Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 30 (24.7.1903)
- Article
- Sehr geehrter Herr Doktor!
- Date
- 1903-07-24
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 30 „Die # Welt" Seite 9 harren in New-York so ihrer Abholer — sei es, dass die armen Leute ihre Erkennungszeichen oder sonst etwas vergessen haben! Das Schlimmste aber ist, dass die Leute alles und jede Kleinigkeit, die gänzlich wertlos ist, mit bis nach Basel schleppen oder voraussenden. Sachen, für die sie bis Basel oft 70, 80, sogar 100 Franken Fracht zahlen müssen, und die nicht einmal fl. 20 wert sind. Hier sollte gründliche Remedur insoferne geschaffen werden, daes man diese Tatsachen in den bezüglichen galizisch-russischen Gemeinden bekanntmachen und den Leuten raten sollte, alles, wenn auch noch so billig, zu verkaufen und nur das Allernot wendigste für die Reise mitzunehmen. Es sollte mich freuen, werter Herr Doktor, wenn Sie diesbezüglich etwas für uns tun könnten und indem ich Ihnen noch einen Brief des Herrn Schwabacher in Paris zur Einsicht beilege, grüsse ich Sie mit freundschaftlicher Hochachtung Ihr ganz ergebener J. ßollag-Feuchtwanger. * Paris, 29. Juni. 20 Rue Baudin. Herrn J. Bollag-F euchtwanger Präsident des Hilfskomitees jüdischer Auswanderer Basel. Verehrter Herr! In Erwiderung einer jüngst von Ihnen erhaltenen Karte teile Ihnen mit, dass infolge meiner Abmachungen mit M. Täte hier alle Emigranten schon seit immer mit dem Mittagszuge in für sie allein bestimmten Waggons nach Havre weiterbefördert werden. Sie werden bei Ankunft auf unsere Veranlassung hin für unsere Kosten* vom an der Bahn abgeholt, bekommen bei ihm ein gehöriges Nachtessen, machen srpp» singen ryn^T» werden durch denselben, nachdem sie für die Nacht in Hotels untergebracht waren, in aller Frühe zum Schiffe gebracht, weil es ganz unmöglich von der Kompagnie zu erreichen war, dass sie früher zugelassen werden. Herr Cahen, der pn von Havre überwacht das alles. Dass uns das grosseKosten macht, die für uns umso empfindlicher sind, als unsere Kasse nicht gut beschlagen ist und wir hier den Auswanderer nicht allein eine sehr gute Mahlzeit, sondern noch ein Supplement mit auf den Weg geben, können Sie sich denken. Ich möchte nun, besonders wo der behauptet, für alle seine Mühe nichts zu verdienen und Mehransprüche macht, auf ein Anerbieten des Herrn Bernstein zurückzukommen, der von selbst seinerzeit den gütigen Vorschlag machte, uns zu diesen eventuellen Spesen gerne beitragen zu wollen. Sie geben dort den Leuten bei ihrer Durchreise so überreichlich — wie sie selbst sagen — dass Sie darin vielleicht ein Ersparnis eintreten lassen können und uns es dann zuwenden. Wenn ich sage uns, so glauben Sie nicht, dass sich mehrere der Sache annehmen, ich habe fast ganz allein alle Last auf mir und bleibe von Ankunft bis Abgang der Züge bei den Emigranten. Was ich dabei mit Personen- und Gepäckbeförderung ausstehe, spottet aller Beschreibung. Ferner muss ich Sie auf einige weitere Punkte, für welche Sie gütigst Sorge tragen wollen, aufmerksam machen. Wenn Sie mir die Zahl der Ankommenden angeben, so bitte dabei insoferne exakter zu sein, als Sie fernerhin die, die in Paris bleiben, nicht mitaufgeben und ihnen auch keine Billets geben wollen, damit wir nicht hier für Havre, wohin ich auch im Voraus Instruktionen durch M. Prague geben lasse, doppelt zu zahlen haben, ohne dass wir dafür einzutreten hätten. Dann bitte ich, so kleine Kinder, dass sie noch auf dem Arme getragen werden müssen, nicht mitzuzählen. Also nur grosse Personen (gleichgiltig ob Frauen oder Männer) und dann alle Kinder von 2 bis zirka 10—11 Jahre besonders anzugeben. Ich muss davon immer am Donnerstag sowohl dem Restaurafceur als auch dem Agenten der Co. Transati. die Angaben auch weiter machen. Es würde sich nicht hoch genug empfehlen lassen, dass Sie den Leuten vor ihrer Abreise einschärfen, dass sie darnach trachten, dass einer auf den anderen achtgibt, dass sie immer hübsch zusammenbleiben und sich bei Ankunft hier nicht unter anderen verlieren und ebenso auch während ihres Aufenthaltes in Paris sich nicht voneinander trennen, was für sie und für Mädchen ganz besonders grosse Gefahren in sich birgt, wie auch, dass sich keine Kinder verlaufen. Sie können sich nicht denken, was mir das alles Mühe macht, dann bin ich aber auch mehr als gerädert. Es grüsst Sie und alle Komiteemitglieder mit Hochachtung E. Schwabacher. * Bern, den 18. Juli 1903. An die zionistischen Studenten-Verbindungen! In der Ueberzeugung, dass ein Verband sämtlicher zionistischer Studentenverbindungen Oesterreichs, Deutschlands und der Schweiz sowohl im Interesse des Zionismus als im Interesse des Verbindungswesens sein dürfte, erlaubt sich die jüdisch-nationale Studentenverbindung „Kadimah" in Bern hiemitfolgendeFragen an alle zionistischen Studenten- Verbindungen, eventuell an deren Ferienkommissionen zu richten : 1. Halten Sie einen Verband aller zionistischen Korporationen für notwendig? Wenn nicht, warum? % Soll zu diesem Behufe ein Kartelltag vorerst stattfinden, oder soll der Verband auf irgend eine andere W eise zustande kommen? 3. Sollen bei dem eventuellen Zustandekommen eines solchen Verbandes Unterschiede zwischen Satisfaktion gebenden und Satisfaktion verweigernden Verbindungen gemacht werden? Wenn nicht, aus welchem Grunde? 4. Sollen auch Verbindungen dazu herangezogen werden, welche offiziell nicht auf dem Boden des Baseler Programms stehen, die aber de facto zionistisch sind V Wenn j.i, warum? 5. Soll ein A. H.-Verband damit verbunden sein? 6. Sollen Studierende aller den Rang einer Hochschule führenden Lehranstalten daran teilnehmen dürfen, oder sollen dabei gewisse Unterschiede gemacht werden? Wenn ja, welche? 7. Wollen Sie die vorbereitenden Arbeiten der Unterfertigten überlassen oder nicht? 8. Wieviel Mitglieder zählen Sie? Wieviel Aktive? Wieviel Inaktive, A. H. A. H. etc.? In Anbetracht dessen, dass für den Fall des Zustandekommens des von uns geplanten Kartelltages Basel der geeignetste Platz und die Vor- oder Nachkongresszeit der geeignetste Moment wäre, bitten wir um umgehende präzisierte Antwort an die unten angegebene Adresse. Mit studentischem Zionsgruss! J. A. d. Jüdisch-Nationale Studentenverbindung „Kadima hu. J. M. S a 1 k i n d, phil., Präses, Bern, Viktoria-Hall. Jüdische Arbeitgeber! Die Stellen vermittln n ßS-Abteilun£ des „Verbandes Jüdischer Handelsan gestellter u n d A r b e i t c r Oester r ei e h stk stellt den p. t. Arbeitgebern ihre Dienste behufs Besorgung männlichen und weiblichen Personals jedweden Berufes, sowie den p. t. Kultus- Gemeinden zur Besetzung offener Posten kostenlos zur Verfügung, und bittet, im Bedarfsfälle sich an dieselbe zu wenden. Jüdische Ha ndelsan gestellte, Kultusbcamte sowie manuelle Arbeiter, die P o s t c n s u c h e n, wenden sich an die Stelle nvcrmittl u n g s - A b - t e i 1 u n g des „Verbandes Jüdischen Handelsa n g e s te 1 11 c n und Arbeite r'k, B r ü n ns Zeile 25. * Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, IL, Taborstr. 59 (Tel. 13 920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 18. Juli .1903 standen in Vormerkung: I. Klasse. Manuelle Arbeiter: 15 Anstreicher, 18 Aufpapper, 6 Bäcker, 11 Buchbinder, 5 Buchdrucker, 3 Bürstenbinder, 2 Kartonnagearbeiter, 7 Drechsler, 8 Elektromonteure, 9 Fleischhauer, 2 Friseure, 10 Glaser, 13 Goldarbeiter, 44 Hausknechte, Geschäfts- und Bureaudiener,