Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 29 (17.7.1903)
- Article
- Der Preis für das Quartier
- Date
- 1903-07-17
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „Die # Welt/r Nr. Millionenforderungen unserer Bewegung. Der Statistiker kann zeigen, wie viel die Laune kostet, die Launen unserer Wirtsvülker weiter zu ertragen; wie hoch die Erhaltung des zerstreuten und gedrückten Judentums kommt gegenüber der Gründung des geeinten; wie viel der Jude für Armeleut-Küchen zahlt, statt für Einrichtung von Werkstätten; wie viel für Eisenbahnkarten statt für Eisenbahnbauten; wie viel für-einen beschränkten Kultus und Unterricht statt für einen freien; wie viel für Rechtsschutz statt für Rechtsspruch. Kurz, der Statistiker oder auch nur die oberflächliche Schätzung der rechtlich denkenden Juden wird diesen sagen, wie hoch der Preis für das schlechte Quartier die Grenzen der Bank und des Fonds zum Erwerb eines guten alljährlich übersteigt. Die Mächtigen in Israel heissen trotzdem den jüdischen Bürger das Herannahen einer besseren Zukunft in den jetzigen Wobnsitzen unseres Volkes erwarten. Es ist aber die Wartegebühr enorm. Eine traurige Wahrscheinlichkeit spricht eher für ihr Steigen als für ihre Verminderung, und sehr viele Minister und Abgeordnete sprechen und handeln für ihre Dauer. Der Jude zahlt auf Befehl seine]1 Führer hohe Steuern, um seine Steuern weiter in der Fremde zahlen zu dürfen. Dabei fallen die Eiesensummcii im Osten wie unter den Tisch, an dem sich das Elend immer breiter macht. Die grössten Sammlungen verschwinden gegenüber der Notwendigkeit, die Existenz von Millionen gesetzlich arbeitsloser Menschen zu erhalten. Diese Frhaltung fällt umso schwerer, als die Juden allerorts von Staat und Gesellschaft materiell immer wuchtiger niedergedrückt werden und das flache Land immer mehr jüdische. Proletarier in die Grossstädte des Westens schickt. Aber es ist nicht nur schweres Geld, womit wir unseren Zins zu entrichten haben. Bei Aufstellung der Summen ziii' Frnritthmg seines Gesamtbetrages werden wir auf einzelne kleine Posten geringen. Zahl wertes und. grösster Wichtigkeit slossen. Es sind Begräbniskosten für gar manchen galizischen Juden, der einsam in seinem Dorfkruge fällt und für gar manches Opfer eines in Tapferkeit schwelgenden Bojaren; nicht zu sprechen von Ozenstoeliau und Bessarabien. Auf dem Konto des jüdischen Westens aber linden wir Ausgaben für die Kost des Lcwy und des Hilauer und für den Stempel auf das Gnadengesuch des Preyfiis. Diese kleinsten Posten sind der teuerste Preis für unser Quartier. J. U p r i m n y. Der sechste Kongress. Die Tagesordnung des VI. Zionisten-Kongresses. (23.-28. August.) 1. Km ff innig des Kongresses durch Dr. Th. Herzi. 2. Bericht des LegitimationsausschLisses. Wahl des Bureaus und der Ausschüsse. 1, Rechenschaftsbericht des A.-C. a) Allgemeiner Teil, lief.: Arch. 0. Marin o r e k. h) Kassabericht. lief.: Dr. 0. K o k e s c h. ."). Diskussion. (). 'Berichte der Landes-Komitecs. 7. Politisches Referat. Reil.: Dr. Max Sordini. 8. Ansied hing. Ref. Dr. Franz 0 p p e n h e i in e r. D. Der Zionismus und die Woliltätigkeitsanstalteii. Ref.: 1. 7j a n g w i 1 1 und N. S o k o 1 o av. 10. Bericht über den Nationalfonds. Ref.: J. Iv r o m e - netz k y. 11. Berieht der .Nationalfonds-Konimission. Ref.: Doktor F a r b s t e i n. 12. Organisation und Agitation. Ref.: Sir Francis Montef iore (allgemeiner Teil); Dr. B o den - heimer (Organisation) y Dr. Kl e e (Agitation). 13. Bericht über die Jüdische Kolonialbank. Ref.: D. Wolf f söhn. 11. Bericht der ständigen Ausschüsse. 15. Wahlen des A.-C. und der ständigen Ausschüsse. IG. Initiativanträge und Eventualis * Die aktuellen Ereignisse der letzten Wochen haben in der Oeffentlichkeit ein Interesse an den Beratungen des kommenden Kongresses nicht recht aufkommen lassen. Nunmehr beschäftigt sich aber die europäische Presse eingehend mit dem Baseler Kongress. Wenn auch manche falsche Nachrichten mitlaufen, eines kann jetzt schon deutlich erkannt werden: die Oeffentlichkeit ist über den Zionismus richtig informiert. Der sichtbare Fortschritt der Bewegung einerseits, die Sachlichkeit und der Ernst der bisher stattgefundenen Kongresse andererseits haben das öffentliche Interesse, mitunter auch starke Sympathie zu erwecken vermocht. Der bevorstehenden Tagung wird in Hinblick auf die letzten Ereignisse vollste Aufmerksamkeit zugewendet. * Die Landeszentralen melden, dass die Beschickung des Kongresses eine überaus starke zu werden verspricht. Die Kandidaturen sind heuer zahlreicher als in den vergangenen Jahren und es ist zu erwarten, dass besonders die Vereine in Deutschland, Oesterreich, Italien, Frankreich und England ausnahmslos durch Delegierte am Kongresse vertreten sein werden. # Diese Woche haben 3 Mitglieder des zionistischen Turnvereines „Samson" in Sofia Wien passiert. Sie haben die Absicht, Basel zu Fuss zu erreichen. Bisher haben sie bei 1500 km in 80 Tagesmärschen zurückgelegt. Sie führen ein Kontroll buch mit sich, welches die Visa der Vorstände aller Orte, die sie passiert haben, enthält. Selbstverständlich haben die Herren auf ihrer Ferialtour überall gastliehe Aufnahme gefunden. * Die bereits angemeldeten Zustiin innngskundgebungen und Resolutionen sind direkt an das Kongressbureau zu richten. Für die Folge wird es sich aber empfehlen, die Kundgebungen den Landeskomitees zu überreichen, von welchen sie gesammelt und in einem Akt dem Kongresse überreicht werden. * Gast k a r t e n , die zum Eintritt auf die Galerie berechtigen, werden auch diesmal ausgegeben werden. Die Ausfertigung erfolgt aber nicht in Wien, sondern erst in Basel. Das Kongressbureau in Basel wird vom 10. August an die diesbezüglichen Anmeldungen entgegennehmen. -X- In Deutschland erfolgen alle Anordnungen für die Wahlen und die Kontrolle derselben durch das Zentralkomitee der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", weshalb auch Berichte und Protokolle nach Köln gesendet werden müssen. Nach endgiltiger Feststellung beträgt die Zahl der für den Kongress zu wählenden Delegierten in Deutschland 17, welche sich auf die verschiedenen Bezirke wie folgt verteilen: Berliner Distrikt 15, Mannheimer Distrikt 12, Hannover 10, Strassburg 5 und Kölner Distrikt 5. * In der Schweiz wurden 9 Wahlgruppen konstituiert, und zwar: Genf, Bern, Biel, Basel (2 Gruppen), Zürich