Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 32 (7.8.1903)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1903-08-07
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12;,Die & Welt" Nr. 32 Voranzeigen. Wien. (Ve r e i n j ü d i scher Hau d eis an gestellter, IL, Stephaniestrasse 8) Sonntag den 9. Au gust: Tagesausflug auf den Schöpft. Zusammenkunft 6 Uhr 40 Minuten, Abfahrt 6 Uhr ob Minuten vom Westbahnhof. Starker Marsch. M it t w o c h 12. August: Gesellige Zusammenkunft im Restaurant Guth, IL Stephaniestrasse 14. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt", IL, Stetaniestr. 8.) Mittwoch, den 12. d. M. Vereinsversammlung mit Vortrag des Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Heinz Kohn. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein, IL, Stefaniestrasse 8.) Samstag den 8. August Vereinsabend mit Vortrag des Gesinnungsgenossen Dr. Michael Zweig: Der sechste Zionistenkongress. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Berichte. Wien. Mittwoch den 27. Juli fand in Kierling eine Theatervorstellung statt, deren Reinerträgnis, 40 Kronen, den Unglücklichen in Kischenew gewidmet wurde. Bei der Aufführung haben sich die Mitwirkenden Otto Sax,. Olga Faul, Karl L eurer, MiziLÖwy, Adele Paul, Julius Rosen bäum und Artur P o 11 ak, Kinder von Kierliüger Sommergästen, ausgezeichnet. Krems. (Volksversammlung in Krems und Ausflug in die Wachau.) Anlässlich obiger Volksversammlung veranstaltete dasinnerösterreichische Distrikts- Komitee Sonntag, den 5. L, einen Tagesausflug in die Wachau. Nach kurzer Bahnfahrt folgte die Dampferfahrt ab Melk und Landung in Aggsbach, dann wurde programmgemäss die Ruine Aggstein, d^r schönste Punkt der Wachau, bestieger, und nach gemeinsamem Mittngessen mit dem nächsten Dampfer, der noch einige Nachzügler von Wien mitgebracht hatte, die Weiterfahrt durch die schön e Wachau unternommen. Nach Ankunft in Kr^ms und Begrüssung durch das dortige Lokalkomitee wurde die Stadt besichtigt. Hierauf begab man sich in die „Rappelsäle" zur Volksversammlung. Eingefunden hatte sich so ziemlich die ganzs Judenschaft der Stadt, mit eiiu^r grossen Anzahl Damen, wobei die dortige Studentenschaft als Ordner'fungierte.-Unter Vorsitz der Herren Schick, und Karpfen als Stellvertreter, begann nach 4 Uhr die Versammlung, welcher von Wiener und auswärtigen Gesinnungsgenossen Begrüßungsschreiben und Telegramme zugekommen waren. Der Obmann des innerö9terreichischen Distrikts-Komitees, Doktor Bernhardt, Wien, referierte über die Laue 'der Jud*n in Oesterreich, besprach die Lage in den einzelnen Teilen th r Monarchie, die wirtschaftlichen Verhältnisse und soziale Stellung, verwies aufPolna, Holleschau und die Rechtslo^igkeit d^r Juden in Galizien und schloss das gediegene, beifällig aufgenommene Referat mit der Mahnung zum Zusammenschluss und zur Solidarität. Hieran schlosa sich das Referat Dr. Kahns: „Was wollen wir Zionisten?4 In glänzender, mit gröbster Spannung angehörter Rede besprach der Redner Ziel und Institutionen des Zionismus. Er riss die Zuhörer mit sich fort und schloss unter stürmischem Beifall mit den WTorten : „So ist der alte Zionismus aus dem Gebetbuch herausgetreten und zur Volksbewegung geworden. Wir sind wieder Juden geworden und auch für uns wird die Sonne wieder aufgehen — im Osten — in Palästina!u Zum Schluss referierte Frau Dr. Kahn in nicht minder meisterhafter Weise über die Pflichten der Frau im Zionismus und fand in den vielen Damen versLondnissvolle Zuhörerinnen. Die Teilnehmer der Versammlung haben die Referate mit grossem Beifall aufgenommen und eine kleine Judengemeinde mehr schaartsich um unsere Fahne. Die meisten zahlten sofort den Schekel. Im Bahnhof-Restaurant war die Abschiedszusammenkunft, zu der alle Teilnehmer der Versammlung sich nochmals vereinigten. Es war ein herzlicher Abschluss des Ausfluges. J. L. Jüdisches Vereinswesen in Bosnien, Kroatien und t lavonien, Abgesehen von den „Vereinen für fromme und wohltätige Stiftungen", wie die Chewra Kadischa sich in Wien offiziell nennt, gibt es in den südslavischen Ländern der österr.- ung. Monarchie 21 jüdische Vereine. Davon sind 15 Frauenvereine, 4 literarische, 1 Gesangverein, 1 zionistisch-politischer Verein. Unter den Frauenvereinen nenn* sich ein«* „Jüdischer Frauen verein*4, die anderen schreiben sich hold errötend, „israelitisch'". Unter den literarischen ist einer ein ausgesprochen assimilatorischer - er wnrde von Rabbinern und Kulfusbeamten begründet — der Gegangverpin ist zionistisch. Alles in allem gibt es zwei offen zionistische Vereine. Drei Vereine sind sephardisch. Juden gibt es in allen kroatischen Vereinen, besonders in Gesangvereinen; in die serbischen verirren sie sich nie. In Bosnien sind alle Nationen der Monarchie vertreten, Die Juden bevölkern auch hier die kroatischen, tschechischen, polnischen Vereine. Doch Mitternacht ist vorbei — der Osten färbt sich, auch hier wird es hell werden. J. Th, Witznitz. In einer Volksversammlung behufs Gründung eines Zionvereines hielt Herr Dr. Zellermayer 'die Eröffnungsrede, worauf Herr Dr. M e n c z e 1 in bekannt glänzender Weise eineinhalb Stunden über den Zionismus sprach. Nach einem Jargonreferat des Herrn L. Taubes hielt Herr Dr. Zellermayer das packende Schlusswort. 109 Schekoliiri wurden gesammelt. JVL. Sch. Husiatyn. Der verdienstvolle und sehr beliebte Gründer des Zionvereines Dr. A. Glasberg übersiedelte nach Przemysl. Alle Mitglieder des Vereines hatten sich am Bahnhof eingefunden und demonstrierten ihr aufrichtiges Bedauern über den Abschied. Eperjes, 29. Juni 1903. (Distriktsversammlung.) Kürzlich tagte in ,K a s c h a u eine imposante Vertrauensmänner-Konferenz der Vereine Eperjes, K a s s a, Nagy-Säros, H&thars und Sebes. Nach lebhafter und durchaus sachlicher Diskussion wurde gemäss der Tagesordnung für die Wahlen zum Kongresse beschlossen: Hethars mit Sebes, Nagy Saros mit Kassa zu vereinen und dass Eperjes selbständig einen Delegierten entsenden solle. Für die Kosten der Delegierken hat jeder Verein selbst aufzukommen, ausgenommen, wenn sich bei einem Vereine die Kosten höher steilen sollten, oder wenn irgendeiner der Vereine auch andere Delegierte unterstützen will, dann sind solche Ortsgruppen, die keine separaten Vereine, um einen Delegierten entsenden zu können, haben, verpflichtet ihre Delegierten-Beiträge diesem Vereine zu leisten. Die Delegierten-Wahl hat in Hethars, Kassa und Eperjes in der von der Landeskanzlei vorgeschriebenen Weise vor sich zu gehen. Die Zeit bestimmt jede Wahlgruppe selbst. Die Stellung der hiesigen Delegierten zum Kongresse soll mit Anerkennung des Baseler Programms den Satzungen des „Misrac-hi* entsprechen und sollen die hiesigen Delegierten anzustreben suchen, dass Ungarn im grossen Aktions-Komitee stärker vertreten werde. In Betreff der Palästinaethrogim machten die hiesigen Vereine es sich zur Pflicht, den Verkauf genannter und die Verdrängung der Corfuer Ethrogim intensiver zu gestalten, Schliesslich wurden die Statuten des Hetharser „Emune Zion" einstimmig für unsere ganze Gegend angenommen. Am Abend vereinte ein animiertes Beisammensein die zahlreiche Versammlung, Die Reden und Toaste der Herren Prof. Dr. Molndr, Rusznyak, Spieiber ger, Neuwirt h, Friedmann aus Kassau, B ä r k ä n y, Sebes, Kopp, Hethars sind rühmlichst zu erwähnen. Berlin. In einer ziemlich stark besuchten Versammlung der Safa-Berura hielt Herr S. L. Schmuelowitz einen mit grossem Beifall aufgenommenen hebräischen Vortrag „über die Aufgaben des sechsten Zionistenkongresses". Nachdem er einleitend in klaren Worten einen allgemeinen Ueberblick über Entwicklung und Tätigkeil des Zionismus während der letzten zwei Jahre gegeben hatte, ging er an die geistreiche Beleuchtung der vielen in letzter Zeit namentlich in der hebräischen Presse immer wieder auftauchenden Wünsche, Forderungen und Pläne über, die alle nur einer völligen Unkenntnis der wirklichen Erfordernisse und Ausdrücke des Lebens ihre Entstehung verdanken. Da gibt es sogenannte „Vokabelästhetiker", die gleich an dem Namen Kongresß schon Anstoss nehmen. Für sie ist diese Bezeichnung viel zu prosaisch und viel zu nichtssagend. Und eine Flut von Artikeln ergoss sich in letzter Zeit über die Betrachtung, ob es nicht „schöner" wäre, wenn ein „jüdisches Parlament" tagen würde, ohne aber dabei an den elementarsten Unterschied zu denken, der diese beiden Begriffe von einander trennt. Während ein Parlament aus verschiedenen auf ganz anderem Boden stehenden, anderen Prinzipien huldigenden und andere Ziele verfolgenden Parteien besteht, die weniger sich zu überzeugen als zu bekämpfen suchen, wird ein Kongress aus den Mitgliedern einer und derselben Partei gebildet, die nicht zusammengekommen sind, um sich zu befehden, sondern um sich gegenseitig zu belehren und durch Gedankenaustausch ihre Ansichten zu klären. Auch wurden in jüngster Zeit Nergler laut, die siGh mit der langsamen Tätigkeit der Zionistenführer nicht befreunden können; sie möchten den politischen Karren des Zionismus in viel schnellerem Tempo als bisher vorwärts geschoben wissen, und scheinen bei all ihrem Geschrei und Gezeter nicht die