Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 31 (31.7.1903)
- Article
- Zionistisches aus Anhalt
- Date
- 1903-07-31
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 31 »Die W®W* Seite 5 mehr beherbergen, und es ist keine Uebertreibung, wenn man annimmt, dass Palästina zusammen mit Syrien 12 Millionen Menschen in sich aufnehmen und ernähren könnte. Der beste Teil des Landes ist das Ostjordanland mit seinem vulkanischen Boden; hauptsächlich zeichnet sich Perea aus, welches im Altertum als die Kornkammer Palästinas galt. Dieser Landteil, Ostjordanien, befindet sich nur nominell unter der Herrschaft der Türkei, tatsächlich ist er im Besitz der SO—40.000 im Lande herumirrenden Beduinen, welche die wirkliche Macht in den Händen haben und sie zu jederzeit mit Schwert und Dolch zu verteidigen bereit sind; es lässt sich aber mit ihnen verhandeln und bei guter Kenntnis der Volkssitten und geschicktemUmgang mit ihnen auch gut zusammenleben. Syrien hat auch guten, teilweise vulkanischen Boden und wird von der Türkei besser als Palästina bewirtschaftet, da es gewissermassen als Schlüssel zu Indien angesehen wird. Bei der Einzelkolonisation — bemerkte weiter der Redner — muss das türkische Bodengesetz genau gekannt werden, denn es ist sehr verwickelt, und wenn ein Kaufvertrag nicht mit umfassender Kenntnis der subtilsten Bestimmungen des Landgesetzes abgefasst ist, so kann er von dem Verkäufer oder den betreffenden Behörden angefochten und schliesslich derart verklausuliert werden, dass man seines Besitzes verlustiggehen kann. Als warnendes Beispiel dienen die im Jahre 1860 am Karmel und bei Jerusalem gegründeten drei Templerkolonien, deren Bodenverträge, da ihre Eigentümer das Landesgesetz nicht genau kannten, einige Lücken enthielten. Die Folge davon war, dass sie auf Grund verschiedener Klauseln von der türkischen Regierungl875 aufgefordert worden sind, die Kolonien zu räumen und erst nach vielen Bemühungen und der Intervention der deutschen Gesandtschaft gelang es ihnen im Jahre 1895, ihre Besitztümer für sich zu behaupten. Verkaufbaren unbebauten Boden gibt es in Palästina in Fülle, das meiste davon gehört dem Fiskus. Was die industrielle Zukunft Palästinas betrifft, so meinte der Redner, es Hessen sich dort folgende Industrien mit Erfolg einführen, nämlich: die Seifenfabrikation, die Fabrikation moussierender Getränke, ätherischer Oele (mit letzterer Fabrikation sind schon in der Kolonie „Jessud Hamaalah" Versuche gemacht worden) und die Glasfabrikation. Da Zucker und Mehl nach Palästina eingeführt werden, so wäre es unbedingt lohnend, Anlagen zur Rohrzuckergewinnung und Mühlen dort einzurichten. Ausser der Seidenzucht könnten dort noch der Papyrus, die Krappwurzel, die Indigopflanze gebaut, auch Thee plantagiert werden, da diese Gewächse in Palästina wie in den Tropen gedeihen würden. Störend für die industrielle Entwicklung des Landes ist allerdings der Mangel an Steinkohle. Doch Hesse sich diesem Uebel dadurch abhelfen, dass man die unerschöpfliche Quelle von Wasserkraft, welche in den raschen Wellen des Jordans enthalten ist, dazu ausnützt, um elektrische Kraftquellen einzurichten, dann würde sich auf diese Weise die elektrische Kraft nicht viel teurer als die Dampfkraft herstellen lassen. Nach genauer Berechnung des Redners dürfte sich die Anlage einer Dynamomaschine von zehn Pferdekräften — Betriebsdauer 15 Jahre — in Jericho, welches vom Jordan, nämlich von der vier Kilometer vor seiner Ausströmung befindlichen Stelle durch Kraftübertragung gespeist werden soll, auf 25.000 Maik belaufen. Bemerkenswert sind die Ausführungen des Redners in Bezug auf das Verhältnis der mohammedanischen Bevölkerung zu den Juden. Es ist ein durchaus friedliches. Während der Hass gegen dieChristen denMohammedanern insBlut übergegangen ist, vertragen sie sich mit den Juden sehr gut, da letztere ebenfalls Abraham zum Erzvater haben. Antisemitische Ausschreitungen in der Zukunft, wie sie heutzutage in Europa zu Tage treten, sind daher unwahrscheinlich. Zuletzt verdient die Mahnung des Redners besondere Beachtung, die Juden möchten die Kolonisation Palästinas so schnell wie möglich in Angriff nehmen, da auch von anderer Seite, von deutscher und amerikanischer, Versuche gemacht werden, Ansiedelungen von Ackerbauern in Palästina zu errichten. Redner ergänzte seinen Vortrag, welcher mit grossem Beifall aufgenommen wurde, durch Vorführung verschiedener Bilder von Ortschaften Palästinas. Mögen die Worte und Angaben dieses unparteiischen Zeugen den Glauben an die Verwirklichung der Wiedergeburt des jüdischen Volkes und seines historischen Landes in uns befestigen und nebenbei auch zur weiteren Verbreitung des Zionismus in Anhalt beitragen. Dr. B. S, Erste Jahresversammlung der „Vereinigten Zionisten" in Amerika. Original - Bericht der „Welt." In Nr. 27 der „Welt" berichtete ich Ihnen über die Konvention der „Federation of American Zionists." Neben dieser Körperschaft gibt es aber in den Vereinigten Staaten noch einen Verband zionistischer Vereine, der aus der Fusion des „Verbandes zionistischer Synagogen* gemeinden" („Agudath Hak'hilloth L'Zion") mit den „United Zionists" hervorgegangen ist. Nachdem diese Organisation im Sinne des vom jüngsten Kongresse geschaffenen Organisationsstatutes vom Wiener A.-C. anerkannt worden war, hielt sie am 5. d. M. in Old-Fellows Hotel zu New- York ihre erste Konvention ab. Der orthodoxe Rabbiner Dr. Philipp Klein aus New-York führte provisorisch den Vorsitz und begrüsste die über alle Erwartung zahlreich erschienenen Delegierten aus allen Teilen der Union. Er sprach seine zuversichtliche Hoffnurg aus, dass die Verschmelzung des von ihm geleiteten zionistischen Gemeindebundes mit den „UnitedZionists"eine neue Blüte des Zionismus in Nordamerika zeitigen werde, Motto der neuen Organisation sei „Friede und Brüderlichkeit unter allen Zionskämpfern." Im Namen der neubegründeten Körperschaft sagte Dr. Klein dem Wiener A.-C. und insbesondere Herrn Dr. Herzl Dank für die zuvorkommende Art, in der die Bildung des Verbandes der „Vereinigten Zionisten" zur Kenntnis genommen worden war. Mr. Josef Deutsch, ehemaliger Vorsitzender der „United Zionists", berichtete über deren Tätigkeit bis zum Zeitpunkte der Fusion. Die ,United Zionists" hatten sich zusammengefunden, weil sich im Kähmen einer einzigen Organisation von der Art der „Federation" alle zionistischen Aufgaben, namentlich in Bezug auf die Gewinnung der Massen, nicht hätten erfüllen lassen. Die „United Zionists" versäumten keine Gelegenheit, immer neue Volksschichten demZionismus zuzuführen. 950 Shares derKolonialbankwurdendurchsieratenweisabgesetzt. Ferner wurden Nationalfondsmarken im Betrage von 850 Dollar abgegeben. Um ihre Tätigkeit auf immer weitere Kreise ausdehnen zu können, und um die legale Anerkennung der Wiener Zentrale zu erlangen, haben sich die „United Zionists8 mit dem „Verband zionistischer Synagogengemeinden" zu gemeinsamer Arbeit zusammengeschlossen. Ueber die Tätigkeit der „Agudath Hak'hilloth L'Zion" erstattete Lawyer Adam R o s e n b e r g Bericht. Der Zweck dieses Bundes sei gewesen, die gesetzestreuen Synagogengemeinden welche sich in der alten Organisation nicht gut hatten betätigen können, für den Zionismus zu gewinnen. Der Bund umfasste 80 orthodoxe Synagogengemeinden, deren Mitglieder zur Entrichtung des Schekels verpflichtet waren. Ueberhaupt habe die „Agudath Hakhilloth" ihr Möglichstes getan, um die breiten Schichten des jüdischen Volkes mit dem nationalen Gedanken des Zionismus vertraut zu machen und zu befreunden. Nunmehr, da sie sich mit der zweiten unabhängigen zionistischen Organisation Amerikas zusammengetan habe, hofft der Redner, dass sie ihr Ziel vollständiger und rascher erreichen werde. Nach kurzen Geschäftsberichten der Sekretare M. Ganassee („United Zionists") und HerrLourie („Agudath Hak'hilloth") folgte die Wahl des Vorsitzenden der Konvention. Dr. J. A. B 1 austein wurde mit Stimmen-