Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Article
- Jerusalem auf der Weltausstellung in St. Louis 1904
- Date
- 1903-08-14
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 33 ^Die & Welt" Seite 11 sehen Trachten mit ihren Kamelen anwesend waren, ausgeführt. Es sollte auch ein Lamm geschlachtet werden, doch rieten weniger orthodox veranlagte Juden von der Durchführung dieser Zeremonie ab, weil man befürchtete, die zahlreich erschienenen Damen könnten daran Anstoss nehmen; dagegen wurden nach dem orientalischen Ritus die Besucher mit Salz bestreut. Auf dem Bauplatze ist eine Kolonie jüdischer Patriarchen, welche nach Vollendung der Bauten das Leben der Juden im alten Jerusalem darstellen sollen, untergebracht Dieselben sind ohne Ausnahme über 61 Jahre alt. Zehn dieser Greise vertraten bei den Zeremonien gelegentlich der Grundsteinlegung die zehn Stämme Israel. Den Schluss bildete der vonRev. Dr. James W. Lee gesprochene Segen und ein Musikstück, bei weichem ausser dem Orchester unter Direktion des Herrn Alfred G. Robyn ein 150 Stimmen starker Chor zur Verwendung kam. Der Chor sang Gauls „Jerusalem". Tempelkostbarkeiten im Tiber? Der italienische Gelehrte Vispi-Landi hat auf Grund langjähriger Beobach-. tungen die Behauptung aufgestellt, dass auf dem Grunde des Tiber ungeheuere Schätze geprägten und ungeprägten Goldes, Juwelen, Statuen aus kostbarstem Metalle, Waffen, ja sogar der goldene Leuchter aus dem Tempel zu Jerusalem zu finden seien. Es soll sich bereits ein Konsortium, das über V/2 Million Francs aufgebracht hat, zur Durchsuchung des Tiberflusses gebildet haben. Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin. In einer Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin* sprach Herr Dr. Loe wenberg: „Uebe r Lehrmittel im jüdischen Geschichtsunterrichte an höheren L ehr an st alten". Der Vortragende prüfte den unterrichtiiehen Wert der allgemein eingeführten Lehrbücher für den Unterricht in der jüdischen Geschichte. Zur Ergänzung und Vertiefung zog er dabei die Gesichtspunkte jüdischer Pädagogen für die Auffassung dieses Unterrichtsgegenstandes heran, sowie diejenigen, welche verwandte oder parallele Bestrebungen im Unterrichte in der Kirchen- und allgemeinen Geschichte ergeben haber. So wurde der Gegensatz zwischen M a y b a u m und Jakob angeführt, inwiefern die jüdische Geschichte als Entwicklungsgeschichte der religiösen Lehre gelten könne. Die Forderung Mayb aums, dass das Leben und Wirken der eigentlichen Träger der Geschichte n u r im Hinblick auf die Entwicklung des religiösen Lebens behandelt werden solle, wurde als zu eng bezeichnet. Da die jüdische Geschichte noch mehr als die allgemeine für pragmatische Behandlung geeignet ist, so empfehle es sich, das Kulturhistorische sowohl als Grundbedingung, wie als Ergebnis der religiösen Ideen mehr als bisher heranzuziehen. Quellenstücke sind als Mittel eines anschaulichen und kraftbildenden Unterrichtes zu benutzen. Die nachmendelssohnsche Zeit darf deswegen nicht zu kurz Gehandelt werden, weil sie den Schüler über die S t r ö m u n g en un d Aufgaben im Judentume der Gegenwart unterrichten soll. Das Lehrbuch hat den Schüler aus der Kenntnis des Entwicklungsganges der jüdischen Lehre zu einem bestimmten Paneistandpunkte zu führen. Die Anordnung des Lehrstoffes soll hauptsächlich biographisch sein und neben den Lebensbildern einzelner Männer abgerundete Bilder aus der Volksgeschichte bieten. Im Uebrigen gelten in Bezug auf Umfang und Form der Darstellung für das Lehrbuch der jüdischen Geschichte dieselben Forderungen, wie sie an ein solches der allgemeinen Weltgeschichte gestellt werden. Was man sich Juden gegenüber erlaubt. Bei der deutschen Reichstags wähl wurden in Gross-Krotzenburg 186 nationalliberale und 128 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Der Vorstand des Kriegervereines in Gross-Krotzenburg hat darauf unter dem 17. Juli an die 10 wahlberechtigten Juden im Orte, von denen drei den Feldzug mitgemacht haben, sonst an niemand, ein Schreiben gerichtet, in dem es heisst: „Da auch gegen Sie der wohlbegründete Verdacht vorliegt, dass Sie sich durch die Wahl eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten zu einer reichsfeindlichen Partei bekannt haben, so ersuchen wir Sie höflichst, sich bei einer geheimenSitzung des gesamten Vorstandes, die wir auf Sonntag, den 19. d. Mts., nachm. 5 Uhr, im neuen Schullokal anberaumt haben, in dieser Angelegenheit zu äussern. Da wir Offenheit und Un erschrocken - heit zu den schönsten Tugenden eines deutschen Kriegers rechnen, so erwarten wir auch von Ihnen, dass Sie uns durch ein offenes rückhaltloses Bekenntnis unsere harte Pflicht erleichtern helfen und sich nicht schon durch Abwesenheit bei der genannten Versammlung der Mitgliedschaft verlustig machen, da wir dieselbe unbedingt als Begründung des gegen Sie geltend gemachten Verdachtes betrachten müssten.a Dieses Schreiben ist eine Einmischung in Privatangelegenheiten, wie sie ungehöriger nicht gedacht werden kann und gleichzeitig ein Einbruch ins Wahlgeheimnis, den jeder, der noch etwas auf das Wahlrecht und politische Selbständigkeit hält, mit aller Entschiedenheit zurückweisen muss. Der Passus von dem wohlbegründeten Verdacht einer sozialdemokratischen Abstimmung ruft aber zugleich die Frage hervor, worauf sich dieser Verdacht denn stützt? Der Antisemitismus im österreichischen Turnverein. Alle Kreise der deutsch-österreichischen Turnerschaft haben in ihren Statuten den Arier-Paragraphen, dass heisst die Bestimmung, dassnurDeutsche(Arier) Mitglieder der deutschenTurnerschaft sein können. Die jüdischen Turner quittierten diese moralische Ohrfeigedamit,dasssiedenTurnvereinen,in denen sie über die ausschlaggebende Majorität verfügen und daher nicht ausgeschlossen werden können, ein „Deutschtum in sich und für sich* kultivieren. Die Juden vom „Deutschösterreichischen Turnverein* und vom „Oesterreichischen Turnverein in Floridsdorf garantieren sich gegenseitig ihr Deutschtum. So treiben es auch einige Turnvereine in Mähren und Böhmen, in denen man die Juden gewähren lässt, weil sich sonst die Vereine aus Mangel an Mitgliedern auflösen müssten. Diese Vereine schlössen sich zu einem „deutschfreiheitlichen1' Verbände zusammen. Von dem 8. deutschen Turnertage in Nürnberg erhoffte der Verband seine Anerkennung. Jedoch wurden seine Hoffnungen zu Wasser. Die Anerkennung der deutschfreiheitlichen Turnvereine als selbstständiger Kreis wurde abgelehnt; der Turnertag in Berlin im Jahre 1904 wird eine definitive Entscheidung in dieser Frage treffen. Also Schutzjuden bis zum Jahre 1<J04 und dann endgiltiger Hinauswurf. Jüdische Schutzorganisationen für Handel und Gewerbe in Ungarn. Als Organisation, hervorgerufen durch die ohn« jede Kenntnis der bestehenden Verhältnisse angeordnete Sonntagsruhe, kann die in Gründung begriffene »Vereinigung jüdischer Bäckermeister" abgesehen werden. Die Anregung hierzu ging von den jüdischen Bäckermeistern Pressburgs aus, welche in ihrem Aufrufe die Lage der jüdischen Bäcker in recht anschaulicher Weise schildern : »Unsere Existenz", heisst es in diesem Aufrufe, „ist. zu einer Frage der Zeit geworden« Wir, die wir 71 Tage im Jahre unseren Gehilfen vollständige Ruhe gewähren, da unsere Kunden ihren Bedarf nur bei jenen Bäckern decken, die an jüdischen Feiertagen nichts backen, sind durch die neue Verordnung des Handelsministers Lang sehr stark geschädigt worden. Schon nach der Verordnung des Handelsministers H e g e d ü s vom Jahre 1901 war es uns k«um möglich, den Bedarf unserer Kunden am Sonntag zu befriedigen. Nach der neuen Verordnung wurde uns auch die Möglichkeit genommen, unsere Kunden am Montag früh, wenn auch nur mit aitgebackenem Gebäck, zu versehen und so ihren Frühstücksbedarf zu befriedigen, da wir in der Zeit von Freitag nachmittags 2 Uhr bis Montag früh 6 Uhr, das sind 64 Stunden, im Ganzen 13 verfügbare Stunden, und zwar von Samstag abends 9 Uhr bis Sonntag vormittags 10 Uhr zur Arbeit übrig haben, wovon noch einige Stunden für Vorarbeiten entfallen." An der Spitze der Aktion stehen die Bäckermeister Moriz Freund und Simon Rosen feld in Pressburg. Eine zweite Aktion betrifft die Landesorganisation der jüdischen Kleinhändler, zu welcher der Oberrabbiner von Verbo, Herr Samuel Reich, der Führer der Trafikanten-Bewegung, die Idee gab. Es ist sehr erfreulich, dass der gelehrte und fromme Rabbiner im Gegensatze zu seinen österreichischen Kollegen seinen Beruf nicht ausschliesslich in der Vollziehung von Trauungen und Abhalten von Leichenreden erblickt, sondern es als seine Pflicht erachtet, seinen Stammesbrüdprn als wahrer Lehrer in Israel in allen Lebensphasen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der Organisationsentwurf', den Oberrabbiner Reich ausgearbeitet, verrät einen scharfen Blick für die Bedürfnisse des jüdischen Kleinhändlers, und es ist zu wünschen, dass die interessierten Kreise, welche den Druck der Verhältnisse immer mehr zu fühlen bekommen, die dargebotene Hand zur Selbsthilfe mit Freuden ergreifen und die Organisation raschestens durchführen mögen. (J. Vbl., Wien.) Jüdischer Fleiss. Neulich bestand ein Blinder, Ludwig Cohn mit Namen, der aus Marklissa in Schlesien stammt, stammt, bei der philosophischen Fakultät der Berliner Universität mit der Note cum diligentia die Doktorprüfung. Ludwig Cohn hatte das Missgeschick, in seinem zehnten