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Die Welt · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Article
Fürth i. B. [Nachricht]
Date
1903-07-31
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Bte & Welt« Nr. 31 mehr in das praktische Berufsleben übertretenden jungen Leute die in der Schule hochgehaltene Ideale weiter pflegen und treue Söhne des Judentums bleiben würden. Soden. Eine Lungenheilanstalt gibt es auch in Soden. Der Sitz des Kuratoriums derselben ist in Frankfurt a. M. Die Adresse lautet: „Kuranstalt für arme Israeliten in Soden", z. H. des Herrn D. A. Worms in Frankfurt a. M., Obermainanlage 8. Basel. Das neue jüdische Waisenhaus in der Gotthelfstrasse wurde in Gegenwart des Regierungsrates Reese und eines überaus zahlreichen Publikums feierlich eröffnet. Der Syiiagogenchor von Basel trug Psalmen vor, und die Damen Frl. l;lsa Bloch und Frl. Helena Wolf sprachen einen schönen Prolog. Der Präsident der Waisenliauskouiinission, Herr Dreyfus-Neumann hielt die Eröffnungsrede, Herr Rabbiner Dr. A. Cohn die Weiherede. Zum Schluss sangen Herr Oberkantor Drujan und der Männerchor Palen. Anfangszahl der Zöglinge sieben. Baukosten 17Ü DUO Francs. Baden. Am 13. d. M. fand hier eine Versammlung der Rabbiner, Lehrer und Kantoren der Schweiz statt zur Gründung eines israelitischen Religionslehrervereins. Herr Rosenthal-St. Gallen eröffnete die Sitzung mit einem Referate über die Notwendigkeit des Vereins. Nach ernster Diskussion und eingehenden Beratungen, an denen sich die Herren Dr. S t r a u s s-Zürich, Schachno witz-Endingen, Neuberge r-Baden, Her z-Soloturn u. a. beteiligten, wurde der Verein unter dem Namen : „Verein israelitischer Religionsbeamter der Schweiz" gegründet' Zum Vorstande wurden gewählt: Herr Dr. S t r a u s s-Zürich, Präsident, Herr Scha c h n o w i t z-En dingen, Schriftführer und Herr R o s e n t h a 1-St, Gallen, Kassier. Paris. Seit mehreren Monaten kann man hier am Gare de L'Est jeden Freitag einem ergreifenden Schauspiel beiwohnen. Jeden Freitag gegen 10 Uhr bringt der vom Ausland kommende Zug eine ziemlich zahlreiche Emigrantenschar aus Rumänien, die von hier nach Havre geht, um von da die Reise nach Amerika anzutreten. Unter den Armen finden sich Leute jeden Alters und Standes. Doch sind es meistens junge, arbeitslustige Leute, die ihre Heimat verlassen müssen, und eine neue suchen. Einer der Züge war achtzig Personen stark, darunter befanden sich auch einige ganze Familien, die ihr Hab und Gut zu Hause verkauften, um die Reise antreten zu können. Bei ihrer Ankunl'c in Paris werden sie von Herrn S. Schwabacher aus Frankfurt a. M., der hier wohnt, empfangen und bewirtet. Sie werden in ein in der Nähe des Bahnhofes gelegenes Restaurant geführt, wo sie gedeckte Tische vorfinden und selbstverständlich strenjzrituelle und unter Aufsicht des ebengenannten Herrn zubereitete Speisen bekommen. Dies muss umso nachdrücklicher hervorgehoben werden, als von mancher Seite vor einiger Zeit der Mangel an genügender Teilnahme den Emigranten gegenüber scharf abgeurteilt wurde. Und nicht nur in Paris finden sie diese so überaus humane Aufnahme, sondern auch in Havre wartet ihrer schon eine ebenso lobenswerte gastfreundliche Aufnahme, die Herr Schwabacher von hier aus besorgen lässt. Haag. Der bisherige Oberrabbiner von Groningen A. van Loen wurde zum hiesigen Oberrabbiner gewählt. London. Prof. Israel G o 11 a n c z, der bisher als Lehrer der englischen Literatur an der Universität Cambridge tätig war, wurde zum Professor am hiesigen Kings College ernannt. Die Auszeichnung, die dadurch dem Gelehrten widerfuhr, erscheint umso grösser, als Gollancz, der einer der vorzüglichsten Shakespeareforscher ist. als erster Jude eine Kanzel der Londoner Hochschule erhält, die bis vor ganz kurzer Zeit überhaupt nur mit Anglikanern besetzt werden durfte. London. Line Gedenkfeier für die ermordeten Juden von Kisclienew wurde letzten Montag abends in der Great- Assembly-Hall in London abgehalten. Der Londoner Korrespondent der „Yorkshire Post" schreibt hierüber: Der grosse, iSUUü Sitzülätze rassende Saal war zum Erdrücken voll von Juden aus allen Teilen des Kontinents, die stabil in London wohnen. Don Vorsitz führte Dr. Gaster, der die Versammlung mit einem hebräischen (lebet eröffnete, das die Anwesenden sichtlich ergriff. Hierauf erinnerte Dr. Gastcr in zündender Rede an den Anlass ihrer Zusammenkunft, an das Unglück, das Gott im ()stcn über unsere Brüder ergehen licss und wies auf die Solidarität aller Juden der Welt hin. Ihre Hoffnung, dass eine neue Acra für die unglücklichen Glaubensgenossen in Russland hereingebrochen sei, wurde jählings vernichtet durch eine tierische und grausam berechnende Masse, welche nur darauf bedacht war, ihr Verbrechen gegen die Opfer ihres Hasses heimtückisch und feige zu verbergen. Redner versicherte, dass solche Greueltaten nur mit Gutheissung einflussreicher Personen möglich waren und richtet einen Appell an die „grosse und edle" englische Nation, die stets in erster Reihe stand, wo es galt, Recht und Wahrheit zu verteidigen, das Vorgehen der russischen Behörden zu verurteilen und gibt der Hoffnung Raum, dass die Empörung der englischen und amerikanischen Presse über diese Vorfälle das Ohr des Zaren erreichen möge. Damit allein ist jedoch nicht gedient, und beim Beweinen der Toten muss man an die Witwen und Waisen denken, für die die Zionisten jetzt eine Heimstätte in Palästina gründen wollen. London. Bei der Jüdischen Koionial-Bank (Jewish Colonial Trust) sind für die Waisen der Kischenewer Märtyrer folgende Spenden aus Johannesburg1 (S.-Afr.) eingelangt (IL Serie): Johannesburg Hebrew Congregation Pf. St. 25,0,0. — Gollected by A. W. Sheor, Johannesburg 4,14.6. -— Collected by Potchefstrooro Zionists 1,1,0. — Collecfed by the Union dale Zionists: ß. Kaplan 0,15,0, S. Joubkin 0,10,0, J. Ryan 0,10,0, U. Slom 0,10,0, S. Coblentz 0,10,0, J. Bloch 0,2,6, E. Ryan 0,10,0, S. Kaplan 0,10,6, S. Abelkop 0,5,0, J. Cooper 0,5,0, E. Snietser 0,5,0, Gh. Bliss 0,10,0, B. Lazarowitz 0,5,0, I. Sheor 0,5,0, M. Joubkin 0,5,0, I. Sheor 0,5,0, L. Markowitz 0,5,0, H. Friedland 0,5,0, S. Shea 0,2,6, E. Bliss 0,2,6, Mrs. B. Kaplan 0,10,6, J. Judelman 0,10,6, P. Warren 0,5,0, Mrs. S. Coblentz 0,5,0, M. Rabinowitz 0,5,0, P. Holl 0,10,6, Miss P. Coblentz 0,2,6, Mrs. A. Kaplan 0,10,6, W. Shear 0,5,0, A. Kaplan 0,3,0, I. Shear 0,2,6, L. Linde 0,5,0, Mrs. J. Ryan 0,10,6, Mrs. L. Linde 0,5.0, A. Kaplau 0,10,0, Mrs, E. Ryan 0,5,0, Miss J. Markowitz 0,5,0, Mrs. L. Markowitz 0,3,0, Mrs. U. Slom 0,5,0, S.Kaplan 0.5.0, S.Shindelman 0,3,0, Z. Sheor 0,10,0, H. Kaplan 0,5,0, Mrs. Z. Sheor 0,5,0; zusammen 14,4,6« — Collected by U. Kowartky, Johannesburg : D. Miss 0,10,6, S. Ween 0,5,0, M. Irance 0,5,0, S. Raichman 0,2,6, M. Rudolph 0.10,6, D. Glückman 1,1,0, A. Friend 0,10,6, N. Freed 1,1,0, A. Kuling & Co. 1,1,0; zusammen 5,7,0. — Collected by Vereeniging Zionists: M. Kirson 1,0,0, H. Baumann 0,10,6; zusammen 1,10,6. — Collected by Dr. Liknaitzky, Johannesburg : Sch. Günsberg 5,5,0, N. Friedman Sc Co. 5,5,0, Racd Mines Produce Supply Co. 2,2,0, L. Lewis 1,1,0, A. J. Baelman 1,1,0, P. Lapin 1,1,0, A. Friend 1,1,0, M. Her wich 5,5,0; zusammen 22,1,0. — Collected by J. Reichenberg in Heid l: rg 14,0,0. — Collected by G. H. Tennenbaum in Roodeport r.J.lS,Ö. — Collected by N. Kingsbury Springs: A. Lasersoln 1,1,0, F. Feinberg 0,10,6, J. Sweke 1,0,0, zusammen 2,11,6. — Collected at the ßrilh Miloh of Zusman Zekelof, Johann esburg 6,6,0. — Gollected by Boksburg Zionists 25,0,0. — Subscribed by G. Sterling Johnson 1,1,0. — Gollected by Max Langermann Esq.: G. Albu 100,0,0, K. Eckstein 100,0,0, Jawar Bros. 50,0,0, B. Kitzinger 50,0,0; zusammen 300,0,0. — Collected by A. W. Shear, Johannesburg at a Brith Milo by A. Bloch 5,10,0. London. (Anglo-Jewish Association.) In der kürzlich stattgehabten Vorstandssitzung der Anglo-Jewish Association erstattete Herr Elkan N. Adler vertraulichen Bericht über die Verhandlungen der Konferenz, die auf Einladung des Hilfsvereins der deutschen Juden Ende Juni in Berlin gepflogen worden sind. Der Vorstand nahm folgende vom Herrn Lucien Wolf vorgeschlagene Resolution mit grosser Majorität an: „Der Vorstand der Anglo- Jewish Association akzeptiert den Bericht Mr. Adlers über die Konferenz in Berlin und billigt deren Entscheidungen; er empfiehlt dem Vereinigten Komitee (der Anglo-Jewish Association und des Russenkomitees) die Bewilligung der von der Berliner Konferenz geforderten Summe." Zwei Mitglieder stimmten gegen diese Resolution; beide sind Gegner der in Berlin beschlossenen Stellungnahme gegen eine Auswanderung aus Russland. Kiew. Wie die „Kiew. Slowo" meldet, ist die Auswanderung nach Amerika in der letzten Zeit in hohem Masse gestiegen. Viele verkaufen ihr Hab und Gut und wandern nach Amerika aus. Horodnizie. (Gouv. Wolyn.) Den 19. Juni brach hier ein grosses Feuer aus. Im Verlaufe einiger Stunden wurden 57 Häuser und 12 Buden vernichtet. Mehr als 150 jüdische Familien haben ihr Hab und Gut verloren uud wurden zu Bettlern. Der Schaden beträgt zirka 100.000 Rubel. Baldige Hilfe ist nötig. Kasan. Einer Damenkapelle, die aus Odessa eintraf, gehörten auch vier Jüdinnen an. Die Kasaner Polizei leitete, wie der „Odess Listok" berichtet, eine Strafverfolgung gegen die jungen Mädchen wegen Aufenthaltes ausserhalb des Ansiedlungsrayons ein. Während der schwebenden Untersuchung reiste die Kapelle nach Wilna ab, verfolgt von. einer Requisition der Kasaner Polizei; bevor jedoch die Wilnaer Polizei ihres Amtes walten konnte, war die Kapelle schon nach Warschau weitergezogen. Hier nun ereilte sie ihr Schicksal: alle 15 Mitglieder wurden auf dem Etappenwege nach Odessa geschickt, wo die Kasaner Polizei sie vor dem Friedensrichter verklagte. Dieser fand jedoch in den Kunstreisen der Kapelle nichts Strafbares und sprach die Angeklagten frei.

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