Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 33 (14.8.1903)
- Article
- Wien
- Date
- 1903-08-14
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 3te s£ W®m Nr. 33 treffs der Chedarim. Die Debatte wurde nur anfangs hebräisch, später deutsch und im Jargon geführt. Es war im ganzen ein Bild aus dem alten Ghetto, wo es am schwärzesten ist. Krakau. (Ein Protest gegen die Biutbeschuldigung.) Sonntag trat hier ein internationaler Rabbinerkongress zusammen, welcher von den Rabbinern von Kairo und Alexandrien einberufen worden war und zu welchem sich insbesondere aus Russland und Oesterreich- Ungarn, sowie aus Frankreich zahlreiche Delegierte eingefunden hatten. Nachmittags versammelten sich die Kongressteiinehmer in der alten Synagoge. Eine unübersehbare Menschenmenge hatte den Platz vor dem Tempel besetzt, erkletterte das Dach des Vorbaues und füllte das Gotteshaus bis aufs letzte Plätzchen, um der zu erwartenden Kundgebung beiwohnen zu können. Nach einer Eröffnungsansprache des Krakauer Oberrabbiners• H orowitz versammelten sich die anwesenden Rabbiner um die Bundeslade und leisteten einen Schwur auf die Bibel, „dass das verabscheuungswürdige Blutmärchen, welches böswillige und tückische Menschen gegen unsere Brüder, die Kinder Israels, seit Jahrhunderten in den verschiedenen Staaten erdichteten, als ob das Blut von Nichtjuden oder Nichtjüdinnen zu rituellen Zwecken verwendet würde, sei es als Gebot oder als Gebrauch oder als irgendwie ähnliche Einrichtung sich weder in der Bibel, noch in den anderen überlieferten Schriften, das heisst der Thora, den Propheten und den anderen heiligen Schriften findet, weder im babylonischen n^ch im jerusalemischen Talmud, nicht im Sifra und Sifri oder der Mechilta Tosefta, den Midraschim, dem Sohar und allen kabbalistischen Schriften, dem Schulchan Arwh und allen Codices der alten und neuen Rabbinen : in keinem einzigen all dieser heiligen Schriften ohne Ausnahme findet sich irgendeine Gesetzgebung oder eine gesetzliche Bestimmung oder auch nur die mindeste Andeutung über solch eine abscheuliche, widerwärtige Tat. Wir haben auch nie gesehen oder gehört, dass sich unter uns irgendwelche Sekten oder einzelne Personen vorfanden, die solch abscheuliche und niederträchtige Handlung begingen."-Schriftlich* Eidesleistungen waren von Rabbinen aus allen Teilen der Welt eingelangt. BiBÜtz. Die zionistischen Abiturienten Mährens, Schlesiens nnd W e s t g a 1 i z i en s veranstalteten am 26. Juli ihren Festkommers im Schiesshaussaale, dem grössten Saale der Stadt. Riesengrosse Piakate sowie Einladungskarten luden zum Feste ein. Trotz strömenden Regens Warenwegen 000 Personen der Einladung gefolgt. Vertreten waren 1- Stalte mit zirka 50 zion. Abiturienten. Nach den rauschenden Klängen der Militärkapelle begrüsste Herr Abit. Alex. Geller (Bielitz) die Anwesenden, namentlich den Vertreter des WienerL- K. Hrn. Dr. S y r o p, H. Gg. jur. Richard Krieger, Her die Initiative zur Veranstaltung drs Kommerses gegeben hatte, die korporativ erschienene jüd.- akad. Ferialverb. „Emunah" Herrn H e r s z 1 i kiewicz, als Vertreter des mähr.-sc hl. D. - K., die Vertreter des Vereines „Haschach ar" - Bielitz, des ersten j ü d. Turnvereines — Wien, des jüd. Handelsangestellten- und Arbeitervereines „Ach dus"-Krakau u.a. m. Herr Abit. Allerhand —Bielitz hielt eine schwungvolle Tendenzrede. Beifall lohnte seine Ausführungen. Aus der Akademie sind insbesondere ein Streichquartett und das von Herrn Krausz meisterhaft vorgetragene Violinsolo hervorzuheben. Toaste sprachen die Vertreter der Organisation, namens der auswärtigen Abiturienten toastierten H. Gg. Lehrfreu nd -Krakau und H Gg Hein — Mähr.-W eisskirch en. Zahlreiche Begrüssungsschreiben waren eingelangt vom L. - K.—W i e n. von der Zentralvereinigung der deutschen Zio nisten — Köln (Dr. Bodenheime r), vom westgal. südgal. und b ö h m . D.-K , vom Verbände der Studenten Organisation — Prag, von H. Dr. Krenberger, H. Ären. Oskar Marmore k — Wienu. v. a. Der moralische und materielle Erfolg für unsere Sache ist ein bedeutender. Von dem Reinerträgnis werden 2/;> den Ki schen e w e r W a i s e n,' V3 dem j ü d. N.-F. zugeführt. Berlin. Die „christlichen Referendare" sind zu einem „geheimen Verein christlicher Referendare, Zentralsitz Berlin" zusammengetreten. Hannover. (Praktische rZ ionismus). Zum Berichte in der vorletzten NummerTder „Welt", betreffend die geplante Gründung einer Genossenschafts-Zigaretten-Fabrik mit der statutarischen Verpflichtung, dass am Sabbat und jüdischen Festtagen der Betriebruhen soll, wird uns mitgeteilt, dass dank der rastlosen Tätigkeit der hiesigen Zionisten am, 15. d. M. die konstituierende Versammlungbereits stattgefunden hat und im Genossenschafts-Register unter der Firma Zigarettenfabrik „Haifa" E.G. m.b. H.eingetragen wurde.Insbesondere wird den Herren: Ref. S, Grone mann, Insp. Meyer, Rentier Dr. Berkowitz, Henry Möyer, und B. Tennen bäum für ihre tatkräftige Förderung dieses Unternehmens, um den hiesigen jüdischen Zigaretten- Arbeitern Gelegenheit zu bieten, unter strikter Beobachtung des Sabbat Arbeit zu erhalten, gedankt. Br. Köln. Am 26. Juli fand hier die ordentliche Generalversammlung des Rheinischen RabbineiVerbandes statt. Es wurde festgelegt, dass die Schulinspektion ausFchlie^slieh Sache der Rabbiner ist. Betreffend der Feuerbestattung kam die Meinung zum Ausdruck, dass die Beisetzung von Aschenurnen am Friedhofe vollkommen zulässig sei. Der vorgeschrittenen Stunde wegen kamen leider die überaus interessanten Referate : Die Stellung des Hebräischen im Unterricht der jüdischen Volksschule und die jüngste Verfügung des Berliner Provinzial-Schulkollegiums und „die neueste Phase des Zionismus14 nicht zur Verhandlung. Kön. Verein für jüdische Krankenpflegerinner. Dem vierten Rechenschaftsberichte entnehmen wir: 1903 waren 14 Pflegerinnen tätig: 8 waren im Asyl beschäftigt, 6 privat. Letztere haben 85 Kranke gepflegt. In 30Fällen von Armenpflege 'haben die Schwestern am Krankenbett und in der Wirtschaft rühmlich geholfen. Es wird ein Schwesternheim g»-baut werden, Einnahmen des Vereines 22,252.94 M., Ausgaben 10 094,30 M. Vorsitzender Dr. B. Auerbach. Hamburg. Nach dem soeben veröffentlichten Jahresbericht der Hainburgischen Behörde für das Ausw a n d e r e r w e s e n sind im vorigen Jahre im ganzen 51)728 Auswanderer auf den hiesigen Bahnhöfen angekommen; ferner sind 33 285 Auswanderer direkt von dem p. eussischen Bahnhof Wühelmsberg nach den Auswandererinnen transponiert worden. Von der Gesaratzahl waren AibQl russische Auswanderer. Infolge ergebender Nachforschungen ist man hier einem unlauteren Manöver einei* englischen Schifffahrtsgesellschaft auf die Spur gekommen. Es fiel nämlich in ein^m Falte auf, dass 47 hier eingetroffene russische Auswanderer gegen ihren ursprünglichen Willen von hier über Halifax und von dort mit der Bahn na^h N e w-Y o r k befördert werden sollten. Die eingeleitete Untersuchung ergab, dass diese Leute durch ihre russischen Schlepper zur Einschlagung dieses Weges sich hatten überreden lassen. Es ist nuu in Erfahrung gebracht worden, dassseit längerer Zeit Agenten bei einer von England nach Kanada fahrenden Gesellschaft den Glauben zu erwecken suchen, dass- Auswanderer, die über Kanada nach den Vereinigten Staaten fahren, ni cht *der strengen Untersuchung ausgesetzt sind wie in New-York und anderen Häfen, sondern ohne Schwierigkeiten in die Vereinigten Staaten Einlassenden. Ja, in den Ankündigungen der Agenten wird den Leuten sogar vorgespiegelt, dass sie ohne jede Untersuchung Aufnahme finden. Das ist vollkommen unrichtig. Wie streng die Untersuchung der amerikanischen Behörde ist, ergibt sich daraus, dass von den durch die Hamburg-Amerikalinie im vorigen Jahre befördeten Reisenden 758 zurückgewiesen worden sind, trotzdem die Gesellschaft, welche diese Reisenden kostenlos in ihre H-umat zurückbefördern muss, bei der Untersuchung der Auswanderer sehr sorgfältig verfährt. Die Gesellschaft, kritisiert das Vorsehen der amerikanischen Behörde in folgender Weise : „Wenn auch diese 758 Personen ihre Rücksendung fast ausnahmslos selbst verschuldeten, indem sie uns bei Anmeldung zur Ueberfabrt über ihre Verhältnisse unrichtige Angaben machten, so ist doch zu bemerken, dass seit der Amtstätigkeit des neuen Einwanderungs-Kommissärs in New-York des Herrn W i 1 i a m s, von Seiten der amerikanischen Einwanderungsbehönle ausserordentlich rigoros verfahren wird. Es liegt im Interesse aller Auswanderer, dass dies allgemein bekannt wird. Bern. Die jüdische nationale Studentenverbindung „Kadimah" in Bern hat vor einiger Zeit ein Wohltätigkeitskonz^rt veranstaltet. Sämtliche Mitwirkende und zw.: Frl. ftäuber-Sando z (Alt), Frl. Peiffer (Sopran), Fr. Wächter (Klavier), Karl Broich (Rezitation) Frl. Emilie Brusin ^Violine), Wilh. Bockhol dt (Bariton) und Otto Werner (Tenor) gehören christlichen Familien an und haben ihre Mitwirkung, mit Rücksicht auf den Zweck des Konzertes in liebenswürdigster Weise übernommen. Das Reinerlrägnis\wurde zur Hälfte für die in Kischenew Verunglückten im Sinne Ussischkins und zur anderen Hälfte für die Ferienversorgung Berns bestimmt.