Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Article
- Kopenhagen [Nachricht] / Stark, L.
- Date
- 1903-08-14
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 pDle $ Weit** Nr. 33 Zusammenschluss der Vereine Kopenhagen, Malmoe und Lund zu einer „Skandinavischen Landesgruppeu, war. Die neue Gruppe zählt über 200 Mitglieder. Bei den sofort vorgenommenen Wahlen zum Kongress vereinigten sich die Stimmen auf die Herren Dr. Frank], prakt. Arzt in Kopenhagen und Kaufmann Nachensohn eben da, deren intensiver Tätigkeit das rasche Anwachsen der Anhäng-erzahl unserer Bewegung im Norden zu danken ist. Die Broschüre tKischenewa von T o 1 d, deren Übersetzung momentan von Dr. F r än kl bearbeitet wird, dürfte entweder im Verlage des Vereines oder als Beilage eines der bedeutendsten Blätter der Hauptstadt erscheinen. Für rasch*, fortlaufende Berichte über den Kongress, deren Veröffentlichung hiesige Blätter zu übernehmen bereit sind, hat der Verein Vorsorge getroffen. Korrespondenzen des Auslandes sind an den Unterzeichneten zu richten. Mit Zionsgruss L. Stark, Redakteur Kopenhagen, Fiolstraede 14. Bialystok. In der letzten Zeit wurden in Bialystok, Dank dem Wirken des bekannten zionistischen Redners Herrn Zodikol, einige neue zionistische Vereine gegründet. Interessant daran ist, dass viele der neuen Vereine in den Bethäusern gegründet wurden, das heisst die Besucher eines Bethauses traten zu gemeinsamer zionistischer Arbeit in einem Vereine zusammen. Die grösseren neugegründeten Vereine sind: 'izbvn rruK» ,up^ nwsö» /jvs -mu uam* Die meisten schlössen sich den Misrachisten an, denen viele Gründungen zu verdanken sind. Ausserdem wurden einige Vereine von jungen Leuten und ein Arbeitervereim p«^ i^yia gegründet, welcher letzterer energisch unter der Arbeiterklasse tätig ist. Warschau, Aus Petersburg schreibt man dem „Hazofe" : In letzter Zeit fanden an verschiedenen Orten Versammlungen von Juden statt, über deren Zweck die Polizeibehörden getäuscht werden sollten und die Einberufer gaben an, sie verfolgten zionistische Zwecke. Den Behörden ist es offenbar nicht leicht, solche Versammlungen von wirklich zionistischen zu unterscheiden. Es ist demnach Sache der zionistischen Vereinsleiter, allerorts eine besondere Eingabe zur Bewilligung von Versammlungen und Zusammenkünften mit Angabe der genauen Tagesordnung zu machen. Das durch ein südrussisches Blatt verbreitete Gerücht, demzufolge Geidsammlungen für zionistische Zwecke verboten worden seien, beruht auf Unwahrheit. bz. Newyork. Die Herren Dr. Alexander Marx-Berlin und Privatdozent Dr. Israel F r i e d 1 ä n d e r-Strassburg 1. E. sind als Dozenten an das Rabbinerseminar in Newyork, ersterer für Geschichte und Literaturgeschichte, letzterer für hebräische Grammatik berufen worden. New-York. Die „B'nai Zion Kadimah" wählte am 2. Juli a. c. ihre Funktionäre und es gingen als gewählt hervor : Präses A. Nathansohn, 1. Vizepräses O. Nathansohn, c2. Vizepräses S. W. Goldman, Finanzsekretär D. A. Segall, Schriftführer M. Silverman, Kassier J. Haas, Beiräte S. Kanner, N. Goodman und B. Z u r i c k. Juridischer Beirat A. H. S i m o n, Bibliothekar M. Zuckermann und Innere Aufsicht Ch. Gropper. — Am KL Juli fand die Delegierten-Wahl statt und da wir mehr als 200 Schekelzahler haben, haben wir 2 Delegierte, Herrn Richard Gottheil, Professor der „Columbia Univarsity" und unseren Ehren-Präsidenten Herrn Doktor Max Nordau einstimmig als unsere Vertreter gewählt. — Hiernach gingen wir zur Installierung unserer Funktionäre über. Als „Grand Master" war das Mitglied des „Executiv-Council of the Fe leration of American Zionists" und Editor of the English Departement desnJewish DailyNews"HerrA. Fr omenson gewählt, welcher die Tätigkeit der „B'naiZion Kadimah*, die sich zur schönsten Society New-Yorks emporgearbeitet hat, lobte und höchst zufrieden war mit den Antworten, die er von den installierten Beamten bekam, als er ihnen ihre Pflichten eingehend ans Herz legte. Hurrarufe und der Devisenruf r,Alef, Beth, Gimel etc. WoW Zion" erfüllten den grossen Saal und liess die Herzen aller Anwesenden höher schlagen. „Hatikwah" und andere zionistische Lieder wurden von den Anwesenden voll Begeisterurg gesungen und noch ausserhalb des Saales hielt der Enthusiasmus der Menge an und Hochrufe auf die Führer des Zionismus erfüllten die Luft. Gelegentlich dieser Versammlung wurden folgende zwei Eesolutionen gefasst: 1. Dass wir den Funktionären der „Amerikanischen Federationu unser vollstes Zutrauen ausdrücken, und 2. dass wir dem Kongress in Basel empfehlen, keine zwei Landes-Komitees, keine zwei Föderationen in den Vereinigten Staaten von Amerika zu erlauben, da dies der sichere Untergang der Bewegung wäre. Hiermit wurde einer der schönsten Abendein der Geschichte der „B'nai Zion Kadimah of New-York" geschlossen. Bücherwelt. Tongers Taschen-Albumtoand. I., IL, XII. P. J. Tongers» Köln. Durch die Herausgabe billiger Liederalbums (a 1 Mark) hat sich der Verlag unleugbar ein Verdienst erworben. Die vorliegenden Bände zeigen eine mit Geschmack und Sachkentnis vorgenommene Auswahl der schönsten Volks-, Studentenlieder und (Band XII) Männerchöre. Die Ausstattung ist geschmackvoll, wenn auch dem Preise entsprechend, einfach. Für uns Zionisten, die wir seit Jahren derartige gute und billige Ausgaben jüdischer Dichtungen und Gesänge anstreben, könnten diese Albums geradezu als Muster dienen. Sie werden zur Verbreitung des Volks¬ und Gesellschaftsgesanges in deutschen Ländern sicherlich viel beitragen. —r. Ein Blatt aus der Chronik unserer Stadt. Roman von N. Pruschanski, Berlin 1903, Verlag von Siegfried Cron bach. Unlösbare Fesseln. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben der Gegenwart von Gotthard Deutsch, Frankfurt a- M. 1903, Verlag von J. Kauffmann. David Speier. Historischer Roman aus der Zeit des dreissigjährigen Krieges, von S. Kohn, II Bände, Frankfurt a. M., Verlag von A. J. Hof mann. Wenn man die judische Belletristik der letzten Jahre überschaut und von einzelnen ganz grossen Erscheinungen absieht, so wird man erstaunt inne, wie wenig eigentlich den deutschlesenden Juden in dieser Hinsicht geboten wird. Ist das Verlangen nach jüdischen Sujets im Publikum so gering, oder sind die wenigen Autoren so mittelmässig, dass man kaum hie und da von einem grösseren Ei folge hört? Die drei vorliegenden Bücher, deren zwei erst heuer erschienen sind, scheinen zu beweisen, dass es immer noch Wagehälse gibt, die mit Schilderungen des im Westen fast ganz im Verschwinden begriffenen jüdischen Lebens Leser zu gewinnen suchen. Nicht mit Unrecht wird man der neuerwachenden Liebe zum jüdischen Volkstume, wird man der vom Zionismus geforderten und gefördeten Renaissanze jüdischen Geistes, dem Erwachen einer jüdischen Kunst bestimmenden Einfluss auf die Hervorbringung wirklich jüdisch gefühlter und gedachter dichterischer Schöpfungen einräumen müssen. Diese drei Bücher lassen aber fast nichts davon merken. Das Buch K o h n s, des bekannten Prager Ghettoerzählers, ist schon vor mehreren Jahren erschienen und wird jetzt — offenbar hält der Verlag Zeit und Stimmung für günstig — wieder auf den Markt geworfen. Es ist eine der Erzählungen aus Israels Vergangenheit, wie Kohn deren mehrere geschrieben. Sauber, streng im Rahmen von anno dazumal, mit Fleiss und Sachkenntnis gearbeitet. Dabei ist die Erzählung genügend verflochten, um für unverdorbene, neueren Sensationen abholde Leser die nötige Spannung zu erzeugen. Es nimmt literarisch etwa den Rang der seinerzeit in manchen jüdischen Kreisen viel gelesenen Lehmann'schen Erzählungen ein, unterscheidet sich aber wohltuend von ihnen durch die Schlichtheit der Vortragsweise und den bedeutend entwickelteren künstlerischen Geschmack. — Eine Erzählung aus der Gegenwart nennt Gotthard Deutsch sein Buch „Unlösbare Fesseln". Es ist eine üeissig gearbeitete Milieuschilderung aus einem kleinen Städtchen. Die Mache ist recht kunstlos, der Stoff zu spröde, um grösseres Interesse zu erwecken. Wenn der Verfasser in seinem Dr. Stein - bacb, Pulsnitz, Greentwig und in ein par anderen Gestalten typische Vertreter der Strömungen des heutigen Judentums zu schildern versucht haben sollte, so ist ihm das trotz mancher treffender Details nicht gelungen. Dieser kleine Ausschnitt aus dem Leben einer Kleinstadt ist z» dürftig, um daran viel zu sehen. Wollte Deutsch einfach Gesehenes schildern, so wiegt bei ihm respektive bei seinen Gestalten die Reflexion viel zu sehr vor, als dass wir uns an dem Geschauten harmlos erfreuen könnten. Dieser ganze Streit zwischen Rationalisten und Strenggläubigen ist übrigens für uns moderne Juden herzlich uninteressant. Uns beschäftigen jüdische Probleme ganz anderer und viel grösserer Art. Die Meinung der Haupthelden des Dr. Pulsnitz, dass uns andere befreien müssten, ehe wir selbst weiter kommen könn*n,der mit viel Emphase vorgetragene Satz „Kein Gefangener kann seine Fesseln lösen" das sind Anschauungen einer ganz — oder mindestens halbvergangenen Zeit, wenn nicht Aergeres. Auch das bischen Colonisationsfreundlichkeit, das, sehr bescheiden, mit der