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Die Welt · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Article
Wien
Date
1903-07-31
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Ni. 31 „Die # Welt" Seite 9 wähnt: Kultusgemeinden: Saaz K 2434, Lemberg K 1000, Pressburg (orthod. Gemeinde) K 570, Na sie K 371, Tri est (weitere Sendungen) K 330.54, J aroslau K 303.50, Prag (weitere Sendungen) K 249, Prerau K 200, Wotitz K 140, Schaffa K 120, ferner von Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, Prag als Ergebnis der vom israelitischen Lehrervereine in Böhmen veranstalteten Ausgabe der Predigt Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Aiadar Deutsch K 360, Ergebnis der in Druck gelegten Predigt Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Adolph B i a c h in Brüx K 84, vom Geselligkeits-Verein der Szeniczer K 30. Gräfenberg. In unserem Kurorte fand am 25. Juli eine Akademie zu Gunsten der Kischenewer Volksgenossen statt. Das Komitee, dessen Obmann Dr. L. Goldw a s s e r aus Krakau, dessen Schriftführer phil. Oskar Fr an kl aus Wien und dessen Kassier Alois J o k 1 aus Gaya war, setzte die grössten Bemühungen daran, das Fest zu einem möglichst gelungenen zu machen. Der Erfolg war der Arbeil wert. Unser greiser Gesinnungsgenosse Herr F. Kempinski aus Warschau konnte in seiner sehr beifällig aufgenommenen Eröffnungsansprache ungefähr 500 Gäste begrüssen. Darnach erfreute Frl. Wanda Kempinska durch ihr Klavierspiel. Fräulein Frieda Krasny aus Mähr.-Ostrau, die von Fräulein Goldmann aus ßielitz begleitet wurde, erntete grossen Beifall mit dem gefühlvollen Violinvortrag des „Kol-Nidrea. Herr Fr an kl rezitierte einige Gedichte Rosen felds und Frl. Weyl aus Berlin gab einige Piecen auf der Mandoline znm besten. Dankend muss auch der Damen Elsa Berger aus Mähr.- Ostrau, Rosa R e i c h aus Lemberg, Eva Z u c k er m an n aus Warschau, Lilly Horowitz aus Wien und Wilma W o 11 i t z aus Wien, der Herren Lipschütz aus Lemberg, Lazar Ki rs c h n e r aus Krakau, U. Goldberger aus Krakau gedacht werden, durch deren Mithilfe es ermöglicht wurde, dem edlen Zwecke eine namhafte Summe zuzuführen« Ung.Brod. Die Prüfungen am hiesigen Privatgymnasium, die unter Vorsitz des Herrn Direktors Stockei vom Staatsgymnasium in Kremsier stattfanden, haben allgemein befriedigt. Die Erfolge des Herrn Rabb. Dr. Jung im hebräischen Unterricht waren besonders glänzende. Karlsbad. (Das neue jüdische Krankenhaus.) Von den 20.000 Juden, die alljährlich zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit nach Karlsbad kommen, ist ein grosser Teil so arm, dass sie auch bei freier ärztlicher Behandlung in Erkrankungsfälien ganz hilflos sind. Diesem Uebelstand ist durch die Begründung des Kaiser Franz Josef-Krankenhauses jetzt abgeholfen worden. Die vom Ortsrabbiner Dr. Ziegler seit Jahren betriebenen Geldsammlungen, für die die verstorbene Baronin Hirsch und die Familie Rothschild in Wien je 80.000 Kronen beigesteuert haben, hatten eine Gesamtsumme von 500.000 Kronen ergeben, die der jüdischen Gemeinde Karlsbad nicht nur das schuldenfreie Hospital, sondern noch etwas Geldmittel zu seinem Betriebe eingetragen haben. Das kürzlich eröffnete Hospital ist für 150 Personen eingerichtet, so dass bei voller Besetzung während der ganzen Kurzeit 750 Patienten verpflegt werden könnten. Vorläufig reichen allerdings die vorhandenen Mittel nur zur Aufnahme von 36 Patienten im Monat, doch hofft man, dass die wohlhabenden Kurgäste Karlsbads dem Vorstand die Möglichkeit zur Erweiterung des Betriebs gewähren werden. Lemberg. Der Boykott gegen die Juden im Bezirke Rzeszow nimmt erschreckende Formen an. Das „Slowo polski", das einige Einzelheiten nach dem ruthenischen „Dilo" erzählt, meint zwar, die Dinge seien im Interesse der ruthenischen Politik etwas übertrieben, allein es wagt nicht, den Bericht des „Dilo" auch nur in einem einzigen Punkte zu dementieren oder anzudeuten, um wieviel die Gerüchte übertrieben seien. Der „Dilo" schreibt: „Im Dorfe Budziwoj (Bez. Rzeszow) hat ein .lüde seine Dorfschenke blau angestrichen und dies gab Anlass zu einem Gerüchte, ,,der Jude hätte sich gerühmt, seine „Karczma" sei schöner als die Kirche". Doch nicht genug daran, dass die Mazuren beschlossen haben, den Juden zu boykottieren und jedermann den Eintritt in seine Schenke zu verwehren, sie verbieten sogar, bei einem Juden in Arbeit zu treten. Das Märchen von Budziwoj fand rasche Verbreitung in den Nachbardörfern, und überall geschieht dasselbe. In Straszydlo geht niemand zum Juden arbeiten, selbst wenn dieser 2 K Taglohn zahlen will. Als zwei Söhne des Bauern K u h a c k i eines Tages zum Juden arbeiten gingen, überfiel eine grosse Menge das Haus ihres Vaters und bedrohte es. Sie mussten sich verstecken, um der Gefahr zu entgehen. Die Menge jedoch schlug die Fenster ein und richtete den alten Kubacki arg zu, den sie halbtot in den Bach stiessen. Auch der Schwiegersohn K.'s wurde, als er den Alten zu retten versuchte, misshandelt. Die Gendarmen verhafteten zwei Bauern, die sich nun in Rzeszow in Untersuchungshaft befinden. Im Dorfe Lubicu verschleppten die Bauern den gemähten Klee der Juden in einen Sumpf und zerstampften ihn mit den Eüssen im Kot. Da sie auf diese Weise nicht alles vernichten konnten, scharrten sie den Klee auf einen Ort zusammen und zündeten ihn an. In den Dörfern Zerzecze und Boguchwal boykottieren die Mazuren die Juden und schlagen sie sogar. Diese judenfeindliche Bewegung unter den Mazuren nimmt täglich zu. In den Dörfern verbreiten die Agitatoren Aufrufe zur Boykpttierung der Juden; wer nicht gehorcht, wird geprügelt. Den Juden werden alle erdenklichen. Schäden zugefügt; es werden ihnen die Fenster eingeschlagen, ohne dass die Gendarmerie die Täter auszuforschen vermag. Das scheint der Anfang zu sein; wie es enden wird, das wird eine nicht allzuferne Zukunft zeigen. b. Saybusch. In der Gemeinde Zablocie (Saybusch) ist, wie in so vielen anderen Gemeinden, auch der reichste, daher einflussreichste Jude Präses, welchen Ehrenposten er jedoch gerade nicht in Ehren und zum Heile der gesamten jüdischen Einwohnerschaft, sondern ganz nach eigenem Ermessen und Gutdünken ausfüllt. Von einer seiner neuesten Heldentaten soll hier erzählt werden: Ein armer Dorfjude namens Rufeisen, welcher sich redlich vom Verkaufe koscheren Fleisches ernährt, war schon seit lange aus geschäftlichem Interesse ein Dorn im Auge des Herrn Schwarz. Da nun die Dorffleischer gezwungen sind, den Zablocier Schächter auf das Land hinauszuholen, bot sich dem Machthaber sehr bald die Gelegenheit, seinem Zorne nachgehen zu können. Er gebot ganz einfach dem Zablocier Schächter, einer Aufforderung von Rufeisen nur im seltensten Falle Folge zu leisten. Was dies bedeutet, wird man beurteilen können, wenn man bedenkt, dass der Fleischer vom Lande jedesmal erst einen bezahlten Boten aufnehmen muss, um den Schächter zu benachrichtigen, und dass er ohne denselben überhaupt nichts tun kann. Der arme Jude nun wartet drausseu auf den Schächter, welcher jedoch nicht kommen darf, steht ohne Fleisch da, kann somit seine Kunden nicht befriedigen und kommt daher um seinen Verdienst. Da eine mündliche Beschwerde selbstverständlich ohne jeden Erfolg war, entsghloss er sich endlich, anlässlich der nächsten Sitzung ein Gesuch einzureichen, worin er um Abhilfe ansuchte. Dies war nun dem Herrn Schwarz natürlich nicht sehr angenehm und so be.schloss er denn, das Gesuch gar nicht vorbringen zu lassen, was ihm infolge seiner Machtstellung sehr leicht möglich war. Trotzdem aber waren fast die meisten Ausschussmitgl.ied.er von dem überreichten Gesuche unterrichtet, da Rufeisen persönlich bei einzelnen vorgesprochen und um Unterstützung seitens der anderen Herren gebeten hatte. Wie erstaunte man also, als Punkt für Punkt der Tagesordnung abgewickelt wurde, ohne dass dieses Gesuches auch nur eine Erwähnung getan worden wäre. Da entschloss sich ein AusschussmiMied, Herr Goldberger, den Präses wegen dieses Gesuches zu befragen. Nun gab es kein Leugnen, und so kam denn Herr Schwarz mit dem für alle Anwesenden nicht wenig: verblüffenden Machtspruche, er w ü n s c h e, dass dieses Gesuch überhaupt nicht erledigt werde. Trotzdem aber liess sich Herr Goldberger nicht einschüchtern, sondern bestand darauf, dass das Gesuch, dessen Vorhandensein, nun allgemein bekannt war, unbedingt erledigt werde. Als nun Herr Schwarz gar keinen Ausweg mehr sah und ihn auch sämtliche Anwesenden, durch die Opposition des Herrn Goldberger aus ihrer Lethargie aufgerüttelt, bestürmten, da drohte er, wenn man ihn zwinge, das Gesuch zur Diskussion zuzulassen, werde er demissionieren. Da zeigte es sich nun, welch allgemeiner Beliebtheit sich dieser gestrenge Herr erfreute, denn kaum hatte er dies gesagt, als auch schon alle ihm zuriefen, er möge diesen Schritt nur recht bald, der k. k. Bezirkshauptmannschaft bekanntgeben. Bis nun aber hat es Herr Schwarz noch noch nicht für angezeigt gefunden, seine Demission der Behörde anzuzeigen, da er noch immer sein Amt, natürlich der alten Gewohnheit gemäss, fortführt. Köln. Zufolge einem Telegramme der „Köln. Ztg." aus Belgrad unternahmen dort stellenlose entlassene Beamte unter Ausnützung der verfassungsmässigen Freiheit die Gründung der ersten serbischen antisemitischen Zeitung, sowie die Organisation einer — sozialdemokratischen Partei. Fürth i. B. (Israelitische Realschule.) Die hiesige israelitische Realschule hat soeben ihren Jahresbericht versendet. Sämtliche Schüler der Oberklasse haben die mündliche Absolutoriumsprüfung bestanden und das Zeugnis der Reife erhalten. Die Schlussfeier fand am 17. d. M. unter zahlreicher Beteiligung des Publikums statt. In der Abschiedsrede an die Absolventen hob der Direktor, Herr Dr. A. Feilcheufeld, die Vorzüge der Realschulbildung, als die beste Vorbereitung für das kaufmännische Leben hervor und sprach die Hoffnung aus, dass die nun-

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