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Die Welt · 1903-08-24 · [Sonder-Ausgabe] (24.8.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe] (24.8.1903)
Article
The Jewish Colonial Trust
Date
1903-08-24
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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No. 1 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 9 Schweizer Landsmannschaft. Präsident: Joel Weil. Russische Landsmannschaft. Präsident: Dr. Kohan-Bernstein. Beisitzer: Diese n h o f Odessa, Rosenba u m Minsk. Schriftführer: B e rge r Minsk, L. J affe Grodno. Englische Landsmannschaft. Präsident: Mr. Josef Cowen. Deutsche Landsmannschaft. Das Centralcomite der zionistischen Vereinigung für Deutschland. Vor dem Kongresse. Der Tausendste!" sagte lakonisch der Beamte, als er gefragt wurde, ob schon viele Delegierte und Gäste Karten zum Eintritt verlangt hätten. „Der Tausendste ist soeben abgefertigt worden." Das war H Tage vor Beginn des Kongresses. Die Beteiligung ist also heuer, wie übrigens vorausgesagt worden war, eine ausserordentlich starke. Das Bild, das wir schon seit Jahren zu sehen gewohnt-sind, wird sich auf diesem Kongresse infolgedessenfarbenreicher als je gestalten. Alle Sprachen der Diaspora klingen durch einander und doch verstehen sich merkwürdigerweise die Leute sehr gut. Die Spezialität unseres Kongresses, wenn man so sagen darf, die Verhandlungen in hebräischer Sprache sind jetzt ungemein häutiger als sie vor Jahren waren. Als Charakteristikum sei diesbezüglich eine Szene erwähnt, die sich in einer Sitzung der russischen Landsmannschaft abspielte. Einer der Delegierten hatte verlangt, dass vom Präsidium aus die in russischer Sprache vorgebrachten Reden kurz übersetzt werden mögen, da sich auch unter den russischen Delegierten viele befinden, die einem russischen Vortrage entweder gar nicht oder doch nur schwer folgen könnten. Darauf erhob sich ein anderer Delegierter und erklärte, man könne sich die Uebersetzungen ersparen, wenn man einfach hebräisch spräche. Gegen diesen Vorschlag erhoben sich in der Tat nur wenige Stimmen und man kann in den Sitzungen der Landsmannschaft neben dem Russischen und dem Jargon auch ausserordentlich viel Hebräisch hören. Wenn die Verständigung unter den Delegierten außh in anderen Punkten so leicht vor sich gehen wird, wie in Bezug auf die Sprache, dann können wir erwarten, dass die Verhandlungen des Kongresses glatt verlaufen werden. Dieser glatte Verlauf wird sicherlich dadurch sehr gefördert, dass bereits eine Woche vor dem Kongress die Beratungen der einzelnen Landsmannschaften, Gruppen und Kommissionen begonnen haben. Zu denjenigen Gruppen, welche mit der grössten Ausdauer und Freudigkeit ihren Beratungen obliegen, gehört wie alljährlich die russische. Eine markante Gruppe ist auf dem heurigen Kongresse die des Misrachi. Es ist merkwürdig, wieviel an parlamentarischen Bräuchen bereits die Delegierten seit dem ersten Kongresse gelernt haben. Die Beratungen vollziehen sich selbst dort, wo es zu prinzipiellen Auseinandersetzungen kommt, trotz aller Lebhaftigkeit im grossen und ganzen in Ruhe, und den Anordnungen der gewählten Bureaux wird manchmal schwer aber schliesslich immer doch Folge geleistet. Die Früchte dieser Vorberatungen werden sich gewiss auf dem Kongresse zeigen. . Man darf erwarten, dass unfruchtbare Debatten nach Möglichkeit vermieden werden und dass die Delegierten, die sich in ihren Landsmannschaften bereits über die wichtigsten Punkte verständigt haben, auf dem Kongresse selbst in sachlichster Weise sich a*useinandersetzen werden. Wie dem aber auch sei, sicher ist es, dass heuer wie alljährlich von Seite der Delegierten mit dem grössten Eifer an die Arbeit gegangen wird, so dass wir bereits jetzt als sicher annehmen dürfen, dass dieser Kongress in seinen Ergebnissen zu den fruchtbarsten zählen wird, die bisher die zionistische Bewegung aufzuweisen hat. Kaukasische .Bergjuden. Die zwei markantesten und malerischesten Gestalten des heurigen Kongresses sind ohne Zweifel die zwei Delegierten der kaukasischen Bergjuden, die eine weite Reise und grosse Kosten nicht gescheut haben, um dem Kongresse beizuwohnen. In den langen Gewändern der kaukasischen Bergbewohner — sie werden von den jüdischen und nichtjüdischen Stämmen gleichmäßig getragen — mit den«goldenen Kettchen vorn auf der Brust, die oben von den Krallen eines Vogels zusammengehalten werden, machen sie einen zwar fremdartigen, aber doch ausserordentlich guten Eindruck. An den Kettchen sind kleine Behältnisse angebracht, in welchen sich gewöhnlich die Gewehrpatronen befinden. Als Waffe tragen sie einen kurzen dolchartigen Säbel, der quer vom Gürtel herunterhängt. Die beiden Delegierten gehören zum Stamme der Gorski-kaukasischen Juden, die wie die andern kaukasischem Juden Sefardim sind. Delegiert wurden sie vom Batalpaschinsker Verein aus dein Rayon Ekaterinoslaw. Sie sind aber nicht aus Batalpaschinsk sondern der eine, M a t w i e j B o g a t y r e w (zu deutsch : „ Held") aus Grozny, der andere, Salomen Mord u ch a j e w, aus Aksajsk. beides im Gouvernement Tersk im Kaukasus. Nach dem ersten Kongresse erhielten die Juden in Tersk eine Broschüre über den Zionismus von Dr. S c h 1 ap o s c h n i k o w, wurden dadurch für unsere Bewegung gewonnen und seit der Zeit zahlten sie den Sch ekel. Sie waren anfangs dein A.-C.-Mitglied Ja kobsöhn unterstellt und unterhielten bereits damals mit ihm eine rege Korrespondenz. Nach dem dritten Kongresse, aber wurden sie dem Rayon U s s i s c h k i n ei nverleibt. Auf dem Rückwege von Petersburg im Jahre 18VK) hatten sie Gelegenheit,, sich durch Herrn Schlaposchnikow näher über den Zionismus zu informieren. Schlaposchnikow war auch ihr Vertreter auf allen folgenden Kongressen. Im letzten Jahre vergrösserte sich die Schokelgruppe in Batalpaschinsk auf 150 Mitglieder. Auch wurden einige Aktien verkauft trotzdem die Leute sich nicht in besonders glänzenden Vermögensverhältnissen befinden. Sie bekommen auch jetzt noch regelmässig Briefe und Zirkulare vom Rayonvorsteher Ussischkin, die sie punktlich beantworten. Gewöhnlich halten die Juden Einzelversammlungen einmal wöchentlich ab. in welchen die Briete der Rayons - vorsteherund die Zeitschriften vorgelesen und besprochen werden. Grössen; Zusammenkünfte linden an allen jüdischen Festen statt, zu denen gewöhnlich einige hundert Leute zusammenzukommen pflegen. Die Bevölkerung dieser Gouvernements war autochthon schon bevor der Kaukasus unter russische Oberhoheit kam. Damals, als die Russen im Kaukasus erschienen, gingen die Voreltern dieser Juden in die russi-

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