Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 31 (31.7.1903)
- Article
- Erste Jahresversammlung der "Vereinigten Zionisten" in Amerika
- Date
- 1903-07-31
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316052-3335358--42138-3335545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Die # Welt66 Nr. 31 einhelligkeit gewählt. Hierauf wurden die verschiedenen Ausschüsse gewählt, und zwar der Verifikationsausschuss mit Mr. Knitter, der Resolutionsausschuss mit Mr. Mir sky, der Wahlausschuss mit Mr. Louis Cohn, der Programmausschuss mit Mr. Jacob Sapirstein und der Organisationsausschuss mit Rechtsanwalt Adam Rosenberg als Chairman. Damit war die Vormittagssitzung zu Ende. In der Nachmittagssitzung berichtete der Referent des Verifikationsausschusses, dass 52 Teilnehmer der Konvention ordnungsgemässe Mandate von Vereinen und Synagogengemeinden besitzen, welche sich dem neuen Verbände der „Vereinigten Zionisten" bereits angeschlossen haben, während manche andere Teilnehmer Delegierte von Körperschaften sind, die über ihren Anschluss an die „Vereinigten Zionisten" erst nach der Konvention echliissig werden wollen. Infolge dessen wurde die Wahl des Exekutiv-Komitees auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, wenn die zuwartenden Vereine sich über ihren Anschluss definitiv geäussert haben werden. Zu diesem Zwecke wurde den betreffenden Vereinen eine Frist von einem Monat gestellt. Ref. Sarah söhn referierte hierauf über „Palästina — unsere Landfrage.u Mr. Kamenzky sprach über die zweckmässigste Art der Einhebung des Schekels. Die „Vereinigten Zionisten44 — führte er aus — wollen von den einzelnen Vereinen überhaupt keine anderen Abgaben als den Schekel —25 Cent — für jedes Vereinsmitglied. Dadurch soll auch den minderbemittelten Vereinen die Möglichkeit geboten werden, sich der zionistischen Organisation anzugliedern, woran sie bisher durch die verhältnismässige Höhe des für jedes einzelne Mitglied an den Zentralverband abzuführenden Beitrages gehindert waren. Die Agitation könne nämlich vollständig dezentralisiert werden, und nur eine gewisse allgemeine Direktive müsse von dem Zentialverband ausgehen. Mr. J. Lewit sprach hebräisch über die jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem und appellierte an die Versammlung, dieses Institut nach Möglichkeit zu fördern. Es wurden folgende Resolutionen gefasst: 1. Die „Vereinigten Zionisten" mögen 51 Delegierte— soviel, als ihnen gemäss der Anzahl ihrer Schekel zustehen — zum sechsten Kongress entsenden, und zwar zum Teil auf Kosten der Organisation. 2. Es möge zum Zwecke der Errichtung einer zionistischen Erziehungsanstalt eine Sammlung veranstaltet werden. 3. Die Delegierten der „Vereinigten Zionisten" mögen auf dem Kongress darauf hinarbeiten, dass eine Filiale der Jüdischen Kolonialbank in Amerika eröffnet werde. 4. Die Jüdische Nationaibibliothek in Jerusalem wird der grösstmöglichen materiellen und moralischen Unterstützung empfohlen. 5. An den Sukkoth-Halbfeiertagen mögen die Vereine zugunsten der Waisen in Kischenew Veranstaltungen treffen. Ferner gelangte nach amerikanischer Gepflogenheit eine „Piatform" zur Annahme, d. h. ein in kurzen Leitsätzen abgefasstes Programm, auf dessen Basis die „Vereinigion Zionisten" stehen. In der Plaiform heisst es unter anderem: „Wir„Vereinigten Zionisten" Nordamerikas, die zu unserer ersten Konvention versammelt sind, bekräftigen unseren Glauben an die Ideale des Zionismus und bekunden unser vollstes Vertrauen zu unserem verehrten Führer Dr. Herzl und zu den übrigen Mitgliedern des Aktions-Komites. Wir verpflichten uns, die Institutionen des Zionismus, insbesondere die Jüdische Kolonialbank und den Jüdischen Nationalfonds nach besten Kräften zu fördern, die Prinzipien des Zionismus unter den konservativen, ebenso wie unter den liberalen Juden zu propagieren und uns an allen national-jüdischen Bestrebungen zu beteiligen. Wir wollen, dass jedem Zionisten, der seinen Schekel entrichten will, die Möglichkeit geboten sei, sich der zionistischen Organisation anzuschliessen, und verpflichteu daher unsere Mitglieder auf keine anderen Abgaben als den Schekel. Wir sind auch Gegner einer übermässigen Zentralisierung der zionistischen Tätigkeit und fordern, dass der Schwerpunkt der zionistischen Bewegung in dieEinzelvereine verlegt werde. Wi r erklären uns mit dem Vorgehen des amerikanischen Ein w ander ungs am tes, welches die jüdischen Einwandereials Angehörige einer besonderen Nationalität verzeichnet, vollständig einverstanden und verwahren uns dagegen, dass von jüdischer Seite eine Aenderung dieser Praxis gefordert wir d." Rev. Josef Seff hielt einen Vortrag über „Die Fortschritte des Zionismus in Amerika." Herr Julius Schvaz sprach über „Patriotismus und Zionismus." Ausserdem hielten noch Reden und Ansprachen: Rabbiner Dr. Klein, Mr. Seligkowitz Di\ J. A. Blaustein und andere. Der Dichter Morris Rosenfeld trug seine beiden Dichtungen „Der jüdische Mai" und „Mein Kind" vor. Unter Absingung nationaler Hymnen schloss die Versammlung in begeisterter Stimmung. Z. Konferenz der zionistischen Handeisangeslellten und Arbeiter Galiziens. Am 27. und 28. v. M. tagte in Lemberg die von den Vereinen „Achwah" (Lemberg), „Achdus" (Krakau) und „Achwah" (Stanislau) einberufene Konferenz der jüdischen tiandelsangestellten und Arbeiter Galiziens, an der 34 Delegierte aus verschiedenen Orten, sowie zahlreiche Gäste von hier und aus der Provinz teilnahmen. Auf der Tagesordnung stand: 1. Die Lage der jüdischen Handeisangestellten und Arbeiter in Galizien; 2. Das Verhältnis des jüdischen Proletariats zur jüdischen Intelligenz; 3. Agitation; 4. Organisation; 5. Presse; 6. Stellenvermittlung und Konditionslosenfonds. Nachdem Gesinnungsgenosse S. Schorr namens der Einberufer und Gesinnungsgenosse S. Bilbel namens des Vereines „Achwah" die Delegierten begrüsst hatten, wurde das Bureau konstituiert. Als Erster erstattete Gesinnungsgenosse Moritz Ihr das Referat zum ersten Punkt der Tagesordnung über die Lage der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter in Galizien. Referent gab ein trauriges Bild ihrer bejammernswerten Lage, 'sprach von den unglaublich niedrigen Lohn- und den schlechten Arbeitsverhältnissen und beleuchtete die Wirkungen ihrer Sonderstellung durch die moralische und soziale Minderbewertung seitens der Gesellschaft. Zum Schlüsse wies Referent darauf hin, wie die allgemeine Judennot den Existenzboden des jüdischen Proletariats erschüttert und lockert; mit dem wackeren Mitarbeiten und Mitbauen im politischen Zionismus, mit dem Organisieren zur gemeinsamen Arbeit, zur gemeinsamen Verteidigung jüdischer Interessen hebt man allein auf die Dauer den materiellen Tiefstand des Volkes in all seinen Klassen. Referent empfahl nun als geeigneten Plan des wirtschaftlichen Kampfes, als ein geeignetes Arbeitsfeld das Programm, weiches am II. Parteitage der jüdischen Arbeiter und Handelsangestellten Oesterreichs in Wien akzeptiert wurde. Die Leitsätze dieses Programms wurden nach einer kurzen Debatte einstimmig angenommen. Hierauf referierte Gesinnungsgenosse Erl über das Verhältnis des jüdischen Proletariats zur jüdischen Intelligenz. Er führte u. a. aus: Der beste Beweis des Eindringens der zionistischen Idee unter die Massen des jüdischen Volkes ist die heutige Konferenz, Die Intelligenz bestrebt sich, die zionistischen Ideale unter das jüdische Volk zu verbreiten und nähert sich dadurch auch gleichzeitig dem Volke; und doch schart sich das Volk nicht gerne um die Intelligenz. So lange die Juden in ihrem eigenen Lande waren, bildeten sie eine Nation, ein einheitliches und harmonisches Ganzes; auch im Ghetto ist es so gewesen, erst mit dem Falle der Ghettomauern, als es den Juden erlaubt wurde, sich überall frei in der Welt zu bewegen, begann der sogenannte intelligente Teil des Volkes, sich mehr und mehr den Ariern und deren Kultur zu nähern und sich vom Judentum allmählich zu entfernen, wogegen das jüdische Proletariat dem Judentum treu blieb. Diese beiden Massen, die sich immer mehr von einander entfernten, strebt der Zionismus zu vereinen. Er verlangt, dass diese zwei ungleichen Massen zum Gedeihen des ganzen jüdischen Volkes zusammenarbeiten. Zur Beschleunigung dieses Zieles stellt nun Referent zwei Resolutionen zur Annahme, von denen nur die zweite angenommen wurde: Dass die Konferenz den Wunsch ausdrückt, das L.-K. möge die Direktive geben und die D.-K. alles anwenden, dass das gegenseitige Verhältnis zwischen Proletariat und Intelligenz sowohl im Parteileben als ausserhalb desselben ein friedliches und freundschaftliches sei. Darauf gab Gesinnungsgenosse Leon Reich im Namen der ständigen Repräsentanz der jüdischen akademischen Jugend eine Erklärung ab, worin zum Ausdruck gebracht wird, dass die jüdischnational gesinnte Jugend sich mit allen Massen des jüdischen Volkes, die im allgemeinen Kample des Proletariats als jüdisches Proletariat doppelt und schwerer leiden, geeint und verbunden fühle, und sie jederzeit und überall in ihrem schweren Kampfe unterstützen werde. Diese Erklärung wurde mit rauschendem Beifall aufgenommen. Zum dritten Punkt der Tagesordnung referierte Gesinnungsgenosse Katz (Stanislau); indem er betonte, dass der Mangel an Intelligenz bei den meisten Arbeitgebern in Galizien zu der schlechten Lage der Handelsangestellten und Arbeiter beitrage, wies er auf die