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Die Welt · 1903-08-29 · 6 (29.8.1903) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
6 (29.8.1903)
Article
Donnerstag-Vormittagssitzung
Date
1903-08-29
Page
2 (sequence 1)
Language
German
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Seite 2 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 6 Donnerstag-Vormittagssitzung. Präsident Dr. Herzl, mit Händeklatschen begrüsst, eröffnet die Sitzung um io Uhr und erteilt das Wort Herrn Sokolow zu seinem Referate: Zionismus und die Wohltätigkeit im Osten. Sokolow hält, von Beifall wiederholt unterbrochen, seine von uns gestern bereits gebrachte Rede. Dr. H e r z 1 unterbricht hierauf die Sitzung für eine Viertelstunde und erteilt nach Wiedereröffnung — 12 Uhr — das Wort Herrn Dr. Kahn. Dr. Ka h n. Ich habe das Wort zu zwei Mitteilungen : i. In Amerika hat sich die neugebildete United Zionist Association an das Wiener Aktionskomitee um Anerkennung gewendet; dasselbe ist dazu nach unserem Organisationsstatut nicht allein berechtigt. Zur Konstituierung gehört noch die Zustimmung des grossen Aktionskomitees. Da uns Prof. Gottheil mitteilte, dass diese Zustimmung noch nicht gegeben wurde, wird über die Neubildung dieser Federation das grosse A. C. zu entscheiden haben. Die zweite Mitteilung ist die, dass die Delegierten, welche in der österreichischen Landsmannschaft vereinigt sind, durch eine Sammlung unter sich den Betrag von Fr. 265 aufgebracht haben, um ins goldene Buch eingetragen zu werden. (Bravorufe.) Baker teilt englisch Spenden des Dr. U m a n s k y mit, Dr. Kornhäuser. Im Namen des Permanenzausschusses habe ich folgendes zu berichten : Da sich das Gebiet der Agitation von dem der Organisation nicht streng scheiden lässt, hat der Permanenzausschuss keinen eigenen Agitationsausschuss einzusetzen, sondern blos einen Organisations- und Agitationsausschuss. Für diesen schlägt ihnen die Permanenzkommission folgende 31 Herren Delegierte vor: 1. Dr. Adler, 2. Dr. Friedemann, 3. Gronemann, 4. Dr. Dannenberg, 5. Dr. Halperin, 6. Sulzberger, 7. Bluestone, 8. Dr. Zweig, 9. Dr. Sal. Goldberg, ib. Karl Rezek, 11. Rabb. Dr. Nacht, 12. Horia Carp, 13. Dr. Lewy, 14. Dr. Sullam, 15. Dr. Umanski, 16. Percy Baker. 17. Dr. Dreifuss, 18. Dr. Stein, 19. Rechtsanwalt Jasinowski, 20. Podliszewski, 21. Kleinmann, 22. Pruschanski, 23. A. H. Reich, 24. Dr. Awinowitzki, 25. Dr. Weitzmann, 26. Berger (Minsk), 27. Rechtsanwalt Berlin, 28. Grünau, 29. Da Costa, 30. Krenowitsch, 31. Kahn aus Paris. Präsident Dr. Herzl. Ich werde den Antrag des Permanenzausschusses in Form der Akklamation zur Abstimmung bringen. (Geschieht.) Der Antrag wird angenommen. Kremenetzki. Als Mitglied des A. C. habe ich, sowie meine Kollegen aus dem engeren A. C. eine ziemlich unangenehme Situation auf dem Kongresse. Denn alle diejenigen, die im Laufe des ganzen Jahres am wenigsten gearbeitet haben, fühlen sich verpflichtet, auf dem Kongresse gegen das A. C. die heftigsten Angriffe zu richten. Als Referent des Nationalfonds bin ich nun in eine viel angenehmere Lage versetzt. Ich kann den Spiess umdrehen und muss ihnen leider mitteilen, dass nur Wenige es waren, die'- fleissig für den Nationalfonds gesammelt haben, während die meisten von Euch ihre Pflicht nicht erfüllt haben! Da wir zum ersten Mal über den Nationalfonds Bericht erstatten, gestatten sie wohl, dass ich über die Entstehung des Nationalfonds einiges Wenige vorausschicke. (Redner verliest die unter die Delegierten und Journalisten verteilte Brochure bis Seite 5. In dieser Brochure befindet sich auch die beifolgende tabellarische Uebersicht der Einnahmen des Nationalfonds.) Es wird vielleicht mancher die Ausgabenposten für etwas zu hoch halten. Diejenigen aber, welche über die Entwicklung des Nationalfonds und die Schwierigkeiten der Verwaltung bei der Bank informiert sind, werden diese Summen nicht zu hoch finden, weil die Bank tatsächlich viele unerwartete Spesen gehabt hat, die sich später wohl vermindern lassen werden. Die übrigen Provisionen haben wir an die Landeszentralen und Zeitungen gegeben und ich würde empfehlen, an diesen auch in Zukunft nicht zu sparen. (Die Brochure wird zu Ende gelesen.) Sie finden im Anhang in der Brochure eine Tabelle.*) Aus dieser können sie alle Details aus den verschiedenen Ländern, die Spenden, die uns durch wen immer zugeführt wurden, durch die Bank oder durch die Zeitungen, ganz deutlich ersehen. Es würde zu weit führen, diese Tabelle zu verlesen. Sie können sich denken, dass wir eine ausserordentlich scharfe Kontrolle führen. Ich bin in der angenehmen Lage, jedem Einzelnen selbst von den kleinsten Spenden, die Jn der »Welt« erschienen, zu sagen, von wo sie herkamen u. s. w. Ich möchte jetzt den Herrn Präsidenten bitten, eine Abstimmung zu veranlassen über die Schaffung einer Marke von höherem Einheitswerte. Es hat sich das Bedürfnis nach einer grösseren entsprechend ausgestatteten Marke herausgestellt z. B. für Gratulationsdepeschen und für Quittierung von grösseren Beträgen. Das kleine Markensystem ist derartig, dass man zehn Marken zusammen als System betrachten kann. Sobald man den Talon abreisst, z. B. um sie weiter zu verkaufen, so sind die Marken nicht mehr quittierungsfähig. Bei höheren Beträgen bedecken die Marken den ganzen verfügbaren Raum. Wir haben dafür ein anderes System erfunden. Es werden ebenfalls Blätter gedruckt mit einem Haupttalon. Dieser hat den Zweck, dass die Marken die Quittierungsfähigkeit behalten, solange man will. Separat ist dann unten noch ein Streifen angebracht. Kauft jemand diese Marken, so reisst er diesen schmalen Streifen ab, kauft er sie zum Weiterverkaufen, so lässt er den Streifen daran. Ich möchte Sie bitten, hier einen Beschluss zu fassen, dass das A. C. beauftragt wird, diese Marken im Laufe dieses Jahres sobald als möglich herzustellen. Wenn sie weitere Auskunft wünschen, bin ich gerne bereit, sie zu erteilen. (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Herzl: Hr. Kremenetzki stellt den Antrag, ausser den bestehenden Marken, welche nur die geringste Münze jedes einzelnen Landes darstellen, eine Marke im Wert von ungefähr 1 Mark, Schilling, Franken und dergl. je nach den verschiedenen Ländern herzustellen, welche für den Nationalfonds verkauft werden könne. Der Kongress darüber einen Beschluss fassen. Kremenetzki: Auf die Frage, wo der Nationalfonds verwendet wird, sollte ich gar keine Antwort geben; selbstverständlich in Palästina. Dann hat mich jemand aufmerksam gemacht auf die 200 Dunam Land des Nationalfonds. Sie sind von unserm Freunde Goldberg gespendet worden. (Beifall.) Dr. L e v i n : Im Namen der Minorität von 178 Delegierten, die bei der Abstimmung über die Ostafrika- Frage sich gegen die Entsendung einer Expedition ausgesprochen haben, habe ich Ihnen einige Anträge vorzulegen. Vorher aber habe ich m erklären, dass das Fortgehen der Minorität nach der Abstimmung keineswegs eine demonstrative Absicht hatte (Lebhafter, immer neu einsetzender Beifall), sondern der momentane Ausdruck unserer tiefen Seelenerschütterung war über den Beschluss, in dem wir eine Abweichung vom Baseler *) Die anbei publiziert ist. Die Red.

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