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Die Welt · 1903-08-24 · [Sonder-Ausgabe] (24.8.1903) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe] (24.8.1903)
Article
Die Eröffnungsrede Dr. Herzls
Date
1903-08-24
Page
15 (sequence 4)
Language
German
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Separat-Ausgabe Nr. 1 „Die Welt" Seite 15 möchte, dem gesamten Kongresse vorzulegen, würde mir nicht praktisch scheinen. Es scheint mir richtiger, Sie zu bitten, dass Sie einen kleinen Sonder- Ausschuss wählen, der sich mit der ganzen Angelegenheit zu befassen hätte. Was immer beschlossen werden mag' — soviel kann ich getrost sagen, dass wir Alle im Herzen nichts als das tiefste Gefühl der Dankbarkeit für das staatsmännische Wohlwollen empfinden, das Grossbritannien in diesen Verhandlungen dem jüdischen Volke gegenüber bekundet hat. Zion ist dies freilich nicht und kann es nie werden. Es ist nur eine Kolonisationsaushilfe, aber wohlgemerkt-auf nationaler und staatlicher Grundlage. Das Zeichen zum Aufbruche können und werden wir unseren Massen darauf hin nicht geben. Es ist und bleibt lediglich eine Notstandsmassregel, die der jetzigen Ratlosigkeit aller philantropischen Unternehmungen abhelfen und dem Verluste solcher versprengter Volksteile vorbeugen soll. So lagen die Dinge, als die letzte Wendung eintrat, die erst wenige Tage alt ist, aber eine sehr bedeutende Entwicklung vorstellt. Die wohlbekannten Ereignisse machten es notwendig, dass ich im Interesse des jüdischen Volkes nach Russland reiste. Ich hatte die willkommene Gelegenheit, mit der dortigen Regierung zu verkehren, und ich kann sagen, dass ich einem gewissen Verständnisse unserer zionistischen Bestrebungen begegnete, sowie auch Aeusserungen des guten Willens hörte, etwas Eni scheidendes für uns zu tun. Ich gestehe übrigens, dass ich bei dieser Gelegenheit nicht nur Parteimann war — Sie werden mir es nicht übel nehmen. Ich sprach nicht nur für die Zio,nisten, sondern für alle Juden in Russland. Ich bemühte mich, einige Verbesserungen ihrer traurigen Lage zu befürworten, und erhielt auch die Zusicherung, dass solche Erleichterungen demnächst in Erwägung gezogen werden sollen. Bedeutender waren die Zusicherungen, die ich für die zionistische Bewegung erhielt. Ich bin in der Lage zu erklären, dass die russische Regierung dein Zionismus kein Hindernis in den Weg legen will, wenn er wie bisher einen ruhigen und gesetzlichen Charakter behält. Die russische Regierung ist ferner bereit, bei der Dekkung der Gelderfordernisse einer von uns Zionistcn geleiteten Emigration mitzuwirken. Endlich, und darauf ist wohl das allergrösste Gewicht zu legen, ist die russische Regierung bereit, unsere Bemühungen um die Erlangung von Palästina bei S. M. dem Sultan mit ihrem Einfluss zu unterstützen. Die Tragweite dieser Erklärung, die ich dem Zionistenkongresse übermitteln darf, ist wohl jedem erkennbar. Ein solches Versprechen der russischen Regierung bedeutet einen diplomatischen Gewinn, der nicht zu hoch veranschlagt werden kann. Nicht nur ist ein enormes Hindernis beseitigt, es ist auch plötzlich eine mächtige Nachhilfe vorhanden. Ihre Wirkungen sind allerdings noch abzuwarten, aber mit erfrischtem Mute und grösseren Aussichten als je vorher können wir unsere Bemühungen um Erez Israel fortsetzen. Es wird natürlich auch jetzt wieder Leute geben, die nur das Bittere aus diesen Vorteilen heraussehen. Die Hilfe der Mächte, werden diese Leute sagen, bedeute nichts Erfreuliches. Sie wollen uns los haben oder sie wollen uns nicht hinein lassen. Gut! wenn darin eine Ungerechtigkeit gegen unser Volk liegt, so wpllön wir darauf die Antwort in Zukunft geben. In unserer Zukunft, in unserem Lande! UncP diese Antwort soll bestehen in einem Erhöhen der menschlichen Gesittung. Die Vormittagssitzung. Nachdem der Beifall, der nach Dr. Herzls Rede immer wieder losbrach, sich gelegt hatte, verlas Dr. Herzl das nachfolgende Begrüssungsschreiben des Basler Rathes, das jubelnd' aufgenommen wurde: Basel, den 19. August 1903. Der Regierungsrat des Kantons Baselstadt an das Bureau des 6. Zionistenkongresses in Basel. Hochgeehrte Herren! Sie beehren uns mit der Einladung zur Teilnahme an den Sitzungen des 6. Zionistenkongresses. Wir sind Ihnen für diese Einladung zu verbindlichem Danke verpflichtet und teilen Ihnen mit, dass wir unsern Mitgliedern den Besuch der Sitzungen freigestellt haben. Wir nehmen zugleich den Anlass wahr, den Kongress in Basel willkommen zu heissen. Es ist das fünfte # Mal, dass die Zionisten sich hier zur Beratung zusammenrinden. Wenn es Ihnen gelungen ist, durch Ihre jährlichen Versammlungen in Basel Ihre ernsten Bestrebungen zu fördern, und wenn der diesjährige Kongress diese Bestrebungen neuerdings stärkt und Sie um einen weitern Schritt Ihrem Ziele entgegen führt, so gereicht es auch den Behörden der Stadt, die dem Kongresse Gastfreundschaft bieten darf, zur aufrichtigen Genugtuung. Wir bitten Sie, der Versammlung unsern Willkommgruss übermitteln zu wollen und verharren mit ausgezeichneter Hochachtung Der Präsident des Regierungsrates: Dr. Zutt Der Sekretär: Dr. - A. Im Hof. Hierauf bringt Dr. Alexander M ar m o r e k die Anträge der Permanenzkommission vor. Die Permanenzkommission beantragt mit Rücksicht auf erhöhte diesjährige Arbeit Vermehrung der Vizepräsidenten von 3 auf 4. — Angenommen. Dr. Marmorek schlägt die Liste vor. Prä s i d e n t Dr. Herzl. Vizepräsident Dr. M. Norda u, Dr. M. M a n d e 1 s t a in m, Sir Montefiore, als Vierter Dr. M. Bodenh eimer. Dr. Herzl beantragt Abstimmung per Akklamation. Wird angenommen. Dr. Marmorek schlägt weiter vor als Beisitzer: Dr. A. Marmorek, Zangwill, Prof. Gottheil, Dr. Tschlenow, Joel Weil, S. Pineles, Ingenieur Temkin, David Wolffsohn, Ingenieur Kessler. Die Anträge werden angenommen. Dr. Marmorek beantragt mit Rücksicht auf die grösseren Aufgaben Erhöhung der Zahl der Schriftführer von 6 auf 12: angenommen, und zwar als Sekretär für Hebräisch, N. Sokolow, Rabb. M. Lewin, für Deutsch Dr. J. W. Marmorek, Dr. Moses Mannh Engnscn Percy Baker, Italienisch Dr. F. Ravenna, Russisch Dr. Bernstein-Kohan, Prof. Dr. Belkowski, Dr. Bruck, Französisch Dr. A. Marmorek, Jargon Rechtsanwalt Rosenbaiun, Polnisch Dr. A. Kornhäuser. Diese Liste wird angenommen. . Ordner: Herr G. Salkind, Abrahamson, Sachs. Zuckermann, Mordechajew, Goldreich, Wolowinsky, Lewin, Reichenbach, Pergamenter, Philipp, Lazarus. Dr. Marmorek: Über die Wahl der anderen Ausschüsse wird der Permanenz-Ausschuss im Laufe des heutigen oder morgigen Tages referieren.

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