Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 6 (29.8.1903)
- Article
- Judenmuskeln
- Date
- 1903-08-29
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 16 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 6 turner Gärtner in vorzüglicher Weise leitete/vom Publikum nicht so sehr gewürdigt werden konnten, wie sie es verdienten, weil sie oben auf der Saalbühne stattfanden. Der Vorturner der Barrenriege bewies auch durchrechtzeitiges und sachgemässes Hilfegeben, das niemals aufdringlich wurde, wie sehr unsere Turnerschaft dieses wichtigste Erfordernis zur Heranbildung sichern Wagemutes .zu würdigen1 versteht. Gleichteitig führte am Seitenpferd Levi-W7ien mit vollendeter Eleganz Sprungübungen vor. Einzelne Turner zeigten schon im Pflichtturnen die grosse Muskelkraft, die man oft in den schlanken jugendlichen Körpern kaum vermuten möchte. Das trat freilich erst beim Kürturnen völlig in die Erscheinung, sowie bei einem Barrenturnen einer Sonderriege des Berliner «Bar-Kochba». Immerhin dürfte das Publikum es vielleicht nicht verstanden haben, dass die Aufmärsche und Freiübungen bei den 35 zu 9 verschiedenen Vereinen (Berlin, Halberstadt, Köln, Freiburg i. B., Mannheim, Wien, Bielitz-Biala, Ungarisch-Hradisch, Mährisch-Ostrau u. Sofia) gehörigen Turnern das Bewunderungswürdigste waren. Sobald das Turnen vorüber war, Hess der Turnwart antreten und zu zweien links irn Gegenzug zum Turnspiel aufmarschieren, das in hohem Masse die allgemeine Aufmerksamkeit fesselte. Waren es vorher am Reck und Barren besonders Teitz, Gärtner, Schmuckler, Wittkowsky, Perlitz, Sommerfeld, der grosse und der kleine Alexander, die beiden Brüder Cohn Auerbach und Kikoler, die die Bewunderung hervorriefen, so zeichneten sich beim Spiel ganz besonders Kikoler, Alexander der Kleine und Sommerfeld aus. Sie bewiesen, wie auf grünen Auen in froher Spielstimmung die Körperpflege nicht minder geübt werden kann als drinnen in der immerhin doch mehr oder minder staubigen Turnhalle. Vor beginnendem Ausmarsch ergriff Dr. Bodenheimer das Wort, um den wackern Vorkämpfern einer jüdischnationalen Turnbewegung eine besonders hergestellte Denkmünze zu überreichen, wobei er eine Aeusserung Herzls wiedergab, ein „solches Schauturnen sei mehr wert als hundert Reden." Die Erwiderung des Dr. Tuch klang in den Wunsch aus, dass das jüdisch-nationale Turnen von hier aus seinen Siegeszug antreten möge, und dass der kleine Anfang von 2000 organisierten jüdischen Turnern unsere Turnbewegung in jene Länder tragen möge, wo sie den Juden am nötigsten wäre. Dann folgte der Ausmarsch unter Absingen des Liedes „Lieder stimmt an!" Der jubelnde Beifall, der fast jeder Uebung gefolgt war, und der nicht enden wollend die Turner hinausbegleitete, bewies ihnen, dass sie Bresche geschlagen haben. Der heutige Turntag, der mit der Absingung des Liedes „Dort, wo die Zeder" endete, bildet eine Epoche in der Entwicklung der jüdischen Turnbewegung. Ein einziges nur haben wir heute vermisst. Es kömmt nämlich nicht nur auf das Turnen überhaupt an, sondern auf das Turnen in allen Lebensaltern. Der Berliner jüdisch-nationale Turnverein Barkochba hat das verstanden und hat neben seinen Männer-, Frauen- und Jugendabteilungen auch eine Alte-Herren-Riege, die unter der vorzüglichen Leitung ihres mehr als 70jährigen Vor« turners L 6 s k e, eines alten Meisterturners, Treffliches leistet. Solche Riegen hätten mitturnen sollen. Aber wir würden Unrecht tun, mit einem andern Wunsche zu schliessen, als dass die jüdische Turnbewegung den Zionismus erobern möge, wie der Zionismus die Judenheit erobert hat. Wir, die wir in der jüdischen Turnbewegung stehen, die wir Kraft und Mut und Lebenslust aus ihr für das Judentum erblühen sehen, wenden uns an unsere zionistischen, an unsere jüdischen Brüder7 die jüdische Turnbewegung in alle Länder zu tragen, wo Juden leben, und vor allem nach unserm heissgeliebten Lande Israel! Heinrich Loewe. Der Nationalfonds. Eingezahlt in der zeitweiligen Abteilung des Jewish Colonial Trust, Ld. (Jüdische Kolonial-Bank) in Basel. Zum Eintragen im Goldenen Buch Die Vereine der nordamerikanischen Föderation telegraphieren uns, dass sie die Summe von 3500 Fr. gesammelt und an die Bank geschickt haben zur Eintragung Dr. Herzls ins Goldene Buch. --, 11 Zur Eintragung des VI. Kongresses spendete Herr Slatopolski für den Verein Kamenobrad Lst. 10.— Ferner zur Eintragung des VI. Kongresses die Zionisten aus Baku..........Lst. 10. — Berichtigung. Dem P e r m a n e n z a 11 s s c Ii u s s e gehörte auch der Vertreter der Bukowinaer Delegierten, Herr S c h, L au g e r an, was hiemit nachgetragen wird* PT Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint * morgen in Basel und ist im Kongressbureau erhältlich, sowie auch .bei uns in Wien, Türkenstrasse 9, wohin wieder^alle redaktionellen und administrativen Anfragen erbeten^werden. Gesellschaft „ CARMEL«, Warschau and IV" Alleinvertrieb der palästinensischen Naturweine Co gn acs (aus&den Rothschild'schen Kellereien) für Russland. Diese von den jüdischen Kolonisten Palästinas erzeugten Weine und Cognacs sind weltberümt und erfreuen sich grosser Beliebtheit bei Juden und Nichtjuden. ■taflB^ Von den auf der Pariser Weltausstelluno; vertretenen Weinen wurden unserel Weine allein W«V mit der grossen goldenen Medaille preisgekrönt. — Der beste Beweis für ihre Vorzüge. ^P?ä Alleinige Bezugsquellen; Unsere Hauptgeschäfte in Warschau und Odessa, sowie Verkaufsstellenin allen Städten Russlands. — Adresse: Gesellschaft „CARMEL, Warschau oder Odessa. Herausgeber: A. H. Reich, Verantwortlicher Redakteur: Julius Upri.Tmy. — ßuchdruckerei Emil Birkhäuser, Basel (Schweiz)