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Die Welt · 1903-07-03 · 27 (3.7.1903) · p. 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
27 (3.7.1903)
Article
Düsseldorf
Date
1903-07-03
Page
21 (sequence 2)
Language
German
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Stützung empfahl, wenngleich er als das wesentlichste Einigungs- und Erhaltungsmittel des Judentums die Religion gegenüber dem Volksbewusstsein betonte. Den vielberufenen und im einleitenden Vortrage erwähnten Rabbinerprotest suchte er durch die Behauptung zu decken, der Zionismus habe sich seither und zwar zum Teil infolge jener Kundgebung gemausert. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung konnten Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, dessen Anwesenheit einem glücklichen Zufall zu danken war, und Dr. Klee die von den nichtzionistischen Rednern vorgebrachten Einwände als Missverständnisse richtigstellen oder mit der nötigen Entschiedenheit zurückweisen und widerlegen. Es wurde eine Ortsgruppe gegründet. Duisburg. Am 21. v. M. sprach in unserer Ortsgruppe vor 400 Personen Dr Klee über die Judenverfolgungen in Russland. Seine klaren Ausführungen waren von weihevoller Begeisterung getragen, die jedes jüdische Herz bewegen und zugleich ermutigen musste. Der Redner wies darauf hin, dass wir bei den Ereignissen von Kischenew mit einer Geldspende unsere Schuldigkeit lange noch nicht getan hätten, sondern dass Kischenew uns ein Wahrzeichen sein müsse und ein neuer Ansporn, nicht zu rasten und zu ruhen im Kampfe für unsere grosse Sache; nicht umsonst sollten die Märtyrer ihr Blut vergossen haben und jeder Jude müsse soviel Kraft besitzen, um diese Greuel sich fest ins Gedächtnis einprägen zu können und stets vor Augen zu haben in Flammenschrift das furchtbare Wort: „Kischenew!" Reicher Beifall ward dem Redner zuteil für seine erschütternden und erhebenden Worte. Damit der Tragödie das Satyrspiel nicht fehle, erhob sich nunmehr ein junger Mann, der in ironisch sein sollender Weise sich darüber wunderte, dass die Zionisten ihre „Milliönchen" hübsch in der Tasche behielten und nicht den Verfolgten überwiesen, und nichts unterliess, unsere Duisburger Freunde wegen ihrer eifrigen Sammeltätigkeit für Kischenew anzupöbeln. Er bekam natürlich die gebührende Antwort unter dem Beifalle aller Anwesenden. Als er in einer schon recht stark gegen die guten Sitten verstossenden Weise einen neuen Ausfall unternahm, bedeutete ihm der Vorsitzende der Versammlung, Herr Sigmund Levy, unter lebhafter Zustimmung, dass er sich die Antwort, die ihm zukomme, selbst geben könne. Die blutige Abfuhr, die der junge Mann sich holte, hat ihn so aus dem Häuschen gebracht, dass er nunmehr mit dem Gedanken schwanger geht, in Duisburg ein Flugblatt gegen unsere Bewegung zu verbreiten. (Dies ist inzwischen geschehen. Auf den Inhalt des Skriptums einzugehen, das, wie so manches unsterbliche Werk der Literaturgeschichte, mehrere Verfasser zu haben scheint und das von Dr. Klee längst Widerlegtes noch einmal aufwärmt, verlohnt sich der Mühe nicht.) — Ein anderer Herr äusserte Zweifel an der Durchführbarkeit unseres Gedankens, die von Dr, Klee treffend widerlegt wurden. Einige Redner sprachen sich begeistert für unsere Bestrebungen aus und eine überraschend grosse Zahl neuer Anhänger trug sich in unsere Liste» ein. Hamburg. (Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona.) In der am Abend des 11. Mai im Patriot. Gebäude stattgehabten Versammlung berichtete der Vorsitzende Herr Dr. med. L. Franck, dass der für diesen Monat geplante Hamburger Delegiertentag der Ortsgruppen Deutschlands infolge des im August stattfindenden Baseler Kongresses aufgeschoben worden sei. Die Delegierten werden sich statt dessen zu einer Beratung kurz vor dem Kongress in Strassburg einfinden. Die Hamburger Ortsgruppe wird dort durch die einstimmig gewählten Herren Dr. Franck und Gustav G, Cohen vertreten sein. Als Delegierter für den Baseler Kongress wurde Herr Gustav G. Cohen wiedergewählt. Von einer infolge der schrecklichen antisemitischen Vorgänge in Kischinew vorgeschlagenen speziellen Hilfsaktion der hiesigen Ortsgruppe wurde abgesehen, da es zur Kenntnis der Versammlung gelangte, dass eine allgemeine Hilfsaktion der hiesigen jüdischen Vereine in Aussicht genommen sei. Das Referat des Abends — ein Rückblick auf die seit Gründung der Ortsgruppe seitens des Verstandes betriebene Propaganda — wurde in eingehender Weise erstattet. Es schloss sich daran eine längere Diskussion und der Vorschlag, eine Kommission zur weiteren Betreibung der Propaganda einzusetzen, wie auch eine Beteiligung jüdischer Frauen an derselben herbeizuführen. Für letzteres trat auch eine der anwesenden Damen, Frl. Martha Baer, in warm gehaltener Fürsprache ein. Vor Schiuss der Sitzung erstattete Herr Prof. Otto Warburg aus Berlin einen Bericht über die vor etwa zwei Jahren gegründeten jüdischen Kolonien in Anatolien. Der Fortgang derselben ist ein durchaus befriedigender und ein Beweis dafür, in wie kurzer Zeit diese Ansiedler, meist rumänische Handwerker, sich zu tüchtigen Ackerbauern entwickeln. Der Bericht eines nichtjüdischen wirtschaftlich Sachverständigen, der die Kolonie vor kurzem besuchte, legte dafür ein beredtes Zeugnis ab. Dem sehr interessanten Vortrage wurde lebhafter Beifall gespendet. Breslau, (Zionistische Vereinigung.) Am 17. v. M. sprach auf dem allwöchentlich stattfindenden Mittwoch-Diskussionsabend der „Breslauer Zionistischen Vereinigung" Herr Davis Trietsch aus Berlin vor einer zahlreich besuchten Versammlung über das Thema „Der Zionismus vor dem 6. Kongress". Seine vorzüglichen, logischen Ausführungen, denen wir viele wertvolle Anregungen verdanken, fanden lebhaften Beifall. Wie sich aus der interessanten Debatte, an welcher sich besonders die Herren Gesinnungsgenossen Oberingenieur Klassmer, Dr. Kluger, Dr. Neu mann. Dr. Sachs, stud. med. Peritz, stud. med. Walter Steinitz u. a. beteiligten, ergab, stellte sich die Versammlung voll und ganz auf den Boden der Ausführungen des Herrn Trietsch. Eine Nationalfonds- und Sehekelsammlung hatte guten Erfolg, auch wurden einige neue Mitglieder gewonnen. Die Schekelsammlungen dürften dieses Jahr 200 übersteigen. Nach Schiuss der offiziellen Versammlung, weit nach Mitternacht, konstituierte sich die bereits am vorigen Mittwoch im Anschluss an die Referate von Herrn Dr. Sandler und Herrn Grünthal ins Leben gerufene Palästina-Kursus, zu welchem 15 Herrn ihren Beitritt erklärt hatten. Zum Leiter des Kursus wurde Gesinnungsgenosse Oberingenieur Klassmer gewählt Badenweiler. Am 7. Juni veranstalteten die Zionisten von Frei bürg, Basel, Strassburg, Mühlhausen und Breisach hierher einen Ausflug. Bei der Begrüssung im Kursaale sprachen die Herren Kaufmann- Freiburg, Veit- Basel und Mamlock - Strassburg. Beim Diner toastierte Herr J. Levy-Basel auf den Grossherzog von Baden, Herr Dr. F r i e d 1 ä n d e r- Strassburg hielt eine zionistische Rede und Herr Mayer apostrophierte die Damen. Bei der Abendunterhaltung brachten Frl. Bloch und Herr Dr. L. Weil-Basel gute Vorträge. Die Sammlung für den Nationalfonds betrug 90 Mark. Zürich. Neu gegründet hat sich hier ein jüdischnationaler akademischer Verein für Hörer beider Geschlechter. Der Zweck ist nebst der Hebung jüdischen Selbstbewusstseins die Pflege unserer Wissenschaft, sowie Turnen. Lengnau. In den beiden Ortschaften Endingen undLengnau im Kanton Aargau bilden die Juden eigene politische Gemeinden mit allen Befugnissen und Rechten derselben- Während in Endingen bereits ein Zionistenv'erein existiert, fand in Lengnau am Sonntag, den 14. Juni eine Agitationsversammlung statt. Herr Moritz Levy, der Aktuar des schweizerischen Zionisten Verbandes hielt das einleitende Referat über „Zionismus und die zionistische Bewegung". An der Diskussion beteiligte sich hauptsächlich Herr Dr. Levy, Aktions-Komi teemitglied; sowie die Herren Dreifus, Präsident der Kirchenpflege (so wird der „Parnes" amtlich betitelt), Guggenheim, Gemeidepräsident und Kantor L an gsam, die letzteren alle aus Lengnau. Der Präsident der christlichen Gemeinde Lengnau. welcher mit einigen seiner Kollegen aus dem Gemeinderate der Versammlung beiwohnte, hielt eine Ansprache, worin er sich in warmen Worten der Anerkennung und der Sympathie über die zionistische Bewegung ausliess. Die Gründung eines Vereines, dem die meisten Gemeindemitglieder angehören, war die direkte Folge der Versammlung. Die wirklich freien Juden, haben eben auch Sinn für die jüdische Freiheitsbewegung. M. L. Florenz. Jüngst hat die erste zionistische Versammlung in Florenz stattgefunden; dieselbe ist glänzend ausgefallen. An 200 Anwesende aus den vornehmsten Kreisen der hiesigen Judenschaft nahmen daran teil. Die Intelligenz war durch mehrere Professoren des Instituto superiore, darunter den bekannteu Physiologen Professor Fano, vertreten, Studenten von der Vereinigung „Mekiz Nirdamim" waren in ansehnlicher Zahl anwesend, viele Damen, darunter die sehr einflussreiche Professoressa Signorina Eugenia Levi, der Rabbino Maggiore etc. etc. — Der Vortrag des Advokaten Dr. Angelo Sullam wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Somit empfinden wir die Genugtuung, dem Zionismus in Florenz Eingang verschafft zu haben? Tobias Markus. Antwerpen. Der Zionismus macht in Antwerpen stetig Fortschritte. Dank der eifrigen Agitation der Herren H.Grünau, M. Lorie, O.Fischer, Gr atzer und Levin ist eine rege Anteilnahme an der Entwicklung

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