Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 30 (24.7.1903)
- Article
- An unsere geehrten Abonnenten! [Nachricht] / Die Welt <Administration>
- Date
- 1903-07-24
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: WIEN IX., TQrkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscrlpfe nicht zurückgesendet. * Sprechstunden der Redaction täglich von 10 — 7,12 Uhr. * Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Oer Inseratenthail wird Dionotag abends geuhloaaen. Einzelne Nummern 30 Heller. ■ Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Nr. 30. Wien, 24. Juli 1903 - 29. Thamuz 5663, 7U Jahrgang An unsere geehrten Abonnenten! Während der Kongresszeit wird in Basel eine tägliche Separatausgabe der „Welt" erscheinen, die in umfassender Weise die Kongressverhandlungen publizieren wird. Wir wollen durch diese Separatausgabe, die unseren Abonnenten täglich unentgeltlich zugestellt werden wird, diese über die Kongressverhandlungen sofort in authentischer Weise informieren. Die neu eintretenden Abonnenten erhalten diese Separatausgabe ebenfalls gratis zugestellt. Die Redaktion und Administration der „Welt". Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten, welche mit der Zahlung des Abonnementsbetrages im Rückstände sind, um rechtzeitige Einzahlung desselben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Zurück! PF. Das also ist der Weisheit letzter Schluss: „Zurück!" Die Vertreter der verschiedenen Hilfsvereine des jüdischen Bürgertums in England, Deutschland und Oesterreich haben wieder einmal verkündet, dass es für die Juden in den Ländern der Bedrückung und des Verderbens das Beste sei, zu bleiben, wo sie sind, oder anders ausgedrückt, dass es die Pflicht dieser Juden erheische, ihr Sterben den Juden anderer Länder nicht so schwer zu machen. Als es aber dennoch ein paar hundert Familien an den Orten nicht mehr litt, an denen ihnen der sichere Untergang bevorstand, als einige dieser Ungehorsamen sich nach Berlin wagten, da hielt es ein Mitglied eines Hilfskomitees für nötig, die Juden in den deutschen Zeitungen davor zu warnen, diesen Auswanderern Hilfe zu gewähren. Als Grund gab der getreue Eckart der westlichen Judenheit aji, dass eine solche Unterstützung die Auswanderung ermutigen und Tausende von Juden nach dem Westen ziehen würde. Der Mann und die ganze Richtung, die er vertritt, haben so Unrecht nicht. Die Juden des Westens stehen tatsächlich vor einer grossen Gefahr, wenn der Auswandererstrom nicht eingedämmt werden kann. Vielleicht meint es der wackere Wortführer des Komitees sogar in seiner Weise gut. Nicht nur mit den Taschen seiner wohlsituierten Volksgenossen, sondern in gewissem Sinne auch mit den armen, verzweifelten Auswanderern selbst. Wenigstens deutet der Passus seiner Warnung darauf hin, in dem er erklärt, dass sich den flüchtigen Juden keine Heimstätte biete, in die sie ohne Furcht vor Zurückweisung ziehen könnten. Und so wiederholt er das Eine, was ihm allen Gefahren und Unannehmlichkeiten gegenüber als das Sicherste scheint: die Forderung, dass man die Auswanderer zurückschicke. Diese Abderitenweisheit, oder damit der deutsche Mann nicht gekränkt sei, diese Schildbürgerschlauheit, ist nicht neu. „Der Fehler lag in der Tat bloss an den Mitteln, wodurch sie dem Uebel steuern wollten", meint der gutmütige Dichter, der die Verdienste Abderas der Nachwelt überliefert hat Dieser kleine Fehler ist auch den Herren eigentümlich, die an der Spitze der grossen Hilfsvereine stehen. Gewiss, die Gefahr für die anderen Juden ist vorhanden. Kein Zweifel, dass die Auswanderung im Grossen, ohne Vorbereitung, ohne Organisation, ohne gesicherte Heimstätte auch für die Auswanderer selbst verderblich werden muss. Begründet das aber ein derartiges Vorgehen, das durch seine Härte die Verzweifelten zu den verkehrtesten Handlungen treiben muss? Wir wollen rekapitulieren. Seit Jahrzehnten weiss es jeder, der nicht mit Absicht sein Nichtwissen vorschützen will, dass es für Hunderttausende von Juden nur ein Mittel der Rettung gibt — die Emigration. Es wäre wunderbar, wenn diese eminent ökonomische Frage nicht längst erkannt und die Dringlichkeit ihrer Lösung noch zu bezweifeln wäre. Es ist aber ganz natürlich, dass sich das Einfachste, das Natürlichste, nämlich der Wille, sich der Notwendigkeit, zu fügen, so schwer durchsetzen kann. Das Selbstverständliche wird immer allgemein anerkannt und in den seltensten Fällen getan werden. Auch in dieser Emigrationsfrage konnte nichts geschehen, ehe nicht die Zahl der Opfer selbst die behäbigsten Boquemlichkeitsanhänger und die beschränktesten Egoisten aut-