Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 30 (24.7.1903)
- Article
- Zurück! / W.
- Date
- 1903-07-24
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „Die # Welt': Nr. 30 peitschte und zu einer Tat fortriss, die ihnen für gewöhnlich ebenso ferne liegt, als die Erfüllung irgend einer anderen Forderung des Altruismus. Jetzt aber hat es blutige Opfer gegeben und die Furcht ist nicht unbegründet, dass es nicht die letzten waren und nicht die zahlreichsten bleiben werden. Das Raunen von dem entsetzlichen Unglück der Volksgenossen schwoll zum furchtbaren Schrei der zu Tode gemarterten Unschuldigen» Vor unseren Augen wurden unsere Bruder erschlagen, unsere Schwestern geschändet, unschuldige Kinder in Stücke zerrissen! Da erhob sich erschreckt das Mitleid unter den Stumpfen und die Entrüstung derer, die in Sicherheit waren, wurde gross und tat gar gewaltig. Aber jetzt wissen wir sicher, was wir früher nur vermutungsweise haben sagen dürfen: „Das Mitleid wird stumpf und auch der Schrecken hält nicht an". Mitleid und Schrecken haben für die nicht unmittelbar Betroffenen ihren Sporn bereits verloren und den Duldern tönt schon jetzt, schon so bald nach all dem Greuel, der rauhe Ruf entgegen: „Zurück, zurück!u Als bald nach den Exzessen die Leitung der zionistischen Bewegung die unglücklichen Volksgenossen vor einer überstürzten Auswanderung warnte, da bemerkte sie ausdrücklich, sie verlange nur eine kurze Zeit des Ausharrens, um vor dem Kongresse Vorschläge zu erstatten, wie dem Elend, wenigstens zum Teile, abgeholfen werden könne. Wir wissen sehr wohl, dass Tausende dadurch veranlasst wurden, vorläufig von der Auswanderung abzustehen. Wir wissen auch, welch grosse Verantwortung ihren Volksgenossen gegenüber die Zionisten übernommen haben. Von allem Anfang an haben wir aber auch erklärt, dass ein einheitliches Vorgehen aller jüdischer Korporationen unbedingt notwendig sei, wenn ein grosser, dauernder Erfolg erzielt werden solle. Niemals werden wir aufhören, auch wenn wir ganz allein handeln müssten, das Aeusserste für unsere Brüder zu tun. Nie werden wir ablassen, die Notwendigkeit einer geordneten Emigration und Ansiedlung zu betonen und ihrer Durchführung unsere ganze Kraft zu widmen. Nie aber können wir auch aufhören, die grossen jüdischen Korporationen, die Einflussreichen und Mächtigen unseres Volkes an ihre Pflicht zu mahnen, dem Elend unserer Brüder abzuhelfen und zur Sicherung einer besseren Zukunft beizutragen. Eindringlicher denn je müssen wir wieder unsere Stimme erheben. Es ist unmöglich, dass die Auswanderung unserer verzweifelten Volksgenossen auf die Dauer aufgehalten werde. Sie haben nichts mehr zu verlieren als ihr elendes Leben. Sie schreckt auch eine drohende Zukunft im fremden Lande nicht. Es kann ihnen nicht mehr schlechter gehen als es ihnen jetzt geht. Das ist ihr fester Glaube, den keine Mahnungen, keine Drohungen erschüttern können. Ihr Elend ist so gross, dass für sie selbst eine grössere Verelendung den Schrecken verloren hat, wenn sie nur mit einer Aenderung ihrer Wohnorte und ihrer Herren verbunden ist. Darum werden und müssen sie auswandern. Sache der in glücklicheren Verhältnissen lebenden Juden vor allem ist es, dieser Notwendigkeit die tödlichsten Stachel zu nehmen. Hier gibt es kein „Zurück" mehr, hier gibt es nur noch ein „Vorwärts". Wer diesen Unglücklichen die Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lage in einem anderen Lande zu rauben sucht, der ist schlimmer als die Mörder von Kischenew; denn die konnten nur Leiber morden und schänden. Wer unseren Brüdern die Hoffnung auf Erlösung in einem freien Lande vernichtet, wer sie weiter ihrem Elende, ihrer unermesslichen physischen, geistigen und moralischen Not überlassen will, indem er sie zum Bleiben zu zwingen sucht, der mordet ihre Seelen! Wir Zionisten wollen von keinem „Zurück" wissen. „Vorwärts" ist unsere Losung. Wir können nicht glauben, dass unsere Brüder im Westen wirklich das „Zurück" als ihr letztes Wort gesprochen haben! Der sechste Kongress. Die Tagesordnung des VI. Zionisteii-Kongresses. (23.-28. August.) 1. Eröffnung des Kongresses durch Dr. Th. Herzl. % Bericht des Legitimationsausschusses. 3. Wahl des Bureaus und der Ausschüsse« 4. Rechenschaftsbericht des A.-C. a) Allgemeiner Teil. Ref.: Arch. 0. M ar m o r e k. b) Kassabericht. Ref.: Di\ 0. Kokesch. 5. Diskussion. 6. Berichte der Landes-Komitees. 7. Politisches Referat. Ref.: Dr. Max Nord au. 8. Ansiedlung. Ref.: Dr. Franz Oppenheimer. 9. Der Zionismus und die Wohltätigkeitsanstalten. Ref.: I. Z a n g w i 11 und N. S o k o 1 o w. 10. Bericht über den Nationalfonds. Ref.: J, Kremen etzky. 11. Bericht der Nationalfonds-Kommission. Ref.: Doktor F a r b s t e i n* 12. Organisation und Agitation. Ref.: Sir Francis Montefiore (Allgemeiner Teil); Dr. B od enheim er (OrganisatorischeProbleme); Dr. Klee (Agitation). 13. Bericht über die Jüd. Kolonialbank. Ref.: D. W o 1 f fs o h n. 14. Bericht der ständigen Ausschüsse. 15. Wahlen des A.-C. und der ständigen Ausschüsse. 16. Initiativanträge und Eventualia. * Das Referat des Herrn Di\ Bodenheimer heisst nicht „Organisation", sondern „Organisatorische Probleme/ .* Wie bereits mitgeteilt, hat sich in Basel ein Wohnungs-, Empfangs- und Organisationskomitee gebildet, dessen Aufgabe es sein wird, die Delegierten und Gäste zu empfangen und ihnen Wohnung und Kosthäuser anzuweisen. Im Hinblicke auf den grossen Fremdenverkehr im August, wird die Beschaffung von genügendem Logis grosse Schwierigkeiten bereiten und es muss daher schon jetzt durch Annoncierung in den Baseler Zeitungen Privatlogis gesucht werden. Das Baseler Komitee ersucht daher die Delegierten, die seine Dienste in Anspruch nehmen wollen, ihm unter Adresse Julius Meyer, Basel, Leimenstrasse 22, ihre Wünsche bekanntzugeben, ob ein Zimmer im Hotel oder Privatwohnung, ob gleichzeitig Pension und in welchem Ausniasse etc. gesucht wird. ♦ Es sei nochmals auf die Bestimmung des § 12 des Organisationsstatutes verwiesen: „Die Vereine werden ermächtigt, zur Vermeidung von Unzulänglichkeiten gleich beim Wahlakte für den Fall der Verhinderung der Delegierten Ersatzmänner mitzuwählen, welche gleichzeitig anzumelden sind. * Alle Briefe, Gast- und Tribünenkarten betreffend, sind ab 10, August an das Kongressbureau in Basel zu richten, da die Ausfertigung der Karten und die Ausgabe der Plätze nur daselbst erfolgt.