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Die Welt · 1903-07-17 · 29 (17.7.1903) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
29 (17.7.1903)
Article
An unsere geehrten Abonnenten!
Date
1903-07-17
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: WIEN IX., TQrkensfirasst Nr. 9, Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Perionen, londern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, tu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manusarlpfle nicht zurückgesendet Pmise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Oer Interatezxtheil wird Dienstag abend« geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. ♦ Sprechstunden der Redaction täglich von 10 — 7,62 Uhr. ♦ - Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R, 1.75, Schweiz, Prankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 29. Wien, 17, Juli 1903 — 22. Thamuz 5663, 7« lahrgang An unsere geehrten Abonnenten! Während der Kongresszeit wird in Basel eine tägliche Separatausgabe der „Welt* erscheinen, die in umfassender Weise die Kongressverhandlungen publizieren wird. Wir wollen durch diese Separatausgabe, die unseren Abonnenten täglich unentgeltlich zugestellt werden wird, diese über die Kongressverhandlungen sofort in authentischer Weise informieren. Die neu eintretenden Abonnenten erhalten diese Separatausgabe ebenfalls gratis zugestellt. Die Redaktion und Administration der „Welt". Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten, welche mit der Zahlung des Abonnementsbetrages im Rückstände sind, um rechtzeitige Einzahlung desselben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Der Preis für das Quartier. Rings um Ostern ist die Miete der Juden fällig. Diese Zeit benutzen alljährlich unsere Hausherren, um nach alter Gewohnheit mit Knüttel und Schnappsack im Judenviertel einkassieren zu gehen. Die Aufzählung der Orte von derlei Promenaden im laufenden Jahre gäbe ein gutes Stück Geographie. Ob die verspäteten Revolverschüsse von Hochfelden das Ende der heuer besonders starken Hochsaison bedeuten, ist ungewiss. Es ist Mittsommer; einem schönen Herkommen nach hätten wir von dieser Zeit bis zum nächsten Frühjahr das Recht auf Eigentum und zum Sterben an Altersschwäche. Nur zweifeln gewisse Nachrichten daran, class die galizischen Bauern ihre Ackergeräte ausschliesslich zur Feldarbeit benützen wollen. Bei Zweifeln dieses Sinnes wünschen wir immer und auch heute, dass die nichtzionistischen Blätter von wahren Propheten geschrieben wären. Denn immer und auch diesmal schildern sie die Zukunft in heiteren Farben; alle ihre Leitartikel sind mit Oel von der Friedcnspalme gesehrieben, und kein Notsignal steigt zum politischen Himmel. Wenn sich nur das Hauptblatt mit dem Beiblatt vertragen wollte! Im Hauptblatt stehen jahraus, jahrein die sieben fetten Jahre angekündigt. Im Beiblatt aber stehen jahraus, jahrein die dürren Ziffern der Sammlungen, die nötig wurden, weil die fetten Versprechungen nicht eintrafen. Die Zeitungsausweise über diese Sammlungen sind die Quittungen über unseren Züsch uss an diejenigen unserer unglücklichen Brüder, die dem Pöbel gerade den Zins zahlten. Der Dreibund des Judenhasses, Russland, Rumänien und Galizien, vermietet diesen Quittungen nach sehr teuer. Die letzten Sensationsvorstellungen des dortigen Antisemitismus sammelten im Klingelbeutel jüdischer Hilfsvereine zusammen sieben zifferige Summen. Nie hat man gehört, dass mehr als das erste Elend damit gestillt wurde. Es sind respektable Summen, mit denen die verschonten Juden ihrer Ehre und ihrem Herzen nachkommen, aber sie bezahlen niemals zur Gänze, was eine tierische Wut aufs Pflaster, ins Feuer, in die Gosse warf. Mit den Kosten für die modernen Kreuzzüge ist aber unsere Miete erst zum kleinsten Teile bezahlt. Wir haben nämlich nicht nur für den Judenhass der Völker aufzukommen, sondern auch für die Judenfeindschaft der Staaten. Die Gesetze, die von der Polizei befolgt werden, kosten uns mehr als die Gesetze, die der Pöbel übertritt. Sie legen in Rumänien dem starken jüdischen Arbeiter die Hände in den Sehoss; sie sperren unsere Brüder in Russland in jene Elendsbezirke, wo die Kopeke so selten und der Hungert}'phus so häutig ist. Es ist die Hausordnung unserer Quartiere, die unseren Tribut am meisten erschwert. Je mehr Werkstätten und Kaufstände geschlossen werden, umsomehr Wohltat igkeitsinstitutc müssen sich öffnen. Je heisser der edle Wettkampf der Nationen um den letzten Platz der Menschlichkeit tobt, desto mehr haben die Kassiere zu tun, die Klassiere der Ica, der beiden AJlianceu, der Bnei Brith, der Hilfsvereine, der Vereine für Durchwanderer und Auswanderer und noch eines unendlichen Heeres von Schutzorganisationen des bedrängten jüdischen Lebens. Erst mit der Summe dieser wenigen grossen und zahllosen kleineren Posten ist das Ziffernbild eines Millioneubudgets des jüdischen Volkes geschaffen, dessen Höhe die Statistik zweifelsohne unfern manchem bestehenden Staatsbudget stellen wird. Der Rechenstift der Statistik ist berufen, die Antwort auf den beliebtesten Einwurf gegen den Zionismus zu gel>en. Man spricht gern und viel von der Utopie der

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