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Die Welt · 1903-07-03 · 27 (3.7.1903) · p. 19

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
27 (3.7.1903)
Article
Nachahmenswert [Nachricht]
Date
1903-07-03
Page
19 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 27 „Die & Welt* Seite 19 Nachahmenswert. Aus Moskau wurden für den Nationalfonds zwei Aktien der Affiner Petroleum-Aktiengesellschaft ä 250 Rubel nebst je sechs Kupons gespendet. Der Spender will nicht genannt werden. Die Juden in Buchara. Der „J e w i s h Chronicle" vom 5. d. M. bringt einen interessanten Bericht über die Juden in Buchara, namentlich von Buchara (Stadt), Sainarkand und Taschkent. Die Juden spielen dort eine sehr hervorragende Rolle im Leben des Landes* Sie beschäftigen sich beinahe ausschliesslich mit einer Industriebranche, und zwar mit dem Färben der Seidenstoffe. Sie sind auch die Verbreiter der Seidenwaren und Vermittler im Handel mit dem Ausland. Sie gemessen den Ruf ehrlicher und treuer Menschen und die Russen machen lieber mit ihnen Geschäfte, als mit den pfiffigen und geriebenen christlichen Armeniern. Auch die politische Lage unter dem Regime Russlands ist sehr befriedigend. Sie wissen nichts von den beschränkenden Massregeln, die den Juden des europäischen Russlands das Leben unmöglich machen Aber die Mohammedaner, die Insassen des Landes, verhalten sich nicht geradezu freundlich den Juden gegenüber. In manchen Orten, speziell im Innern des Landes, haben die Juden von ihren mosiemitischen Nachbarn sehr viel Unangenehmes zu ertragen. In Samarkand zum Beispiel haben die Juden ein Ghetto, wo sie gesondert von der übrigen Bevölkerung wohnen. Sonst aber ist die materielle Lage der Juden, trotz der Gesetze, die das Bereichern der Aborigenen und darunter auch der Juden, nicht zulassen, sehr günstig. Sie haben prächtig geschmückte Synagogen, wallfahrten nach Jerusalem, wo sie sehr oft auf immer bleiben und wo sie sogar eine eigene Gemeinde mit einer Synagoge „Bethel" haben. Die Juden von Buchara sind abgesehen von ihren religiösen Bräut hen den Eingeborenen des Landes, den Sarten, in Sprachen und Sitten gleich. Sie leben noch in Polygamie. Die Kultur, das Vordringen Russlands, wird auch sie nicht unberührt lassen- Die Juden in Tripolis. In welcher traurigen Lage die Juden von Tripolis sich befinden, beweist die tolgende Tatsache: Der General-Gouverneur von Tripolis setzte eine jüdische Kommission ein, bestehend aus zwanzig angesehensten Personen der jüdischen Gemeinde, behufs der Einnahme der Militärsteuer, die sich zusammen mit der rückständigen Summe auf ungefähr 80 000 Kronen belaufen soll. Die Kommission weigerte sich, das Geld zu zahlen und wies auf den Umstand hin, dass es unmöglich sei, bei den armen tripolitanischen Juden das geforderte Geld zu sammeln und dass es dafür auch keinen gesetzlichen Grund gebe, da doch auch die mohammedanischen Einwohner Tripolis nicht militärpflichtig sind und auch keine diesbezügliche Steuer zu entrichten haben. Infoige dieser Weigerung wurden sämtliche Mitglieder der Kommission ins Gefängnis geworfen. Ais Protestkundgebung sperrten die Juden von Tripolis ihre Geschäfte, um die Stagnation des Handels herbeizurufen, Einführung von Petroleuniittütoren nash Palästina, Der britische Konsul in Jerusalem belichtet über die Einführung von Petroleummotoren nach Palästina folgendes: Im Jahre 1902 wurden insgesamt 04 Petrolenmmotoren nach Palästina eingeführt gegen 47 Stück im vorhergehenden Jahre. Die Leistungsfähigkeit dieser Motoren bewegt sich zwischen 2 und 15 Pferdekräften; Verwendung finden dieselben zum Betriebe von Bewässerungsanlagen oder von Mühlen. Zur Verwendung an Bewässerungsanlagen werden hauptsächlich Motoren von 3—4 Pferdekräften verlangt. An der Einfuhr sind Deutschland und Grossbritannien beteiligt. Von den in den letzten 5 oder 6 Jahren nach Palästina eingeführten Petroleummotoren waren etwa 90 britischen Ursprunges. In der ersten Zeit wurden Petroleummotoren nur aus Deutschland eingeführt. (Nach The Board of Trade Journal) Schwarze Juden in Australien? Aus Australien berichtet der „Jewish Chronicle" : „Nach uns zugegangenen Berichten wurde etwa 1000 Meilen jenseits des Leopold- Gebirges von einem Regierungs-Forschungsunternehmen ein jüdischer Stamm entdeckt. Bei ihm ist, wie bei allen jüdischen Stämmen, die Beschneidung gebräuchlich. Diese Schwarzen bringen auch Opfer von Ziegen und Vögeln dar und jagen nicht nach Nahrung am Sabbath Sie sprechen einige Worte Hebräisch und haben eine Art Gotteshaus von Holzstämmen und Baumzweigen errichtet, an dessen einem Ende sich zwei Steintafeln mit eigentümlichen Inschriften befinden. Die Mitglieder dieses Stammes verheiraten sich nicht mit anderen Schwarzen, essen kein Schweinefleisch und tragen um ihren Leib Felle mit lang herabhängenden Ziegenhaaren, Sie befleissen sich einer ausserordentlichen Sauberkeit und bewirteten die Mitglieder des Forschungsunternehmens mit wilden Aepfeln und Ziegenmilch. Dem Mann, der diese Tatsachen nach England berichtete, wurde von einem Missionär eine bedeutende Summe angeboten, wenn er den letzteren an den Ort führe, wo dieser jüdische Stamm entdeckt wurde. Seine Herkunft und Geschichte ist noch in Dunkel gehüllt, das der Aufklärung bedarf." luden in Bosnien und der Herzegowina. Nach der Volkszählung 1895 gab es in Bosnien und der Herzegovina 8213 Juden, darunter 5729 Sephardim. In den einzelnen Kreisen verteilten sie sich folgendermassen : Sarajevo 4701 (Sephardim 3633), Dolnja Tuzla 1390 (S. 794), Travnik 920 (S. 655), Banjaluka 757 (S. 402), Mostar 225 (S. 84), Bihac 220 (S. 161). Ueber jüdische Zeitungen im Süden der.österr. -ungarischen Monarchie. In den südslavischen Ländern der österr.-ung. Monarchie gibt es keine einzige jüdische Zeitung. Im Jahre 1882 gab Dr. Grünwald in ßelovar das „Zentralbiatt für die Interessen des Judentums" heraus, das nur wenige Nummern erlebte, In Essek gab Eab. Dr, Kam inka eine hebräische Zeitung heraus, die auch bald einging. Ebenso kurzes Leben war der sephardischen Zeitung „Alvor a d a" (Morgenröthe) in Sarajevo beschieden. Ein interessantes schauspielerisches Experiment. Bei einer Vorstellung des „Juden von Venedig'4 in Philadelphia durch eine englische Schauspielergesellschaft sprach der Träger der Titelrolle, der bekannte Jargontragöde Mr. Adler, diese Rolle im Jargon. Er fand trotz des Umstandes, dass viele englisch Sprechende im Theater waren, starken Applaus. Personalnachrichten. Am 5. Juli findet im Wiener türkisch-sephardischen Tempel die Trauung von Herrn Saul F o c s a n e a n u - C r a i o v a mit Frl. Rosa Russo statt. — Frl. Regina Urban-Focschani hat sich mit Herrn Colmonowitzer verlobt. — Frl. Amalia K o h n hat sich mit Herrn Isak Wolf verlobt. — Sonntag den 5. Juli findet in Pressburg die Trauung von Herrn Isidor Weiss mit Frl. Elvira T u s c h a k statt. $fas d** Re^eäüDg. Gedenket des Schekels! Voranzeige. Wisn. (Verein Jüdischer H a n d e 1 s a n g es t e 111 e r, Monatsprogram in). 4. Juli im Vereinslokal IL, Stephaniestrasse 8: Vortrag des Herrn Dr. Ernst Bloch „Zionismus und Sozialismus". Da der Referent den sozialdemokratischen Standpunkt vertritt, bitten wir unsere Gesinnungsgenossen um zahlreiches Erscheinen. Beginn $ Uhr. --- 1± Juli: Ausflug auf die Hochramalpe. Zusammenkunft 2y4 Uhr. Abfahrt 2 Uhr 51 Min. von der Stadtbahn-Haltestelle Schottenring. Draussen Vorträge und Spiele. — 18. Juli im Vereinslokal: „Dritter österr, Zionistentag." Ref. Ges.-Gen, Moses Schmitt. — 25. Juli Vorlesung: Dr. Kohn von Max N o r d a u. Näheres in nächster Nummer. — Jeden Mittwoch im Vereinslokal Ausschuss-Sitzuug. Berichte. Wien. Verein jüdischer jugendlicher Arbeitei Wien, (Zentrale). Der von den drei Ortsgruppen veranstaltete Ausflug nach Hütteldorf-Hacking am 14. Juni kann in jeder Hinsicht als gelungen bezeichnet werden. Die Beteiligung seitens der jugendlichen Arbeiter und der Handelsangestellten war trotz des zweifelhaften Weiterseine überaus zahlreiche. Erfreulicherweise waren auch viele Damen erschienen. Der Obmann des Vergnügungskomitees, Gesinnungsgenosse Rosenthal, begrüsste alle Teilnehmer auf das Herzlichste und bemerkte, dass der Verein nicht bloss den Zweck habe, gesellige Veranstaltungen zu bieten, sondern auch bestrebt ist, unter seinen Mitgliedern Bildung sowie jüdisches Nationalbewusstsein zu verbreiten. Es mussjedoch gerade in einer Zeit, in der sich wieder einmal Intelligenz und Pöbel zusammengefunden haben, um unsere armen Brüder zu misshandeln und zu morden (siehe Kischenew), besonders hervorgehoben werden, dass es das Hauptziel jedes zionistischen Vereines sein muss, für die Verwirklichung des Baseler Programmes: „Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk* mit allen Kräften tätig zu sein. Der stürmische Bei-

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