Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · p. 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Article
Dichterporträts [Rezension] / W.
Date
1903-07-31
Page
14 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316052--42274-3335553
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 „Die <s Welt«* Nr. 31 Bücherweit. Jaroslav Vrchlicky: Dichterporträts. — Ein Sonettenzyklus. Uebertragen von Dr. Jakob Fürth. München, Verlag von August Schupp. Einundsechzig Dichterporträts — die meisten in den vierzehn Zeilen eines Sonetts mit einer wunderbaren Meisterschaft gezeichnet. Einzelnen seiner Lieblinge widmet Vrchlicky allerdings mehr als ein einziges kurzes Sonett. Dass bei der Behandlung eines so gewaltigen Stoffes neben wahren Perlen gedankentiefer Schönheit auch manches Minderwertvolle mit unterlaufen ist, lässt sich nicht leugnen. Man vergleiche beispielsweise die Sonette „Petrarka" und „Ariosto", die dicht nebeneinander stehen. Ob selbst ein Dichter vom Range Vrchiickyg ein Porträt Ibsens in 14 Zeilen zeichnen kann, noch dazu, wenn er durch das Versmass behindert ist, das Hess sich von vornherein bezweifeln, Vrchlicky hat es eben auch nicht gekonnt. Und doch, selbst dort, wo er uns nicht genügt, erfreut er uns noch durch irgend einen funkelnden Gedanken, durch eine originelle Wendung, die wir nicht erwarteten. Wir dürfen dem Dichter und dem Uebersetzer für diese Gabe herzlich dankbar sein. Eine Anzahl von Sonetten — die über Rabelais, Moliore, Cervantes, Milton, Alfieii und vor allem das sicherlich interessante über Leopardi — können wir leider nicht beurteilen, weil dem Verlage das Malheur passiert ist, hoffentlich nur in einzelnen Exemplaren — und ein solches liegt auch uns vor — statt der Seiten 33—48 die Seiten 7—32 nochmals zu bringen. Hoffentlich lässt sich' der Schaden noch reparieren. W, Les Juifs Roumains. Reponsc ä M. A. D. Xcnopol. Par A d o 1 p h e Clarne t. Paris. Iniprimcrie Miilot et Antonie. — In einer kurzen, aber sehr inhaltsreichen Broschüre wendet sich Adolphe Clarnet gegen den rumänischen Geschichtsforscher Xcnopol, der es versucht hat durch allerlei scheinbar wissenschaftliche Gründe die verbrecherische Politik gegen die rumänischen Juden zu rechtfertigen. Es braucht wohl'nicht erwähnt zu werden, dass die Ausführungen des Herrn Xenopol dadurch nichts an Gehässigkeit verloren haben, weil er selber von einem jüdischen Vater abstammt. Clarnet bemüht sich in streng wissenschaftlicher Weise zu zeigen, dass die Juden Rumäniens unter der Herrschaft der gegenwärtigen Gewalthaber niemals zu ihren Rechten kommen werden. Was er dabei über die rumänische Unkultur, die sich mit ein paar erborgten französischen Füttern geschickt drapiert, was er über die Korruption der rumänischen „Gesellschaft", was er endlich über die volksfeindliche Politik der nationalen rumänischen Kreise sagt, ist zwar nichts Neues, aber in seiner ungeschminkten Wahrhaftigkeit eine gute Abfertigung für alle die bezahlten und noch zu bezahlenden Freunde der rumänischen Machthaber. Seine Konklusion, die für alle diese Leute eine furchtbare Vergeltung voraussagt, ist dem Leser einleuchtend. Ob die Hoffnung, dass das siegreiche Proletariat auch dem Elend der rumänischen Juden ein Ende machen werde, berechtigt ist, wollen wir hier nicht erörtern. Nur das eine können wir sagen: Angenommen — aber nicht zugegeben — dass dem so sein werde, die rumänischen Juden haben nicht mehr Zeit, auf den Sieg des Proletariats zu warten. Bis dahin sind sie alle bereits verkommen oder ausgerottet. Wenn Herr Clarnet keinen anderen Rat weiss, dann wird seine interessante Broschüre eben nur ein Buch mehr sein, das dem Jammer unserer Brüder ein sympathisches Wort widmet. W. Wilhelm Gesenius' hebräische Grammatik. Völlig umgearbeitet von Fl Kautzsch, Professor der Theologie an der Universität Halle-Wittenberg. 27. Auflage. Leipzig, Verlag von C. F. W. Vogel. 1902. Gr. 8 \ 592 S. — Preis brosch. 6 Mk. Die hebräische Grammatik von Gesenius-Kautzsch geniesst mit Recht den besten Ruf. Sie ist noch immer das geeignetste, wenn nicht gar das einzig geeignete Hilfsmittel für den Lernbeflissenen, der eine gründliche und genaue, die neuesten Forschungsergebnisse mitumfassende Kenntnis sämtlicher sprachlichen Erscheinungen des biblischen Hebräisch anstrebt. Uns ist allerdings die Sprache der Bibel nicht d a s Hebräische schlechthin, und wir sehnen eine historische Grammatik des Gesamthebräischen herbei, die der kontinuierlichen Fortbildung unserer niemals ganz erstorbenen Sprache in allen Phasen der Entwicklung bis auf unsere Tage getreulich nachfolgte. Allein dies wird leider wohl noch lange ein frommer Wunsch bleiben. Bis dahin heissen wir jeden guten Lernbehelf für das Hebräische im engeren Sinne — wie die Gesenius-Kautzsche Grammatik einer ist — freudig willkommen und müssen nur bedauern, dass w i r kein gleichwertiges Lehrbuch in hebräischer Sprache besitzen. Im übrigen weist die vorliegende 27. Auflage gegenüber den vorhergehenden eine stattliche Anzahl wesentlicher Verbesserungen und Zusätze auf. Ein grosser praktischer Vorteil besteht in der Hinzufügung der Paragraphenzahl zu den Paginazahlen; ein anderer darin, dass die Paradigmen samt Register diesmal als gesondertes Beiheft von der eigentlichen Grammatik getrennt erschienen sind. Auch sind die Paradigmen zweck- * müssig vermehrt worden. Dem Sach- und Stellenregister ist ein Register der in der Grammatik behandelten hebräischen Wortformen beigefügt worden. Die Schrifttafel ist durch den verdienstvollen semitischen Epigraphiker Dr. M. L i d z - b a r s k i gänzlich umgestaltet worden und weist nun 26 Kolumnen gegenüber den 10 der früheren Auflage auf. Ferner ist als Zugabe zu dieser Auflage das alphabetische Verzeichnis der Abbreviaturen und Termini in der Masora marginalis und finalis nebst beigefügter Erklärung besonders zu begrüssen. Auch sonst bringt die neue Auflage viel neues, indem die seit 1896 erschienene Literatur in vollem Umfange verwertet worden ist. Bern. M. Z. Das Ifocepbale blond« Rassen»!eotent unter Halligfriesen und Jüdischei Taubstummen. Von Dr. Alfred Waldenburg. Berlin, Verlag S.Caivary & Co., 1902. Die vorliegende Broschüre ist eigentlich eine Vorarbeit zu einem grösseren Werke über die anthropologischen Verhältnisse der jüdischen Rasse. In dieser ersten Arbeit macht der Verfasser eine vergleichende anthropologische und psycho-pathologische Studie über zwei der reinsten Rassen, die Deutschland bevölkern: die Juden und die .Halligfriesen, die sich auf ihrer einsamen meerumspülten Insel in ihrer Rassenreinheit erhalten haben. Und zwar bildet dasMaterial,das der Verfasser seiner cephalometrißchen Untersuchung unterzieht, der pathologische, degenerierte Teil der Bevölkerung, nämlich die Taubstummen. Man kann dieser Broschüre noch keine prinzipielle, allgemeine Bedeutung zuschreiben, sie lässt aber .manche Aufklärung über die Anthropologie und den physischen Habitus der Juden erwarten. Wir heben die Scblusssätze der Broschüre hervor: „Die Isocephalie ist nach meinem Bafunde unter jüdischen Taubstummen häufiger als unter ihren vollsinnigen Anverwandten, ußter diesen häufiger als unter unbelasteten Juden, aber bei weitem seltener als unter Halligfriesen und noch seltener als unter den Kindern zu Nieblum und Föhr. In Gestalt der Taubstummen scheidet die jüdische Rasse gewisse Elemente aus ihrem Blute aus, die ihrem Rassenorganismus von Natur nicht angehören". Wir werden übrigens auf dieses Büchlein in anderem Zusammenhange zurückkommen. C—K. Gibeath Saul (Hügel Sauls), Verfasser S. Hornstein. Uebersetzt ins Deutsche von R. Hornstein. Mit Textillustrationen. Wien, 1903. Selbstverlag. Die deutsche Uebersetzung einerhebräisch erschienenen Beschreibung Palästinas. Das Buch ist interessant und belehrend, am meisten für die jüngere Generation, die heranwachsende Jugend geeignet. Die Uebersetzung ist gut, die Illustrationen im Texte sind schön. Ein zweiter Teil des Buches wird folgen. Das Werk verdient weitere Verbreitung. Feuilleton. Auf den Trümmern von Zion. (Nach Midrasch Rabba.) Das Mass der Volkssünden war voll, die Strafe beschlossen und Gott hatte geschworen, sich vom Heiligtum zurückzuziehen, es den Feinden preiszugeben: So lange Er darin thronte, vermochten die Feinde nichts dagegen zu unternehmen! Die Feinde stürmten nun siegreich heran, drangen in das Heiligtum und machten es zum Raub der Flammen. Gott aber zog sich in den Himmel zurück; dort sass er und weinte: „Habe ich doch meine Ruhestätte unten nur Israel zuliebe aufgeschlagen, und nun ist dieselbe zerstört! Werden da die Feinde nicht spotten, lästern?" Einer seiner Engel bat Gott, vom Weinen abzulassen. Gott aber sagte: „Wenn du mich nicht weinen lassest, so werde ich im Geheimen in einem Räume weinen, den du nicht betreten darfst." Und Gott begab sich in Begleitung einer Engelschar zu den Trümmern des eingeäscherten Heiligtums, um zu sehen, wras die Feinde dort angerichtet hatten. Jeremias ging ihnen voraus. Als sie zu den Trümmern gelangten, erhob Gott neuerdings seine Klage: „Das ist also aus meinem Hause, aus meiner Ruhe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.