Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 27 (3.7.1903)
- Article
- Jüdische Kommilitonen!
- Date
- 1903-07-03
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316048-3334221--41369-3334390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Baku 1× ep/1000527
- Rawicz 1× ep/1048078
OCR text
Seite 16 #)ie # Welt" Nr. 27 Durch engen Anschluss, durch treue Freundschaft sollen sie einander stützen, sollen einander schätzen und lieben lernen. Durch Vertiefung in die erhabene Geschichte des jüdischen Volkes, soll ihnen Achtung und Liebe für dieses Volk erstehen, der Wille und die Tatkraft, mitzuarbeiten an der Befreiung unseres Volkes. Und wenn dann das harte Leben den einzelnen dem Freundeskreise entreisst, so wird er, innerlich gefestigt, sich und seinem Volke jene Achtung erringen, die man dem Schwankenden, dem Leisetreter versagt, versagen muss. Kommilitonen! Wer von Euch sich fähig fühlt, Freundschaft zu bringen und Freunde zu erwerben, wer den Mut hat, sich für die Ehre unseres Volkes mit Wort und Wehr einzusetzen, der trete in unsere Reihen; er wird uns willkommen sein. Für den Verband der jüd.-akad. Verbindungen Wiens, Jvria, Kadimah, Libanonia, Makkabaea: phil. Oskar Frank 1, techn. Emerich Löwy, Vorsitzender. Schriftführer. % Brünn, Datum des Poststempels. Der jüdische Buch- und Kunstverlag in Brünn errichtet in Basel zur Zeit der Verhandlungen des VI. Kongresses einKorrespondenzbureau,welchesüber dieKongresssitzungen zweimal täglich ausführliche Mitteilungen herausgibt und versendet. Wir sind überzeugt, dass diese Neuerung allseits mit grosser Freude begrüsst werden wird. Unser Unternehmen ist geeignet und berufen, das Interesse für den Kongress in die weitesten Schichten zu tragen und diesen möglichst rasch zuverlässige und umfassende Nachrichten zu vermitteln. Der Buch- und Kunstverlag in Brünn nimmt jetzt schon Abonnements entgegen. Der eingezahlte Betrag von 3 Rubeln für Russland, Kronen 7 für Oesterreich-Ungarn, Mark 6 für Deutschland, Francs 8-50 für Frankreich, Schweiz, Rumänien u. s. w., berechtigt zum Bezüge der Kongressmitteilungen, welche zweimal täglich an die Abonnenten abgeschickt werden, so dass die Interessenten sofort über die Verhandlungen informiert sein werden. Bestellungen und Abonnementsbeiträge sind zu richten an: Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Hachachtungs voll Jüdischer ßuerri und Kunstverlag, Brünn. .* Innerösterreichisches Distrikts - Komitee des Verbandes „Zion". An die P. T. Vereine und Vertrauensmänner! Anlässlich einer von uns für Sonntag den 5. Juli 1903 nach Krems a. D. einberufenen Volksversammlung veranstaltet das gefertigte D.-K., Sonntag, den 5. Juli einen Ausflug in die Wachau! Programm : Abfahrt ab Westbahnhof 6 Uhr 55 Früh, Ankunft in Melk 9 Uhr 48 Früh, Abfahrt mit Lokaldampfer der D.-D.-G. 10 Uhr, Ankunft in Aggsbach 10 Uhr 25 Min. Besteigung der Ruine Aggstein, des schönsten Punktes in der Wachau, mit»reizender Aussicht auf die Donau. Gemeinsames Mittagsessen. Abfahrt ab Aggsbach 1 Uhr 25 Min. mit dem Postdampfer der D.-D.-G. Fahrt donauabwärts durch die mit zahlreichen Ruinen geschmückte berühmte Wachau. Ankunft in Krems °2 Uhr 35 Min. Empfang durch das Lokalkomitee. Volksversammlung in Krems (Rappels Saallokalitäten) präzise 4 Uhr. Abfahrt ab Krems 8 Uhr 20 Min. abends. Ankunft in Wien (Franz Josefsbahn) 10 Uhr 40 Min. — Das innerösterreichische Distrikts-Komitee ladet die Herren Parteigenossen ein, sich an diesem schönen Ausflug zahlreich zu beteiligen. Seitens unserer Kremser Gesinnungsgenossen sind wir des herzlichsten Empfanges sicher. Fahrpreis tour und retour K 4.30. Die in den Sommerfrischen an der Westbahn wohnenden Gesinnungsgenossen finden leicht Anschluss. Nähere Auskünfte im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 0. Um rechtzeitige schriftliche Anmeldung an Herrn Dr. Max Bernhardt, VII, Neubaugasse 14, wird dringend ersucht. Korrespondenzen. Wien. (Israelitische Allianz. Hilfsaktion für Kischenew.) Herr Rabbiner Dr. t Kaminka ist aus Kischenew zurückgekehrt und hat dem Vorstande über die Organisation der Hilfe und die Tätigkeit der an Ort und Stelle wirkenden Zentralkomitees, an dessen Sitzungen er teilgenommen, eingehend Bericht erstattet. Nach einer genauen Berechnung der Schäden und des Minimums der erforderlichen Hilfe ergab sich, dass für die zirka 2400 in äusserste Not gebrachte Familien mindestens 1,108.000 Rubel aufzubringen sein werden. Dabei ist für die Geschäftsleute und Handwerker, deren Hab und Gut zertrümmert wurde, nur eine Entschädigung von 33°/0 und für die Witwen und Waisen nach den Ermordeten (zirka 150 Seelen) nur die nach den lokalen Verhältnissen bemessene, sehr bescheidene Unterstützung zur Gründung einer Existenz, beziehungsweise zur Erziehung der Kinder in Aussicht genommen. Die diesbezüglichen, jener grossen teils auf Grund der Ermittlungen und Berichte der für die Familien der Ermordeten vom Komitee eingesetzten Kuratoren bereitsbewilligten Subventionen zwischen betragen 250—1000 Rubel (als einmalige Unterstützung per Kopf). Eine in vielen Fällen gebotene Erhöhung wird nur möglich sein, wenn das Ergebnis der Spendensammlungen das obige Minimalerfordernis übersteigen sollte. Bis Mitte Juni waren beim Komitee in Kischenew, zu dessen Mitgliedern die angesehensten, in ganz Russland das grösste Vertrauen geniessenden jüdischen Persönlichkeiten gehören, zirka 620.000 Rubel (1,550.000) eingegangen, wovon etwa die Hälfte aus Russland selbst, wo fast in allen Gemeinden Sammlungen veranstaltet werden und von den entlegensten Städten Beiträge gesandt werden (zum Beispiel aus Baku 8000 Rubel, aus Port-Arthur 2400 Rubel; eine Sammlung des jüdischen Wochenblattes „Woschod* ergab zirka 40.000, der „Nowosti" 24.000 Rubel). Wien. (Kranken - Unterstützungs-Verein „Oseh Chesed", Wien, IL, S c h i f f a m t s g a s s e 5.) Sonntag den 5, Juli d. J. um 10 Uhr vormittags findet im eigenen Vereinslokale die Jahresprüfung der Schüler unserer hebräischen Sprachschule statt. Alle Freunde unserer Sprache werden um persönliches Erscheinen ersucht. Pilsen. Unter grosser Beteiligung der jüdischen Bevölkerung fand am 23. v. M. das Leichenbegängnis des Obmannes unseres Zion-Vereines Emanuel Massarek statt. Das L.-K. hatte als Vertreter Hr. Dr. O. F ran kl zum Leichenbegängnisse delegiert. Brzcany. Ueber Einladung des zionistischen Comites (M. Korn, Dr. E. Eber söhn, S. Rawicz, N. Grossmann, N. Maiblum, S. Sauer. O. E p s t e i n) fanden sich fast sämmtliche Juden der Stadt am 8. Juni in der grossen Synagoge zu einer Trauerfeier für die Kischenewer Opfer ein. Herr Rabbiner Schadron und jur. Korngrün-Tarnopol sprachen. Ein akademischer Chor sang eine Trauerweise. Sammlung 200 K. Turka bei Chyrör. Am 18. Juni 1. J. fand in der hiesigen Synagoge eine Trauerandacht für die Märtyrer von Kischenew statt. Eine tausendköpfige Menge war erschienen. Nachdem der hiesige pn, Herr J. Mai das övamn un(* den 79. Psalm in wirkungsvoller Weise gesungen hatte und ein Abschnitt aus dem „Kinoth" vorgetragen worden war, hielt HerrLöbelT au b e saus KolomeadieTrauerrede in gewohnter meisterhafterWeise, wobei er auf den Zionismus als die einzige richtige Lösung der Judenfrage hinwies. In vielen Augen sah man Tränen. Nach Absingen des EPttPH «^jq btf endete die rührende Feier. — Am darauffolgenden Tage hielt Herr Taubes auf Einladung der hiesigen Schekelgruppe eine glänzende Agitationsrede in der Synagoge, welche von mehr als tausend Menschen, Männern und Frauen, überfüllt war. Die Juden als politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich krank darstellend, besprach der Redner den Zionismus als einziges Mittel, um all diese Krankheiten zu heiLen. Die Rede machte einen vorzüglichen Eindruck. Die hiesige für den Zionismus gewonnene Jugend ist bestrebt, hier einen Zionsverein mit Anlehnung an die Grundsätze des ,,Misrachi" ins Leben zu rufen." Chorostkow. Im Orte befindet sich ein für Bauern eingerichtetes Lesezimmer, das auch ziemlich stark frequentiert wird. Das derzeitige Hauptgespräch der galizischen Bauern, die Vertreibung der Juden, ist auch in diesem Lesezimmer das meist besprochene Thema. Die Juden wissen davon und weichen dem Lokal schon von weitem aus. Zehn fremde Juden aber, die vom Besuch des Grymalower Rabbi durch Chorostkow nach Suchostam zurückkehrten, fuhren um 10 Uhr nachts ahnungslos bei dem Hause vorbei. Kaum wurden sie bemerkt, als Bauern mit Stangen und Steinen über sie herfielen, einem den Schädel zertrümmerten, einem zweiten das Handgelenk brachen. Die Barbaren wurden dem Gerichte in Kopeczynce eingeliefert, es sind aber noch Leute genug vorhanden, die in ihrem Geiste weiterwirken werden.