Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-07-17 · 29 (17.7.1903) · p. 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
29 (17.7.1903)
Article
Der sechste Kongress
Date
1903-07-17
Page
3 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316050-3334831--41768-3335011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 29 p^Dfte & WeBt« Seite r (2 Gruppen), Luzern, Lausanne. In Genf kandidiert Dr. P a s m a n i k , in Lausanne E. G r ii n ]) e r g, in Biel Dr. Camille L e v y, in Züricli Dr. Earbstein, in Luzern JVJor. Levy. In Bern stehen sieh die Herren A u e r - b a e h und M o s s i s o h n gegenüber. In Basel, das zwei Mandate zu vergeben hat, kandidieren Joel Weil, Sig. Veit und Dr. (Jh. Wortsiii an n. -X- Aus Ungarn liegen bisher folgende Waldresultäte vor: Herr Hermann Sit ein er für den Nagy-Szanibotor (Tvrnau) Wahlkreis. Im ersten Pozsonyer Wahl kreise wurde Dr. Bela 0 e s t e r r e i e Ii e r (Ersatzmann Doktor Leopold Kahn), im zweiten Herr Architekt Oskar Marmor e k - Wien (Ersatzmann S. Bettelheim) gewählt. Der Budapester Zionistenverein hat Dr. Max .N o r d a u delegiert. * Ans Baltimore wird am 14. ds. M. gekabelt: Professor Harry Fr i Odenwald wurde einstimmig zum Delegierten gewählt. * Der Frauenverein „Bnoth Zion'"' in Dublin entsendet Frl. Elischewa Kabinowitz aus Warschau. Ein Brief Dr, Franz Oppenheimers. In letzter Zeit sind verschiedene Anfragen an uns gekommen, welche die Stellung des Herrn Dr. Franz Oppenheim er zur zionistischen Bewegung zum Gegenstande hatten. Nun hatten wir zwar die Freude und den Stolz, in diesen Blättern Aufsätze des ausgezeichneten Gelehrten zu veröffentlichen, die in dieser Frage eigentlich einen Zweifel gar nicht mehr zulassen. Dr. Franz Oppen heim er ist ein Zionist, welcher das Baseler Programm voll und ganz anerkennt. Wir sind in der Lage, dies durch folgenden Passus zu erhärten, den wir aus einem Privatbriefe des Dr. Franz Oppenheim er an Dr. H e r z 1 mit Genehmigung des Schreibers veröffentlichen: „Sie Avissen, hoehzuverehrender Freund, dass ich Zionist bin und fest auf dem Boden des Baseler Programms stehe, wie ja auch meine in der „Welt" abgedruckte Erklärung*) besagt. Ich muss hinzufügen, dass ich nicht begreifen kann, wie nach Kischenew ein Jude nicht Zionist sein kann! Meine Zugehörigkeit zur zionistischen Partei kann mich aber nicht hindern, auch andere, seien es jüdische, seien es allgemein humane Zwecke mit allen meinen Kräften zu fördern, so lange sie mich nicht mit meinem zionistischen Credo in Konflikt bringen. Jedenfalls können Sie immer mit Sicherheit darauf rechnen, dass ich meine bescheidenen Kräfte in den Dienst der von Ihnen geleiteten Sache stellen werde, und dass ich nichts unternehmen werde, was diese erste und wichtigste Aufgabe stören könnte. Im Gegenteil!" Von jenseits der See. Von J. de Ha a s. Ich sitze und seh reibe im Zimmer eines Hotels, das einem bäiunebeschatteten Platze gegenüber liegt. In der Mitte dieses Platzes steht eine Denksäule der Helden von Cleveland — ich befinde mich nämlich gegenwärtig in dieser Stadt — aus dem Bürgerkriege, mit einem Sepher Zichronos für Maskir Neschomos, das länger ist, als das in irgendwelcher Synagoge. Zur Linken erhebt sieh die *) Die „Welt«, Nr. 10, VII. Jahrg. Handelskammer, in welcher die Zionisten von Cleveland im nächsten Jahre ihre Versammlung abhalten wollen. Die diesjährige Versammlung fand erst vor vier Wochen statt, der Kongress muss erst kommen, aber schon ist von der nächsten Versammlung die Kode und es wird in Cleveland manche Enttäuschung geben, wenn Cleveland nicht zum Versammlungsort bestimmt werden wird, denn schon die Delegierten dieser Stadt kamen nach Pittsburg mit dem Zeichen „Leschana Habaa Be Cleveland" und sprachen auch ihren diesbezüglichen Wunsch aus. Ein Zionist, der von Europa nach den Vereinigten Staaten kommt, bemerkt vor allem einen grossen Unterschied zwischen dem europäischen und dem aimerikanisehen Zionismus, speziell in den östlichen Städten. Die Volksredner gingen durch das Land und predigten Jesehuos Zion und hinterliosseii erfreuliche Erfolge ihrer Tätigkeit. Der europäische Zionist bemerkt die Abwesenheit von Kulturarbeit und Kulturdebatten. Er sieht überall die Sterne und die Streifen, er sieht, dass die Bewegung keinem besonderen Alter angehört und noch nicht alle Altersstufen in .sich einsehlicsst. Im Osten und insbesondere in New-York war es eine sehr unbestimmte Bewegung; und New-York ist eine Stadt, in der fihrfnmllninderttausend Juden wohnen, zu welchen die Enal Brith reden, an welche sich die Alliance Israelite Universelle wendet, mit denen die Jewish Enc3'- clopedia rechnet, eine Stadt, wo der Zionismus manchmal aufjauchzt, wo weder die Reform, noch die Orthodoxie eine Bedeutung haben und wo die grösste Macht in den Händen von Wohltätigkeitsverbänden liegt, die ausser vielleicht in manchen politischen Angelegenheiten ganz machtlos und von einem höheren Standpunkte betrachtet, geistig ganz inhaltsleer sind. New-York ist unter den Weltstädten die unwirklichste und nimmt sich, selbst nicht allzu sehr ernst. Ausser für Crosse und Lärm hat New-York keinen zentralen Gedanken, es hat kein gemeinschaftliches Leben. Es ist keine Stadt, sondern eine grosse Strasse, wo man Tülau Tür, wie in einer Ausstellung — nur mit dem Unterschiede, dass hier alles nicht geschmückt ist — ein Stück China, einen Winkel von Neapel und eine Ecke Siziliens finden kann, irgend ein Mischmasch vom Diesseits oder Jenseits des Ehcins, Absonderlichkeiten aus Wien oder Prag, ein kleines Ungarn, drei oder vier Arten von Bussland, von St. Petersburg bis zum Ural, einen Stein von Ohl England, all die Grafschaften von Irland, ein goldenes Ghetto, ein neues Jerusalem und ein Ghetto von dreihundertfünf zigtaiivsend Juden, zusammengepfercht zwischen den zentralen Geschäftsstrassen, dem East River und den umgebenden Kolonien von Nicht-Juden. Und in diesem Völkerkonglomerat bilden die Juden nicht eine Kolonie, sondern hundert kleine, aus Berlin und „hinter Berlin", aus jeder Stadt des Ansiedlungsrayons von Petersburg bis zur Krim; denn jeder Jude, ob er gestern, vor zehn oder vierzig Jahren angelangt ist, oder erst heute sich durch Ellis Island hindurchkäinpftc, trägt stolz den Namen der Peitsche mit sich herum, die ihn schlägt, und er würde eher an die Peitsche denken als daran, dass er bloss ein Jucle ist, der bereit ist, die eine Peitsche zu vergessen und dessen eingedenk ist, dass es überall Peitschen gibt. In einem Lande, wo alle vor dem Gesetze gleich sind, tut jede Abteilung das beste, um jeder anderen Abteilung in Erinnerung zu bringen, dass so etwas wie soziale Superiorität und Inferiorität doch noch existiert und man hört manchmal einen, der Brüderlichkeit — jüdische Brüderlichkeit — predigt — mit dem Vorbehalt — er werde unter keiner Bedingung mit Ihnen an einem Tische sitzen. Demzufolge gibt's in New-York viel Gelegenheit, zu lachen oder zu weinen. Aber auch dort gibt es Momente, die sternegleich leuchten und einem sagen, dass, wenn man die Wolken entfernen würde, es noch einen grossen Himmel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.