Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 32 (7.8.1903)
- Article
- Berlin [Nachricht] / S.....i, Hugo
- Date
- 1903-08-07
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 ßtofr Wdt6' Seite 13 geringste Kenntnis von all den Schwierigkeiten und „Steinen des Anstosses* zu besitzen, die hemmend auf unserem Wege nach dem heiligen Lande liegen. Ihre ebenso zahlreichen, wie naiven Vorschläge zeugen reichlich dafür, wes Geistes Kind sie sind. Die, wenn auch glücklicherweise bereits weniger hohe Wellen schlagende, aber leider noch immer nicht ganz zum Schweigen kommen wollende Polemik Nordau-Achad Haam hat eine ganz neue Gruppe sogenannter „geistiger Arbeiter" zu Tage gefördert. Was diese eigentlich wollen, lässt sich schwer sagen; nur soviel kann man aus all ihren mystischen symbolischen Ergüssen entnehmen, dass sie einer gewissen „Dematerialisation" zuneigen. Redner selber steht auf dem Boden des Baseler Programmes und möchte wie bisher auch weiter gearbeitet wissen. Auch er hat Wünsche zu äussern, nur sind sie im umgekehrten Sinne gehalten, als die von ihm kritisierten. Nicht eine Ueberstürzung wünscht er, sondern ein recht langsames und bedächtiges Vorwärtsschreiten auf dem bereits eingeschlagenen Wege. Man möge ja nicht die Kräfte dadurch zersplittern, dass man sich allerlei neuen Zielen und Versuchen zuwendet; der sechste Kongress müsse sich ausschlieslioh auf den weiteren Ausbau der Kolonialbank und des Nationalfonds beschränken, diesen aber auch seiue ganze Kraft widmen. Und last not least, man solle jeder Kultur — und namentlich jener Nordau-Achad Haam-Debatte unter allen Umständen aus dem Wege zu gehen suchen. Ali den hochinteressanten, in klassischem Hebräisch gehaltenen Vortrag schloss.sich eine lebhafte und anregende Debatte, in der namentlich unter anderen Herr Redakteur Lin und Herr Schriftsteller Bernstein sich besonders hervortraten* Hugo S i. Mainz. Am 8. Juli fand eine Mitgliederversammlung statt, in welcher die Wahl der Kongressmitglieder vorgenommen wurde. Unserer Ortsgruppe gehören 207 Schekelzahler an, so dass uns zwei Delegierte zustehen. Als solohe wurden gewählt unser erster Vorsitzender, Herr Dr. R. Schauer, Rechtsanwalt in Mainz und unser zweiter Vorsitzender, Herr S. Lazarus, Kaufmann in Mainz. Den Wahlen ging ein Referat des Herrn Rechtsanwalts Dr. Schauer über die Aufgaben des sechsten Kongresses voraus. Derselbe schilderte die Bedeutung des Kongresses für dasGesamtjudentum und hob von den speziellen Aufgaben desselben besonders die Konstituierung des Nationalfonds und die Feststellung eines Statuts für denselben hervor. Als Delegierter wird der Rainer jede Fraktionierung in der zionistischen Bewegung bekämpfen, da er ein geschlossenes, einmütiges Vorgehen für unerlässlich und alle Sonderbestrebungen für schädlich hält. Zum erstenmal seit seiner Rückkehr aus Palästina war unser Vorstandsmitglied,Herr Assessor Dr. Friedemann aus Wiesbaden bei dieser Versammlung anwesend. Allseitig freudig begrüsst, sprach derselbe in äusserst anregender und belehrender Weise über die bei seiner Palästinareise gemachten Erfahrungen und polemisierte gegen die kürzlich erschienene neue und vermehrte Auflage der „Zionistischen Trugbilder" des Dr. Mechanik in Mainz und die in dem Büchlein enthaltenen, durch keinerlei Sachkenntnis und Reiseerfahrungen getrübten Ausführungen über die Verhältnisse in Palästina. Der Redner trat für baldigen Landatikauf in Paläs tina ein ur d erntete für seine treffenden Darlegungen reichen Beifall. H. B. Galatz. In einem Rundschreiben an die Vorsitzenden der zionistischen Vereine, teilt Herr S. Pineles, derzeit Präses des Landes Komitees, einige auf dem diesjährigen Parteitage in Jassy gefasste Beschlüsse betreffs der Vermehrung der Einnahmen für deu Nationalfonds und die C. B. mit. Um die Kontrolle der für den N.-F. gesammelten Gelder zu erleichtern, wurde auf dem Parteitage ein vom Referenten über C.-B und N.-F., Herrn M. Schein, gemachter (vom Herrn M. Sc h w a r z f el d ergänzter) Vorschlag angenommen, dem zufolge jede für den N.-F. gesammelte Geldsumme samt einer spezifizierenden Sammelliste sofort der Föderationskassa zuzusenden ist. Der Sammler bekommt eine Empfangsbestätigung für die eingeschickte Summe, und die spezifizierenden Sammellisten werden, um die möglichst exakte Kontrolle seitens des Publikums zu ermöglichen, in den jüdischen Zeitungen veröffentlicht. Der Parteitag beauftragte das L.-K, diesen Beschluss allen zionistischen Vereinen mitzuteilen, wie auch durch Veröffentlichung in den jüdischen Zeitunger» dem Publikum bekanntzumachen. Weiter empfiehlt das L.-K. um möglichst viele C.-B. Aktien zu verkaufen, die von dem Bukarester Dr. Rülf-Verein eingeführte monatliche Verlosung einiger Aktien zwischen den Vereinsmitgliedern zur Nachahmung. Galatz. (Phiiantropisch-zionistischer Verein Dr. Max Nord au.) Der Verein, welcher früher „Sperantza Juminei" hiess und nur philantrophische Zwecke verfolgte, reorganisierte sich im Oktober v.J., indem er, wie es im Rechenschaftsberichte heisst, dem edlen Zwecke der Philantrophie das hohe Ideal des Zionismus anschloss. „Es ist das ein Zeichen der grossen Verbreitung des Zionismus, dass beinahe keine Aktivität ausserhalb der zionistischen Bewegung möglich ist." Der Verein zählt nur 75 Mitglieder und verfügt über geringe Mittel, aber entfaltet eine anerkennenswerte Tätigkeit. Ausser der zu philantropischen Zwecken gesammelten 1376*30 Franks, wurden für den N.-F. 197-25 Francs gesammelt. N. Leeds. Am 11. Juli fand im „Beth Hamedresch Hagadal" ein zionistisches Massenmeeting statt, einberufen von der orthodoxen zionistischen Vereinigung „Agudath Dorschei Zion W'J e r u s a 1 e m\ Die Synagoge war überfüllt. Das Präsidium führte Rev. H. Orliansky, Maggid der hiesigen Gemeinde. Herr Rabbiner Daiches, der Leiter unserer Gemeinde und Gründer der Vereinigung besprach in ausgezeichneter Rede die Notwendigkeit des Zionismus vom religiösen Gesichtspunkte aus und richtete an die Versammlung einen warmen Appell, sich der Bewegung anzuschliessen. Herr Dr. Daiches sprach über die Nationaltrauertage 17. Tamus und 9. Ab und schilderte in hinreissender Rede das Leben der Juden seit der Zerstörung des Tempeis bis zum heutigen Tage. Er tadelte dann scharf die Spaltungen im zionistischen Lager. Wir dürfen weder „Misrachim", noch „Fiaktionäre" sein, sondern Förderer der einen grossen Idee. Wir haben nur ein Ziel: Zion. Mit einem Appell an die Versammlung, zusammenzuhalten und mit vereinten Kräften für die Verwirklichung der zionistischen Idee zu arbeiten, schloss der Redner unter rauschendem Beifall. Herr S. Adler dankte dem Präsidenten und den Rednern. Nachdem der Vorsitzende, Rev. Orliansky, noch einige Worte an die Versammlung gerichtet hatte, wurde das Meeting, das gegen drei Stunden dauerte, geschlossen. Der Eindruck, den dieses Meeting auf die Versammlung gemacht, zeigte sich schon daran, dass gleich nach Schluss desselben gegen 70 neue Mitglieder sich beim Vorstande der Vereinigung anmeldeten. Herr Dr. Samuel Daiches ist von dieser Vereinigung („Agudath Dorschei Zion W'Jerusalem") einstimmig zum Delegierten zum VI. zionistischen Kongress gewählt worden. H. VV. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Aus einem Berichte des Deutschen Konsulates in Damaskus : Die Ledereinfuhr über Damaskus im Jahre 1902. In den letzten Jahren hat die syrische Lederfabrikation einen bedeutenden Aufschwung genommen : sie ist auf dem besten Wege, das Geschäft in einigen, bisher vom Auslande gelieferten Hauptsorten ganz an sich zu ziehen. So wurden im Jahre 1902 reichlich 1000 Ballen zu je 60 Kilogramm Sohlleder aus den Gerbereien von Zahle im Libanon und Ei Maschghara in der Bekaa verarbeitet, während nur ^00 bis 250 Ballen zu je 00 Kilogramm mit 10, 7 und 5 Halbhäuten pro Ballen französischer und italienischer Herkunft waren. Ebenso wurden 100 Dutzend \h ichsleder aus denselben inländischen Gerbereien bezogen, während nur 25 Dutzend zu je 12 bis 15 Kilogramm aus Frankreich (7/s) und Oesterreich (79) gekauft wurden. Farbiges Kalbleder — etwa 100 Dutzend — und ganz geringe Mengen farbiges Ziegenleder kamen aus Deutschland; in den Import von schwarzem und farbigem glaciertem Kalbleder, der sich auf ungefähr 125 Dutzend, und 25 Dutzend bezifferte, teilten sich Deutschland, Frankreich und Nordamerika; etwa 300 Dutzend lackierte Kalbkder lieferte Deutschland, das auch den ungefähr 100 Häute betragenden Bedarf an Kuhleder für Wagen verdecke und Schuhwerk deckte. Von Schafleder wurden 50 Dutzend weisse und 10 Dutzend farbige eingeführt, wovon 8/4 auf Oesterreich-Ungarn und */4 auf Deutschland entfielen. Wohlfeile Damen- und Kinderschuhe aus glaciertem KalochromLed *r Schweizer und Wiener Herkunft finden zunehmenden Anklang und es soll die vorjährige Einfuhr bereits 30.000 Mark erreicht haben. Zu den deutschen Reichstagswahlen bemerkt die „Jüdische Presse", dass in der freisinnigen Partei bei Aufstellung der Kandidaturen den antisemitischen Instinkten der Bevölkerung stark Rechnung getragen wurdo. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" sagt von den jüdischen Reichs-