Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Article
- David Speier [Rezension]
- Date
- 1903-08-14
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 33 „Die j& Wdt5e Seite 15 Tätigkeit Fausts verglichen wird, kann da als fremder Aufputz nur peinlich wirken. — Viel höher steht das Buch Pruschanskis. Das hat ein unleugbar begabter Schriftsteller, geschrieben. Auch hier die Milieuschilderung eines kleinen jüdischen Städtchens, aber um wie viel liebevoller, malerischer, feiner. Selbst dass man die Schicksale eines Haskaie jünglings, etwa verschwommen und oberflächlich vorgefüürt, mit in den Kauf nehmen muss, kann den guten Gesamteindruck nicht stören. Humor und Ironie machen das Buch viel anziehender als andere seinesgleichen. Einzelne Stücke — die Schilderung der Kahalwirtschaft, der verkommenen Adeligen, der käuflichen Beamtenschaft — sind so frisch und ergötzlich, dass sie allein schon dem Buche seine Verbreitung sichern. Darüber wird man die etwas dürftige Fabel des Romanes und selbst die Unbehilfiichkeit, die sich manchmal bemerklich macht, gerne vergessen. Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Lektüre. W. Israel Waldmann: „Blütenlese*. (Eine Uebersetzurjg Morris R o s e n f e 1 d'scher Jargongedichte, Wien 1903, im Verlage des akademischen Vereines „Bar Kochba". Druck von E. Weidenfeld (polnisch). Ein kleines schmuckes Bändchen, das 19 der besten Gedichte Rosenfelds in stellenweise mustergiltiger polnischer Uebersetzung enthält. Der Uebersetzer hat es dem Vereine „Bar Kochba" in Wien, dem er angehört, anlässlich des Jubiläums des fünfjährigen Bestandes zugeeignet. Es verdient Beachtung als der erste Versuch, ein weiteres polnischlesendes Publikum mit der Eigenart Rosenfelds bekannt zu machen. Wenn sich auch neben überaus gelungenen Gedichtchen („Das Wunderschiff*, „Die Braut", „Poesie") so manche Niete findet, so ist doch der Versuch im Grossen und Ganzen als geglückt zu bezeichnen. Eine nicht unwahrscheinliche Neuauflage wird dem Uebersetzer Gelegenheit geben, die Sammlung zu bereichern und die Nieten auszumerzen. Die nette äussere Ausstattung macht der rührigen Firma E. Weidenfeld in Stanislau alle Ehre. w. f. e. Die Baron Hirsch-Stiftungen. Das Kuratorium der „Baron Hirsch-Stifcung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes in Galizien" versendet seinen Bericht über die Tätigkeit im Laufe des Scnuljahres 1901/2. Der Bericht weist leider wesentliche Reduktionen in der Stiftungstätigkeit gegenüber den Vorjahren auf. Aber trotz der schwierigen materiellen Situation, die der Stiftung auf manchen Gebieten Einschränkungen auferlegte, bleiben ihr doch noch sehr ansehnliche Leistungen zurück. Im abgelaufenen Schuljahre waren in den 182 Klassen der 50 Schulen insgesamt 9517 Schüler. Von diesen Schulen sind 24 höheren und 26 niederen Typus. Da im Laufe des Jahres noch einigen Schulen das Oeöentlichkeitsrecht zuerkannt wurde, so sind bereits 21 Stiftungsschulen mit dem OefTentlichkeitsrechte ausgestattet. 31 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung, in 19 Orten sind die Schulräume gemietet. Die Zahl der wirkenden Lehrkräfte betrug 241. Die Kosten zur Erhaltung der Schulen betrugen in diesem Jahre K. 433,858*30 gegenüber K. 439.469 54 des Vorjahres. Die Abendkurse, welche in diesem Jahre vermehrt wurden, waren von 1650 Schülern (davon 457 Analphabeten) besucht. Von den im Jahre 1901/2 im Status geführten 743 Lehrlingen verschiedener Handwerke verblieben iündeAugust 1902 noch 430. Diese erfordern im Jahre 1902/3 K. 35.000 und 1903/4 weitere K. 25.000. Das Kuratorium ist daher gezwungen, schon seit V'j% Jahren die Unterbringung von neuen Handwerkslehrlingen einzustellen und dieselbe erst dann wieder aufzunehmen, wenn nach Freisprechung einer entsprechenden Anzahl von Lehrlingen wieder Mittel für diese Zwecke verfügbar sein werden. Auch das Kuratorium der „Baronin Clara von Hirsch- Kaiser-Jubiläums-Stiftung" legt seinen Bericht über das Verwaltungsjahr 1901/2 vor. Diesem zufolge wurde für die Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder gesorgt und zwar wurden an 5519 Kinder, 6516 Kleidungsstücke, an 6066 Schuhe verabreicht; Wäsche erhielten 3360. Die Anzahl der Verpflegstage von 2950 Schülern betrug 3517; es wurden9760malFrühstückund 196.340Mittagessen verabreicht. Die Ausgaben hiefür betrugen K 101.328-98. Zu den vorhandenen vier Mädchenschulen sind noch drei weitere, in Bohorodczany, Bursztyn und Zaleszczyki, hinzugekommen. In diesen Schulen wurden mit der Heranbildung von tüchtigen Dienstboten, Näherinnen etc. vorzügliche Resultate erzielt. - Dem „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien", wurde anlässlich der Aktion zur Einführung der Haarnetz-Industrie nebst einer Subvention yon K 5000 in Barem auch sonstige Förderung zuteil, wodurch es ermöglicht wurde, dass in den ärmsten jüdischen Familien derzeit 3082 Mädchen und Frauen durch die Haarnetzerei monatlich zirka K 20.000 verdienen. An galizische Mädchen wurden behufs Erlernung verschiedener Industriezweige Stipendien verliehen und zahlreichen Gesellen, die in der Heimat schwer Arbeit finden konnten, wurde mittelst ausgiebiger Reisestipendien zur Reise nach grösseren Städten aller Länder verholfen. bz. Feuilleton. Tischgespräche aus dem Cafe „Weidhof". (11 o r r M a n n o 1 s t o i n Ii a t p i n o n k n Hop o n T r a u m.) Wien , 12. August 190;*. „Mir scheint, Sie wollen mir da einen Floh ins Ohr setzen, Herr Doktor," sagte Herr Mannelstein ungläubig. „Keineswegs! Dieser Floh hüpft vielmehr allen Frustes .jetzt durch die gesamte .Presse. Ich habe übrigens schon ungefähr vor Jahresfrist einen Bericht gelesen, in dem. ausführlich erzahlt wird, dass Baron Charles. Ii o t Ii - schild. in London eine ausserordentlich reichhaltige Sammlungvon Flöhen angelegt hat. Sowie andere Sammler Schmetterlinge, Briefmarken, Pfeifenköp I'e, egvptisehe Mumien oder Käfer zusammentragen, sammelt Baron Charles "Rothschild Flöhe. Man darf jedoch nicht glauben, dass seinem Sammlerehrgeiz und seiner Energie auf diesem Felde enge (Irenzen gesteckt sind. Denn da jedes Tier — Hand, Fledermaus, Huhn, Maulwurf, Eichhörnchen, Fuchs usw. — das mit Flöhen begabt ist, seine ganz spezifische Flohart besitzt, so eröffnet sich ciniein .Manne, der sichs zur Lebensaufgabe gemacht hat, sämtliche Floharton der betroffenden Tiere zu erringen, ein imposantes Arbeitsgebiet. Dem Herrn Baron .Rothschild, ist es also im Verlaufe jahrelanger Mühen und Sorgen geglückt, die Flöhe der verschiedenartigsten Tiere zu erkämpfen, mit feinen Nadeln zu durchbohren und in den Sammelkästen unter Glas aufzustellen. Bei jedem Floh ist eine Ktikctte angebrächt, die den wissbegierigen Beschauer über Herkunft, Vaterland, (iescldecht, Wirtstier des Flohs in möglichst, lateinischer Sprache informiert. End jetzt hat eben Baron 'Rothschild, wie in den Zeitungen zu lesen ist, ein e i g e n e s S c Ii i f f a u s g e r ü s t e t , um aus dorn hohen Norden dun Floh, der auf dem Polarfuchs parasitiert, holen zu lassen und solchermassen eine .fühlbare Lücke in seiner Sammlung auszufüllen.4fc' „Man möchte nicht glauben,4* sagte nachdenklich Herr Mannelstein, „was für Sorgen die Leute kriegen, wenn sie keine Sorgen haben." „Fs ist gar nicht schön vom ITorrn Baron Rothschild,4' brummte unzufrieden Herr Kehn, „dass ihm seine Klebe mehr ans Herz gewachsen sind als seine jüdischen Stnmmosgenossen und dass er aus dieser Sympathie kein Hehl macht. Bisher hat es als unerschütterliche Wahrheit gegolten, dass die jüdischen Millionäre von früh Morgens bis in die Nacht hinein ausschliesslich damit beschäftigt: sind, zu Nutz und Frommen des jüdischen Volkes den Erdball mit goldenen Sklavenketten zu nimvindon, damit die vielgenannte jüdische Weltherrschaft wachse und gedeihe; und jetzt verrät der Baron Rothschild, dass es die jüdischen Millionäre nicht auf die 'Eroberung des Erdballes, sondern höchstens eines Flohes abgesehen haben/'' ,,lch glaube, dass wir den Sammeleifer dos Barons mit Wohlwollen betrachten, können,4' meinte Dr. Ernst; „er kann sich ohnowoiteres mit der Tätigkeit anderer jüdischer Millionäre messen. .Der Eine sammelt in seinen