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Die Welt · 1903-08-25 · [Sonder-Ausgabe] (25.8.1903) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe] (25.8.1903)
Article
Rede des Dr. Herzl
Date
1903-08-25
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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JNTo. 2 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 15 versetzen. Dazu ist eigentlich diese Tribüne gebaut, dass sich die vorhandenen Talente zeigen, die unsere Bewegung weiter führen, als es uns bisher gelungen ist. Aber er geht in seiner Kritik über die Grenze hinaus, die wir ihm einräumen können. Nachdem Herr Trietsch irgendwelche Prämissen aufgestellt hat, deren Haltbarkeit in den einzelnen Fällen wir kennen gelernt haben. (Herr Trietsch widerspricht lebhaft.) Ich will diesen Fall jetzt nicht festhalten, ich will gleich mit einem andern dienen. Herr Trietsch hat, nachdem er irgend welche Behauptungen aufgestellt hat, die er für richtig hält, die wir nicht für richtig halten können, gesagt: „Das ist eine entsetzlich falsche Manier, ernsteDinge zu b e h a n d e 1 n.u Das hat mir sehr imponiert (Beifall und lebhafte Heiterkeit.) Aber Herr Trietsch, Sie kennen ja die Manier gar nicht, wie wir derlei Dinge behandeln. Sie, der Sie einen oder zwei Artikel (Trietsch: alle bis dahin) — Herr Trietsch, der Sie alle Artikel bis dahin geschrieben haben, Sie haben so wenig eine Keimtnis von dem Land und seinen Bedingungen (Trietsch protestiert. — Rufe: Ruhig), dass Sie den heute vorhandenen wirklichen Kennern von El-Arisch, zu denen heute auch ich gehöre, gar nicht kommen können. Wir haben heute über El-Arisch nicht einige Zeitungsartikel mit*politischen Betrachtungen und Schätzungen und Annahmen, dass aus 1000 Einwohnern in einiger Zeit 5000 werden können, sondern wir haben eine vollständige Erforschung des ganzen Gebietes, eine vollständige Litteratur darüber. Wir haben eine Expedition ausgeschickt (Präsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte Sie, sich bei diesen überaus wichtigen Mitteilungen ruhig zu verhalten.) von Leuten, die ich in meiner Eröffnungsrede nur mit Namen genannt habe, die ich Ihnen aber jetzt vorstellen werde, so weit Sie sie nicht schon kennen. Die Expedition, die wir ausgeschickt haben, — weil wir glauben, dass man solche Dinge nicht mit Artikeln macht (Beifall), sondern dass man sie wegen der schweren Gewiss ensfragen, die mit der Ansiedelung von Menschen'verbunden sind, in einer sehr gründlichen Weise untersuchen muss (Beifall) — bestand aus folgenden Herren: Ingenieur Kessler, der hier anwesend ist und sachliche Auskünfte sehr umfassender Weise geben könnte, der in Südafrika reiche Erfahrungen gesammelt hat und uns aus seiner zionistischen Tätigkeit bekannt ist, in Palästina lange gewesen ist und in dem wir einen sehr tüchtigen Fachmann verehren; Herrn Architekten Oskar M ar m o r e k, der nicht nur als Mitglied des engern Aktionscomites, sondern wegen seiner hervorragenden Eigenschaften als Techniker mitgeschickt worden ist. Ferner Oberst Gr o 1 d - smid, welcher Generaldirektor der Hirschischen Kolonien in Argentinien war und grosse Erfahrungen in Ansiedelungen gesammelt hat; ferner einen d r ersten Fachleute im Wasserbau, Ingenieur Stephens, welcher eines der berühmtesten modernen Wasserbauwerke, den Damm von As-Syut in Egypten, geschaffen hat. Ferner Prof. Laurent von der landwirtschaftlichen Akademie von Champbellon in Belgien; Dr. Soskin, dem eine sehr langjährige Erfahrung in Palästina zur Verfügung steht; Dr. Hillel Joffö, welcher, während Dr. Soskin über landwirtschaftliche Fragen Untersuchungen anzustellen hatte, hygienische Fragen beurteilte und darüber Bericht erstattete und Mr. Humphreys, der im Dienste der egyptischen Regierung steht. So behandeln wir die ernsten Fragen (Beifall). Ich will mich auf die politischen Fragen des Herrn Trietsch nicht einlassen. Das sind Dinge, die ich nicht auf der Tribüne improvisiere, die ich mit meinen Freunden zuerst wohl berate, weil ich zu gut die Gefahren kenne, die für unsere Bewegung entstehen könnten, wenn in irgend einer Beziehung ein Fehler gemacht würde. Und ich gehe nicht ein auf politische Bemerkungen, die ganz vager Natur sind und über die ich mit Herrn Trietsch lieber beim Bier gesprochen hätte. Ich gehe auch nicht darauf ein, weil ich unsere politische Lage in der Eröffnungsrede eingehend besprochen habe. Herr Trietsch hat es für gut gehalten, gewisse Gespräche und Verbindungen vorzubringen, die man gewöhnlich im öffentlichen Leben nicht gebraucht. Sie sagen, Herr Trietsch, — vollkommen unrichtigerweise; ich spreche nur davon, weil sie mich provoziert haben — Ende Oktober hätte ich versucht, mich Ihnen anzunähern. Die Annäherung, die ich versuchte, hat darin bestanden, dass Herr Trietsch sich während der Verhandlungen des grossen Aktionscomites in Wien eingefunden hat, wo er nicht wohnt und auf das Kongressbureau gekommen ist, wo er ebenfalls nicht wohnt (Heiterkeit. — Trietsch: Wo er einen Freund zu sprechen hatte), was mir sehr willkommen war, weil ich dadurch die Gelegenheit hatte, mit Herrn Trietsch, mit dem ich mich sehr gern unterhalte, wenn ich auch seine Ansichten nicht immer teile, zu sprechen, und ich habe Herrn Trietsch auch verstehen lassen, dass ich mich sehr freuen würde, wenn ich seine Kraft für unsere Bewegung und in der Richtung der Tätigkeit des Aktionscomites verwenden könnte. So wenig Rancune hatte und habe ich gegen Herrn Trietsch, obschon ich nun gezwungen bin, ihm weh zu tun. Herr Trietsch sagt, ich wäre verpflichtet gewesen, mich mit ihm in Verbindung zu setzen. Ich will sagen, warum das n'cht geschehen ist. Ich war mit der Art und Weise, wie Sie, Herr Trietsch, sich mit Kolonisation beschäftigt haben, nicht einverstanden. Und da meine ich nicht Ihre Artikel, nicht Ihre Opposition, sondern Ihre praktische Tätigkeit, über die ich sehr unerfreuliche Dinge gehört habe., die ich auf das Schärfste missbilligen muss, weil ich gerade darin die Manier, in der man ernste Dinge behandeln soll, nicht gefunden habe (Unruhe, Beifall). Ich hätte Herrn Trietsch, obwohl man ihm einen schweren und nicht nur deklamatorischen Vorwurf machen könnte, seine früheren verstaubten Versuche nicht vorgehalten; weil er aber kommt und in der Weise, wie er es getan, gesprochen hat, will ich Ihnen das Protokoll vorlesen, welches mit einem seiner Opfer im Juni dieses Jahres in Wien aufgenommen worden ist. Dieses Protokoll, welches von 4 Zeugen unterschrieben worden ist, erzählt von der verunglückten von II. Trietsch veranlassten Expedition jüdischer Familien nach Cypern. (Rufe: Hört, hört das Protokoll wird verlesen.) Herr Trietsch, ich habe Ihnen nun eine Tatsache vorgeführt und ich werde schliessen (Trietsch: Sie haben mir die Tatsache eines Protokolls vorgeführt. — Rufe des Missfallens.) Herr Trietsch sagt, was ich von ihm erwartet habe, da3s ich nur die Tatsache eines Protokolls vorgebracht habe. Ich habe das so sicher erwartet, dass ich diese Frau vom Juni an im Auge behalten habe, und dass sie hier in Basel ist, weil ich gewusst habe, dass Herr Trietsch mir diese Antwort geben werde (Grosser Beifall.) Ich schliesse. Erlauben Sie mir noch ein Wort hinzuzufügen. Ich überlasse es der Entscheidung des Kongresses, ob die zionistische Bewegung der Einladung zum Tanze folgen soll, die Herr Trietsch an uns hat ergehen lassen. Ich will nur meine Ansicht sagen: Ich glaube, dass die Art, wie Herr Trietsch sich um die Angelegenheiten der Juden bekümmert, eine entsetzlich falsche Manier ist, ernste Dinge zu behandeln (Stürmischer Beifall).

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