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Die Welt · 1903-07-10 · 28 (10.7.1903) · p. 19

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
28 (10.7.1903)
Article
Palästina
Date
1903-07-10
Page
19 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 28 „Die £ Welt* Seite 19 zeigt, abgesehen von den bedeutenden Schwankungen der Importziffern, welche sich aus der mit dem Ernteausfall zusammenhängenden Mehr- oder Mindereinfuhr von Nahrungsmitteln, insbesondere Mehl, ergeben. Der Gesamtwert der aus Palästina ausgeführten Waren blieb gegen das Vorjahr um 1 800 000 Francs zurück. Während für die Einfuhr des Landes ausschliesslich Jaffa in Betracht kommt, spielt rücksichtlich der Ausfuhr noch Gaza eine bedeutende Rolle, über welche Reede ansehnliche Quantitäten von Getreide, namentlich Gerste, aus den südöstlichen Teilen Palästinas zur Ausfuhr gelangen. Handel. Die nachstehende Tabelle veranschaulicht die gesamte Einfuhr- und Ausfuhrbewegung Palästinas, die Reede von Gaza inbegriffen, in den letzten drei Jahren, von denen das erste eine vorzügliche Ernte, die beiden letzten jedoch Missernten ergeben hatten. 1900 1901 1902 Fr. Fr. Fr. Import..... 10 973 944 13 850 000 13 376 760 Export..... 8 130 930 6 444 000 4 658 520 Die Handelsbilanz Palästinas ist also keine günstige und bleibt selbst in guten Erntejahren der Export hinter der Einfuhr bedeutend zurück. Das Manko in der Zahlungsbilanz wird aber reichlich durch die grosse Menge Geldes gedeckt, welches von den zahlreichen Touristen und Pilgern, sowie von den vielen religiösen und Wohltätigkeitsanstaiten in das Land gebracht wird. Man schätzt den bezüglichen Betrag auf 10—15 Millionen Francs. Ein einziges hiesiges Bankinstitut, allerdings das bedeutendste, importiert allein jährlich ca. 4 Millionen Francs gemünztes Gold, welches hauptsächlich zur Auszahlung der im Anweisungswege anher remittierten Geldbeträge dient. Das österreichische Postamt allein braucht zur Besorgung seines Postanweisungsdienstes Barbeträge, welche im Berichtsjahre die Höhe von 700 000—800,000 Francs erreicht haben. Merkwürdig genug verschwindet all dieses Gold spurlos im Lande. Den folgenden Details über die Einfuhr- und Ausfuhrverhältnisse sei vorausgeschickt, dass die den einzelnen Artikeln ohne weitere Angabe beigesetzten Zahlen den bezüglichen Ein-, respektive Ausfuhrwert in Francs pro 1902 bedeuten, dass die Daten im allgemeinen die besterhältlichen sind, aber auf absolute Genauigkeit leider keinen Anspruch machen können, da es kein verlässliches statistisches Material gibt. Konserven (36 000 Frcs.). Palästina ist wegen des häufigen Mangels guter, frischer Provisionen und infolge des bedeutenden Bedarfes für die Exkursionen und Landreisen der Pilger und Touristen ein verhältnismässig guter Abnehmer für diesen Artikel. Bekleidungsgegenstände (4 600 000 Frcs.). Die Bekleidung der einheimischen Landbevölkerung besteht im wesentlichen aus einem uniformen, leichten, hemdartigen Gewände und aus einem schwereren Ueberkleide zum Schutze gegen die kältere Witterung. Letzteres, in verschiedenen Typen, wird im Lande aus Schafwolle, Kamelhaaren und dergleichen solidem Material hergestellt; das erstere hingegen wird aus billigen Baumwollstoffen verfertigt, welche einen Massenartikel des Importes bilden, an welchem natürlich England mit dem Löwenanteil partizipiert. Die diesjährige Einfuhr von Baumwollwaren wird mit 2 600 000 Francs bewertet gegen 2 300 000 im Vorjahre. Seidenwaren (470 000 Frcs.). Die Provenienz war noch vor kurzem fast ausschliesslich französisch. In den letzten Jahren begannen aber die Schweiz, Deutschland und Italien erfolgreich zu konkurrieren. Maschinen (190 000 Frcs.). Landwirtschaftliche Maschinen sind wenig im Gebrauche, hingegen nimmt die Einfuhr von Petro.leummotoren bedeutend zu, in welchem Artikel sich Deutschland und England Konkurrenz machen. Export. Mit Ausnahme von Seife und Devotionalien sind nur Bodenprodukte Gegenstand der Ausfuhr und es hängt daher deren Menge wesentlich mit dem Ernteergebnis zusammen. So betrug der Ausfuhrwert ^in 1900, einem guten Erntejahre, 8 Millionen Francs gegen 6V2 Millionen im Jahre 1901 und mit 41/» Millionen im Jahre 1902. Nachstehend die Liste der hauptsächlichsten Ausfuhrartikel mit der Wertangabe in Francs für die letzten drei Jahre. 1900 1901 1902 Agrumen (Orangen)..... 1 775 000 2 223 820 1 537 000 Coloquinten........ 47 000 49 720 43 420 Därme.......... 74 000 83 000 69 000 Devotionalien....... 370 000 325 000 275 000 Gerste.......... 1750 000 320 000 360 000 Häute.......... 121 750 111 320 108 600 Lipinen......... 303 500 110 600 123 500 Mais.......... 100 750 4 000 — Obst, frisches und getrocknetes . 223 500 226 000 206 900 Oel........... 209 700 38 400 — Seife.......... 1 365 000 1 494 000 862 000 Sesam.......... 989 000 577 320 450 450 Wrein.......... 611 000 826 200 530 814 Wolle.......... 36 040 45 250 53 200 Andere Artikel .... 154 690 9 370 38 636 Summe . 8 130 930 6 444 000 4 658 520 Agrumen. Trotz reichlicher Produktion blieb die Ausfuhr gegen das Vorjahr zurück. Ein bedeutender Teil der vorjährigen Ernte gelangte erst im laufenden Jahre zum Versand. Die Ausfuhr hatte unter den durch die Cholera verursachten Schiffahrtskalamitäten zu leiden, welche den Preis der Waren um 20—25 Prozent herunterdrückten. Uebrigens leiden die Preise auch unter der immer zunehmenden Ueberproduktion. 90 Prozent der Ausfuhr nimmt den Weg nach England. D e v 0 t i 0 n a 1 i e n, d. i. religiöse, teilweise wohl auch ' profane Andenken vom heiligen Lande, zumeist aus Perlmutter und Olivenholz gearbeitet, wie Rosenkränze, Kreuze, geschnitzte Heiligenbilder und Darstellungen von Sanktuarien, Albums mit Photographien und getrockneten Blumen, diverse Nippsachen und dergleichen sind ein bedeutender Industrieartikel des Landes und werden teils direkt nach dem Auslande verschickt, teils den Pilgern und Touristen verkauft. Die von den letzteren selbst mitgenommenen Devotionalien sind in den obigen Ziffern nicht inbegriffen. Die Händler, respektive Fabrikanten beklagen sich, dass dieses Geschäft zurückgeht, wie übrigens auch aus der Statistik zu entnehmen, da der fragliche Artikel immer mehr im Auslande selbst fabriziert wird und als Provenienz vom heiligen Lande verkauft wird. Olivenöl, von welchem in guten Jahren, etwa jedes dritte Jahr, ansehnliche Quantitäten ausgeführt werden, genügte im Jahre 1901 knapp für den Bedarf des Landes, während im Berichtsjahre sogar Oel für die Bedürfnisse der Seifenfabrikation importiert wurde. Seife. Die Fabrikation von Seife ist die bedeutendste Industrie des Landes, es werden für dieselbe 80—90 Prozent des produzierten Oeles verwendet. Die Menge des zur Ausfuhr gelangenden Ueberschusses variiert bedeutend, je nach dem Ausfalle der Olivenernte. Abnehmer für diesen Artikel sind Aegypten und die benachbarten Provinzen der Türkei. Wein (530 000 Frcs.), nächst Agrumen und Oel der bedeutendste Artikel der hierländischen Produktion, respektive Ausfuhr. Für den Export kommt nur der von den deutschen und jüdischen Weinbaukolonien in rationeller Weise und unter Verwendung der modernsten Hilfsmittel fabrizierte Wein in Betracht. Der hiesige Wein findet Absatz in Aegypten, Deutschland, Frankreich, Russland und zum kleinen Teile in Oesterreich-Ungarn. Die heurige Exportwertziffer blieb gegen das Vorjahr um ca. 300 000 Francs zurück, was mehr auf die ungünstige Preislage als auf geringe Quantität zurückzuführen ist. Feuilleton- Tischgespräohe aus dem Cafe „Weidhof", Wien, 7. Juli 1903. IL Der Privatier Herr Mannelstein betrat mit einer gewissen ungeduldigen Hast um 7*2 Uhr nachmittags das Hinterstübchen des Cafe „Weidhof" in der Leopoldstadt, und als er sah, dass das Zimmer öde und menschenleer sei, setzte er sich freudig bewegt auf einen Sessel nieder, zog aus der Brusttasche die Photographie einer Dame, stiess den Ruf „Endlich allein!" aus und begann das Bildnis mit Blicken aufrichtiger, schwärmerischer Zuneigung zu beäugeln. „O du mein süsses, herziges Kind," flüsterte er und hielt die Photographie auf Armeslänge von sich, als wollte er die Gesammtwirkung des Panoramas besser gemessen, „0 du mein süsses, herziges Kind!" wiederholte er in eindringlichem Flüstertone und schüttelte verzückt den Kopf wie einer, der bewunderungstrunken vor einem Meisterwerke steht und so viel überwältigende Schönheit gar nicht zu fassen vermag. Aligemach kam jedoch ein begehrlicher Zug in die Augen des Herrn Mannelstein, irgend ein verwegener Plan schien in seinem Herzen zu reifen. Scheu, wie ein Missetäter auf Schleichwegen, spähte er um sich und presste dann jählings die Lippen auf das Antlitz der Schönen. Wer weiss, wie es der gebrechlichen Photographie bei dieser ungestümen Attacke ergangen wäre, wenn nicht im Hintergründe nahende Schritte und Stimmen laut geworden

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