Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 28 (10.7.1903)
- Article
- Hamburg [Kommentar]
- Date
- 1903-07-10
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die 3£ Wellt6' Nr. 28 rieht dunkel zu entsinnen glaube, eine alte talmudische Fabel, deren Sinn ungefähr folgendermassen lautet: „Einst wurde ein eiserner Amboss mit einem Steinharnmer bearbeitet und er dröhnte nur dumpf. Dann aber wurde er mit einem Eisenhammer geschlagen und er schrie, dass es weithin erschallte. Und auf die Frage, warum er denn jetzt so laut töne und schreie, während er doch vorhin nur gestöhnt habe, antwortete er: Jetzt schreie ich, weil mich Fleisch von meinem Fleische schlägt" Dr. Neuman n, Arzt. Bälden bürg (Westpr.), den 25. Juni 1903. Rom. Die Zahl der Juden in Massaua, dem Hauptorte der italienischen Kolonie Erythräa (Ostafrika), ist derart angewachsen, dass dieselben eine eigene Synagoge zu errichten beabsichtigen. Unter den ersten Spendern figuriert der Kriegsminister Qttolenghi, welcher 50 Lire votiert hat. Sofia. In Sofia haben ebenfalls Sammlungen für die Opfer der Kischenewer Exzesse stattgefunden. Die deutschisraelitische Gemeinde sammelte bis zum 26. Juli 380Frcs., die sephardische Gemeinde 1608 Frcs. Bei den Sammlungen tat sich nebst vielen anderen Frau Abramovits besonders hervor. Uebrigens wurden in ganz Bulgarien Sammlungen für die Notleidenden eingeleitet, um deren Gelingen das Grossrabbinat sich viele Verdienste erworben hat. Bis zum 26. Juni sind über 5000 Franks abgeliefert worden. Ueber Anordnung des Grossrabbinats fand auch Samstag, den 18. Sivan in sämtlichen Synagogen des Fürstentums eine Trauerand acht für die Märtyrer von Kischenew statt. Bei der Andacht wurde überall ein von dem Herrn Grossrabbiner, Dr. M. Ehrenpreis, in hebräischer Sprache verfasstes Gebet gesprochen. Sofia. Seit neuerer Zeit werden alle Gesuche rumänischer Juden, sich in Bulgarien ansässig machen zu dürfen, von der Regierung abschlägig beschieden. ßradford. Sammlung für die notleidenden Kischenewer Juden. Sammler Rev. Dr. Strauss. His WorshipThe Mayor of Bradfo ii Pfd. St, 1,1.0, J. Moser J. P. 25,0,0, E. Moser 1,1.0, J. Ree 5,0,0, PL Mahler 1,1,0, B. Nathan 1,1,0, Philipp Falkensteiu & Co. 1,1,0, Mfly Haramd & C. 1,1,0, A. Meyer & Co. 1.1,0, Kafka Rothenstein & Co. 1.1,0, Simon Israel & Co. 1,1,0. V. Edelstein, German Cousul 1,1,0, B. Cohen J. P. 1,1,0, E. Wall 1.1,0, F. Heilborn 1,1.0, W. C. Lupton 1,1,0, Birkirshaw 1,1,0, Mornhert 1.1.0, Blumenthal Glaser & Co. 1,1,0, Kramrisch VVerthh^imer & Co. 0,10,6, J. Hirschel 0,10,0, A. Hahlo 0,5.0, A, Ness 0,5,0, A. Gottheil 0,5,0, M. Gottheil 0,2,6, M. Wolff 0,2,6, Rev. Dr. Strauss 0,2,6, Loebel 0,5,0, Dr. Bernhardt 0,10,0, M. v. Halle 5,0,0. J. Ephraimson 5,0,0, S. Piwner 5,0 0, 1. Sanderland 0,10,0. Summe Pfd. St. 66,5,0. Von dieser Summe wurden der I. Kolonialbank direkt übersendet 62 Pfd. St. und 4 Pfd. St. 5 sh wurden an eine Kischenewer Familie verteilt. Petersburg. Der Hetzapostel aus dem „Bessarabetz" und aus der wSnamja*, der bekannte Veranstalter des Blutbades von Kischenew, Pawel Kruschewan, sucht den unbesonnenen Schritt des jüdischen Studenten Daschewsky, weicher ihm eine leichte Wnnde beibrachte, für seine Zwecke auszubeuten. Er erzählt in seinen Blättern die unglaublichsten Mordtaten, welche Juden angeblich täglich verüben, er tischt seinen Lesern wahre Schauermärchen von der Gier der Juden nach Christenblut auf, so dass sogar Fürst M e s c h t s c h e r s k i j, dessen Judenantipathien bekannt sind, nicht umhin kann, Herrn Kruschewan im „Grasehdanin" in launigeer Weise zu verspotten und lächerlich zu machen. Allein der Judenhass in Russland ist so gross, dass selbst solche lächerliche Figuren, wie K r u s c h e w a n, als nationale Helden gepriesen werden. Der „Swjet" z. B. erzählt, das Kruschewan seit dem Attentate des Juden Dasch^wski Tausende und Tausende von Depeschen und Briefen aus den Kreisen des russischen Adels und der Geistlichkeit erhalte, in denen seine judenfeindliche Tätigkeit und seine Errettung von dem Tode in überschwänglichen Worten gepriesen wird . . . Diese Stimmung ist ein trauriges Merkmal der an Unhaltbarkeit immer zunehmenden Lage der Juden in Russland. Petersburg. Wie die ,,Nowoje Wremja", meldet, hat die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika die russische Regierung aufgefordert, das durch die im Jahre 1834 zwischen Nordamerika und Russland abgeschlossene Konvention amerikanischen Staatsbürgern eingeräumte unbeschränkte Wohn- und Aufenthaltsrecht in ganz Russland auch auf die amerikanischen Staatsbürger jüdischer Konfession auszudehnen, weil die Nicheinräumung dieses Rechtes an amerikanische Juden eine Verletzung der erwähnten Konvention bilde. Eine scheinbar inspirierte Antwort auf die Forderung der Washingtoner Regierung erteilt die „Nowoje Wremjatf. Sie sagt, Russland habe niemals gewagt, sich in die inneren Angelegenheiten der Vereinigten Staaten von Nordamerika einzumischen, es werde aber auch keine wie immer geartete Einmischung der Amerikaner in seine inneren Angelegenheiten dulden. Auch die anderen national-russischen Blätter weisen diese Forderung der Washingtoner Regierung energisch zurück, wobei sie sich in Ausfällen gegen die Juden ergehen. Gajdatsch (Gouvernement Poltawa). Die völlige Ausschliessung der Juden aus den Staatsschulen scheint von allen massgebenden Faktoren angestrebt zu werden, sogar dort, wo die Juden die Kosten der Erhaltung der Schule bestreiten. In der Ständeverwaltung von Gadjatsch wurde unlängst die Frage der Errichtung einer Handelsschule in Beratung gezogen; dabei entstand eine charakteristische Judendebatte. Der Ständerat Barsukow glaubte eine Rede zugunsten der Juden halten zu sollen. Er sagte, es ssi ungerecht, den Juden den Erwerb von Bildung zu erschweren, und deshalb verlange er, dass man die Aufnahme der Juden in die neue Handelsschule nicht beschränke. Aber der gute Mann verfehlte die Wirkung. Die Ständ * Versammlung votierte, wie die „Poltawwija Wjedomosti" melden, einstimmig mit Ausnahme der Stimme Barsukow's die Beschränkung der Zahl der jüdischen Schüler in der Handelsschule mit zehn Prozent. Ekaterinoslaw. Ein Kapitel über die Zulassung der Juden in den Schulen Russlands ist in folgender in den „Birschewija Wjedomosti" publizierten Nachricht aus Ekaterinoslaw enhalten : „In einer der Ekaterinoslawer Schulen musste die Administration 20 christliche Schüler wegen Nichtbezahlung des Schulgeldes entlassen. Die Entlassung von 20 christlichen Schülern musste selbstverständlich die Entlassung zweier jüdischer Schüler, die nur 10 °/0 aller Schüler bilden dürfen, zur Folge haben. Den Eltern dieser zwei jüdischen Schüler legte nun die Administration die Alternative vor: entweder die Entlassung anzunehmen oder 600 Rubel für die christlichen Schüler, das Schulgeld für diese, zu erlegen. Die Eltern zogen es vor, 600 Rubel für die 20 christlichen Schüler zu bezahlen/' Libau. In den letzten Wochen sind durch den Hafen von Libau auf dem Dampfboote „Perm" 100 jüdische Emigranten aus dem Gouvernement Grodno räch Südafrika und auf dem Damfboote „Eos" 120 Juden aus dem Gouvernement Wolhynien nach Amerika und Südafrika ausgewandert. Odessa. Dieser Tage wurden die Schüler der Schule unseres Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Awrinowitzky durch die Herren Rabbiner Schluschz, Lilienblum, Lewinsky und Beikind (Palästina) geprüft. In dieser Schule lernt man "nnnys rpl-JN un(* w*e man s*cn überzeugen konnte, machten die Schüler grosse Fortschritte; die Schüler der höheren Klassen sprechen ein gutes Hebräisch. Kiew. Der Kiewer Polizeimeister erliess an alle Pristawe den strengen Befehl: 1. Alle Gasthäuser, Hotels, Restaurants u. s. w. zu inspizieren und die darin gefundenen Juden ohne Wohnrecht sofort auszuweisen. % Alle während des Sommers in Kiew sich aufhaltenden jüdischen Schauspieler, Musiker, Diener u. s. w., die kein Wohrecht haben, sofort aus Kiew auszuweisen. 3. Alle jüdischen Schlächter ohne Wohnrecht sofort auszuweisen. (Authentische Bestätigung einer von uns schon gebrachten Nachricht. Die Redaktion.) Minsk. Der Polizist N. ti af in der Gartenstrasse in Minsk eine christliche Amme, welche ein Kind, das sie trug, mit der gröbsten Grausamkeit schlug. Als der Polizist sie verhaftete, äusserte sich die Amme, sie habe doch nur ein Kind, in welchem jüdisches Blut fliesst, geschlagen und der Schaden werde nicht gross sein, wenn eine jüdische Seele weniger sein werde. . . . Busk. Auf Veranlassung der hiesigen Kultusgemeinde sowie des hiesigen Vereines „Ahawath Zion", wurde am 11. d. M. eine Trauerandacht für die Kischenewer Opfer abgehalten. Trauerreden hielten Hr.Rabb. Babad und namens der Kultusremeinde J. L. Goldberg. Gesinnungsgenosse Salomon Goldberg und Jakob G o 1 d h a b er leiteten eine Sammlung ein. Die von ihnen gesammelte Summe beträgt 90 Kronen S. G.