Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 28 (10.7.1903)
- Article
- Teutsch-antisemitische Moral
- Date
- 1903-07-10
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 16 0ie & Welt60 Nr. 28 hat and im antisemitischen Fahrwasser segelt. Wie heikel nun die Leitung des Verbandes in puncto Moral, die sie bekanntlich den Juden abspricht, sich selbst benimmt, davon gibt folgendes offizielle Schriftstück Zeugnis: Ein Handlungsgehilfe, der auf Veranlassung seines Prinzipals seinen Austritt aus dem deutschnationalen Handlungsgehilfenverband erklärte, erhielt folgenden Brief: Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband. Juristische Person. Sitz und Verwaltung: Hamburg. Gr. Reicheristrasse 30. Mitglieds-Nr. * * * ' Hamburg, 22. Mai 1003. Antwort auf Ihr Schreiben vom 18. 5. 03. Mitteilung für Herrn * * * in * * * Nach Kenntnisnahme von dem Inhalt Ihres gpfl. Schreibens machen wir Ihnen folgenden Vorschlag : Wir geben Ihnen anbei eine Austrittsbestätigung für Ihren Chef, damit dieser sich beruhigen kann und glaubt, Sie seien nun tatsächlich ausgetreten. In Wirklichkeit aber führen wir Sie geheim als Mitglied weiter und senden Ihnen die Zeitungen stets ins Hotel, wo Sie sich dieselben persönlich abholen. Kommen Sie dann pünktlich Ihrer Beitragspflicht nach, so wird kein Mensch erfahren, dass Sie „Deutschnationaler11 vom reinsten Wasser sind. Deutschen Gruss! Die Verwaltung für innere Angelegenheiten. (Unterschrift unleserlich.) Die in liesem Schreiben erwähnte Austrittsbestätigung hat folgenden Text: „Infolge Ihrer Austrittserklärung vom 18. 5. 03 ist Ihre unter Nr......eingetragen gewesene Mitgliedschaft aufgehoben (§ % Absatz 10 der Satzungen). Ihre sämtlichen Rechne an den Verband sind von heute an erloschen (§ 2, Absatz Ii Sa'zm 7on)." Die katholische Presse und die Juden. Kardinal V a u g - hau, Erzbischof von Westminster, einer der hervorragendsten katholischen Kirchenfürsten der Neuzeit, ist vor einigen Tagen in London gestorben. Ende des Jahres 1899 richtete er an den Monsignore Merry de Val, den Geheimkämmerer und Vertrauten des Papstes, ein Schreiben, worin er sich namens der englischen Katholiken bitter über die rohe antisemitische Sprache des „Osservatore Romano4 und. der übrigen römischen Vatikanpresse beklagte. Es erfülle die englischen Katholiken mit Entrüstung, dass Blätter, welche sich als direkte Sprachrohre des Papstes ausgeben, jedes Mittel, selbst das Märchen des Ritualmordes, benutzen, um die Juden anzuschwärzen. Der Kardinal bat den Monsignorc de Val, diese Beschwerden zur Kenntnis des Papstes zu bringen. — Der verstorbene Kardinal war ein eifriger freund der zionistischen Idee, für die er sich wiederholt öffentlich aussprach. Was das Volk von den Juden denkt. Der Kaufmann Isidor K o h n in Pregrada ist am 20. v. M. e r m o r d e t und b e r a u b t worden. Die Bauern wollten nicht zulassen, dass die Leiche Kohns, eines Juden, im alten Friedhofe beigesetzt werde, aber sie gestatteten auch nicht die Ueberführutig nach Warasdin, da sie erklärten, es würde dann Hagelschlag kommen. Die Leiche wurde am 22. v. M. um 3 Uhr früh uuter Gendarmerie- As s i s t e n z beigesetzt. Auf die Absicht, den Rabbiner aus Warasdin zur Beerdigung herbeizuholen, musste verzichtet werden. Fünf Bauern wurden unter dem Verdachte., den P^nbmnr.] hpsraneren zu haben, verhaftet. Ein interessanter Regimentsbefehl. Aus C z a s l a u wird berichtet: Eine aus 36 Mann des hier garnisonierenden 12. Landwchr-Iiuanterie-Regiments bestehende Abteilung unter Kommando eines Korporals erschien bei dem hiesigen Tabakhiindler W e i n e r, um Tabak zu fassen. Während, dieser Arbeit verhöhnte ein Soldat das Judentum und verspottete Weiner in jüdischem Jargon. Weiner beschwerte sich bei dem Korporal, jedoch ohne Erfolg. Tags darauf bekla&'te sich Weiner bei dem Regimentskommandanten Obersten M ü 11er v. E c k über das Benehmen der Mannschaft. Oberst Müller gab nun folgenden Regimentsbefehl heraus: ,,Bei der Tabakfassung bei Herrn Weiner hat sich die betreffende Abteilung in unwürdiger und einet dem § 2 des Dienstreglements I widersprechenden Art und Weise benommen. Es ist eines Menschen und insbesondere eines Soldaten unwürdig, über Angehörige einer anderen Konfession in wegwerfender Weise zu sprechen oder ihn zu verspotten oder zu erniedrigen. Dieses jede Zucht verletzende Vorgehen tadle ich auf das schärfste und strengste und erwarte, dass jeder auch anderen Konfessionen gegenüber jene Achtung bezeugen wird, welche denselben gebührt.' Der Korporal, als Kommandant der Abteilung, wurde mit 20 Tagen Kasernarrest, der betreffende Soldat mit 10 Tagen strengen Arrest bestraft. Die übrige Mannschaft der Abteilung erhielt vor dem Rapporte eine strenge Rüge. („N. Fr. Pr.") Aus TeutIburg. Wir haben diesen zwischen dem Teutoburger Walde und einer Khille vermittelnden Ausdruck gewählt, um die zwei Seelen des Herren Dr. Eben aus Olmütz in einem Worte zusammenzufassen. Mit einer Seele ist dieser Herr Kultusvorstand von Olmütz und Kurator des mährischjüdischen Landesmassafonds; die andere ist schwarz-rot-gold bis zum Exzess. Er hat einen Engros-Betrieb von assimilatorischen Blamagen und unsere Leser verdanken ihm schon manch heitere Minute. Blamage vom 30. Juni a. c: Dr. Eben stellt im Olmützer Gemeinderat den Antrag, den eingetretenen Zusamrnenschluss der deutschen Reichratsabgeordneten im Interesse des deutschen Volkstums zu begrüssen. — Tatsächlich sind im österreichischen Parlamente viereinhalb Stützen des Freisinns, viele christlich-soziale und sehr viele deutschnationale Antisemiten zu einer Vereinigung zusammengetreten. Dr. Eben entbietet ihnen, vier Wochen nach Schewuoth, Wotans Segen. Heil! Wenn man eine dicke Haut hat, so fühlt man nur derbe Prügel. Die Juden in Kroatien sind ebenso geartet, wie viele Juden anderer Länder. Sind's böse Leute? Nein — es sind „ganz gute Juden" nur haben sie eine zu dicke Haut. Die Kroaten können den mosaischen Kroaten das Judentum nicht beweisen, ihre Mühe ist umsonst, die Juden wollen es nicht lernen. Und so lange ein Teil der Kroaten die Juden braucht — so lange werden die kroatischen Prediger der jüdischen Rasse vor leeren Bänken redea. Umsonst sagt Pfarrer Jos. Safran: Dem Judenstamme ist die Sehnsucht nach Jerusalem ins Herz gepflanzt. Ich bin ein Kroate und wenn ich unter ein anderes Volk käme und man zählte mich zu jenem Volke, würde ich^annehmen, man sei verrückt. So haben auch die Juden ihre nationalen Merkmale .... Vergeblich fragt Dr. F r e s i c, ob die Vorfahren des Kroatenhäuptlings, des Dr. Jofef Frank, mit den Kroaten bei Sziget gekämpft haben. Vergeblich reden die vielen anderen. Die Juden, pardon die mosaischen Kroaten wissen es besser, sie sind entweder zu indolent ooder sie sind päpstlicher als der Papst — wollen echtere Kroaten sein, als die waschechten. J, Th. Erst gewissenhaft, dann schlau. In Böhmen existiert ein Gemeindebund, dessen Funktionäre wie das bei Assimilanten schon üblich ist, im Judentum Ehrenstellen, aber keine Arbeit für dasselbe suchen. Und so fand durch Jahre weder eine Sitzung noch ein Delegiertentag statt. Unser Gg. Julius Bondy, Kultusvorsteher in Hofowitz, der sich im Einverständnis mit über 60 Kultusgemeinden befindet und im Ausschuss des Bundes sitzt bemühte sich monatelang vergeblich, vom Präsidenten Dr. Rosen bach er dieEinberufung einer Sitzung zu erlangen. Als es aber bekannt wurde, dass Herr Bondy zum Zionistenfcag nach Wien fahre, wartete man bis zu seiner Abreise und schickte ihm, als man ihn in Wien und beschäftigt wusste. am Samstag für Sonntag, den Tag der zionistischen Tagung in Wien, wo Herr Bondy ein Referat zu halten hatte, eine Expressladung zu einer Sitzung des Bundes nach Hofowitz. Gg. Bondy wird mit den Herren noch ein Wörtchen reden. Die „Basier Nachrichten" schreiben in einem Aufsatz, der „Nach dem Sturm'4, ein mazedonisches Augeriblicksbild, betitelt ist, über die Juden in Saloniki: Die Judenschaft, die in völliger Freiheit ihre inneren Angelegenheiten selbständig regelt, ist die festeste Stütze der türkischen Regierung. Sie weiss, dass keine andere Macht ihr eine solche Bestimmungsfreiheit gewährt, wie sie jetzt unter dem Halbmond geniesst, und zeigt sich durch treueste Anhänglichkeit dafür dankbar." Krawalle in Konstantine. Der Jahrestag der Geburt Mohameds wurde hier durch Judenkrawaile begangen. Ein Jude blieb tot, drei wurden schwer verletzt. Aber auch von den Angreifern wurden drei ins Krankenhaus getragen. Personalnachrichten. Unser bewährter Gesinnungsgenosse aus Montpellier, Docteur des droits Mr. Josue Bouchmil hat sich mit Fräulein Rosa Jm'as aus Nikolajew am 5. 1. M. vermählt — Fräulein Anna M e n c z e 1-Krzywcze hat sich mit Herrn Hermann B rand es-Hussyatin verlobt. — Fräulein Olga B i e n s t o c k-Kopyczynce hat sich mit Herrn Sah Per 1-Hussyatin vermählt. — Unser Gesinnungsgenosse Chem. Emmo Loebl, Mitglied der jüdischen akademischen Verbindung „Unitas" (Wien), wurde Freitag den 3. Juli 1903 an der Wiener Universität zum Doktor der Philosophie promoviert. — Der Mädchenverein „Bikur Chaulim" gibt hiermit die Verlobung seiner Vizepräsidentin, Fräulein Hania K o r a 11-Wien, mit Herrn 'Israel Z u c k e r-Krakau bekannt. — Gesinnungsgenosse Emil Butterklee, Mitglied des „Allgemeinen jüdischen Arbeitervereines" in Wien, hat sich mit Fräulein Anna Mir e verlobi