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Die Welt · 1903-08-28 · 5 (28.8.1903) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
5 (28.8.1903)
Article
Rede Sir Francis Montefiores
Date
1903-08-28
Page
12 (sequence 4)
Language
German
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Seite 12 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 5 keit ins Gedächtnis zurückzurufen, dass unsere Organisation die möglichst vollendete sein sollte, und Sie zu beschwören, alle Ihre Kraft einzusetzen, dieselbe auf die höchste Stufe zu bringen. Vor allen anderen Dingen dürfen wir nie vergessen, dass wir alle befähigt sind, dem grossen Werke zu nützen, und dass auch das beste, was wir zu tun imstande sind, nur das geringste darstellt, was ein ehrenhaftes Mitglied unseres grossen Volkes leisten sollte. ': " Was mich betrifft, freue ich mich — und aus der Tiefe meines Herzens fühle ich mich glücklich, nochmals Gelegenheit zu haben, öffentlich — wie ich dies schon oft getan habe — zu erklären, dass ich mich als einen loyal denkenden, eifrigen Zionisten bekenne und mich mit meinem ganzen Ich der grossen nationalen Bewegung widmen will — dass ich stets alles, was in meiner Macht liegt, tun werde, den Fortschritt und die Zukunft dieser uns so teuren Bewegung mit voller Kraft zu fördern und dem angestrebten Ziele näher zu bringen. (Langanhaltender Beifall und Händeklatschen). Der Präsident gibt zur Abstimmung noch einen Nachtrag: Dr. Heinrich Loewe bittet mitzuteilen, dass er mit Nein stimme. Das Resultat über die namentliche Abstimmung ist folgendes : Abgegeben wurden 473 Stimmen, Ja 295. Nein 178, Es ist also der Antrag des A. C. angenommen. (Erneuter, langandauernder Beifall.) Ich will aber hinzufügen : obwohl diese Abstimmung nun vorüber ist, will ich zur Erläuterung, zur Klärung von vielleicht in die Versammlung hineingebrachten Missverständnissen oder Irrtümern bemerken, dass die Annahme dieses Antrages nichts weiter bedeutet, als dass wir den Vorschlag, der uns gemacht worden ist, mit der gebührenden Achtung und dem gebührenden Ernste studieren werden. Das Ergebnis dieses Studiums wird dem Kongresse vorgelegt werden, welcher zu diesem Zwecke einberufen werden wird, und das Ergebnis dieses Studiums wird nicht erst auf dem Kongresse mitgeteilt werden, sondern schon rechtzeitig früher den Delegierten bekannt gegeben werden, sodass sie sich auf die Diskussion vorbereiten und die Stimmungen ihrer Wähler kennen lernen werden. Ich will das aber nicht in dem Sinne sagen, als ob ich glaubte, dass ein Delegierter sich vor dem Prinzip der Vertretung, das auch anderswo massgebend ist, dass man nicht mit einem bestimmten imperativen Mandat in die Versammlung komme, entfernen wird, sondern da es sich hier um wirkliche praktische Not handelt, die Stimmung auch nach dieser Richtung schon rechtzeitig erforscht werden kann. Denn das ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Frage, vor der wir stehen, die wir heute nicht gelöst haben, zu deren Lösung wir uns heute erst vorzubereiten begonnen haben. Das soll wohlverstanden sein und wenn es wohlverstanden ist, dann kann ich nicht begreifen, dass ein Teil der Delegierten sich in solcher Weise aus diesem Saale entfernt hat. (Sehr richtig! Bravo! Rauschender Beifall.) Ich will jetzt in Abwesenheit der Herren, die ich bald zurückerwarte, (Rufe : sie werden nicht kommen!) in dieser Sache weiterreden lassen. Dr. S y r k i n. Ich halte es für meine Pflicht, eine faktische Erklärung zu geben : Es ist keine Obstruktion, die die, welche mit Nein gestimmt haben, hier eingerichtet haben. Es ist blos eine der Massregeln, die bezwecken, verschiedenen Reibungen, die vielleicht etwas unangenehmen Charakter annehmen könnten, vorzubeugen und sie zu vermeiden. Das möchte ich auch dem Präsidenten sagen. Dr. N o s s i g. Ich lege hiemit in meinem Namen und im Namen vieler meiner Gesinnungsgenossen, deren Liste später vorgelegt werden wird, Protest dagegen ein, dass über einen Antrag abgestimmt worden ist, über den nicht debattiert worden ist, und ich bitte, dies ins Protokoll aufzunehmen. (Oho! Oho!) Präsident: Ich werde dem Wunsche des Hrn. Dr. Nossig selbstverständlich entsprechen. (Es werden noch einige geschäftliche Mitteilungen gemacht.) " Ich schliesse die Sitzung. Wir werden morgen das Traktandum »Zionismus und Wohltätigkeitsanstalten« zu Ende führen und dann zu den übrigen Punkten der Tagesordnung übergehen. Die Delegierten singen beim Verlassen des Kongresssaales das Nationallied. Schluss der Sitzung 8 Uhr. * * * Mittwoch - Vormittagsitzung. N. S o k o 1 o w ergreift nach stürmischer Begrüssung das Wort zu seinem Referat: Der Zionismus und die Wohltätigkeit im Osten, Verehrter Kongress! Nicht ohne Bedenken folge ich der Einladung, über die Wohltätigkeit und den Zionismus im Osten zu sprechen, denn weder kann schlechthin ein direkter Zusammenhang zwischen Wohltätigkeit und Zionismus gefunden werden, noch ist es leicht, in einer kurzen Spanne Zeit ohne jede Bezugnahme auf die ökonomische Seite einen Einblick in die meist verwickelten Probleme zu geben, welche gegenwärtig die Verwaltung der Gemeinden und der Wohltätigkeitsgesellschaften beschäftigen. Wenn ich es dennoch wage, für kurze Zeit Ihre Aufmerksamkeit auf die jüdische Wohltätigkeit im Osten zu lenken, so geschieht das in der Ueberzeugung, dass einerseits ein derartiger Gegenstand heute der Teilnahme grosser Kreise sicher ist, dass derselbe aber auch andrerseits einer zionistischen Behandlung umsomehr bedarf, als berufene wie nicht berufene zionistische Gegenwartsprogramm-Anhänger in den letzten Jahren sich diesem Gebiet zugewandt und auf Grund einer flachen, schablonenhaften Betrachtung der Gemeinde wie der Vereinsangelegenheiten nicht geringe Verwirrung angerichtet haben. Freilich kann es sich hier nur um ein in grossen Zügen zu entwerfendes Bild handeln, für das ich Ihre nachsichtige Aufmerksamkeit erbitte. Die alten Zeiten des jüdischen Volkes im Osten Europa's boten wenig Anlass zur Gründung rationeller wohltätiger Anstalten. Zwar fehlen uns ausführliche primäre Quellen über die ursprüngliche Ansiedelung jüdischer Einwanderer in den Ländern Ost - Europas und über die parallel sich entwickelnde Wohltätigkeit, aber es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass jede Gruppe in ihrer Kehilla die Armenfürsorge übte; waren doch die Juden in jener Zeit nur auf sich angewiesen, und bildete doch die Kehilla ein Surrogat einer zwar verkrüppelten, immerhin in manchen Hinsichten noch ganz autonomen Verwaltung. Je nach den Verhältiii sen des Landes setzten die Juden auch in der neuen Heimat die Pflege der strenggläubigen Z cdakah fort, oder wandten sich der Gründung yon eigenartigen C h e w r o t h - Zünften zu, worin freilich die Völker, unter denen sie lebten ihre Lehrmeister wurden. Letzteres war die bei weitem verbreitetste Form einer halbwegs vernünftigen Selbsthilfe. Der

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