Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 32 (7.8.1903)
- Article
- Clavicula Salomonis. A hebrew manuscript newly discovered and new described [Rezension]
- Date
- 1903-08-07
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 „Die # Welt4* Seite 15 und richtige Originalwerk gefunden haben und gibt es mit Anmerkungen und Erklärungen heraus* Ohne auf die Prüfung der grösseren oder geringeren Authentizität, auf die mehr oder weniger wahrscheinlichen Vermutungen über das Alter des Buches einzugehen, betrachten wir das Buch an und für sich als ein interessantes, kulturgeschichtlichesDokument. Es scheintkein einheitliches ganzes Werk zu sein, sondern ein Amalgam. Spuren älterer Zeiten finden sich neben Anspielungen auf neuere, auf die Epoche Sabbatai Zewis, Anlehnungen und Anspielungen auf ältere, uns unbekannte Schriften deuten auf das Vorhandensein einer okkultischen jüdischen Literatur, die sich, wie die Kabbalisten sagen, mit „Kabbala maassith" beschäftigt. Das Büchlein selbst ist mit einer vielleicht zu kurzen Einleitung über das Wesen der jüdischen Mystik versehen. Für jeden Wissbegierigen auf dem Gebiete der Judaica ist es von hohem Interesse. A. C—k. Jüdische Eltern! Zu den Krebsschäden, die am Körper des Judentums nagen, gehört die krasse Unkenntnis unserer heiligsten Traditionen, unserer Geschichte und Literatur, die sich unter der jüdischen reiferen Jugend bemerkbar macht. Der jüdische Vater, die jüdische Mutter, die tagsüber von ihrer Erwerbs- und Haußhaltungstätigkeit, von dem schweren Konkurrenzkampfe ganz in Anspruch genommen sind, erwarten von der Schule und dem Religionsunterrichte die Erziehung ihrer Kinder zum Judentum. Wie kann man sich aber davon einen Erfolg versprechen, wenn man bedenkt, dass der jüdische Religionsunterricht kaum zwei Stunden wöchentlich umfasst und dass sich die jüdischen Religionslehrer im übrigen um ihre Schüler gar nicht kümmern können. Die traurige Folgeerscheinung dieser Verhältnisse, der Indifferenttsmus unserer Jugend in jüdischen Angelegenheiten ist es, der das gefertigte Presskomitee veranlasst, hier abhelfend einzugreifen. Wir wollen eine Monatsschrift gründen, die der jüdischen Jugend beiderlei Geschlechtes gewidmet, ihr dasjenige ergänzt und ersetzt, woran es Elternhaus und Schule fehlen lassen. „Unsere Hoffnung*, so wird unsere Zeitschrift heissen, Sie soll unsere Jugend judisch fühlen lehren, soll ihr die vom Elternhause und Schule ausgestreute Saat hegen und pflegen, wacherhalten und stärken, sie soll belehren und anregen, das Interesse für das Judentum neu erwecken, sie soll zünden und begeistern. Wir glauben auf diemateiielle und moralische Unterstützung aller jüdisch denkenden und fühlenden Eltern mit Bestimmtheit rechnen zu dürfen, denn nur dann winkt uns ein Gelingen. Hochachtungsvoll DasPresskomitee für „UnsereHo ffnung", Monatsschrift für die reifere jüdische Mittelschuljugend. Geldspenden und Briefe für den Pressfonds beliebe man an die Administration der „Welt" zu richten, mit dem Vermerk für „Unsere Hoffnung". — Die einlaufenden Spenden werden in der „Welt" ausgewiesen. Feuilleton. Tischgespräche aus dem Cafe „Weidhof". (Eine frisch entdeckte Rasseneigenschaft d e r J u d e n.) Wien, 4. August 1903. „Meine Herren," sagte Dr. Ernst, „ich vermute, dass Sie bisher nicht gewusst haben, was für einen Parteistandpunkt in unserem öffentlichen Leben die Tuberkelbazillen einnehmen. Auch ich hatte früher keinen rechten Einblick in diese wichtige Frage und erst in aller jüngster Zeit gelang es mir, ans einem Wiener Antiscmitenblatt recht interessante Aufklärungen zu schöpfen. Das Blatt erzählt nämlich in einem gelehrt klingenden Bericht, dass den Tuberkelbazillen eine besondere Vorliege für semitisches Fleisch innewohnt. Wenn ein solcher Bazillus die Wahl hat zwischen einem indogermanischen, einem mongolischen, einem hanntischen, einem israelitischen oder sonst einem Lungenflügel, so schwankt er nicht einen Moment, sondern, stürzt sich mit dein Ungestüm tiefinnerer Zuneigung auf das hebräische Lungengewebe und tut sieh — als hätte er schon mehrere Tage nichts Warmes im Leibe gehabt — daran gütlich." Der Privatier Herr Manuel stein war während dieser bakteriologischen Auseinandersetzung sichtlich unruhig geworden, jetzt erhob er sich nervös, hüstelte einigemal und rief in gereiztem Tone den Kellner: „Adolf! — Ja, wo stecken Sie denn? — Machen Sie da oben das Fenster auf! Die Stickluft hier muss ja allen möglichen Krankheitskeimen zuträglich sein! — Glauben Sie wirklich, Herr Doktor, dass es die Bazillen besonders auf uns abgesehen haben?" „Ich zitiere nur die genannte Zeitung, die im weiteren Verl auf e i hrer w i ssenseh af 11 icl \en Auseinan d erset zungen die Enthüllung macht, dass ein tüchtiger Schwann von Bazillen dem betroffenen Juden nicht nur keinen Kummer verursacht, sondern ihm sogar ausserordentlich gelegen kommt. Die Sache nimmt nämlich in der Hegel folgenden Verlauf: ein Jude, beispielsweise ein galizischer, mit diabolisch verkniffenen Gesichtszügen, der schon seit Monaten vcrheissungsvolle Regungen in der Gegend der Schlüsselbeine verspürt hat, lässt sich schliesslich von einem Arzt untersuchen. „Ich muss Ihnen die bedauerliche Mitteilung machen/' erklärt der Arzt, „dass Ihre Lungenspitzen infiltriert sind." Der Jude zuckt freudig zusammen, kann aber an die Fülle seines Glückes noch nicht glauben. „Irren Sie nicht, Herr Doktor?" fragt er, zwischen Hoffnung und Bangen schwebend, „sind wirklich beide Lungenspitzen ergriffen?" — „Beide!" — Nun sendet der Jude einen dankerfüllten Blick gen Himmel, eine selige Stimmung überkommt ihn. Denn er weiss jetzt, was er zu tun hat: er nimmt seine sämtlichen Tuberkelbazillen und zieht in eine christliche Gegend. Hier spaziert nun der jüdische Satan unter irgend einem Yorwande gemächlich umher und, gleichwie ein Sämann seine Körner ausstreut, streut er freundlich lächelnd seine Bazillen in der freigebigsten Weise unter die christliche Bevölkerung aus." „Gott, was für schlechte Kerle gibt es doch unter uns Juden," klagte Herr Mannelstein, „aber ich kann wirklich nicht recht an diese Ausstreuungen glauben." „Ich zeig1 Ihnen die schwarzen Taten der Juden schwarz auf weiss. Hier haben Sie den Zeitungsausschnitt mit dem Berieht. Sellen Sie: „Die Tuberkulose eine Rasseneigenschaft der Juden," so lautet der Titel. Da, lesen Sie selber den höchst bemerkenswertem Schluss des Berichtes!" Dr. Ernst reichte Herrn Mannclstein den Ausschnitt aus dem Wiener Blatte und der Privatier las mit wachsender Entrüstung folgendes Resümee der Abhandlung : „Der gelaunte Arzt kommt im Einklang mit anderen Forschern zu dem Schlüsse, dass die Neigung zur Tuberkulose eine Rasseneigenschaft der Juden sei. Niemand wird bestreiten, dass die Ursachen der Tuberkulose hei den Juden Ungarns, Galiziens, Serbiens und so fort mindestens in gleichem Masse vorhanden sind, wie bei denen Amerikas und Afrikas. Was nützen also die schönsten Tuberkulosenerlässe und Spuckverbote, wenn von dem