30, M. Brill 0.20, H. Mondschein 2.50, E. Meiseis 0.80, Sch. Reich 0.20, Frl. S. Haimann 0,40, Dr. J. Brandmark 0.40, Frl. R. Frühling 0.30, Frl. H. Gold-

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