Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 32 (7.8.1903)
- Article
- Die nationale Arbeit der Frau
- Date
- 1903-08-07
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 „Die # Welt? Nr. 32 Wie viele jüdische Frauen gibt es, die in nationaler Begeisterung Worte finden könnten, wie jene tschechische Frau, die vor einigen Wochen bei der Hussfeier in Prag die glühenden Worte sprach: „Grosser, hehrer Lehrer! Du, der du die Heimat und dein tschechisches Volk so geliebt hast! Du, unser Meister! Deine Tochter blicken heute zu dir auf. Du hast uns gelehrt: Lieben wir uns! Also nieder mit dem Klassenstolz, die Arbeiterin neben der Reichen — alle sind wir Schwestern. Wir wollen festhalten! Wir schwören, grosser Lehrer, nicht ein Stückchen tschechischer Erde, nicht ein Tropfen tschechischen Blutes soll durch unsere Schuld verloren gehen. Wir schwören, dass wir unser Volk vor den Feinden schützen und retten werden!'4 Und sämtliche Frauen, ob reich, ob arm, ob gebildet oder nicht, hoben die Hand und schwuren. Und bei uns? Da und dort eine Kämpferin, da und dort eine Zionistin, da und dort eine Jüdin, wie wir es wünschen. Die anderen alle — geben uns eben nur Veranlassung zu bedauern, dass wir so weit hinter allen Völkern zurück sind. ^MbäiK. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) An die Redaktion der „Welt". Ich erlaube mir, für den bevorstehenden Kongress folgenden Vorschlag zu machen: Da man aus verschiedenen Gründen auf dem diesjährigen Kongress eine sehr grosse Beteiligung von Gästen zu erwarten hat, wäre es angebracht, die Gastkarten nicht wie bisher unentgeltlich, sondern gegen die Entrichtung eines Preises von 3 Mk. zu Gunsten des Nationalfonds zu verabreichen. Jeder Fremde, der für den Besuch des Kongresses die erheblichen Kosten einer Reise nach Basel nicht scheut, wird gegen diese Einrichtung kaum etwas einwenden, während dadurch dem Nationalfonds eine stattliche Summe zu Gute kommen kann, Freiburg i. Br. Hochachtungsvoll L. J. * Anregung. Es wäre sehr wünschenswert, wenn jeder Kongressdelegierte sich bereit erklären würde, in einem Orte, der auf der Fahrt nach oder von Basel berührt wird, einen agitatorischen Vortrag zu halten, nach vorheriger Verständigung mit dem betreffenden D.-K. Die Adressen derselben finden sich „Welt", 7. Jg., Nr. 22, S. 10. Distriktskomitee für Mähren und Schlesien, Bielitz, Schiesshausstrasse 1. .» Löbliche Redaktion! Gg. Dr. Philipp Menczel - Czernowitz hat auf dem III. österreichischen Zionistentag die wertvolle Anregung gegeben, alle israelitischen Kultusgemeinden Oesterreichs zu Sympathiekundgebungen an den Kongress zu veranlassen. In Erweiterung dieser Anregungen sei es allen Landeskomitees nahegelegt, diesbezügliche Rundschreiben samt gleichlautender Resolution an sämtliche Judengemeinden ihres Landes zu richten, als auch durch die Lokalorganisationen und die zionistischen Vorstandsmitglieder der Judengemeinden auf die Sympathieerklärung an den Kongress hinzuwirken. Ein zionistischer Kultusvorsteher. Wien, 11. Ab 5663. Die vereinigten jüdischen Arbeiterorganisationen des II. und XX. Bezirkes in Wien veranstalten anlässlieh des VI. Zionistenkongresses eine grosse Fest ver s ammlun g mit anschliessender Akademie. Diese Veranstaltung findet am 22. d. M. (Samstag abends) statt und dürfte infolge der Mitwirkung beliebter Kunstkräfte einen glänzenden Verlauf nehmen. Näheres über Ort und Programm wird in der nächsten Nummer der „Welt" sowie durch Plakate bekanntgegeben. Das Fest-Komitee. * Kulturvorbesprechung. Zum Zwecke der Ermöglichung eines gemeinsamen Vorgehens der Gleichgesinnten Kongressmitglieder in Fragen, welche unmittelbar oder mittelbar die Kulturarbeit im Zionismus betreffen, erlauben sich die Unterfertigten, diejenigen Kongressdelegierten, welche auf dem Boden des politischen Zionismus und der nationalen Kulturarbeit stehen, zu einer Freitag den 21. d.M. 9 Uhr morgens, in Basel, im Kongresshause, abzuhaltenden Vorbesprechung ergebenst einzuladen. Der Saal wird im Kongresshause bekanntgegeben werden. Die Delegierten, die an der Vorkonferenz teilnehmen wollen, werden ersucht, ihr Erscheinen an die Adresse : Jüdischer Verlag, für Kultur Vorkonferenz Berlin Sw., Grossbeerenstr. Nr. 75 unverzüglieh bekanntzugeben. Warschau, Sofia, Wien, Anfang August 1903. N. Sokolow. Dr. M. Ehr e n p r eis. Martin Bub er. Korrespondenzen. Wien. Herr Dr. Herzl ist am 5. August nach Russlaud abgereist. Jerusalem, 13. Tamuz. Die hier weilende Delegation des zionistischen Komitees, unter Vorsitz des Herrn Ingenieur U ssis chk in hat nach lOtägiger Arbeit die Gründung einer Organisation für Kolonisationsangelegenheiten in Palästina beschlossen und bereitet nun eine allgemeine grosse Versammlung vor, an welcher alle diejenigen teilnehmen sollen, die eine solche Organisation für notwendig erkennen. Die Versammlung soll nur von denjenigen hiesigen Juden beschickt sein, die sich mit dem Aufleben des heiligen Landes durch gesunde fruchtbare Arbeit befassen, die dauernd hier ansässig und mit den Verhältnissen des Landes und allen seinen Lebensbedingungen mehr oder weniger vertraut sind. Das Recht, die Versammlung zu beschicken, basiert auf Folgendem : Je 25 Einwohner, die mindestens 22 Jahre alt sind und wenigstens 1 volles Jahr in Palästina wohnen und einen Beitrag von 1 % Medidje zahlen, wählen einen Delegierten zur Versammlung. Es dürfen jedoch nur Kolonisten, Arbeiter, Gewerbetreibende und Leute anderer Berufe (wie Rabbiner, Lehrer, Aerzte u. s. w.), also solche sein, die von ihrer Arbeit und nicht von Mildtätigkeit, leben. Ein diesbezügliches Zirkulär, das einen warmen Apell an alle Interessenten enthält, wurde durch Delegierte nach allen Städten und Kolonien verschickt. Die Delegierten werden auch von den Wählern die Beiträge einheben, aus denen die Kosten der künftigen Organisation bestritten werden sollen. Zu der Begründung des Aufrufes wird darauf verwiesen, dass die durch mühselige nationale Arbeit erlangten, wenn auch leider geringen Resultate in Palästina einer inneren Kräftigung bedürfen. Es sei bereits an der Zeit, sich von dem Erzielten Rechenschaft zu geben, das Wenige, das wir in Palästina bereits haben und das Viele, das uns noch fehlt, klar zu sehen. Wir haben jüdische Kolonien, aber es fehlt die grosse materielle und moralische Kraft, die einem gesund entwickelten und geordneten Gemeinleben nottut... Zugleich wurde von der vorbereitenden Kommission ein zweites Zirkulär an sämtliche Lehrer der Kolonien versendet, die zu einer besonderen Leserversammlung eingeladen werden, um über die Schulangelegenheiten und die nationale Erziehung zu beraten. Auf der Tagesordnung dieser Lehrerversammlung, die unmittelbar nach der allgemeinen Versammlung stattfinden soll, stehen: 1. Kindergärten; 2. die Schulen in den Kolonien; 3. Knaben- und Mädchenschulen in den Städten. Ferner soll eine Organisation der Lehrer in Palästina geschaffen und die Beziehungen der zionistischen Organisationen zu dieser festgestellt werden. B. J. Jaffa. Am 4. v. M. kam ein Schiff mit 20 jüdischen Familien in (dem Hafen von Jaffa an. Die Hafenpolizei weigerte sich aber, die Einwanderer ans Land zu lassen, da angeblich den nichttürkischen Juden das Betreten palästinensischen Bodens verboten wäre. Der Vertreter der Polizei wollte jedoch diesmal eine Ausnahme machen und die 20 Familien ans Land lassen, wenn sie 3000 Francs zahlen wollen. Glücklicherweise erfuhr davon der österreichische Konsul in Jerusalem, der für seine Landsleute Bürgschaft leistete. Gleichzeitig aber richtete er nach Konstantinopel eine telegraphische Anfrage, ob tatsächlich ein den Juden das Landen in Jaffa untersagendes Verbot bestehe. Die Antwort erfolgte umgehend und lautete, dass man von einem solchen Verbote in Konstantinopel nichts weiss. So fabrizieren sich die bakschischlüsternen türkischen Beamten eigenmächtig judenfeindliche Gesetze, weil sie sehr gut wissen, dass die überall unter Ausnahmegesetzen leidenden Juden sich leicht einschüchtern lassen und am ehesten den geforderten Bakschisch zahlen. („Allg. Ztg. d. Jtums.")