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Die Welt · 1903-07-31 · 31 (31.7.1903) · p. 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
31 (31.7.1903)
Date
1903-07-31
Page
2 (sequence 1)
Language
German
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Seite 2 „Die # Welt'* Nr. 31 Wie niederschmetternd dieser Verlust auf das zeitgenössische'- Geschlecht gewirkt haben mag, ersehen wir aus den Worten, mit denen der sein Volk heiss liebende Jeremias den Fall Jerusalems beweinte: „Sturz folgt auf Sturz, das ganze Land ist der Verheerung preisgegeben; schnell sind meine Zelte niedergerissen, in einem Augenblicke meine schützenden Teppiche. Sehe ich auf die Erde hin, so finde ich sie wüst und öde; schau ich gen Himmel, finde ich ihn verdunkelt. Blicke ich nach den Bergen, sie erbeben, die Hügel, alle, sie wanken. Ich schaue und finde keinen IMen sehen und alle Vögel in der Luft sind davongeflogen. Erhebe ich wieder mein Auge, so finde ich dieses Fruchtgefilde in eine Wüste verwandelt und alle seine Städte verheert vor dem Ewigen, vor seines Zornes Glut. Darob soll die Erde trauern und die Himmel über ihr sollen sieh verdunkeln. Denn von Zion vernimmt man das Jammergeschrei, wie elend, wie beschämt wir nun sind, unser Land müssen wir verlassen, und unsere eigenen Wohnungen haben uns ausgestossen." Dieses Unglück in seiner ganzen Grösse und Tragweite erkennend, haben die Lehrer unseres Volkes den 9. Ab als Gedenktag eingesetzt, hat unser Volk diesen Tag der Nationaltrauer geweiht. TInd dieser Tag führte nicht nur inrmer das ganze jüdische Volk in dem einigenden Gefühle der Volkstrauer zusammen, die gemeinsame Trauer verlieh ihm auch die tröstende Kraft, sich nicht aufzugeben und auf den Trümmern des verlorenen Volkslebens ein neues Judenttim aufzurichten. Und dieser Tag hat auch später in der Diaspora die Gedanken und die sehnsuchtsvollen Blicke des gesamt jüdischen Volkes dem einstigen Mittelpunkte seines Volkslebens zugewendet. Die gemeinsame Feier dieses Tages hat es in den vielen Leiden und Schicksalsschlägen des zweitausendjährigen Golus nur die Folgen des ersten und zweiten Tisch ah h'Ah sehen lassen und so diesen Leiden den Charakter von Volksleiden, von Volksunglück verliehen. Je heftiger und häufiger in der Folge diese Leiden auftraten, desto inniger und stärker ward das Seelenband, das ganz Israel nmschloss und so entstand das in der Geschichte anderer Völker nicht erreichte Solidaritätsgefühl des jüdischen Volkes. Vereinte nun die Ab-Trauer die zerstreuten Glieder des jüdischen Volkes zu einer Zeit, als dieses noch durch gleiches Denken und Fühlen trotz seiner Zerstreuung eine starke, kompakte Macht bildete, um wieviel mehr hat das Judentum unserer Zeit solche einigende Momente nötig, die geeignet sind, seine auseinanderstrebenden Glieder zusammenzuhalten. Je intensiver die Trauer um Zion und Jcriischohjim, desto stärker muss das Gefühl der Stammeszugehörigkeit aufleben, je tiefgefühlter die Trauer um die geschwundene Grösse, desto stärker muss das Verlangen hervortreten, eine Eenaissance des jüdischen Volkes herbeizuführen. Deshalb bedeutet die begonnene Eenaissance des jüdischen Volkes, der Zionismus, kein Aufgeben der Volkstrauer vom 9. Ab. Im Gegenteil. Der Zionismus, der dem jüdischen Volke seine Geschichte vor Augen hält, der das Studium der jüdischen Geschichte nicht genug empfehlen kann und dieses Studium auch fördert, trägt nur dazu bei, dass diese Trauer noch tiefgefühlter sei, trägt nur dazu bei, da ss sie auch solche Kreise der Judenheit ergreife, die bis jetzt der Geschichte ihres Volkes, wie auch dessen Nationaltrauer ganz gleichmütig gegenüberstanden. Darum ist die Trauerfeier des neunten Ab für die Zukunft unseres Volkes von grösster Wichtigkeit. Die gemeinsame Trauer um den verlorenen geistigen Mittelpunkt, die Trauer um die verlorene politische Existenz, die Trauer um die vielen Helden und Märtyrer unseres Glaubens und unserer Geschichte, lässt uns gemeinsam über unsere gegenwärtige Lage nachdenken. Das einigeiide Gfefühl m Afrtfetracht unserer Vergangenheit, kann und muss auch hinsichtlich unserer Zukunft ein einigendes Gefühl, einen einigenden Wunsch hervorbringen. Dieses einigende Zukuäftssehnen aber heisst: Zion und Jemscholajim. Dr. Ph, FrankL Der sechste Kongress. (23.-28. August.) In dieser Woche werden die letzten Delegiertenwahlen für den Kongress stattfinden. Aber schon die vorliegenden Berichte lassen schliessen, dass der Kongress diesmal am stärksten beschickt sein wird. Fast überair konnte die erfreuliche Tatsache konstatiert werden, dass keine Wahlgruppe auf die Ausübung ihres Wahlrechtes verzichtet hat, und auch Doppelkandidaturen sind in vielen Fällen zu verzeichnen. Alle Wahlversammlungen erfreuten sich eines starken Besuches und trugen gleichzeitig den Charakter von Agitationsversammlungen. Die eigentliche Vereinstätigkeit wird aber erst nach vollkommenem Abschluss der Wahlen stattfinden und wird in der Annahme verschiedener Anträge und Resolutionen kulminieren, die als Adressen dem Kongress zu überreichen sind. * Die Wahlleiter werden hiemit aufgefordert, den ganzen Wahlakt nach vollzogener Wahlhandlung sofort an das Kongressbureau zu übersenden. Ebenso sind die g e w äh 11 e n K andi da t e n sofort von der auf sie entfallenen Wahl zu verständigen. * Die Ausfolgung der Delegiertenkarte erfolgt erst in Basel, * Alle Anfragen, Wohnung oder Verpflegung betreffend, wolle man an Herrn Julius Meyer, Basel, Leimenstrasse 22, der dem Wohnungs- und Empfangskomitee vorsteht, richten. * Im Kongresshause wird eine Postamtsfiliale und Telephonstelle errichtet werden. Die Delegierten mögen daher ihre Briefe nicht poste restante, sondern Basel, Filiale Stadtkasino, adressieren lassen. * Die rühmlichst bekannte Kongressmedaille des Bildhauers Beer ist noch in geringer Anzahl erhältlich und zwar zum Preise von 10 Francs in Basel. * Die Fahrpreise nach Basel stellen sich wie folgt: Wien — Basel per Salzburg — Lindau Schnellzug I. Klasse M. 83.90 II. „ „ 56.— Wien — Basel per Arlberg oder München Schnellzug I. Klasse Frcs, 102.25 II. , „ 68.55 Wien — Basel—Wien Schnellzug I. Klasse Frcs. 166.20 II. „ „ 110.95 Personenzug HL „ „ 51.70 Berlin—Frankfurt —Basel — Frankfurt- Berlin Schnellzug I. Klasse K 142.— IL . . 126— III. . . 95.60

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