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Die Welt · 1903-07-17 · 29 (17.7.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
29 (17.7.1903)
Article
Briefe aus Paris
Date
1903-07-17
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 29 Die $ W@it^ Seite 7 westlichen Juden bat, dem Zionismus, der ihnen so grosse Dienste leistet, beizutreten. Dr. N o r d a u erntete überaus starken Beifall und die Versammlung erzielte im Allgemeinen einen bedeutenden Erfolg. Solche Reden lassen eine unvergessliche Wirkung auf jeden Juden zurück. Mag er Zionist sein oder nicht; die Saat wird nicht verloren gehen und früher oder später wird sie Früchte tragen. Paris, 5. Juli 1903. ^Jacobson. Zur Geschichte der Juden in Polen. Der bekannte Bankie r Herr Wawelberg in Warschau hat vor einigen Jahren eine bedeutende Summe hinterlegt, deren Zinsen zur Förderung der jüdischen Geschichtsforschung in Polen verwendet werden sollten. Zur Jury wurde die philosophische Fakultät der Universität in Lemberg bestellt. Die besten Arbeiten werden mit einem Preise gekrönt und auf Kosten der Stiftung gedruckt. Vor einiger Zeit fand nun die erste Preisverteilung statt. Den Bedingungen der Stiftung entsprachen zwei Arbeiten: Dr. Moses Schorr. Die Juden in Przemysl" und Dr. Zbigniew Pazdro „Organisation und Praktik d er j ü d i sch en Po d woj e w o d en - G er i chteu. ß ei d e Schriften 1 i egen nun in hübscher Aussattung in Buchform vor. Die gründliche Arbeit Dr. Pazdros] hat weniger historischen, als vielmehr fach-juristiscben Wert, kann also hier füglich übergangen werden. Umso interessanter ist für uns das Buch Dr. Schorrs. Die Stadt Przemysl hat in der Geschichte Polens eine wichtige Rolle gespielt und besass schon in den ältesten Zeiten eine nicht unbedeutende Juden gemein de. Was also von den Verhältnissen und dem Treiben der Juden in Przemysl erzählt wird, kann mit geringen Aenderungen als allgemein geltend und typisch für das Leben der Juden in den grösseren Städten Polens angenommen werden. Dr. Schorr hat nun mit grosser Gründlichkeit und bewundernswertem Fleisse aus den Stadtarchiven in Lemberg und Przemysl eine Fülle von Dokumenten zusammengetragen, die hier zum ersten Male in die Oeffentlicbkeit gebracht werden und ungemein interessante Streiflichter auf das Verhältnis der Juden zur nichtjüdifchen Bevölkerung werfen. Ausserdem benützte dsr Verfasser einige hebräische Materialien aus einem alten „Rinax'k, so dass das Buch 145 teils lateinische, teils polnische und 34 hebräische Dokumente enthält. Vorangeht eine zusammenhängende, interessant geschriebene Darstellung der gefundenen Resultate. Wir erhalten da im Kleinen ein Bild der Juden in Polen. Nebenbei bemerkt, kann man schon auf Grund dieser Angaben die hochgprühmte Toleranz der Polen gegen die Juden auf das richtige Mass reduzieren. Zweifelsohne gab es in Polen keine brutalen Judenvertreibungen mit Mord, Raub un i Plünderung in dem Masse, wie in anderen Ländern, besonders in Deutschland. Auch hatte die Judensteuer in Polen, wie Dr. Schorr ausdrücklich hervorhebt, nicht jenen schimpflichen Charakter, wie in Deutschland, wie wir auch in Polen keine Erwähnung des „gelben Fleckes44 und des „Leibzolles" finden. Aber bei der Zerfahrenheit der R^gierungsverhältnisse im alten polnischen Reiche, bei dem Mangel einer starken Zentralgewalt war das Leben der Juden ein fortwährendes „Sich-Fort-Fretten", ein Vegetieren von heute auf morgen, ohne feste Basis, ohne jegliche Rechtssicherheit. Jeder Starosta, jeder Provinzgewaltige, ja jeder Bürgermeister masste sich das Recht an über Vermögen, Freiheit und Leben der Juden zu entscheiden. Erzählt doch Dr. Schorr einen Fall, wo ein Jude gegen alles R^cht von einem nichtkompetenten Gerichte unschuldig zum Tode verurteilt und die Strafe an ihm, bevor der gegenteilige Befehl aus der königlichen Kanzlei einlangte, vollzogen wurde. Es ist übrigens Geschmackssache, ob man diese unaufhörlichen Nadelstiche, diese fortwährenden Plackereien für besser und toleranter betrachten will, als eine einmalige brutale Vertreibung. Vielleicht gehen wir nicht fehl, wenn wir der Meinung Ausdruck geben, dass das Ganze gar nicht mit Toleranz oder Intoleranz zusammenhängt. Nach unserem Dafürhalten muss vielmehr die Erklärung in dpm Unterschiede zwischen dem weichen, sanften Volkscharakter der Slaven und dem energischen, rasch zugreifenden Naturell der Germanen gesucht werden. Zum Schlüsse sei hervorgehoben, dass Dr. Schorr auch den,!;Versuch macht, uns ein Bild der inneren Organisation :der: Juden zu geben. Leider sind hier die Angaben nuan w,enigi. zaihireich und belehrend. Vielleicht hat das Material versagt. Im Allgemeinen ist die Arbeit Doktor Schorr's sehr verdienstvoll und wird wahrscheinlich einer ganzen Reihe ähnlicher Arbeiten erst den Weg zeigen. David Schreiber. ^teibtii)*. Geehrte Redaktion! Bitte um Publikation folgender Zeilen : Es wurden zahlreiche Anfragen an mich gerichtet, wohin das während der 9 Selbstverleugnungstage gesammelte Geld zu senden ist. Ich bin der Ansicht, dass dasselbe an die „Welt" einzuschicken ist, mit der Bemerkung: „Ertrag während der 9 Selbstverleugnungstage zur Eintragung in das goldene Buch unter der Bezeichnung: „DasjüdischeVolk währ endder 9 Selbstverleugnungstage." Diese Beträge sollen von einem Ausweise begleitet sein; selbstverständlich kann das Geld auch direkt an die jüdische Colonialbank geleitet werden. Der besseren Uebersicht halber ist jedoch der erstere Modus vorzuziehen. Hochachtend Heinrich Rosenbaum. •* An die geehrten zionistischen Frauen- und Mädchenvereine Oesterreichs! Um den in Basel erscheinenden Vertreterinnen der Organisationen anderer Länder ein möglichst treues Bild über die Anteilnahme der Frauen an der zionistischen Bewegung auch in Oesterreich zu bieten, ergeht an alle hierländischen Frauenimd Mädchenvereine die herzliche Bitte, genaue Daten über das Gründungsjahr, die Mitgliederzahl, das Zu- oder Abnehmen derselben, ferner über die Tätigkeit (ob rein zionistisch oder auch philanthropisch) an die unten verzeichnete Adresse freundlichst gelangen zu lassen. Mit vorherigem besten Danke und Zionsgrüssen zeichne!; hochachtend S i d o n i e Kahn Wien, VII., Lindengasse 11. ßielitz, den IL Juli 1903. Aufruf an die jüdischen Abiturienten! Die Bielitzer zionistischen Abiturienten veranstalten am 26. Juli einen gross angelegten Kommers. Damit derselbe sich zu einem würdigen, machtvollen Bekenntnisse zum Zionismus gestalte, ergeht an alle jüdischen Abiturienten, insbesondere an die von Mähren, Schlesien und Westgalizien der dringende Aufruf, denselben durch ihre Teilnahme tatkräftig zu fördern, da der Reinertrag den unglücklichen Blutzeugen von Kischenew zufällt. Jüdische Abiturienten! Wir fordern euch auf, für das Zustandekommen dieser Veranstaltung all eure Kräfte einzusetzen. Die Verlegung des Kommerses musste auf den 26. Juli, erfolgen, da die Matura in mehreren Städten, deren Abiturienten ihre Teilnahme zugesagt haben, erst am 525. ihren Abschluss findet. Teilnahmserklärungen sind bereits aus mehreren Städten, wie Mähr.-Ostrau, Teschen, Krakau, Neu-Sandec, Tarnow etc. eingelangt. Jüdische Abiturienten, die sich wegen grosser Entfernung nicht korporativ beteiligen können, werden dringend ersucht, sich wenigstens durch Delegierte vertreten zu lassen. Für das vorbereitende Komitee: Jakob Mannheimer, Alex. Geller, Siegfried Löwy, Sah Allerhand, Silvius Frischler. Zuschriften, Anfragen etc. sind sofort an Alexander Geller, Bielitz, Stegg. 14 zu richten. * Baseler Korrespondenz. Während der Kongresswoche wird, am 2,3. August beginnend, täglich in Basel eine Korrespondenz erscheinen, welche allen Berichterstattern der Presse unentgeltlich objektive Koii'ircssberiehte zustellen wird. Als Herausgeber der Korrespondenz fungiert der Schriftsteller L. F e 1 i x P inku s.

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