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Die Welt · 1903-07-10 · 28 (10.7.1903) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
28 (10.7.1903)
Article
Jüdischer Verlag
Date
1903-07-10
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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äeite 10 „Die 4 Welt* Nr. 28 schluss der Judenheit in geeignete Organisationen ist, und zweifellos haben die Hilfsaktionen Juden aller Schichten in höherem Masse einander näher gebracht, als alle Yereinsbestrebuu^en es je gekonnt hätten. Umsumehr ist es Pflicht der jüdischen Vereine, sich so weit als nur möglich für die Hilfsaktion zugunsten der Kischenewer Juden einzusetzen. Unser Verlag hat sich nun entschlossen, das in Zeitungsartikeln verstreute und in Privatbriefen und Berichten der Gesamtheit nicht zugänglich gewordene Material — so weit es sich nach eingehender Prüfung als authentisch erwiesen hat — zu einer kleinen Schrift zu verarbeiten und zu bleibender Erinnerung in Massenauflagen herzustellen und zu verbreiten. Neben der bleibenden Erinnerung und der grossen Verbreitung hoffen wir, durch Abführung des Reingewinnes nach Kischenew zu unserem Teil etwas Positives zu den Sammlungen beizusteuern. Um auch die jüdischen Vereine hierfür zu interessieren, schlagen wir vor, Ihnen die Broschüre bei Bezug von mindestens 6 Exemplaren zu 60 Pfg. per Stück (exklusive Porto) zu liefern, so dass Sie den beim Verkauf erzielten Gewinn im Namen Ihres Vereines zu den Kischenewer Sammlungen beisteuern können. Wir müssen es Ihnen jedoch hierbei zur Pflicht machen, die Broschüre nicht unter einer Mark zu verkaufen, legen Ihnen aber gleichzeitig nahe, wo Sie einen höheren Preis erzielen können, darauf hinzuarbeiten. Bei der vorzüglichen Ausstattung der Broschüre, die auch eine Reihe von Illustrationen enthält (darunter auch ein Gedenkblatt von E. M. Lilien), wird Ihnen dies nicht schwer fallen, so dass auf diese Weise ein bei weitem höherer Betrag für unsere armen Brüder zusammengebracht werden kann. Wir hoffen, dass Sie nicht nur in Ihrem Vereine in dieser Richtung arbeiten werden, sondern dass Sie auch befreundete Vereine und geeignete Privatpersonen veranlassen werden, sich die Sache angelegen sein zu lassen. In Erwartung Ihrer möglichst prompten Bestellungen zeichnen wir hochachtungsvoll Jüdischer Verlag. Der Versand der Schrift erfolgt nur gegen Voreinsendung oder Nachnahme. * An die verehrten Glaubens- und Stammesgenossen! Die Unterrichtskurse in der Toynbee-Halle haben begonnen. Massenhaft strömten sie herbei, die lernbegierigen jungen Mädchen und Jünglinge unserer armen Stammesgenossen, um teilzunehmen an den französischenenglischen, deutschen Kursen, Stenographie und Literatur. Doch welch traurige Erfahrungen rnussten wir bei Beginn des Unterrichtes machen! Viele von ihnen waren nicht in der Lage, sich Bücher anzuschaffen, da ihre ärmlichen Verhältnisse es nicht erlaubten; viele von ihnen, denen diese Kurse für ihre Berufe von grösster Wichtigkeit wären, rnussten zurücktreten, andererseits musste es ermöglicht werden, 2—3 Teilnehmer mit einem Buche zu versorgen. Ich wende mich deshalb an meine v Glaubensschwesteui und -Brüder mit der Bitte, beizutragen zu einem segenbringenden Werke, zur Gründung eines „L e h rmittelfonds der Toynbee-Hall e", damit jene oben geschilderten Unannehmlichkeiten in Zukunft vermieden werden. Auch die kleinste Gabe wird dankbarst angenommen. Spenden beliebe man zu senden an Herrn Johann Kremen e t z k y, Fabrikant, IX., Eisengasse 3, oder an die Unterzeichnete. Namens des Unterrichtskomitees: Frau Ida Berliner, XIVA, Mariahilferstrasse 191. :< Sehr geehrter Herr Redakteur! In der letzten Zeit begannen die schmutzigen „Blättchen14, die die ,Bundistische Literatur" ausmachen, ihre stumpfen Spitzen wiederum gegen die Zionisten zu wenden, indem sie sie beschuldigen, sie hätten bei den Kischenewer Ereignissen sich als Alliierte der Reaktion bewährt, da sie die sozialdemokratischen Protestversammlungen gesprengt haben sollen. Ohne jedoch auf allgemeine theoretische Angriffe gegen die gesammte zionistische Partei sich zu beschränken, begann der Bund unausgesetzt durch Verleumdungen und Lügen einzelne zionistische Gruppen and Vereine zu begeifern. Auf diese Weise wurden in den letzten Publikationen des „Bundes" die Wiener Zionisten überhaupt und speziell der Verein zionistischer Hochschüler aus Russland »Leo Pinsker* angegriffen. So war der Wiener Korrespondent des „Bundes" so unverschämt, die notorische Lüge zu melden, dass die Plenarversammlung des „Akademischen Vereines von Studenten aus Russland" beschlossen hat, mit dem Verein „Leo Pinsker" jegliche Beziehung abzubrechen, da er, wie alle anderen Wiener Zionisten, von reaktionären Tendenzen sich leiten lasse. Weder ich, noch die Mitglieder des Vereines „Leo Pinsker", denen die Vorliebe mancher Bundisten für Lüge und Verleumdung zur Genüge bekannt ist, schenkten dieser Nachricht irgend welche Aufmerksamkeit. Nun aber erhielt ich in den letzten Tage von manchen^Gesinnungsgenossen in Oesterreich, Deutschland und der Schweiz diesbezügliche Anfragen und Aufforderungen, darüber nähere Aufklärung zu geben. Nicht also des „Bundes" und seiner schmutzigen Literatur wegen, sondern einzig und allein, um den Wünschen der Gesinnungsgenossen entgegenzukommen, habe ich mich zu folgender E klärung bewogen gefühlt: Die letzte Meldung des „Bundes und seiner gesinnungsgenössischen „Arbeiter Zeitung", die Wiener Zionisten überhaupt und die Mitglieder des Vereines „Pinsker" insbesondere hätten die Ronacherversammlung mit Vorbedacht gesprengt, beruht auf vollständiger Unwahrheit und Fälschung der Tatsachen. Vielmehr wurde diese Versammlung durch das taktlose Benehmen des ersten Redners,des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Ellenbogen, der die Zionisten ganz unzeitgemäss und in unbegründeter Weise angegriffen hat, gestört. Uebrigens trat schon in derselben Versammlung der sozial-demokratische Abgeordi ete Pernerstorfer dem Dr. Ellenbogen indirekt entgegen, was jedoch charakteristischer Weise verschwiegen wurde. Unwahr ist es ferner, dass der „Akademische Verein russischer Studenten'* in einer Pienar-Versammlung beschlossen hat, mit dem „Pinsker" zu brechen. Wahr ist es vielmehr, dass eine derartige Versammlung gar nicht stattgefunden hat; dass die meisten Mitglieder des Akademischen Vereines von einer angeblichen Resolution keine Ahnung hatten und dass der Präses des „Akademischen Vereines" mir in Anwesenheit anderer Kollegen die Erklärung abgegeben hat, er habe dem Bund eine Widerlegung dieser Nachricht eingeschickt. Wahr ist vielmehr Folgendes: Dass wenige Studenten und Studentinnen aus Russland sieh in einer Pri vatwohnung versammelten, ohne den akademischen Verein davon in Kenntnis zu setzen; dass bei dieser Versammlung nur 20—30 Teilnehmer anwesend waren, während die russische Kolonie in Wien über 100 Mitglieder zählt; daes ferner die meisten Mitglieder des Vereines : „Leo Pinsker" jetzt wie vorher zugleich auch Mitglieder des allgemeinen russischen Akademischen Vereines sind, aber weder von einer derartigen Versammlung, noch von einer Resolution irgend welche Kunde bekommen haben; und dass endlich die Versammlung absichtlich im Geheimen einberufen und abgehalten wurde, da die Einberufer wussten, ihre Absichten würden auf heftigen Widerstand von Seiten der gesamten russischen Kolonie stossen. Ein Vorgehen, ganz entsprechend der Art und Handlungsweise des „Bundes" und für die Wahrhaftigkeit seiner Mitteilungen höchst charakteristisch. Soweit zum vorliegenden Fall. Was unser weiteres Verhalten dem „Bund" und seinen Angriffen gegenüber betrifft, so halte ich — und ich glaube alle Gesinnungsgenossen werden mit mir darin übereinstimmen — unsere Presse für viel zu vornehm, um sie zum Podium für polemische Auseinandersetzung mit dem „Bund*, mit seiner »Literatur" zu machen. Vielmehr werden wir uns künftighin an die Moral der Krylow'schen Fabel: „Die Vorbeigehenden und die Hunde" halten, man müsse Hunde bellen lassen. Nachdem sie sich müde gebellt haben, werden sie von selbst aufhören. Für die Aufnahme dieser Zeilen im Voraus bestens dankend, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss cand. med. Jakob Schorr dzt. Präses des Vereines „Leo Pinsker", zionistischer Hochschüler aus Russland. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, IL, Taborstr. 5 9 (Tel. 13 920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestelite und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 4. Juli 1903 standen in Vormerkung: I. Klasse. Manuelle Arbeiter: 8 Anstreicher, 6 Aufpapper, 7 Bäcker, 4 Buchbinder, 2 Buchdrucker, 4 Drechsler, 5 Elektromonteure, 4 Fleischhauer, 2 Fri-

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