Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-07-24 · 30 (24.7.1903) · p. 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
30 (24.7.1903)
Article
Das goldene Buch [Nachricht]
Date
1903-07-24
Page
14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316051--42069-3335274
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 14 „Die £ Welt16 Nr. 30 Verein „Misruchi" in Odessa...... „ „ Ahawath Zion" in Tomaschow zur Eintragung des am 8. Kiste w verstorbenen Ahr. ben Ascher Wilczynski . Verein „Agudath Hazionim" in Kalarasch „ „Zion" in Buenos Ayres . . „ „Agudas Chowewei Zion" in Resina K 252 50 240 - 241.80 240.- 252.— Mitteilungen des österreichischen Lar?d*skomitees. Bei der am 8. d. M. stattgefundenen 1. Sitzung konstituierte sich das L.-K. wie folgt: Obmann Herr Dr.S.Krenberger (statutengemäss bereits am Zionistentag hierzu gewählt), Obmann-Stellvertreter und Kassier Herr Isidor Gewitsch, 1. Schriftführer Herr Nathan Gross, 2. Schriftführer Herr Dr. E. M. Zweig. Referenten: für Agitation. Herr Gross, für Organisation Herr Dr. Zweig, für Innerösterreich Herr Dr. Bernhardt (Vertr. des innerösterreichischen D.-K.), für Böhmen H<H'-r Dr. Alfred Löwy, für Galizien Herr Dr. D. Rothblum, für Bukowina Frau Dr. Kahn, für Mähren-Schlesien Herr Arthur Freud. Ueber Kommissionen etc. in Nr. 2 des „Zion". Zuschriften an das L.-K. sind nunmehr ausschliesslich an Herrn Dr. S. Krenberger, XIIIA, A u h o f s t r. 222, zu richten. Nationalfondsmarken sind bis .1. August gleichfalls bei Herrn Dr. Krenberger erhältlich, vom l. August bei Herrn Dr. Hugo Benedikt, I., Tiefer Graben 25. (Gegenwärtig auf Urlaub.) Schekel, Landesbeitrag und sonstige Gelder wolle man an Herrn Isidor G e w i t s c h, Baden bei Wien, Wilhelmstrasse 48 senden. Zuschriften betreffend Redaktion und Administration des „Zion": Wien, IL, Miesbachgasse 14. Der allgemeine Wahltag zum Kongress sollte in O e s t e r r e i c h am 29. J u 1 i d. .1. stattfinden. Rückständige Schekelblocks, sowohl ausgefüllte wie leere, sind demnach behufs Verrechnung und Drucklegung der Wählerlisten umgehend an das L.-K. einzusenden, widrigens die betreffenden Schekelzahler des Wahlrechtes verlustig werden. Nach neuerlicher Verständigung mit dem A.-K. hat das L.-K. den österreichischen Wahltag zum Kongress für den 10. August festgesetzt. Das Krakauer D.-K. gibt hiermit bekannt, dass in der Trafik des Herrn P. A. Bauminge r, Grodgasse, Krakau, Einzelnummern der „Welt", des „Wschod" und Nationalfondsmarken zu erhalten sind. Feuilleton- Tischgespräche aus dem Cafe „Weidhof". Wien, 22. Juli 1903. Bekanntlich tragen viele Menschen, wenn sie sich unbeobachtet glauben, ein weitaus seltsameres Benehmen zur Schau, als in Gesellschaft. Aber das Gehaben, dessen sich der Privatier Herr Mannelstein um 1 Uhr nachmittags im Hinterstübchen des Cafe-«Weidhof" befliss, ging denn doch schon über das gewöhnliche Durchschnittsmass des Absonderlichen um ein sehr bedenkliches Stück hinaus. Gewiss, es war ausser Herrn Mannelstein keine Menschenseele im Lokal, allein darf man deshalb gleich so merkwürdige und rätselhafte Experimente mit dem Regenschirm vollführen?! Es schien,- als würde der Privatier mit dem Regenschirm einen erbitterten Kampf wider eine überaus gefährliche, wenn auch unsichtbare Welt von Feinden ausfechten. Bald schwang H^rr Mannelstein den Schirm wie einen Jagdspeer und stiess tiefgreifende Löcher in die Luft, bald legte er ihn wie eine Flinte an die Wange, zielte bedächtig und Hess ein „Piff! Paff!:< vernehmen, aus dessen sonorem, selbstbewusstem Tone der Schluss zu ziehen war, dass ein Herr Mannelstein, wenn er einmal ein Ziel aufs Korn nimmt, nur mustergiltige Kernschüsse zu verzeichnen hat. Dann setzte er sich wieder zum Tischchen, las eine W~eile in dem Buche, das er mitgebracht hatte, schlug gelinde mit der Faust auf die Tischplatte und rief: „Nein und nein! Ich wander' nicht aus!" „Wohin wollen Sie nicht auswandern?" mischte sich Herr Kohn, der mit stud. jur. Schwarz und Dr. Ernst eintrat, in, (Jen. Mono log. „Nach Russisch-Armenien! Ich hab' mir da ein Buch über Armenien verschafft, weil mich die Sache selbstverständlich interessiert und ich kann Ihnen sagen : Sie können das Ranze Buch noch so genau durchlesen, und Sie werden auf keiner Seite eine Spur von Milch und Honig entdecken. Bären und Wölfe, jawohl, die gibt's dort massenhaft! Man müsste den ganzen Tag mit der geladenen FJinte herumgehen". Herr Mannelstein brachte wieder den Regenschirm an die Wange und bemühte sich, in einen Winkel des Zimmers einen Schuss abzufeuern. „Ach, Sie reden von dem Plane des Mr. Arnold White", bemerkte Schwarz. „Was ist das für ein Plan?14 fragte Herr Kohn, indem er Herrn Mannelstein den Regenschirm, dessen Spitze die Augen der Anwesenden zu gefährden begann, aus der Hand nahm. „Der Engländer Mr. Arnold White, der ehemalige Berater des Baron Hirsch", erläuterte Schwarz, „hat sich jüngst nach Petersburg begeben, um der bedrohten Judenheit beizuspringen. Und zwar hat er, wie die „Petersburgskija Wjedomosti" mitteilt, folgenden interessanten Weg eingeschlagen, um die Juden von den irdischen Qualen zu erlösen : Mr. White will allen Ernstes die russische Regierung ersuchen, sie möge ihm Armenien abtreten, damit er auf diesem Territorium die „obligatorische Ansiedlung des ganzen jüdischen Volkes" vornehmen könne. Armenien deshalb, „weil die Armenier, als ein in die Kniffe der Geschäftswelt eingeweihtes Volk, von den Juden am allerwenigsten zu leiden hätten/" „Ha, ha, ha! Das ist ein gelungener Spass!" lachte Herr Kohn; „Besonders die Begründung, weshalb wir just den Armeniern vor allen Völkern den Vorzug geb*n sollen! Also weil wir in Armenien am meisten Aussicht haben, vou den Eingeborenen übers Ohr gehauen zu werden!" „In der Tat", bemerkte Schwarz, „Mr. White ist ein Unikum unter den Staatengründern. Bisher sind sämtliche Staatengründer seit Erschaffung der Welt von der Frage ausgegangen : Wie verschaffe ich meinem Menpchenmateriale die günstigsten Daseinsbedingungen? — Herr White aber ist ein origineller Kopf, er will nicht in den alten ausgetretenen Pfaden wandeln, er setzt sich vielmehr nieder und grübelt nach: Wie könnte ich doch den Juden den Kampf ums Dasein recht erschweren? — Es ist klar, dass ich sie inmitten eines Wirtsvolkes unterbringen muss, das den Juden den wirtschaftlichen Kampf, den Kampf ums tägliche Brod, ordentlich sauer zu machen vermag.--Solcher massen grübelnd, liess Herr White sämtliche Völker der Erde samt den stereotypen Beiwörtern, die ihnen in der zeitgenössischen Presse verliehen werden, vor seinem geistigen Auge Revue passieren: Die Deutschen sind bekanntlich „Dichter und Denker", die Franzosen sind seit jeher „graziös", die Spanier sind „feurig"--das sind aber lauter Eigenschaften, die keine erschwerenden Umstände für die Juden bilden könnten. Mr. White wurde, während er so über die Beglückung der Juden nachsann und nicht gleich das richtige unangenehme Wirtsvolk ausfindig machen konnte, ein wenig missgestimmt. bis ihm plötzlich, wie eine Erleuchtung, eine oft gelesene Zeitung?phrase durchs Hirn schoss: „Die schlauen Armenier!" Die Armenier sind bekanntlich immer, wenn sie in Zeitungen auftreten, „schlau". Jeder Zeitungsschreiber, der darüber informiert ist, dass ein Ballfest „animiert", ein Dank „tief gefühlt", ein greiser Jubilar „rüstig" ist, weiss sehr genau, dass ein Armenier nicht anders sein kann, als „schlau". — Nachdem also Herr White auf diese Weise, die mit einer intuitiven Eingebung manches gemein hat, für die Juden das geeignete Land entdeckt hatte, reiste er frohen Herzens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.