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Die Welt · 1903-08-25 · [Sonder-Ausgabe] (25.8.1903) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe] (25.8.1903)
Article
I. Verhandlungstag (Fortsetzung des Berichtes der Vormittagssitzung)
Date
1903-08-25
Page
3 (sequence 1)
Language
German
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No. 2 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 3 I. Verhandlungstag. (Fortsetzung des Berichtes der Vormittagssitzung.) Weiterer Antrag Doktor Rosenbaums. Am 3. Baseler Kongress sei beschlossen worden, dass solange die Bank-Kommission, welche die Wünsche dieses Kongresses in juristische Form kleiden sollte, ihren Bericht dem Kongress nicht vorgelegt habe, seitens der Bank keine wichtigen Schritte getan werden dürfen. Er beantrage daher, dass die Bank-Kommission berichte, was sie getan, damit der Kongress auch mit Bezug hierauf Beschlüsse fassen könne. Da dieser Bericht unter Punkt 14 falle, wo die Kräfte bereits erschöpft seien, beantrage er also, den Bericht der ständigen Ausschüsse ad Punkt 7 zu nehmen. Präsident: Das A. C. schliesse sich dieser Ansicht nicht an, da jeder Punkt der Tagesordnung Gelegenheit gebe, dem A. C. Vertrauen oder Misstrauen zu votieren, geradeso wie beispielsweise auch in Sachen der Organisation, des Nationalfonds etc. Er wolle jedoch, ohne sich in eine weitere Diskussion einzulassen, den Kongress befragen, ob er die vom A. C. vorgeschlagene Tagesordnung beibehalten oder abändern wolle, in letzterem Falle ob in Form Dr. Bosenbaum oder in einer andern. Die Abstimmung ergibt: Die Tagesordnung bleibt in der vom A. C. vorgeschlagenen Form. Rabinowicz, zur Geschäftsordnung (russisch): b eantragt Abhaltung einer religiösen Totenfeier für die Opfer von Kischenew. Der Präsident erwidert, dass solche Anträge nicht in die Beratung über die Geschäftsordnung gehören. Er bemerke jedoch, dass eine Totenfeier bereits gelegentlich seiner eben gehaltenen Rede stattgefunden habe, in der für eine Versammlung geziemenden Form. (Beifall). Der Kongress sei keine religiöse sondern eine p o 1 it i ti s c h e Versammlung (grosser Beifall). Er sei aber überzeugt, dass bei Abhaltung einer religiösen Totenfeier an dem dazu geeigneten Orte gewiss keiner von ihnen fehlen werde (lang anhaltender Beifall). Mittaker (englisch) beschwert sich, dass 80—100 Delegierte keinen Platz bekommen hätten, und beantragt Massregeln zur Unterbringung der Delegierten. Der Präsident erklärt, er Werde jetzt keinerlei Massregel ergreifen, bitte aber die Ordner, für Abstellung des Übelstandes bei den folgenden Sitzungen zu sorgen. Dr. Leop Kahn: empfiehlt auch im allgemeinen die Übersetzung wichtiger Anträge und Reden ins Hebräische. Dr. Bernstein schlägt die Revision der Journalistenkarten vor, um Raum für die Delegierten zu gewinnen. Präsident bittet die Ordner, zur Regelung auch dieses Punktes nach der Sitzung zusammenzutreten. Dr. Levi. Er könne sich als Journalist dem Votum Dr. Bernsteins nur anschliessen; sie, die Journalisten, seien gezwungen, ihre Arbeit stehend zu verrichten, was ja für den Kongress von Nachteil sein müsse. Ruskin schlägt vor auch zuweilen, wenn nötig, wichtige Anregungen in den Jargon zu übersetzen. Präsident bemerkt, dass eine zu reichliche Übersetzung den Gang der Verhandlungen in die Länge ziehen werde. Er empfehle Übersetzung nach Massgabe des Bedürfnisses. Da keine weitern Anträge gestellt wrerden, so verkündet der Präsident, dass in der Nachmittagssitzung der Rechenschaftsbericht des A. C. verlesen werde und schliQsst die erste Sitzung um ll3/^ Uhr vormittags. Sonntag, 23. August, Nachmittags 3 Uhr. II. Sitzung. Vorsitzender: Dr. Max Nordau: bringt vor Abwickelung der Tagesordnung 2 Anträge zur Verlesung, die zur einer weitern Besprechung keinen Anlass geben: 1. Der Antrag des Delegierten Jakob Bero, die Rede des Präsidenten Dr. Herzl sofort dem Druck zu übergeben und unter sämtliche Delegierte zu verteilen. 2. Keine Debatte über die Rede des Präsidenten zuzulassen, bevor alle Delegierten die Rede gedruckt in Händen haben. Beide Anträge werden genehmigt. Der Kassabericht des A. C. gelangt zur Verteilung. Dr. K o k e s c h : (lebhaft akklamiert) verliest den Kassabericht des A. C. (s. u.) Eine Erklärung verlangen das Korrespondenzkonto in Soll und das Deckungskonto in Haben, die beide gleich sind. An einem der vorigen Kongresse und in der Generalversammlung der Bank wurde dem A. C. von denjenigen Beträgen, welche aus den verfallenen Subskriptionen, für Aktiender Bank verblieben sind, ein gewisser Betrag für Erwerbung von Konzessionen bewilligt. Diese Beträge, die für solche Zwecke ausgegeben wurden, wurden auf das Korrespondenzkont o gebucht und von der Bank aus dem Deckungskonto zurückgegeben. Der Referent führt dann nach einige vergleichende Daten über die Schekelbewegung seit Beginn des Kongresszionismus an. Im ersten Kongressverwaltungsjahr betrug die Schekeleinnahme 78,321.64, im vorigen stieg sie auf 121,493.23, im letzten hat sie sich nahezu verdoppelt und gegenüber dem vorletzten verdreifacht: 221,566.84 im Vergleich zu 78,321 im vorletzten und 121,493 im vorhergegangenen Jahre. Was die einzelnen Länder betrifft, so sei im Schekeleingang ein Fortschritt der Bewegung zu verzeichnen; verdoppelt oder noch mehr vergrössert seit dem Vorjahre habe er sich in Russland, der Schweiz, Deutschland, Nordamerika, Südafrika und Palästina, verdreifacht in Holland, Belgien und England. Neu hinzugekommen seien Dänemark und Griechenland. Namens der Revision teilt Delegierter E e 1 d s t e i n mit, dass die Belege mit den Büchern verglichen, geprüft und alles in musterhafter Ordnung befunden worden sei. (Lebhafter Beifall.) Nach einigen geschäftsordnungsmässigen Enunziationen des Präsidiums verliest, von rauschendem Beifall begrüsst, Architekt M a r m o r e k den Rechenschaftsbericht des Aktions-Comites. Die zionistische Volksbewegung steht im innigen Kontakt mit dem Leben, den Leiden und Freuden des jüdischen Volkes, und diese sind es, welche seine Tätigkeit und Bemühungen bestimmen und dirigieren. Noch auf dem ersten Kongresse konnte der grosse Schilderer der Lage der Juden seinem düsteren Bilde einige, wenn auch wenige Lichter aufsetzen. Heute nach kaum 7 Jahren sind sie alle verdunkelt, und fast überall, wohin wir unsere Blicke auch wenden mögen, ist die Situation eine düstere, kaum in den Nüancen der Trostlosigkeit sich von einander unterscheidende. — Der V. Kongress tagte unter dem Banne der heranziehenden rumänischen Katastrophe. Die Lage unserer Brüder in Rumänien hat sich seitdem nicht verbessert. Das damals erst in Aussicht gestandene Handwerkergesetz ist zur Wirklichkeit geworden und hat Tausende von jüdischen Exis-

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