Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 30 (24.7.1903)
- Article
- Bochum [Nachricht]
- Date
- 1903-07-24
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 30 „Die & Welt44 Seile 11 Bochum. Bei der Delegiertenversammlung der Rheinisch- Westphälischen Literaturvereine waren vertreten: Bochum, Dortmund, Elberfeld, Essen, Gelsenkirchen-Wattenscheid und Hörde. Beschlossen wurde der weitere Anschluss an den Zentralverband und ein Dringlichkeitsantrag an diesen, Männer von Ruf zu Vortragstournees zu gewinnen und zu entsenden. Kischenew. Die russische Telegraphen-Agentur hat sich, offenbar aus „Patriotismus", beeilt, der ganzen Welt, auch dem Auslande, die Meldung zu übermittein, dass die Juden, welche Kischenew in der schreckensvollen Zeit verliessen, um durch Niederlassung in den Dörfern der Umgebung sich in Sicherheit zu bringen, nunmehr aufgefordert wurden, nach Kischenew zurückzukehren, da jetzt für ihr Leben und Eigentum keine wie immer geartete Gefahr vorliege. Diese Meldung bedarf aber der Korrektur. Uns liegt der Wortlaut der betreffenden Verfügung vor, aus dem man den wahren Charakter der Massnahmen deutlich erkennt. Diese vom Kischenewer Bezirkshauptmann Sykow gezeichnete Verfügung lautet wörtlich: „Nach den Kischenewer Unruhen vom 19. und 20. April und in Folge der beunruhigenden Gerüchte von der bevorstehenden Wiederholung der Unruhen während der Pfingstfeiertage haben viele jüdische Familien Kischenew verlassen und sich gegen die Bestimmungen vom 3. Mai 1882 in den Dörfern des Bezirkes niedergelassen. Besonders viele Juden haben sich in den Dörfern Pschutschnevy und Bolduroschti angesiedelt. Angesichts dessen und zur Verhütung unliebsamer Erscheinungen, welche die Ansiedlung von Juden unter der bäuerlichen Bevölkerung herbeiführen können, schreibe ich den Bezirkshauptleuten vor, sofort die Wohnrechte der Juden in den Dörfern zu kontrolieren und repressive und energische Massnahmen zur Ausweisung jener Juden zu ergreifen, welche das Wohnrecht im Dorfe nicht besitzen. Sollte diese meine Verfügung nicht pünktlich durchgeführt werden, so werde ich die Schuldigen daran dem Herrn Gouverneur anzeigen . . Wie anders also lautet diese Verfügung im Vergleiche zu der Meldung der russischen Telegraphen-Agentur! . . . Kischenew. Die „Kiewskoje Slowo" publiziert einen Tagesbefehl des Polizeimeisters von Kischenew, welcher den Juden das Spazierengehen in den Strassen verbietet und den Polizeiaufseher Bebello, welcher das Spazierengehen von Juden geduldet hat, zu einer Disziplinarstrafe verurteilt . . . Kischenew. Der geheimnisvolle Mord von Dubassary, welcher von den antisemitischen Blättern Russlands, dem „Bessarabetz", dem „Sajet" und der „Nowoje Wremja" zu ihren judenfeindlichen Zwecken missbraucht wurde und den unmittelbaren Anlass zu den Metzeleien von Kischenew gab, hat nun eine für die Freunde des Ritualmordsportes sehr ungünstige Aufklärung gefunden. Der „Odesskij Listok", die „Nowosti" und andere Blätter bringen über diese Aufklärung folgenden Bericht: „Bekanntlich wurde gegen Ende des Monats Februar in Dubassary, einem kleinen Städtchen im Gouvernement Cherson, im Gerten eines gewissen Scholubow der Leichnam eines vierzehnjährigen Knaben namens Michael Ryhatschenko gefunden. Der Körper war blutleer und wies viele von einem spitzen Messer herrührende Wunden auf. Es war kurz vor dem jüdischen Passahfeste, und darum verbreitete sich in Dubassary und im benachbarten Bessarabien das Gerücht, die Juden hätten den Christenknaben zu Ritualzwecken ermordet. Den Gerichten und den Behörden gab der Fall viel zu schaffen. Der Oberprokuror des Odessaer Apellationsgerichtes A. J. Pollan, der Prokuror der Odessaer Bezirksgerichtes N. M. Lewtschenko und der Chersoner Gouverneur Wirklicher Geheimer Staatsrat W. A. Lewaschew, aber auch die Polizei der Residenzstadt Petersburg interessierten sich angelegentlichst für das Verbrechen und schickten einige ihrer gewiegtesten Vertreter nach Dubassary. Doch der in tiefes Dunkel gehüllte Mord war nicht leicht aufzuklären. Der Gouverneur hatte den Gehilfen des Chefs der Detektivabteilung, W. K. Matwejew, nach Dubassary geschickt. Matwejew Hess sich dort als Berufsloser nieder. Des jüdischen Jargons vollkommen mächtig, knüpfte er mit den dortigen Juden Bekanntschaften an, aber auch zu der bäuerlichen Bevölkerung trat er in nähere Beziehung, und für eine Zeitlang vermietete er sich sogar als Arbeiter auf einer Tabakplantage. Bald brachte er in Erfahrung, dass der Grossvater des Ermordeten, Kanon Rybatschenko, zum grossen Leidwesen seines Schwiegersohnes Michael Timoschtschuk den Knaben mittelst eines notariellen Testamentes zum Erben des grösseren Teiles seines Vermögens eingesetzt hatte. Dieser Timoschtschuk erschien dem Matwejew vor allem des Mordes verdächtig. Nachdem er die zur Bekräftigung seines Verdachtes erforderlichen Beweise gesammelt hatte, wozu er zwei Monate brauchte, begab er sich nach Odessa, um mit dem Oberprokuror und dem Prokuror über die ferneren Schritte zu beratschlagen. Am 10. d. M. traf er wieder in Dubassary ein und schritt zur Verhaftung des Michael Timoschtschuk und des der Mittäterschaft verdächtigen Anton Tischtschenko, eines Gartenwächters. Nach kurzem Leugnen gestand nun Tischtschenko, dass er am 21. Februar d. J. auf dem Grossen Bazar in Dubassary, wo er eben Grütze und Oel kaufen wollte, mit Timoschtschuk zusammentraf. Dieser lud ihn auf ein Glas Wein ein, und sie begaben sich nach dem Schank des Jankel Fischmann. Beim Leeren der achten Flasche raunte ihm Timoschtschuk still ins Ohr, er möge ihm bei der Ermordung des Knaben helfen, wofür er ihm 50 Rubel zahlen wolle. Es kam aber zu keiner Abmachung. Am folgenden Tage suchte ihn Timoschtschuk wieder auf. Nachdem sie sechs Flaschen Wein ausgetrunken hatten, wurden sie einig und fingen auseinander. Nacn einer Stunde kehrte Timoschtschuk mit dem Knaben zurück, stiess ihn in den Keller, sprang ihm nach und schlug ihn mit einem Stocke tot. Beide Männer entkleideten den Leichnam, und. Timoschtschuk brachte ihm mit einem Federmesser mehrere Wunden bei. Bis zum Abend des 25. Februar Hessen sie den Leichnam im Keller liegen und trugen ihn dann nach dem Garten Scholubows. Die antisemitischen Blätter, welche von dem „Ritualmord in Dubassary44 wahre Schauergeschichten zu erzählen wussten, nehmen von der neuesten Wendung der Dinge gar keine Notiz . . . Libau. Wie der „Pribaltiski Krai" meldet, sollen vom 1. bis zum 17. Mai durch den Libauer Hafen 917 Emigranten (Männer und Frauen, auch 360 Kinder bis 8 Jahren), nach Amerika und Afrika ausgewandert sein. Lik. Zürich. Hier sind als Vorläufer einer grösseren Flüchtlingstruppe mehrere russische Juden aus Kischenew eingetroffen, die erzählen, die geheime Agitation unter der russischen Bevölkerung nehme so zu, dass in kurzer Zeit neue Unruhen zu erwarten seien. Die mit ausreichenden Geldmitteln versehenen Flüchtlinge wollen sich in Genf niederlassen. London. Bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Festmahl in der Guildhall hat der Präsident der französischen Republik dem Lordmayor von London Sir Marcus Samuel die Insignien eines Gross-Offiziers der Ehrenlegion überreicht. London. Dr. Hartwig Hirschfeld in London ist zum Lektor für semitische Epigr'aphik am University College daselbst ernannt worden. London. Bei der Jüdischen Kolon^al-rBank (Jewish Colonial Trusi) sind für die Waisen der Kischenewer Märfyier U Igen de Spenden aus Johannesburg (S.-Afr.) eingelangt (I. Serie): So >th African Zionist Federation: Collected by U. KowarskyEsq. from the Mlowitg: A. Katz Pf. St 1,1.0, H. Kosan, Ch Seligson, S. Selesnick a 0,10 6, Sh. Burgin 1,1,0, U. Kowarsky. L. Goldstein ä 0,10,6, \). Burgin 0,5.0; zusammen 4,10,6. — Collei-ted by M. Leftin Esq. Springs from the following: J. Alexander. I*:ac M. Goodmann, Mr. Gluck, Mrs Greenberg ä 1,1,0, Mr.Laye 0,10.6. Mr. Liftin 2.9,0, Mr. S. Wilson 0.10,0, Wilson jun. 0,5,0. Mr. Leviu>s 0.2.6, Mr. Nikritz, 1,1,0, Mr. Greischmann 1.1,0. Mr. Rabinowitz 0.10 6. Mr. Smilg 0.5,0, Mr. Elliot 0,10 6. Mr. Barnet 0.10,6, Mr. Prangle 0,5.0, Mr. Kalmannson 0.7.6, Torward 12.5,0, R. Gorston 0,10 6, H. Nöthen.sen 0,10.6, E. Marcus 0,5.0, C. Greenberg 0.5,0, D. Golm 0 5.0, H. Wilson 0.2,6. I. H. Alexander jun. 0,5 0. A. Goodmann 0.10,0, B. Levine 0 5 0. D. Wineberg 0,5,0 M, Sichel 0,5,0; zusammen 15,13 6. — C"lle<ted by A. Osiin Esq. from the following: A. Osrin 1.00, G. H. Simon 0,100, J. Friertmann 0,5,0, A. Wolteon 0 5.0, M. Benson 0,2 0. C. H. Shulmann, S. Maisei, L Blackfield ä 0.5,0, I. College 0,10,0, Likovsky, SM,L. Hiymann ä 0,5,0, J. Nor 0,2,6, A. Klein, B. Noik, Freind ä 0,5 0, I. W. Osrin 0,10,0, J. Chait, A. Riditzky, M. Aelib.r, M. Grehlo ä 0 5,0, M. Finstein 0,10.0, F. Gulock 0.10,0. S. Wainjer 0,4,0, Osrin Diamand 1.0,0. Srnoller 0,10,0, Z. Cohen 0.10,0, S. H. Shermann 0.5.0, H. Simon 0.2,6, J. Jakovitz 0,2.0, H. Gereon 0,10.0, N. Kasrils 0,5.0, Ch. Shapiro 1,1,0, Z. Kalmnyer 0,5,0, Mr. Goldberg 0,5,0, I. Stamesky 0,2 0, S. Greenberg 0,5,0, I. Peltz 0,2,6, M. Michael 0,5,0, Block o,5 0. I. Greenberg 0 5.0, G. H. Herschowitz 0,2,6, M. Sack 0,2,6. M. Fine 0,2,0,1.. Marcus 0.5,0, S.Abrahams 5,0, Heymann 5 0, S. Zwavenstein 10,0, L. Mozias 0,2,6. A. Ledermann 0,2,0, I. K tz 0,10,0, M. Lewenstein 0.10,0; zusammen 16,0 0. — Collected by Germiston Zionists from the following: J. Bloch 2,12,6, A. Karp 1,1,0. I. Sieff 1,1,0, K. Stein, S. Wölk. S. H. Ortin a 1,0,0, H. Solomis0,10,0, L. Davis, J. Cohen, H.Wood, 0,10,6, U. Stein, Kurshmann & Neamusky, S, Weinberg ä 0,10,0. K>rp & Lymu 2,2,0, Mrs. C. Warshavsky, Mrs. J. Cohen, Mrs. J. Bloomberg, J. Pelzermann, D. Tobias. H. Max k 0.10.6, J. Tobias 1,1,0, B. Litowitz U,0, H. Nevsky 1,0.0, Kopptl 1.0,0, P. Bloch, 0,10,0, M. Doitz, Kirsbon, Goluch ä 0,10,6, A, Kaplan, Hjrsho-