Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 28 (10.7.1903)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1903-07-10
- Page
- 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 „Die & Welt" Nr, 28 Ins Ii cht. V. Anträge und Interpellationen. Beginn präzise 8 Uhr abends. Berichte. Wien. Die Schluss-Sitzung des i.-ö. Distrikts-Komitees vor den Sommerferien findet Dienstag, den 14. d.M. präzise 7 Uhr statt. Die Mitglieder des D.-K. haben pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Während der Ferialzeit von Mittwoch, den 15. Juli bis inklusive Montag, den 21. September Sitzungen des Ferialausschusses jeden zweiten Dienstag um 6 Uhr (28. Juli, 11. August, 25. August, ^September). Zuschriften in dringenden Angelegenheiten an den Sekretär des D.-K. per Josef Haas, III. Pfefferhofgasse 4. Demnächst findet in Purkersdorf bei Wien unter freiem Himmel eine grosse jüdische Volksversammlung statt. Wien. (Vereinigung jüdischerHochschüler ausdensüdslavischen Ländern „Bar Giora" in Wien.) Die Ferialleitung des Vereines jüdischfr Hochschüler aus den südslavischen Ländern „Bar Giora" hat jur. Max L e d e r e r, Wien, VHL, Schlösselgasse 13, III./18, übernommer. Baden bei Wien. Am 14. Juni veranstaltete das innerösterreichische Distriktskomitee die zweite Agitationsversammlung in Baden. Trotz einiger anderer Veranstaltunger?, die gerade viele jüdische Kreise fernzuhalten geeignet waren, wies die Versammlung doch einen ausserordentlich starken Besuch auf. Herr Ingenieur Benjamin aus O dessa, der zufällig in Wien weilte, hatts sich der Exkursion nach Baden angeschlossen und sprach in ausgezeichneter Rede als erster über den Zionismus als die älteste und unvergänglichste jüdische Volksbewegung. Reicher Beifall lohnte seine trefflichen Ausführungen. In gewohnt glücklicher Weise besprach dann das Mitglied des Aktions- Komitees, Herr Dr. Leopold Kahn, die Aufgaben und die Erfolge des Zionismus. Er fand allseitige Zustimmung und begeisterten Beifall. Nicht minderen Erfolg hatte Frau Dr. Kahn, die über die Aufgabe der jüdischen Frau im Zionismus referierte. Herr Dr. J. W. Marmorek wusste die Versammlung durch seine Ausführungen im Sturme mit sich fortzureissen. Unter den Anwesenden bemerkte man: Dr. Katzenelso n vom Bankdirektörium der Jüdischen Kolonialbank, Dr. O. Kokesch, Mitglied des Wiener Aktions-Komitee, Herrn Szabolczi vom „Epyenlöszeg", die Herren Dr. Benedikt und Weissberger vom österr. Landeskomitee. Herrn Rabbiner Dr. W. R e i c h, den Präsidenten der Badener Kultusgemeinde, Herrn M. Leitner, mit mehreren Kultusräten und eine grosse Anzahl von Mitgliedern der Badener und der benachbarten Gemeinden. Präsident Leitner erklärte durch die Ausführungen der Referenten vollkommen über den Zionismus aufgeklärt zu sein und versprach, ihn nach Kräften zu fördern. Schekel- und Nationalfondssammlung hatten guten Erfolg. S. Karlsbad. Sonntag den 21. v. M. fand hier im Vereinslokal Hotel „Terminus" eine von der akademischen Gruppe des Einzelvereins „Zion" veranstaltete zionistische Versammlung statt, die von zahlreichen Kurgästen besucht war. An das beifällig aufgenommene Referat des Gesinnungsgenossen JUC. Teinowitz: „Ist der Zionismus eine Utopie?" schloss sich eine interessante Diskussion an. Ueber Aufforderung des Gesinnungsgenossen jur. Steiner wurde für die Eintragung der Märtyrer von Kischenew ins Goldene Buch ein namhafter Betrag gesammelt. Pilsen. Der junge Zionsverein in Pilsen hat einen schweren Schlag erlitten. Der verdienstvolle und opferfreudige Obmann M. Massarek ist Sonntag den 21. Juni plötzlich verschieden. Er war der Gründer des hiesigen Vereines und wenn derselbe heute der zweitstärkste in Böhmen ist, wenn derselbe nach dreivierteljährigem Wirken heute hochgeachtet dasteht, ist das allein sein Verdienst. Wer weiss, dass Pilsen eine Stadt ist, in der die Juden das Deutschtum gepachtet haben, wo man bei Kränzchen, die von Juden veranstaltet und nur von Juden besucht sind, Töchter zionistischer Väter die Einladung verweigerte, wird den Mann achten, der mit unermüdlicher Tätigkeit und voller Hingebung hier für sein hohes Ideal jahrelang a 11 ei n selbstlos gewirkt. Z. Krakau. Von der hier erscheinenden Monatsschrift pniöH» dem Organe der orthodoxen zionistischen Partei, ist das erste Heft erschienen. Es enthält eine stattliche Reihe ausgezeichneter Aufsätze, die sowohl durch ihren gediegenen Inhalt als auch durch ihren würdigen Ton geeignet sind, der zionistischen Idee in die weitesten Kreise des gesetzestreuen Judentums Eingang zu verschaffen. Auf den Inhalt dieses ersten Heftes werden wir noch näher eingehen. Z. Tarnow. Neugründung: Verein jüdischer Hochschüler „Bar-Kochba". Präses phil. M. ßunenstock, Vize-Präses stud. arch. F. K a s s 1 e r, Schriftführer S. Reich. Pomorzany. Aus den am 30. v. M. abgehaltenen Wahlen giengen als Vereinsfucktionäre hervor: H. L. Teller, Präsident, J. Brüh, Vizepräsident, J. Grosskopf, Schriftführer, B. Schnittlich, Kassier, H. Stein, Kontrollor. Wygcda. Verein „Dorschei Zion\ Im hell erleuchteten Vereinsbethause „Agudas Achim" fand über Veranlassung des Obmannes Herrn H. Schwarz am 14. v. M. eine Trauerfeier für die Kischenewer Märtyrer statt. Es kamen auch Gäste aus Dolina. Weldzicz und Mizun. Herr Rabb. Markus hielt die Trauerpredigt, Herr Lothringer sprach dann über die Konsequenzen, die zum Zionismus führen. Hierauf fand ein Gottesdienst statt. Freiburg i. B. In unserer Ortsgruppe hielt Sonntag den 28. v. M. der bekannte Zionist Herr L. Jaffe einen hochinteressanten Vortrag über „den Zionismus in der jüdischen Geschichte". Der Redner erntete grossen Beifall. Kopenhagen. Hier hat sich ein zionistischer Verein unter dem Namen „Dansk Zionistforining" gebildet, dem bereits 60 Mitglieder angehören. Lund. (Schweden.) In dieser Stadt ist ein zionistischer Verein, dem 120 Mitglieder angehören. Sopotzkin. Actionscomite-Mitglied Rabbiner H. R abinowitsch aus Sopotzkin versandte ein Rundschreiben an die Vereine seines Rayons, das „Ein ernstes Wort an das jüdische Volk" betitelt ist. Vom Kischinewer Unglück ausgehend, schildert er die furchtbare Lage der Juden in Russland, zeigt, wie unvernünftig jene Juden handeln, die die Rettung und das Heil des jüdischen Volkes von der Aenderung der allgemeinen Lage in Russland erwarten und, auf den Zionismus als den einzigen Weg zur Rettung hinweisend, ermahnt er das Volk, sich in unserer Bewegung zu betätigen und angesichts des sechsten Congresses sich zur gemeinsamen nationalen Arbeit zu vereinigen. Saloniki. Die landwirtschaftliche Gesellschaft „Karinel", die der „Ica" ihre Statuten und Pläne unterbreitete, hat Mitteilung; erhalten, dass das Zentralkomitee der „Ica" bereit sei, ihnen als Darlehen oder als Beitrag 240 000 Piaster zur Verfügung zu stellen, wenn es ihnen gelingt, einen Fonds von 60 000 Piaster zu begründen. Infolgedessen fordert die „Karmel"-Gesellschaft diejenigen, die sich der Landwirtschaft widmen wollen, auf, pro Familie 450 Piaster bei der Bank Modiano in Saloniki einzuzahlen. Palästina. Einem Berichte des österreichischen Generalkonsuls in Jerusalem entnehmen wir folgendes: Allgemeine Lage. Das Geschäftsleben Palästinas stand im Jahre 1902 im Zeichen der Epidemien, unter welchen das Land direkt und indirekt nicht wenig zu leiden hatte. Die übertriebenen Quarantänen, welchen die Provenienzen von Egypten wegen der dort vorgekommenen Pestfälle fast das ganze Jahr hindurch in der Türkei unterworfen waren, wirkten nicht nur störend auf den Handel Palästinas, sondern beeinträchtigten auch in hohem Masse den Touristen- und Piigerverkehr, welcher eine der wesentlichsten Ressourcen des Landes bildet. Die Folge dieses Zustandes war ausser einer allgemeinen Stockung des Geschäftsverkehres eine namhafte Teuerung aller Lebensbedürfnisse, für deren Beschaffung Palästina auf die Einfuhr angewiesen ist. Teils waren die Vorräte tatsächlich erschöpft, teils wurden dieselben von den Eignern in spekulativer Absicht zurückbehalten. Um das Bild zu vervollständigen, sei noch erwähnt, dass, um die Ausbreitung der Cholera zu beschränken, der Eisenbahnverkehr zwischen Jaffa und Jerusalem sowohl für Passagiere als auch für Waren eingestellt wurde. Ausserdem war das Land zu demselben Zweck kreuz und quer von einem Netze von Sanitätskordons durchzogen,, welche nur nach Absolvierung einer mehrtägigen Quarantäne, respektive gar nicht passiert werden konnten und so auch den Verkehr im Innern des Landes unterbanden. Die Reede von Jaffa wurde im Jahre 1901 von 455 und in 1902 von 330 Dampfern angelaufen. Der Ausfall von 125 Schiffen geht zum grössten Teile auf Rechnung der erwähnten kritischen Periode, nämlich des IV. Quartals. Infolge der misslichen Verhältnisse blieb der Gesamtwert der über Jaffa eingeführten Waren im Berichtsjahre um ungefähr eine halbe Million Francs gegen das Vorjahr zurück, obwohl die ersten 9 Monate des Jahres gegen die entsprechende Periode des Vorjahres ein bedeutendes Plus aufwiesen und im allgemeinen der Import nach hierher eine steigende Tendenz