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Die Welt · 1903-08-14 · 33 (14.8.1903) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
33 (14.8.1903)
Article
Odessa / B.
Date
1903-08-14
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Seilt 10 Walt» Kr. 33 kleinen Unterstützangen an Einzelne, Schulgründungen etc. zu zersplittern — antwortete Herr Fein b erg, der früher denselben Gedanken in Bezug auf die Arbeit der Kischenewer Hilfs-Komitees geäussert hatte, es sei darin viel Wahres, aber die „Ica" sei sich noch nicht klar darüber, was für das jüdische Volk am besten zu tun wäre. Jetzt halte sich die „Ica" aus verschiedenen Gründen fern vom Zionismus; was später sein werde, wisse er nicht, — Aber das Volk kann ja nicht so lange warten, es muss ja schliesslich dafür gesorgt werden, dass es nicht fortwährend herumwandere und — wer weiss, wie es einmal später in Amerika werden kann? — fragte der Interviewer. — Darüber wäre viel zu sprechen, meinte der Vertreter der „Ica",- Israel lebt schon 2000 Jahre unter den Völkern und hat schon so viel von ihnen gelitten und überdauert. Es wird noch vieles überdauern. Wenn es ihm hier schlecht gehe, ziehe es wo anders hin, und so fort. „Es ist bittere Wahrheit, aber eine Wahrheit, die ihre Bestätigung und Stütze in der Geschichte findet, die so lange dauert, wie seine Diaspora, und was können wir dafür?u so schloss Herr Feinberg seine Ausführungen. B. Odessa. Der „Od. Listok" meldet, dass an das „Odessaer Komitee zur Unterstützung jüdischer Kolonisten und Arbeiter in Palästina" sich verschiedene Personen wen der, die nach Palästina auswandern wollen, mit der Bitte, ihnen das Wesen der Kolonisation in Palästina klarzumachen. Das Komitee antwortet, dass man zur Ansiedlung einer mittelstarken Familie in Palästina wenigstens 5000 Rubel bedarf und dass man ohne Geld dort gar nichts unternehmen könne; philanthropische Gesellschaften gäbe es dort nicht. Elisawelgrad. Die „Birjewyja Wjedomosti" meiden, dass sich in der letzten Zeit die Auswanderung der Juden aus Elisawetgrad und Umgebung bedeutend verstäikt hat. Im Monat Juri sind 300 jüdische Familien ausgewandert und seit Anfang Juli emigrieren 10—20 Familien täglich. Junge Leute verlassen gute Anstellungen und wandern aus. Kischenew. Der „Bessarabez" meldet, dass vom 9. April bis zum 27. Juni 350 jüdischen Familien Auslandpässe ausgefertigt wurden. Petersburg. Der ehemalige Direktor des Berg-Departements, Stadtrat Kalkowskij, veröffentlicht in der „Nowoje Wremja" eine Beine von Artikeln, in welchen er erklärt, dass die Auswanderung der Juden aus Kussland das einzige Mittel zur Lösung der jüdischen Frage in Russland bilde . . . Philippopel. Sonntag den 13. Juli fand hier im Hofe der alten Schule ein Schauturnen der jüdischen Turnvereine „Makkabi" aus Philipoppel und „Gideon" aus Bazardschik "statt. Ueber dem Kampfplatz flatterte unsere blauvveisse Fahne. Das Publikum folgte den ausgezeichneten turnerischen Wettkämpfen mit höchstem Interesse. Der Präsident des zionistischen Landeskomitees, Hejr Persiado Romano, hielt an die versammelten Turner eine von nationalem Geiste erfüllte Rede, die in ein stürmisch aufgenommenes Hedad auf den Landesfürsten und auf Dr. Herzl ausklang. Hierauf folgten glänzend ausgeführte turnerische Spiele. Am Abend zogen die Turner und das jüdische Publikum unter den Klängen nationaler Lieder zum Bahnhof, wo der Abschied des zurückkehrenden „Gideon" gefeiert wurde. Es war ein begeistertes Fest und ein schöner Tag des Zionismus in unserer Stadt. New-York. Neben dem zionistischen Parteitag hielt auch die hiesige jüdische Publikation Society ihre Vollversammlung ab. Eine Wohltätigkeits-Konferenz fand in der New-York-Ciry statt und die Vereinigung der jüdischen orthodoxen Vereine von Nord-Amerika und Canada hatte hier ihre Zusammenkunft. Gegen Ende Juni begann die Vereinigung amerikanischer Rabbiner ihre Besprechungen in Detroit und schliesslich findet die Sommerversammlung der jüdischen Chatauqua-Vereinigung in Atlantic-City statt. Philadelphia. Die Diplomsübungen an der in der Nähe von Philadelphia gelegenen National-Farm-Schule fanden letzte Woche statt. Sechs jüdische junge Leute, welche die Prüfung bestanden, erhielten ihre Diplome. Die Uebungen wurden in Gegenwart von mehreren hundert Leuten aus Philadelphia vorgenommen. Chicago. Dr. G. Deutsch wird Professor am jüdischen Kolleg bleiben, allen Berichten, die das Gegenteil behaupten, zum Trotze. Er hatte seine Abdankung geplant, in der Absicht, sich ausschliesslich der jüdischen Enzyklopädie und anderen Werken zu widmen, doch bei den eifrigen Bemühungen des Präsidenten Kohl er und des Vorstandes des Kollegs gab er seinen Plan auf. Welt-Sbrooik* Das alte Gespenst. Zu der von uns bereits gemeldeten Ritualmordgeschichte im Zipser Komitat erhalten wir folgenden weiteren Bericht: In der unglückseligen Affaire des Szepes-Jakubfaluer Raubmordfalles ist leider bis heute insoferne keine günstige Wendung eingetreten, als der des Verbiechens Verdächtige jüdische Fleischhauer Neius (so der Name des Beschuldigten) aus der Untersuchungshaft nicht entlassen, sondern, nachdem die Untersuchungskommission in Lublo gewesen, nach Leutschau ins Gefängnis überführt worden ist. Viele Christen, die unter dringendem Verdacht verhaftet waren, wurden nach einigen Tagen wiederum aus der Haft entlassen. Was die starke Aufregung der nichtjüdischen Bevölkerung, die bereits intensivere Dimensionen angenommen hatte, betrifft, ist eine Beruhigung der Gemüter eingetreten, und das darum, weil der Pfarrer zu Szt. Jakubfalu — ein friedliebender loyaler Mann — alles anwendet, der Bevölkerung den Wahn der Blutbeschuldigung auszureden und für den jungen Mann speziell sehr warm in die Bresche tritt, indem er behauptet, für die Schuldlosigkeit des jungen Mannes, den man allenthalben als zwar ganz ungebildet, aber höchst tugendhaften Menschen kennt, schwören zu können. Von der Entscheidung des Gerichtes erhofft man das Weitere. Der Bericht der „Alien Immigration-Kommission", der in der letzten Sitzung (Montag) unterschrieben worden ist, soll dem englischen Parlamente noch vor Beginn der Sommerferien vorgelegt und in Druck gelegt werden. Die Sitzungen der Kommission haben unter dem Vorsitze des Lord James of Hereford ungefähr ein Jahr gedauert. Parlamentsmitglied Major Gordon hatte die Anregung zur Einsetzung der Kommission gegeben. R. Kischenew und die Zionisten. So betitelt sich eine längere Betrachtung, der New-Yorker »Evening Post" über den Rückschlag, den die Ereignisse von Bessarabien auf unsere Bewegung ausgeübt haben. Wenn schon, meint der Verfasser des Artikels, die DreyfusafTäre den überall zutage tretenden Antisemitismus gezeigt und damit die Notwendigkeit der zionistischen Bewegung gegründet hatte, ist das Blutbad von Kischenew ein schauerlicherBeweis gewesen gegen dieMeinungderer, die den Antisemitismus für vergessen hielten. Die Nachricht von dem Massacre hat im Juden viertel von New-York anfangs keinen Glauben gefunden, und als sie sich in ihrer ganzen Grausamkeit bestätigte, rief sie überall nur dumpfe Trauer hervor, denn das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem alten, noch immer mächtigen Judenhass Hess keinen Gedanken an laute Kundgebungen aufkommen. Erst eine nach Wochen bangen Schmerzes einberufene Volksversammlung zeigte, dass die russischjüdischen Massen nur von einer Hoffnung, der auf Rettung durch den Zionismus beseelt seien. Die Redner, die da auftraten, unter ihnen Josef B a r o w e 1 e s s, ein Führer der jüdischen Arbeiter in Nordamerika und Dr. Z o 1 otareff, erklärten, dass die Juden von keiner Partei Hilfe zu erwarten hätten und bewiesen durch Tatsachen, die sie anführten, dass namentlich die Sozialisten auf deren Meetings für Bulgaren, Polen, Armenier und Kubaner protestiert werde, kein Herz für die Leiden des jüdischen Volkes hätten. Mit einer Aufforderung an alle Juden, der zionistischen Organisation beizutreten, schliesst der Berichterstatter der .Evening Post" seine Ausführungen über den Zionismus. Jerusalem auf der Weitausstellung in St. Louis 1904. In echt orientalischem Stil gehalten, war die feierliche Grundsteinlegung der Spezialausstellung, welche eine getreue Kopie des jetzigen Jerusalems in St. Louis erstehen lässt. Ueber diese Feier melden die „Mississippiblätter" folgendes: Ueber 8000 Personen hatten sich auf dem Ausstellungsplatz eingefunden, um der Grundsteinlegung beizuwohnen. Die Tore der Ausstellung waren zum erstenmale seit dem 30. April dem Publikum bei freiem Eintritt geöffnet. Für die würdige Feier war ein entsprechendes Programm aufgestellt worden. Die Zeremonie wurde mit einem Gebet von Reverend Dr. C. C. Woods eingeleitet. Die Eröffnungsrede hielt Ausstellungspräsident David R. Francis, worauf Baudirektor Taylor das Grundstück, das der Jerusalemgesellschaft überwiesen wurde, an den Präsidenten der Gesellschaft, Bundessenator J. R. Burton, abtrat. Ferner wurden Ansprachen von Senator B u r t o n, Herrn Neumann vom Tempel „Israel" und Rev. W. B. P a 1 m e r gehalten, worauf der Grundstein unter Leitung von Frau Lydia M. v. Finkelstein-Mountford und unter Beobachtung orientalischer Ritualien gelegt wurde. Diese Ritualien wurden vonEingeborenenJerusalems, dfe in maleri-

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