Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Article
- Tischgespräche aus dem Café "Weidhof"
- Date
- 1903-08-14
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 16 #)ie £ Weit" Nr. 33 Glaskästen Flöhe, der andere in seinen Ställen Pferde, die ja ebenfalls eine bemerkenswerte Springmuskulatur haben; der eine schafft sieh teure Hunde mit Flöhen, der andere teure Flohe ohne Hunde an. Her Unterschied liegtnur in der Grosse dieser Sporttiere und in der Zahl ihrer Beine." Dr. Ernst blickte auf die Uhr: „Aber jetzt Herr Kohn, i.st es höchste Zeit! Wenn wir zur verabredeten Zeit ankommen wollen, müssen wir aufbrechen!" Sie empfahlen sich und Hessen Herrn Manne Istein allein im Iiinterstübchen zurück. Her Privatier versank in tiefes Sinnen und schüttelte von Zeit zu Zeit den Kopf, sowohl um seinem unbegrenzten Erstaunen Ausdruck zu verleihen, als auch um eine zudringliche Fliege abzuwehren, die seine Nase mit olfenbar ernst gemeinton Annäherungsversuchen behelligte. „Wenn du mir nicht Euh' gibst," schrie endlich Herr Mannelstein erbost indem er zornig zu seiner Nasenspitze hinab auf die Fliege schielte, „so leg' ich mir eine Fliegensammlung an, und d ii wirst der Grundstein sein!" Die Drohung wirkte. Der in Aussicht genommene beschwingte Grundstein verliess gekrankt die spröde Nase seiner Sehnsucht, schwirrte resignierend von dannen und "Herr Manne Istein konnte sich jetzt ungestört einem Genuss hingeben, nach dem sein schlummermiidcs, von der Augusthitze belastetes Haupt schon seit einem Weilchen verlangte: er konnte einnicken. Während sein Kinn fest auf der Kravatte ruhte und sein Angesicht ein intensiveres Bot annahm, erblickte er / eine Eeihe ungewöhnlicher Bilder: Ein märchenhafter Palast, dessen Gemächer mit einer dreifachen Lage von Banknoten tapeziert sind. Allerorten liegen in malerischer Unordnung grosse Kuponscheeren herum. Die Köpfe der Ziernägel an den Möbeln bestehen ans blanken Goldstücken. Auf einer umgestürzten eisernen Kasse sitzt ein. Herr und wühlt hastig mit den Fingern in den Haaren eines grossen Hundes, als würde er etwas suchen. Das Antlitz des Mannes ist schwermutsvoll und bleich, ein quälender Gram scheint an seinem Herzen zu nagen. Von Zeit zu Zeit zieht er etwas aus dem Fell des Hundes hervor, betrachtet es aufmerksam, wirft es jedoch alsbald wieder mit einem Ausdruck tiefer Uebersättigung auf den Hund zurück und klagt: „Ach, was nützen mir die schönsten und farhensattesten Ergebnisse bei Hunden! Mein Sehnen und Trachten gilt ja doch nur einem einzigen Wesen! — Dir allein gehört mein Herz, aber, ach, du weilst ferne, ferne von mir, in den unwirtsameii Gefilden des i^olarschnees, und wer weiss, ob dich je mein Auge erschauen wird!" Der unglücklich Liebende neigt schmerzgebeugt den Kopf, zieht seine mächtige Börse und schüttelt sie, dass die Goldstücke weithin erklingen. Dieses Glockensignal ruft einen Diener herbei. „Sie dürfen mir den Hund nicht zu rein halten/4 befiehlt der bleiche Herr, „das erschwert mir die Arbeit!" * Weitgedehnte Schneefelder. Graues Halbdunkel, bitterkalte Winde. Heber den Schnee stapfen zwölf in dicke Pelztracht gehüllte Männer. „Jetzt sind wir schon fünf Wochen in dieser verdammten endlosen Eisgrube und können ihn noch immer nicht finden, das kann so nicht weiter gehen \" „Ich gestatte mir einen Vorschlug: wir werden durch einen Gewaltstreich diesem schauerlichen Leben ein Ende machen; wir kehren geradenwegs um und bringen unserem Herrn Ohof einfach den Floh einer Eskimofrau, der ja leicht zu hesthaffen ist. Da der Herr Baron den Polarfuchs-Floh nicht von Angesicht zu Angesicht kennt, wird er den frommen Betrug nicht merken!" „Bravo! Bravo! Bravo!" „Also das ist der Floh vom Polarfuchs! So war es mir dennoch vergönnt, den Heissersehnten vor meinem Ende ans Herz drücken zu dürfen!" Wie weiche Rührung zittert es in der Stimme des Barons, in seine bleichen Wangen ist ein Kot inniglicher Freude gekommen. Er presst das mit Spiritus gefüllte Fläsehchen, in dem ein kleiner rotbrauner Punkt herumschwimmt, fest an seine linke Brustseite; „aber nun habe ich nur noch eine Bitte an euch, meine wackeren Polarpioniere: mir fehlt jetzt noch der Floh des Eskimo. Ich muss ihn unbedingt zur Vervollständigung meiner Sammlung haben. Ihr müsst also wieder umkehren und mir diesen Floh, auf den ich absolut nicht verzichten Flohunterschiebung zu begehen." * Woi (gedehnte Schneefelder. Zwölf in dicke Pelze gehüllte Männer trotten fluchend über die weisse Fläche. „Den Eskimofioh will er! Zu blöd! Er hat ihn ja schon „Ja, da bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als gleichwohl den Polarfuchs-Floh aufzutreiben und neuerdings eine FloluLuterschiebung zu begehen. ------Herr Mannelstein erwachte'und rieb sich verwundert die Augen. E. E. Briefkasten. An die P. T. Einsender. Anlässlich des unmittelbar bevorstehenden Kongresses ist die Redaktion derart in Anspruch genommen, dass die Erledigung der Korrespondenz bezüglich der Einsendungen erst nach dem Kongresse erfolgen kann. Stryj. iSL Paris 8, rue L^onie, Z. London W 5 Elm. Tree Rd. St. Johns Wood, M, uns unbekannt. Herrn K. in F.: Kommt diese Woche, Wir müssen bei unseren Raum Verhältnissen leider etwas kürzen. Nichts für ungut. Gruss. A. A. i. E.: Was ist mit weiteren Berichten aus J.? Gedicht dankend abg. Gruss. Frl. Brümann, Heidelberg. Die Karten für Korrespondenten werden erst in Basel von nächster Woche ab ausgegeben, wie uns das Kongressbureau mitteilt. Gruss. Hr. Simon, Freudenst. Dankend akzeptiert. Nach dem Kongresse erst publizierbar. Hr. Schapira, Prag. Information dankend zur Kenntnis genommen, Auf die Zusammensetzung der Tagesordnung haben wir keinerlei Einfluss. Wird also bei Besprechung eines anderen Punktes behandelt werden, ing. Benjamin, Odessa. Sehr in Anspruch genommen, komme nicht zu brieflicher Antwort. Sap. Artikel nächste Nummer. Gruss an alle Freunde. M. S. F. Grandrabbin Zadoc Kahn, Paris 17 Rue St. Georges. Hr. AK Bernstein, Gorno. Können wir erst nach Einsicht entscheiden. Zentralkomitee der bulgarischen Zionisten. Die beiden Kopien dem A. C. übergeben. Hr. J. Marsshak, Bern. Die Wahlen werden dem Kongressbureau angezeigt und nur von diesem in der „Welt" veröffentlicht. Zion, Radomysl. Ihre Zuschrift wurde von uns dem Landeskomitee übergeben. J. K., Kuty. Wir haben in diesem Orte keinen Abonnenten. 0. Sal. in Bukarest. Ihr sehr beachtenswerter Vorschlag wurde von uns dem Kougressbureau übergeben. Hr B. L, Krakau. Bericht erhalten. Bereits von anderer Stelle versorgt. Herzlichen Dank. Hr. A., Husyatin. Bitten um Geduld bis nach dem Kongress. Hr. J. M., Kopenhagen. Bitten um Geduld bis die Kongressarbeit vorüber ist. Hr. Dr. A. Fried., Wiesbaden. Nachricht und Photographien erhalten. Besten Dank.